study abroad in london

Erinnerungen

04:59, 25.10.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Letzte Woche hat mich meine Freundin aus Deutschland besucht. Das hat dazu geführt, dass ich wieder mehr unternommen habe und wieder öfter in der Stadt war, und das hat wiederum dazu geführt, dass ich mich an meine Anfangszeit hier erinnert habe. Diese Erinnerungen kommen mir schon fast wie aus einer anderen, vergangenen Zeit vor, obwohl ich jetzt gerade erst etwas über einen Monat hier bin. Ich habe schon viel längere Zeitspannen in meinem Leben erlebt, in denen sich kaum etwas geändert hat und die mir viel kürzer vorgekommen sind. Die Zeit ist schon eine interessante Sache…
Die Tage mit meiner Freundin waren natürlich super, auch wenn ich jetzt etwas mehr Heimweh habe als vorher. Es war ein sehr besonderer Moment, als wir uns vor Marble Arch endlich wiedergesehen haben, und auch der Abschied am selben Ort war ein intensiver Moment. Überhaupt kamen wir sehr oft an diesem Ort vorbei, an dem mein Aufenthalt in London damals quasi begonnen hat, und der große Torbogen, der in London fast untergeht, hat mittlerweile eine besondere Bedeutung für mich. Der Höhepunkt der Woche war ein grandioses Konzert von Joshua Radin, auf das ich mich schon seit Wochen gefreut habe. Zurecht, kann ich im Nachhinein sagen. Im Roundhouse von Camden, wo einst Pink Floyd ihr erstes Konzert spielten, erlebten wir einen wirklich tollen Abend, und auch sonst haben wir viel unternommen und hatten viel Spaß. Dafür habe ich hauptsächlich auf Besuche an der Uni verzichtet, was ich sogar etwas schade fand, da die Kurse wirklich Spaß machen und die Leute sehr nett sind. Jetzt freue ich mich umso mehr auf die nächste Woche, und alle Wochen danach, in denen ich wieder meinen Alltag hier leben werde. Natürlich ist in London immer etwas los, und ich denke ich werde noch viele neue und interessante Dinge erleben, aber ich habe mich dazu entschlossen, erst einmal nicht mehr in diesem Blog darüber zu schreiben. Denn wie schon gesagt ist das was jetzt noch kommt hauptsächlich Alltag, wenn auch ein besonderes schöner und in meinem Leben wahrscheinlich einzigartiger Alltag. Ich musste mich jetzt schon dazu zwingen, diesen Eintrag zu verfassen, und abgesehen davon, dass ich keine Lust auf irgendwelche Zwänge habe, denke ich wirklich nicht dass es sich noch lohnt, in regelmäßigen Abständen darüber zu schreiben, wie mein alltägliches Leben hier verläuft. Ich werde sicher gegen Ende dieser Reise noch mindestens einen abschließenden Beitrag schreiben, und bin selber schon gespannt wie dieser dann wohl aussehen wird. Bis dahin lasse ich mein Reisetagebuch allerdings ruhen und möchte zum vorrübergehenden Abschluss ein erstes kleines Zwischenfazit ziehen. Die Zeit in London gehört jetzt schon zu den aufregendsten Erfahrungen meines Lebens, und ich bin sehr dankbar für jeden Tag, den ich hier erleben darf. Im Moment fühle ich mich hier uneingeschränkt wohl, auch wenn ich als mein Zuhause immer noch den Ort bezeichnen würde, von dem ich aufgebrochen bin und an den ich zurückkehren werde. Ich bin dankbar dafür, dass ich dieses Zuhause jetzt wohl noch mehr zu schätzen weiß, und ich freue mich schon auf all die Dinge, die ich von dort vermisse. Gleichzeitig weiß ich all die Dinge zu schätzen, die ich hier habe und dort nicht. Ich versuche den Moment zu genießen, und weder jetzt noch nach der Zeit hier meine Gedanken davon bestimmen zu lassen, was ich gerade nicht habe. Bis jetzt muss ich sagen, dass mir das sehr sehr gut gelingt!



Alltag

23:59, 11.10.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Eine Woche ist es nun schon her, dass ich umgezogen bin, und diese Woche ist mit Abstand am schnellsten vergangen. Die ersten zwei Wochen, das wird mir jetzt erst richtig klar, waren eigentlich mehr wie ein Urlaub, und jetzt hat für mich der Alltag in London angefangen. Mein Alltag für die nächsten Wochen und Monate ist alles Andere als stressig. Nur an zwei Tagen in der Woche habe ich Uni, wovon ein Tag dafür ziemlich krass ist (10 – 21 Uhr). Ich hätte meine vier Module lieber anders verteilt gehabt, aber leider kann ich nichts daran ändern. Auch meine Anfrage, freiwillig ein fünftes Modul zu belegen, wurde von der Uni warum auch immer abgelehnt. In den Beschreibungen für die verschiedenen Module ist ein enormer Zeitaufwand auch neben den Vorlesungen angegeben, allerdings halte ich diese Angaben für wenig realistisch. Ich werde sehen…
Die Uni selbst macht einen gemischten Eindruck auf mich. An vielen Stellen wirkt Alles etwas heruntergekommen und lieblos, und auch die Hilfsbereitschaft der Mitarbeiter, wie zum Beispiel des internationalen Studierendenbüros ist nach meinen ersten Erfahrungen viel schlechter als an meiner Heimat-FH. Ich hatte ein kleines Problem mit der Beantragung meiner Study-Oystercard(für die U-Bahn etc.), das sich mittlerweile glücklicherweise gelöst hat, jedoch wollte mir von der Uni niemand helfen. Die Dozenten sind dafür wiederum sehr cool und nachdem ich nach der ersten Woche noch zwei meiner Module gewechselt habe, freue ich mich nun sehr auf mein Studium. Die anderen Studenten sind auch sehr nett und das Gebäude, in dem unsere Vorlesungen stattfinden, liegt direkt neben einem Park und nur wenige hundert Meter entfernt vom Stadion von Arsenal London.
An unserem ersten offiziellen Wochenende, das schon donnerstags beginnt, waren wir auf einer sehr coolen Party mit vielen interessanten Live-Bands aus dem Umfeld der Uni, und am gestrigen Tag am Bahnhof King’s Cross. Dieser ist wirklich riesig und erinnert eigentlich mehr an einen Flughafen. Sehr viel Betrieb herrscht dort und auch die Bauweise ist durchaus ansprechend, auch wenn ich mir doch irgendwie mehr von diesem Ort versprochen hatte, weil er in so vielen Liedern und Geschichten eine Rolle spielt. Letztlich ist es doch nur ein Bahnhof. Außerdem habe ich mir dann endlich, nach mehreren Besuchen in Soho, eine Gitarre gekauft. Ich wollte und konnte zwar nicht besonders viel Geld ausgeben, aber ich habe eine schöne Gitarre bekommen, mit der ich an meinen vielen freien Tagen hier hoffentlich viel Spaß haben werde und die mich dann für immer an Soho und London erinnern wird.   



Auf ein Neues...

20:52, 4.10.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Die Tour durch London war wirklich cool. Da wir nicht im Zentrum, sondern am Campus der Uni im Norden starteten, lernten wir die nähere Umgebung der Uni kennen und kamen durch einige Gebiete in London, in denen wir noch nicht gewesen waren. Es gab insgesamt drei Busse, und wir saßen in dem Letzten, zusammen mit nur sechs weiteren Studentinnen: Zwei Japanerinnen, zwei Däninnen und zwei Amerikanerinnen. Die Atmosphäre war somit sehr angenehm und persönlich. Unser Stadtführer erzählte uns viele interessante Dinge über die Geschichte der Stadt und der einzelnen Sehenswürdigkeiten, und so war die Fahrt auch dann nicht langweilig, wenn wir an bereits bekannten Orten vorbei kamen. Außerdem gab uns der nette Mann auch zahlreiche praktische Tipps zu diversen Läden und Pubs. Die Bootsfahrt auf der Themse hingegen war eher langweilig. Am Abend fand dann die Einweihungsparty für die internationalen Studenten statt. Leider kamen wir etwas später dort an als wir wollten, und mein Kollege musste ziemlich früh wieder gehen, weil er nur mit der U-Bahn zu seinem Stadtteil zurück kommen konnte. Trotzdem war die Party ziemlich cool, da es wirklich ziemlich geile Livemusik gab, Freibier ausgeteilt wurde (leider nur eine Flasche pro Person) und weil wir weitere nette Bekanntschaften machen konnten. Ich lernte an diesem Abend einen Japaner, einen Algerier und eine Polin kennen. Somit kenne ich jetzt schon Menschen aus sieben der insgesamt 190 verschiedenen Nationalitäten an der London Metropolitan University.
Nach diesem tollen, aber recht anstrengenden Tag schliefen wir Freitag erst mal wieder richtig aus.
Am späten Nachmittag machte ich mich dann auf den Weg zu meinem Kommilitonen, um dort gemütlich ein paar Biere zu trinken, bevor wir mal wieder in den Pub gehen wollten. Eindeutig unsere Lieblingsbeschäftigung. Zu diesem Zeitpunkt freute ich mich schon sehr auf meinen Umzug, der am Montag endlich stattfinden würde. Am Samstag war wieder mal gammeln angesagt und am Sonntag wollten wir eine Lokalität ausprobieren, wo man laut unserem Stadtführer internationalen Sport sehen kann. Der Klassiker Dortmund gegen Bayern stand auf dem Programm und wir hofften, das Spiel dort sehen zu können. Und tatsächlich sagte uns der Türsteher, dass dieses Spiel übertragen werden würde. Die Bar selbst ist ziemlich beeindruckend, da auf zwei Etagen mindestens 40 Bildschirme und ein paar Leinwände verteilt sind (Ich untertreibe eher) und Sport aus aller Welt zeigen. An diesem Tag wurde das Szenario sehr von dem Spiel Arsenal gegen Chelsea geprägt, aber auf einem Bildschirm wurde auf unser Drängen hin dann auch Dortmund gegen Bayern übertragen. Der Höhepunkt waren wohl die beiden Traumtore per Freistoß, die fast zur selben Zeit für Chelsea und den BVB fielen. Da wir stehen mussten und der Laden sehr voll waren, war die ganze Aktion etwas anstrengend, aber auf jeden Fall sehr cool. In diese Bar, wo sogar auf dem Klo Bildschirme sind, möchten wir auf jeden Fall nochmal gehen. Später am Abend verfolgten wir dort auch noch die Gala von Ronaldo, Özil und co, bevor wir dann zum letzten Mal getrennt den Heimweg antraten.
Heute war es dann endlich soweit und ich konnte umziehen. Dies bedeutete erneut all meine Sachen in meine Koffer zu quetschen, mein Zuhause für die ersten zwei Wochen für immer zu verlassen und in eine neue Umgebung umzuziehen. Also Goodbye Dalston Kingsland, und hello Willesden Green. Alleine schon aus praktischen Gründen habe ich mich sehr auf diesen Tag gefreut, weil wir nun endlich zusammen wohnen,  die Wohnung unter der Woche immer ganz für uns alleine haben,  aber auch weil mein Zimmer hier viel besser ist. Das erste Zimmer war erstens kleiner, und außerdem gab es keinen Schreibtisch. Im Grunde bestand es nur aus einem großen Bett und einer Art Gang drum herum. Hier kann ich mich viel besser einrichten, und aufgrund der Länge des Aufenthalts macht es auch viel mehr Sinn. Es ist ein tolles Gefühl, diese Worte am Schreibtisch sitzend zu tippen, anstatt auf dem Bett liegend…         
Jedenfalls hat mit dem Umzug alles gut geklappt, nachdem es Ende letzter Woche noch einige Verwirrung wegen irgendwelcher Kommunikationsprobleme zwischen der englischen und der deutschen Vermittlungsagentur gab. Meine erste Gastfamilie ging davon aus, dass ich schon Freitag umziehen würde, und für kurze Zeit war ich ehrlich gesagt auch etwas beunruhigt, aber dann hat sich doch noch alles aufgeklärt. Jetzt bin ich sehr froh hier zu sein und fühle mich sehr wohl. Bei der Gelegenheit wurde mir auch nochmal klar, dass ich erst zwei Wochen hier bin. Wie ich in einem der letzten Beiträge ja schon erwähnte, kommt es mir viel länger vor. Ich denke ich habe mich hier wirklich schon eingelebt, auch wenn ich eigentlich erst heute so richtig angekommen bin.



Orientation ?!

02:38, 30.09.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Am Dienstag startete die Orientation Week, und wir hatten den ersten offiziellen Termin an der Uni. Das bedeutete, dass wir zur Uni, bzw. zu einem der vielen Gebäude der Uni gehen mussten. Die Einschreibung stand auf dem Programm, allerdings erst um 16 Uhr. Wir hatten uns vorgenommen, am Mittag vorher essen zu gehen, sozusagen zur Feier des Tages. In London gibt es bei Pizza Hut ein Lunch Buffet, bei dem man für etwas weniger als zehn Pfund so viel essen und auch trinken kann wie man will. Nachdem wir uns dort ordentlich den Bauch vollgeschlagen hatten, verließen wir das Restaurant, und auf dem Weg nach draußen liefen wir an Gus Hansen vorbei. Er saß am Eingang und telefonierte. Wir sahen kurz darauf noch einen wichtigtuerischen Typen mit einem Hemd der WSOP, darauf schlossen wir, dass im Moment in London wohl irgendein Turnier stattfinden muss. Wir hatten noch etwas Zeit und setzten uns auf eine Bank am Leichester Square, und ich ging in eine Telefonzelle um bei der Bank anzurufen, da ich noch etwas klären musste. Allerdings war schon nach wenigen Sätzen der Computerstimme der erste Pfund verbraucht, und als auch der zweite Pfund weg war, bevor ich auch nur sagen konnte, in welches Menü ich weitergeleitet werden wollte, gab ich dieses Vorhaben verärgert auf. Mein Ärger wurde etwas dadurch gelindert, dass eine Taube wenige Augenblicke nach meiner Rückkehr ihr Geschäft auf die Jacke eines Mannes verrichtete, der sich während meiner Abwesenheit genau auf meinen vorherigen Platz gesetzt hatte. Nachdem wir noch eine Gruppe von grölenden Marseille Fans beobachtet hatten, die wohl für die Niederlage ihrer Mannschaft gegen Chelsea am folgenden Abend angereist waren, machten wir uns endlich auf den Weg, mit immer noch viel zu viel Zeit, wie wir fälschlicherweise dachten. Denn wir folgten der Wegbeschreibung von der Internetseite der Universität, und das war wohl die schlechteste Wegbeschreibung, die es jemals gegeben hat. Sie führte uns nämlich zu der völlig falschen Haltestelle, wie sich später herausstellte. Zum Glück wussten wir, dass sich das gesuchte Gebäude in der Nähe der Tower Bridge befindet, so konnten wir zu Fuß den Weg dorthin zurücklegen. Dieser war so weit, dass uns zu diesem Zeitpunkt bereits klar war, dass die Beschreibung absoluter Mist war. Leider konnte uns auch in der Nähe der Tower Bridge niemand sagen, wie wir zum City Campus der London Metropolitan gelangen könnten. Eine freundliche Angestellte des London Tower Touristenzentrums suchte uns aus dem Internet glücklicherweise einige Adressen der Uni heraus, die allerdings allesamt nicht die Gesuchte waren. In einem der Gebäude konnte man uns dann aber schließlich sagen, wo wir wirklich hinmussten. Dazu mussten wir erneut ein Stück laufen, und kamen dann endlich, und nun doch viel zu spät an. Die Einschreibung hatte zwar um 16 Uhr begonnen, lief aber zum Glück immer noch und wir konnten problemlos die verschiedenen Stationen durchlaufen, an denen Studenten an Computern uns verschiedene Informationen abverlangten und uns schließlich unsere ID-Card ausgehändigt wurde. Damit war das „Enrolement“ auch schon wieder vorbei und wir sahen uns nun mit etwas mehr Ruhe den Tower of London, die meistbesuchte historische Stätte Londons, und die Tower Bridge, neben Big Ben das absolute Wahrzeichen Londons, an. Abends sahen wir dann die Spiele von Chelsea und Arsenal auf zwei verschiedenen TV-Geräten im selben Raum an. Auch eine lustige Erfahrung.
Heute folgte dann die nächste Veranstaltung der Orientation Week, eine Informationsflut über das Leben an und neben der Uni. Insgesamt wenig aufschlussreich. Wenigstens konnten wir endlich ein paar Kommilitonen treffen und auch den North Campus kennenlernen, an dem unsere Veranstaltungen ausschließlich stattfinden werden. Im Großen und Ganzen sind die Universitätsgebäude eher unspektakulär, aber es gibt eine sehr coole Studentenbar, und man muss seinen Studentenausweis überall zeigen, um überhaupt herein zu kommen. Es gibt sehr viele Möglichkeiten, sich die Zeit mit Sport und anderen Freizeitaktivitäten zu vertreiben. Wir konnten sogar schon ein Cheerleader-Team beim Training beobachten, und wie erhofft gibt es Universitätskleidung zu kaufen. Genauer habe ich mir aber weder das Aussehen noch die Preise nicht anschauen können.
Nach den heutigen Veranstaltungen verbrachten wir den Abend wieder mit Fußball und Bier, allerdings diesmal zuhause. So konnten wir das Programm frei wählen, und als die blamable Leistung der Werderaner nicht mehr auszuhalten war, schalteten wir auf überraschend nicht desolate Schalker um, die den zweiten deutschen Sieg an diesem Championsleague-Spieltag einfuhren.
Morgen steht eine Tour durch London auf dem Programm. Ich denke die meisten Sehenswürdigkeiten habe ich nun schon gesehen, aber vielleicht gibt es ein paar interessante Infos dazu und es ergibt sich die Möglichkeit, sich mit einigen Kommilitonen zu unterhalten. Dann übrigens auch mit Studenten aus aller Welt, nachdem heute die Gruppe noch in Nicht-Europäer und Europäer, von denen leider die meisten deutsch zu sein scheinen, unterteilt worden war.



Chaos in der U-Bahn

03:20, 28.09.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Nach dem Gammeltag wollten wir wieder etwas unternehmen und verabredeten uns „schon“ um 12 Uhr an der Victoria Station um mit dem Bus nach Windsor zu fahren. Ich war eigentlich nicht besonders begeistert von der Idee, weil es meiner Meinung nach noch genug in London selbst zu sehen gibt und wir für die Busfahrt nach Windsor nochmal extra Geld bezahlen müssen, aber ich hatte zugesagt ohne groß nachzudenken und wollte nicht kurz vorher absagen. Es sollte aber ganz anders kommen…
Als ich von meiner Behausung bis zum Bahnhof gelaufen war, musste ich feststellen, dass der Zug am Sonntag nicht fährt. Ich musste mir also einen Bus suchen, um irgendwie zu einer Station zu gelangen, von der ich dann zum Treffpunkt fahren konnte. Wie bereits einmal erwähnt kommen die Busse in London nur sehr langsam voran, und außerdem brauchte ich auch einige Zeit um den passenden Bus zu finden. Ich wusste also, dass ich mich ordentlich verspäten würde, konnte aber den Anderen nicht Bescheid geben, weil ich hier über kein funktionierendes Handy verfüge. Meinen Vertrag mit T-Mobile konnte ich für die Zeit meines Aufenthaltes in London aussetzten, was ich sehr praktisch finde, allerdings würde es mich fast 100 Euro kosten, mein Handy für eine andere Simkarte freizuschalten. Wenn man es positiv ausdrücken möchte, kann man sagen, dass man ohne Handy ein ganz neues Lebensgefühl kennenlernt. Jedenfalls musste ich meine Freunde schließlich ungefähr eine halbe Stunde lang in der U-Bahn Station von Victoria auf mich warten lassen, ohne mich bei Ihnen melden zu können. Als ich dann nach einer nervigen fahrt dort ankam, wartete allerdings nur Eine der Beiden auf mich. Der Andere hatte, wie sich später herausstellte, noch mehr Pech auf mich und kam noch eine halbe Stunde später als ich. Nach diesem wenig erfreulichen Beginn des Tages hatte ich noch weniger Lust auf den Ausflug, und wie ich einem Gespräch mit meinem Kollegen entnehmen konnte, ging es ihm ähnlich. Eigentlich wollte nur unsere Kameradin nach Windsor, wir wollten sie jetzt aber beide nicht mehr hängen lassen. Jedenfalls eigentlich nicht. Als wir aber dann den stündlich fahrenden Bus um wenige Minuten verpasst hatten, verging uns der Spaß an der ganzen Sache endgültig. Zunächst gingen wir noch gemeinsam zum ganz in der Nähe gelegenen Buckingham Palace, weil wir alle Drei nicht eine knappe Stunde auf den nächsten Bus warten wollten, beim Anblick dieses Gebäudes und des daneben liegenden Parks entschlossen wir Zwei uns aber den Tag lieber dort zu verbringen. Unsere Kommilitonin schien auch gar nicht weiter traurig darüber zu sein und machte sich alleine auf den Weg nach Windsor. Wir hingegen schlenderten durch den Park und bewunderten die vielen Denkmäler, die eindrucksvollen Bauten und die lächerlichen Wachen, die überall rumspazieren. Danach trieb es uns wieder in die Stadt und ein zweites Mal nach Westminster. Dies ist für mich der beeindruckenste Ort in London! Bis dahin war der Tag dann doch noch ganz schön, doch als wir die Themse überquerten, änderte sich das Wetter fast schlagartig und es wurde kalt, grau, regnerisch und windig. Wir wollten uns die Laune nicht verderben lassen und schlenderten auf der anderen Seite der Themse entlang, doch irgendwann zwang uns das Wetter in die Knie und wir entschlossen uns nach einigem Hin und Her dazu, zu der Unterkunft meines Kollegen zu fahren, etwas zu essen und einen Film zu schauen. Die folgende Fahrt war der eindeutig unerfreulichste Teil meines bisherigen Aufenthalts. Anscheinend werden die Wochenenden in London dazu genutzt, an den U-Bahnen irgendwelche Arbeiten zu verrichten. Der Gedanke, den Berufsverkehr zu schützen, scheint mir sehr vernünftig und zeugt von Bürgerfreundlichkeit und praktischem Denken, von der wir in Deutschland wohl nur träumen können. Das konnte uns allerdings nur wenig trösten, als wir gefühlte Stunden auf die U-Bahn warten mussten, die sich dann völlig überfüllt im Schneckentempo fortbewegte, an jeder Station ewig lange hielt und auch nur einen Teil der üblichen Strecke fuhr, so dass wir wieder auf einen Bus umsteigen mussten. Mittlerweile plagten uns auch Hunger und Durst und ich begann Kopfschmerzen zu bekommen. Als wir dann endlich angekommen waren, etwas gegessen und getrunken und den Film gesehen hatten, ging es mir zwar wieder gut, aber ich musste mich ja auch wieder auf den Heimweg machen. Um es kurz zu machen, der Heimweg war noch viel schlimmer. Um nur eine Situation zu nennen, die typisch für meinen Heimweg und den ganzen Tag war, kann ich erzählen wie ich etwa 30 Minuten am Bahnsteig saß, während fortwährend drei Minuten als Ankunftszeit für die nächste Bahn angezeigt wurden, bis dann ein Mann kam und allen Wartenden verkündete, dass nun doch überhaupt keine Bahn mehr kommen würde. Zu allem Überfluss war dann irgendwann auch noch der Akku meines Mp3-Players leer. Irgendwie konnte ich mich dann doch wieder ein bisschen freuen, als ich mit diversen Bussen überhaupt noch nach Hause gekommen war. Hätte ich das Alles gewusst, wäre ich von Vorne herein zu Hause geblieben…  

Notiz an mich: Am Wochenende nicht U-Bahn fahren!!!

Am nächsten Tag, also heute, oder jetzt irgendwie schon wieder gestern, gab es dann auch schon wieder Probleme in der U-Bahn, weil irgendwo ein defekter Zug den ganzen Verkehr aufhielt. Aber kein Vergleich zum Sonntag. Ansonsten war der Tag aber wieder toll, auch wenn ich nicht viel gemacht habe. Wir waren nur etwas essen und kurz im Pub, und jetzt freue ich mich auf Morgen, bzw. auf gleich, wenn die Einführungstage der Uni endlich beginnen.
Zum Glück wird es da wohl keine Veranstaltungen am Wochenende geben…


Gammeltag

00:49, 26.09.2010 .. 1 Kommentar(e) .. Link

Heute habe ich zum ersten Mal ... Nichts gemacht. Also zumindest habe ich das Haus nicht verlassen und meine Zeit größtenteils am Laptop verbracht. Während den letzten beiden Tagen funktionierte das Internet nicht, aber heute konnte ich dann zum Glück wieder eine Verbindung zum World Wide Web herstellen und unter Anderem den Kontakt zu ein paar Leuten aus Deutschland pflegen, feststellen, dass Live-Streams nerven und jetzt meinen Blog um einen neuen Eintrag erweitern.
Nach den letzten ereignisreichen Tagen tat das Entspannen ziemlich gut, trotzdem freue ich mich jetzt sehr darauf, morgen wieder etwas zu unternehmen.
Vorgestern haben wir das beeindruckende Kaufhaus Harrods besucht, wo es wirklich unglaubliche Dinge zu kaufen gibt. In den verschiedenen Abteilungen kann man sich geradezu verirren und sein Geld für alles Mögliche und Unmögliche ausgeben. Mein Favorit ist eine I-Pod-Station in Form einer altmodischen Jukebox, aber auch der Snookertisch für 75.000 Pfund ist durchaus sehr reizvoll. Danach waren wir noch im Science Museum, wo wir uns die meiste Zeit im Kinderbereich mit lustigen Spielereien amüsiert haben. Gestern war es zum ersten Mal richtig kalt. Wir waren in den Markthallen von Covent Garden und danach noch in einigen weiteren Geschäften, unter anderem in einem riesigen Apple Store und in dem einzigen Abercrombie Shop außerhalb Amerikas. Das interessanteste Ereignis dabei war ein versuchter Taschendiebstahl vor eben jenem Shop, der durch das beherzte Eingreifen eines Beistehenden verhindert werden konnte. Es folgte der Aufmarsch einer meiner Meinung nach übertriebenen Anzahl von Polizisten. Bemerkenswert war noch, wie ein ungeduldiges Taxi völlig skrupellos versuchte, den Polizeiwagen durch wütendes Hupen aus dem Weg zu scheuchen… Abends wollten wir dann wieder in einen Pub, diesmal gestaltete sich dieses Vorhaben allerdings etwas schwieriger, da alle Pubs im absoluten Zentrum hoffnungslos überfüllt waren. Am Wochenende scheint also tatsächlich noch einmal mehr los zu sein in London. Wir entschlossen uns nach längerer, erfolgloser Suche, ein paar U-Bahn Stationen aus dem Herzen der Stadt herauszufahren und erlebten zum allerersten Mal eine so überfüllte U-Bahn, dass wir auf die Nächste warten mussten. Schließlich fanden wir in der Nähe vom Regent’s Park einen schönen Pub, der uns noch einen Sitzplatz bieten konnte, und verbrachten den Abend dort. Diesmal kam es auch zu netten Gesprächen mit ein paar Einheimischen und einem jungen Musiker aus Leichester. Die Pubs und die offene Art der Briten werden mir sehr fehlen, wenn ich dann wieder zuhause bin. Erst einmal freue ich mich aber auf viele weitere Abende in Pubs wie diesem, und viele neue Bekanntschaften. Ich kann es auch kaum noch erwarten, dass nächste Woche endlich die Uni, bzw. erst einmal die Einführungsphase beginnt. Zum Einen eben weil ich dann neue Leute kennen lernen werde, und zum Anderen weil ich einen geregelten Alltag brauche.
Nachdem der Pub dicht gemacht hatte, wurde es nochmal spannend, weil die U-Bahnen auch freitags nicht länger fahren, der Pub aber wohl doch ein kleines bisschen länger aufgeblieben war. Ich hatte großes Glück und erwischte die letzte Bahn, mein armer Kollege allerdings musste einen Teil seines Weges durch die kalte Nachtluft Londons laufen. 
    



Ab in den Pub!

00:32, 23.09.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Ich bin jetzt seit drei Tagen hier, und es kommt mir vor, als wäre es mindestens ein Monat. Alles kommt mir so vertraut vor, obwohl ich immer neue Dinge zu sehen bekomme. Ich möchte auf keinen Fall sagen, dass ich mich an London gewöhnt habe, und ich bezweifele dass das überhaupt möglich ist, aber ich fühle mich hier sehr wohl. Vielleicht liegt es zu einem großen Teil daran, dass wir gestern endlich das gemacht haben, worauf ich mich am meisten gefreut habe: In einen Pub zu gehen. Wir waren zuerst wieder in der Stadt und schlenderten durch die Straßen, aßen etwas und gelangten schließlich zu der beeindruckenden Regent Street. Danach waren wir in Soho und bewunderten einige der tollen Musikgeschäfte, die meisten leider nur von außen. Hierhin möchte ich auf jeden Fall nochmal zurückkehren und am liebsten auch eine Gitarre an diesem legendären Ort kaufen. Und dann gingen wir endlich in einen Pub und tranken unser erstes Pint englisches Bier, ein Fuller’s London Pride. Eigentlich wollten wir unbedingt schon am Tag unserer Ankunft auf ebendiese anstoßen, wir waren aber zu müde gewesen. Dafür schmeckte das Bier jetzt umso besser und die Atmosphäre im Pub steigerte unsere Freude hier zu sein ins Unermessliche. Die englische Mentalität gefällt mir sehr gut, denn viele Leute gehen direkt nach der Arbeit mit ihren Kollegen in die Pubs und feiern den Feierabend. So trifft man vor und in den diversen Lokalitäten lauter gut gelaunte Anzugträger zwischen all den anderen Gestalten die sich hier bewegen. Ich finde das großartig. Wir verließen den Pub, schlenderten noch ein bisschen durch die Gegend, und kehrten schließlich erneut ein. In unserem zweiten Pub tranken wir dann noch weitere fünf Pints, genossen das Derby zwischen Arsenal und Tottenham mit Sympathisanten beider Teams um uns herum und machten uns dann schließlich glücklich und auch angetrunken auf den Heimweg. Leider fuhr mein Zug um diese Zeit nicht mehr was mir eine interessante Begegnung mit einem Typen einbrachte, der zwar nicht mehr aufstehen aber durchaus noch seine Notdurft verrichten konnte… Ich konnte später trotzdem sehr gut schlafen.
Am nächsten Tag, also heute, besuchten wir ein sehr nobles Viertel, wo sich Versace, Louis Vuitton, Chanel, Ralph Lauren, Burberry und wie sie alle heißen aneinanderreihen. Ich hatte tatsächlich das Gefühl an diesem Ort treiben sich etwas andere Leute herum als sonst, und meiner Meinung nach roch es sogar irgendwie edel. Interessant war noch, dass in jedem Laden mindestens ein Sicherheitsmann rumsteht. Ich denke gefährlich wird es an diesem Ort nur, wenn man eine Frau hierherbringt…  
Zuletzt sind wir in den Hyde Park gegangen, und dieser Ort kam mir beinahe magisch vor, denn kaum hat man den Park betreten scheint der Lärm der Stadt verschwunden zu sein. Erst durch die Ruhe wurde mir bewusst wie laut die Stadt, die U-Bahn und eigentlich alles Andere in London ist. Und inmitten von Lärm und Hektik solch ein schöner Ort der Ruhe. Hier möchte ich auf jeden Fall öfter herkommen, um zu laufen, zu entspannen, nachzudenken, vielleicht sogar mal zum Lernen falls es nötig sein sollte. Und hierher kann man im Gegensatz zum eben beschriebenen Ort wohl auch guten Gewissens eine Frau mitbringen ;-)   
Am allerbesten haben mir trotzdem die Pubs gefallen, und auch wenn ich dann doch erst drei Tage hier bin, bin ich mir fast sicher, dass sich das auch nicht mehr ändern wird!



Erste Einr├╝cke

13:52, 21.09.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Nach knapp zwölf Stunden Schlaf wache ich zum ersten Mal in London auf. Das war bitter nötig. Als ich aus dem Bad komme höre ich eine Stimme aus einem Zimmer des Hauses. Sie spricht deutsch. Ich habe noch niemanden außer dem freundlichen Hausherrn kennen gelernt. Ich freue mich auf neue Bekanntschaften und auf den vor mir liegenden Tag in London. Es gibt noch so viel in dieser Stadt zu sehen und zu erleben. Der gestrige Vorgeschmack hat mich hungrig gemacht…

Als wir in Luton angekommen, bin ich noch sehr unsicher, wie ich mit der eher erbärmlichen Wegbeschreibung der Vermittlungsagentur meine erste Gastfamilie finden sollte. Außerdem hatte die Agentur vergessen, der Gastfamilie meine Ankunftszeit mit zu teilen und ich war im Stress der vergangenen Tage auch nicht mehr dazu gekommen. Im Flugzeug hatten wir wie erwartet eine weitere Kommilitonin getroffen, die ebenfalls in London studieren würde. Auch die beiden Anderen sind noch nicht wirklich sicher, wie sie ihr jeweiliges Ziel erreichen wollen, allerdings scheinen sie auch nicht so unsicher zu sein wie ich. Wir entscheiden uns, von Luton aus erst einmal gemeinsam in die Innenstadt zu fahren. Die Fahrtkosten betragen 14 Pfund und wir werden daran erinnert dass ein sehr teures Vergnügen vor uns liegt…
Mit der „Green Line“ fahren wir ungefähr eine Stunde lang, zuerst durch eine hauptsächlich grüne Landschaft, dann durch immer belebtere Straßen Londons. Das Treiben in den Straßen gefällt mir und ich freue mich unheimlich darauf daran teil zu haben. Zum ersten Mal befällt mich so etwas wie Euphorie. Diese steigert sich noch, als wir an unserem Ziel Marble Arch ankommen. Leider hemmt uns unser massiges Gepäck und mindert unsere Freude an den ersten hautnahen Berührungen mit dem Leben in London. Trotzdem ist es toll, London ist beeindruckend.
Nachdem wir uns mit unseren ersten typisch-englischen Sandwiches gestärkt haben, beginnen wir mit der Suche nach unseren Unterkünften. Unsere Kommilitonin will einen Bus nehmen, wir begeben uns in den Untergrund, in das U-Bahn-Netz Londons. Wir kaufen für viel Geld eine Wochenkarte, da wir unsere Studentenkarten noch nicht bekommen können und machen uns daran, die Karte zu studieren. In einer sich wandelnden Welt, in der nichts mehr heilig zu sein scheint, kann man sich auf eines immer verlassen: U-Bahn- Netze sind überall gleich, zumindest fast. So gestaltet sich unsere Suche gar nicht so schwierig wie befürchtet, sie ist nur aufgrund des Gepäcks sehr anstrengend. Wir hatten verabredet jeweils gemeinsam beide Unterkünfte zu suchen und kommen deshalb zumindest schon mal ein kleines bisschen rum in London. Wir sehen viele Menschen, viele Kulturen, und überall ist Leben. Es dauert einige Stunden bis wir beide Unterkünfte erreicht, unser Gepäck abgestellt, und einige Instruktionen bekommen haben. Ich teste das Internet und nehme erstmals Kontakt mit zuhause auf. Danach machen wir uns auf den Weg in die Stadt, ohne Gepäck und darüber hinaus frei von irgendwelchen Zwängen. Wir wollen etwas essen, ein paar Dinge einkaufen und uns einfach umsehen. Zu diesem Zeitpunkt ist meine Euphorie am Größten. Leider wird sie gedämpft durch den ersten großen Fehler den wir begehen, wir nehmen den Bus. So großartig das U-Bahn Netz im Untergrund Londons funktioniert, so schlecht fließt der Verkehr auf den Straßen darüber. Im Schneckentempo bewegt sich der warme und laute Bus vorwärts, und die Müdigkeit packt uns. Als wir endlich ankommen sind wir trotzdem vom piccadilly circus beeindruckt uns fasziniert. Wir streifen durch das Zentrum Londons und können uns nicht sattsehen. Allerdings sind wir auch im wahrsten Sinne des Wortes alles andere als satt und suchen etwas zu essen. Vom Hunger getrieben betreten wir das erstbeste Mcdonalds und bestellen. Ich tue dies auf Deutsch, was meinen Kollegen zum Lachen bringt, und mir klarmacht, dass ich wohl noch nicht so ganz angekommen bin. Nach dem Essen wandern wir noch ein bisschen umher und sehen Big Ben, Westminster Abbey, London Bridge, London Eye und vieles mehr. Ich suche nach einer Beschreibung aber mir fällt kein passendes Wort ein, zumindest kein deutsches… awesome.
Da uns die Müdigkeit zu überwältigen droht trennen wir uns zum ersten Mal und machen uns jeder auf den Weg zu unserer Unterkunft. Ich gehe ein paar Stationen zu Fuß, sehe den Leuten zu und denke nach. So viele Farben, so viele Düfte, so viele Klänge. So viele Kulturen, so viele Sprachen und so viele Menschen. Und alle haben trotz ihrer atemberaubenden Vielfalt eines gemeinsam: Sie sind so lebendig, so voller Lust am Leben, so ganz anders als ich es gewohnt bin, als ich es von zuhause kenne. Zuhause. Die Schönheit dieser Stadt und ihre Faszination auf mich zeigen mir trotz Allem deutlicher denn je wo ich hingehöre, wo ich hingehören möchte… Nach Hause. Ich möchte noch viel mehr von diesem Ort erleben und noch viel mehr Orte erleben, die sind wie dieser. Aber ich möchte danach nach Hause zurückkehren, immer wieder, und ich möchte ein Zuhause haben. Und ganz unabhängig davon dass ich glaube mein Zuhause zu kennen, könnte das hier es niemals sein. Zu überwältigend und zu groß, würde mich diese Stadt einsaugen, mir meine Seele nehmen und mich zu einem Teil von ihr machen. Das mag nichts schlechtes sein, und ich bin mir sicher dass viele sich genau das wünschen, und dass viele die es erleben sehr glücklich damit sind, aber meine Sache ist das nicht. Trotzdem erfreue ich mich an dem Schauspiel das sich mir bietet und bin sehr gespannt auf das, was ich in den nächsten Monaten alles erleben werde...
Jetzt werde ich erst einmal frühstücken, um Kraft für den nächsten Tag in dieser Stadt zu sammeln. Ich hoffe er wird genauso toll wie der gestrige, wenn auch nicht so anstrengend.


Prolog: Der letzte (erste) Tag

23:55, 20.09.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Es ist Montag, der 20. September 2010, und es ist 22:53 Uhr, zumindest hier in London, England. Das bedeutet, dass es in Deutschland 23:53 Uhr ist, und das bedeutet wiederum dass ich seit fast 40 Stunden nicht mehr geschlafen habe, jedenfalls nicht länger als wenige Augenblicke im Flieger, in der U-Bahn oder im Bus. So ganz ohne Schlaf fällt es mir schwer zu definieren, worum es sich bei dem vergangenen Tag eigentlich  handelt, über den ich jetzt schreiben möchte. Sind es die letzten 24 Stunden, die ich erlebt habe? Ist es der ausklingende Montag? Oder ist es die Zeit die vergangen ist,  seit ich aufgewacht bin und mich auf den Weg in dieses Abenteuer, in diese aufregende Stadt begeben habe? Und was hat denn jetzt eigentlich diese Zeitverschiebung damit zu tun?
Wie auch immer du diese Fragen beantworten möchtest, und egal wie ich den vergangenen Tag für mich definieren will… fest steht nur, er war unglaublich.

Nachdem ich den Sonntag damit verbracht hatte, eine große Familienfeier mitzuerleben, noch ein wenig  Zeit mit Freunden und meiner Freundin zu teilen, den großartigen wenn auch viel zu niedrigen Derbysieg des glorreichen BVB zu feiern, und mein Leben für die kommenden Monate in einen 20 Kilo leichten Koffer zu pressen blieb mir nicht mehr viel Zeit übrig, genaugenommen ungefähr minus 90 Sekunden. Als also mein Weggefährte für meinen kommenden Lebensabschnitt bereits eingetroffen war um mich abzuholen, fiel die Verabschiedung von Familie und großer Liebe eher unromantisch und viel zu hektisch aus. Trotzdem überkam mich einige Minuten später auf der Autobahn ein Gefühl der Erleichterung. So sehr ich mich auch seit Monaten auf die kommenden Monate gefreut hatte, in den letzten Tagen, Stunden, Momenten hatte sich doch eine Mischung aus Melancholie und Mutlosigkeit eingeschlichen, ein bunter Cocktail aus Ängsten, Sorgen und praktischen Problemen, die ehrlich gesagt allerdings größtenteils auf mein mangelhaftes Zeitmanagement zurückzuführen sind. Nun auf der Autobahn verdrängte meine freudige Erwartung all diese Gefühle wie das Scheinwerferlicht die kühle Nachtluft. Und wenige Sekunden später, so scheint mir, sehe ich die für mich lange Zeit letzten Lichter dieses Landes unter mir kleiner werden…  Und auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass wegen den Gesetzen der Physik und der Logik, wegen den schätzungsweise 7,9 Millionen Passkontrollen an deutschen Flughäfen und wegen dem insgesamt 8 Kilo zu schweren Gepäck meines Mitreisenden und mir und der daraufhin entstehenden als durchaus peinlich anzusehenden aber immerhin letztlich erfolgreichen Umpackerei vor dem Terminal … dann doch mehr als nur wenige Sekunden vergangen sein müssen…... bringt mich dieses ganze Erlebnis zu der Erkenntnis dass Zeit nicht gleichmäßig verläuft. Schon immer wechselten sich verfliegende Jahre mit endlosen Stunden ab, doch so krass wie in der vergangenen Zeit hatte ich dieses Phänomen in meinem Leben noch nie erlebt.
Jetzt war es jedenfalls so weit. Ich sitze tatsächlich im Flieger. Der Flieger landet. Wir steigen aus. Ich sitze hier und schreibe diesen Blog… oh mein Gott, ich schreibe einen Blog. Dieser Schock ist so groß für mich, dass ich nicht mehr weiter schreiben kann. Ich kann nicht von den Eindrücken und Erfahrungen schreiben, die ich bereits in dieser kurzen Zeit, an meinem ersten Tag in London gesammelt habe. Nicht jetzt und nicht heute, auch wenn der Tag in England noch ein bisschen länger dauert. Vielleicht brauche ich etwas Zeit, vor Allem aber etwas schlaf, um die Bilder zu ordnen, die ich gesehen habe, und um zu realisieren, dass ich jetzt wirklich hier bin… und hier bleibe. Mein letzter Gedanke geht noch einmal zurück, bevor ich morgen hoffentlich nach vorne schauen kann. Und ein Bild, ein Gesicht verdrängt all die Wunder dieses Tages, all die frischen Eindrücke und nimmt mir sogar meine Sprache, so dass ich für den Schluss meines Anfangs die Worte von Jemandem borgen muss:
Wo fängt dein Himmel an, und wo hört er auf?
Wenn er weit genug reicht, macht dann das Meer zwischen uns nichts mehr aus?
Du fehlst mir, oh du fehlst mir…


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