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Prolog: Der letzte (erste) Tag

23:55, 20.09.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Es ist Montag, der 20. September 2010, und es ist 22:53 Uhr, zumindest hier in London, England. Das bedeutet, dass es in Deutschland 23:53 Uhr ist, und das bedeutet wiederum dass ich seit fast 40 Stunden nicht mehr geschlafen habe, jedenfalls nicht länger als wenige Augenblicke im Flieger, in der U-Bahn oder im Bus. So ganz ohne Schlaf fällt es mir schwer zu definieren, worum es sich bei dem vergangenen Tag eigentlich  handelt, über den ich jetzt schreiben möchte. Sind es die letzten 24 Stunden, die ich erlebt habe? Ist es der ausklingende Montag? Oder ist es die Zeit die vergangen ist,  seit ich aufgewacht bin und mich auf den Weg in dieses Abenteuer, in diese aufregende Stadt begeben habe? Und was hat denn jetzt eigentlich diese Zeitverschiebung damit zu tun?
Wie auch immer du diese Fragen beantworten möchtest, und egal wie ich den vergangenen Tag für mich definieren will… fest steht nur, er war unglaublich.

Nachdem ich den Sonntag damit verbracht hatte, eine große Familienfeier mitzuerleben, noch ein wenig  Zeit mit Freunden und meiner Freundin zu teilen, den großartigen wenn auch viel zu niedrigen Derbysieg des glorreichen BVB zu feiern, und mein Leben für die kommenden Monate in einen 20 Kilo leichten Koffer zu pressen blieb mir nicht mehr viel Zeit übrig, genaugenommen ungefähr minus 90 Sekunden. Als also mein Weggefährte für meinen kommenden Lebensabschnitt bereits eingetroffen war um mich abzuholen, fiel die Verabschiedung von Familie und großer Liebe eher unromantisch und viel zu hektisch aus. Trotzdem überkam mich einige Minuten später auf der Autobahn ein Gefühl der Erleichterung. So sehr ich mich auch seit Monaten auf die kommenden Monate gefreut hatte, in den letzten Tagen, Stunden, Momenten hatte sich doch eine Mischung aus Melancholie und Mutlosigkeit eingeschlichen, ein bunter Cocktail aus Ängsten, Sorgen und praktischen Problemen, die ehrlich gesagt allerdings größtenteils auf mein mangelhaftes Zeitmanagement zurückzuführen sind. Nun auf der Autobahn verdrängte meine freudige Erwartung all diese Gefühle wie das Scheinwerferlicht die kühle Nachtluft. Und wenige Sekunden später, so scheint mir, sehe ich die für mich lange Zeit letzten Lichter dieses Landes unter mir kleiner werden…  Und auch wenn mir durchaus bewusst ist, dass wegen den Gesetzen der Physik und der Logik, wegen den schätzungsweise 7,9 Millionen Passkontrollen an deutschen Flughäfen und wegen dem insgesamt 8 Kilo zu schweren Gepäck meines Mitreisenden und mir und der daraufhin entstehenden als durchaus peinlich anzusehenden aber immerhin letztlich erfolgreichen Umpackerei vor dem Terminal … dann doch mehr als nur wenige Sekunden vergangen sein müssen…... bringt mich dieses ganze Erlebnis zu der Erkenntnis dass Zeit nicht gleichmäßig verläuft. Schon immer wechselten sich verfliegende Jahre mit endlosen Stunden ab, doch so krass wie in der vergangenen Zeit hatte ich dieses Phänomen in meinem Leben noch nie erlebt.
Jetzt war es jedenfalls so weit. Ich sitze tatsächlich im Flieger. Der Flieger landet. Wir steigen aus. Ich sitze hier und schreibe diesen Blog… oh mein Gott, ich schreibe einen Blog. Dieser Schock ist so groß für mich, dass ich nicht mehr weiter schreiben kann. Ich kann nicht von den Eindrücken und Erfahrungen schreiben, die ich bereits in dieser kurzen Zeit, an meinem ersten Tag in London gesammelt habe. Nicht jetzt und nicht heute, auch wenn der Tag in England noch ein bisschen länger dauert. Vielleicht brauche ich etwas Zeit, vor Allem aber etwas schlaf, um die Bilder zu ordnen, die ich gesehen habe, und um zu realisieren, dass ich jetzt wirklich hier bin… und hier bleibe. Mein letzter Gedanke geht noch einmal zurück, bevor ich morgen hoffentlich nach vorne schauen kann. Und ein Bild, ein Gesicht verdrängt all die Wunder dieses Tages, all die frischen Eindrücke und nimmt mir sogar meine Sprache, so dass ich für den Schluss meines Anfangs die Worte von Jemandem borgen muss:
Wo fängt dein Himmel an, und wo hört er auf?
Wenn er weit genug reicht, macht dann das Meer zwischen uns nichts mehr aus?
Du fehlst mir, oh du fehlst mir…

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