study abroad in london

Erste Einrücke

13:52, 21.09.2010 .. 0 Kommentar(e) .. Link

Nach knapp zwölf Stunden Schlaf wache ich zum ersten Mal in London auf. Das war bitter nötig. Als ich aus dem Bad komme höre ich eine Stimme aus einem Zimmer des Hauses. Sie spricht deutsch. Ich habe noch niemanden außer dem freundlichen Hausherrn kennen gelernt. Ich freue mich auf neue Bekanntschaften und auf den vor mir liegenden Tag in London. Es gibt noch so viel in dieser Stadt zu sehen und zu erleben. Der gestrige Vorgeschmack hat mich hungrig gemacht…

Als wir in Luton angekommen, bin ich noch sehr unsicher, wie ich mit der eher erbärmlichen Wegbeschreibung der Vermittlungsagentur meine erste Gastfamilie finden sollte. Außerdem hatte die Agentur vergessen, der Gastfamilie meine Ankunftszeit mit zu teilen und ich war im Stress der vergangenen Tage auch nicht mehr dazu gekommen. Im Flugzeug hatten wir wie erwartet eine weitere Kommilitonin getroffen, die ebenfalls in London studieren würde. Auch die beiden Anderen sind noch nicht wirklich sicher, wie sie ihr jeweiliges Ziel erreichen wollen, allerdings scheinen sie auch nicht so unsicher zu sein wie ich. Wir entscheiden uns, von Luton aus erst einmal gemeinsam in die Innenstadt zu fahren. Die Fahrtkosten betragen 14 Pfund und wir werden daran erinnert dass ein sehr teures Vergnügen vor uns liegt…
Mit der „Green Line“ fahren wir ungefähr eine Stunde lang, zuerst durch eine hauptsächlich grüne Landschaft, dann durch immer belebtere Straßen Londons. Das Treiben in den Straßen gefällt mir und ich freue mich unheimlich darauf daran teil zu haben. Zum ersten Mal befällt mich so etwas wie Euphorie. Diese steigert sich noch, als wir an unserem Ziel Marble Arch ankommen. Leider hemmt uns unser massiges Gepäck und mindert unsere Freude an den ersten hautnahen Berührungen mit dem Leben in London. Trotzdem ist es toll, London ist beeindruckend.
Nachdem wir uns mit unseren ersten typisch-englischen Sandwiches gestärkt haben, beginnen wir mit der Suche nach unseren Unterkünften. Unsere Kommilitonin will einen Bus nehmen, wir begeben uns in den Untergrund, in das U-Bahn-Netz Londons. Wir kaufen für viel Geld eine Wochenkarte, da wir unsere Studentenkarten noch nicht bekommen können und machen uns daran, die Karte zu studieren. In einer sich wandelnden Welt, in der nichts mehr heilig zu sein scheint, kann man sich auf eines immer verlassen: U-Bahn- Netze sind überall gleich, zumindest fast. So gestaltet sich unsere Suche gar nicht so schwierig wie befürchtet, sie ist nur aufgrund des Gepäcks sehr anstrengend. Wir hatten verabredet jeweils gemeinsam beide Unterkünfte zu suchen und kommen deshalb zumindest schon mal ein kleines bisschen rum in London. Wir sehen viele Menschen, viele Kulturen, und überall ist Leben. Es dauert einige Stunden bis wir beide Unterkünfte erreicht, unser Gepäck abgestellt, und einige Instruktionen bekommen haben. Ich teste das Internet und nehme erstmals Kontakt mit zuhause auf. Danach machen wir uns auf den Weg in die Stadt, ohne Gepäck und darüber hinaus frei von irgendwelchen Zwängen. Wir wollen etwas essen, ein paar Dinge einkaufen und uns einfach umsehen. Zu diesem Zeitpunkt ist meine Euphorie am Größten. Leider wird sie gedämpft durch den ersten großen Fehler den wir begehen, wir nehmen den Bus. So großartig das U-Bahn Netz im Untergrund Londons funktioniert, so schlecht fließt der Verkehr auf den Straßen darüber. Im Schneckentempo bewegt sich der warme und laute Bus vorwärts, und die Müdigkeit packt uns. Als wir endlich ankommen sind wir trotzdem vom piccadilly circus beeindruckt uns fasziniert. Wir streifen durch das Zentrum Londons und können uns nicht sattsehen. Allerdings sind wir auch im wahrsten Sinne des Wortes alles andere als satt und suchen etwas zu essen. Vom Hunger getrieben betreten wir das erstbeste Mcdonalds und bestellen. Ich tue dies auf Deutsch, was meinen Kollegen zum Lachen bringt, und mir klarmacht, dass ich wohl noch nicht so ganz angekommen bin. Nach dem Essen wandern wir noch ein bisschen umher und sehen Big Ben, Westminster Abbey, London Bridge, London Eye und vieles mehr. Ich suche nach einer Beschreibung aber mir fällt kein passendes Wort ein, zumindest kein deutsches… awesome.
Da uns die Müdigkeit zu überwältigen droht trennen wir uns zum ersten Mal und machen uns jeder auf den Weg zu unserer Unterkunft. Ich gehe ein paar Stationen zu Fuß, sehe den Leuten zu und denke nach. So viele Farben, so viele Düfte, so viele Klänge. So viele Kulturen, so viele Sprachen und so viele Menschen. Und alle haben trotz ihrer atemberaubenden Vielfalt eines gemeinsam: Sie sind so lebendig, so voller Lust am Leben, so ganz anders als ich es gewohnt bin, als ich es von zuhause kenne. Zuhause. Die Schönheit dieser Stadt und ihre Faszination auf mich zeigen mir trotz Allem deutlicher denn je wo ich hingehöre, wo ich hingehören möchte… Nach Hause. Ich möchte noch viel mehr von diesem Ort erleben und noch viel mehr Orte erleben, die sind wie dieser. Aber ich möchte danach nach Hause zurückkehren, immer wieder, und ich möchte ein Zuhause haben. Und ganz unabhängig davon dass ich glaube mein Zuhause zu kennen, könnte das hier es niemals sein. Zu überwältigend und zu groß, würde mich diese Stadt einsaugen, mir meine Seele nehmen und mich zu einem Teil von ihr machen. Das mag nichts schlechtes sein, und ich bin mir sicher dass viele sich genau das wünschen, und dass viele die es erleben sehr glücklich damit sind, aber meine Sache ist das nicht. Trotzdem erfreue ich mich an dem Schauspiel das sich mir bietet und bin sehr gespannt auf das, was ich in den nächsten Monaten alles erleben werde...
Jetzt werde ich erst einmal frühstücken, um Kraft für den nächsten Tag in dieser Stadt zu sammeln. Ich hoffe er wird genauso toll wie der gestrige, wenn auch nicht so anstrengend.

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