Tim's Chinese Theatre

Shenzhen

12:42, 10.11.2006 2 Kommentare Link

Gestern waren Christian, Marius, Lukas und ich in Shenzhen, also Mainland China. Die Stadt liegt noerdlich von Hong Kong und ist mit der Bahn in ca. 45 Minuten von der Uni zu erreichen. Ungefaehr 12 Millionen Menschen leben dort, allerdings ist die Stadt noch relativ jung. Sie ist eine der gesondert ausgezeichneten speziellen Wirtschaftszonen in China und gehoert sowohl deshalb als auch aufgrund der Naehe zu Hong Kong zu den reichsten und am schnellsten wachsenden Staedten Chinas.

Sehenswuerdigkeiten hat die Stadt keine zu bieten. Dennoch fahren viele Touristen gerne dorthin und zwar um zu shoppen. Und das Hauptprodukt sind nicht die billigen Klamotten. Nein, hier geht es um Produktpiraterie im grossen Stil. Kopierte DVDs, Uhren, Sonnenbrillen, Handtaschen, MP3-Player, usw....

 

Gleich im ersten Laden, den wir betreten haben, wurden wir ohne langes Fackeln in einen Hinterraum gefuehrt, auf kleinen Hockern platziert und die Kartons wurden aufgemacht. In grossen Packen kamen die gefakten DVDs auf den Tisch und wir haben uns bestimmt eine halbe Stunde durch die Stapel gewuehlt. Nachdem wir uns fuer zwoelf DVDs entschieden hatten, ging es ans Verhandeln. Wir hatten bereits vorher gelernt, dass ungefaehr die Haelfte des erst genannten Preises realistisch ist. Ich glaube hier fing es mit 20 Yen (ca. 2 Euro) pro DVD an, wir haben es dann auf fuenf (50 Cent) runter gekriegt. Strike! Meine Beute war uebrigens „Syriana“ und „16 Blocks“.

 

Von diesem ersten Erfolg angestachelt, ging es weiter zu den naechsten Laeden, schliesslich wollten wir noch Staffeln von Fernsehserien haben und die gab es beim ersten nicht. Allerdings gestaltet sich die Suche zunaechst schwierig, keiner konnte uns das Gewuenschte anbieten. Deshalb sind wir erst mal Mittag essen gegangen. Da wir doch noch etwas von der Stadt sehen wollten, entschlossen wir uns, einfach mal zum Kreuzungspunkt der beiden U-Bahn-Linien zu fahren. Im Zentrum muesste doch was los sein...

 

Nun, etwas seltsam erschien es uns schon, dass der U-Bahnhof so leer war. Und als wir den Weg ans Tageslicht gefunden hatten, wussten wir warum: Wir standen quasi direkt auf einer gigantischen Baustelle.

 

Wie erwaehnt, die Stadt waechst hoellisch schnell und dort waren einige Hektar eingeebnetes Gelaende, auf dem neue Wolkenkratzer entstehen, u.a. das neue Ritz-Carlton, welches puenktlich zu den Olympischen Spielen 2008 fertig sein soll. Dass Beijing ein paar tausend Kilometer weg ist, scheint keinen zu interessieren.

 

Nach dieser Fahrt ins Blaue ging es wieder zurueck zu einer beruehmt-beruechtigten Mall direkt an der Grenze. Und schon auf dem Fussweg dorthin fing es an: „Wanna buy DVD?“ Wir sind dann direkt mit der erstbesten Anwerberin in den zweiten Stock und liessen uns erneut auf kleinen Hockern vor einem vermeintlichem Uhrenladen nieder. Die Kataloge wurden rausgeholt und wir konnten uns die Filme aussuchen. Kurzzeitig wurden wir unterbrochen, da sich offenbar eine Polizeistreife naeherte. Mir kann keiner erzaehlen, dass die nicht ueber die Zustaende Bescheid wissen, so offensichtlich wie das alles passiert. Nach kurzer Zeit bekamen wir die zuvor hektisch versteckten Kataloge wieder zurueck. Als es allerdings um den Preis ging, brachte auch das haerteste Verhandeln nichts: Viel zu teuer! So kamen wir nicht ins Geschaeft.

 

Da man bereits nach 2 Metern vom naechsten Kundenfaenger angesprochen wird, dauerte es nicht lange, bis wir vor der naechsten Auswahl standen. Und hier gab es auch Fernsehserien zu einem angemessen Preis. Deshalb besitze ich jetzt die Megabox mit saemtlichen zehn Friends-Staffeln zum Preis von 25 Euro...

 

Die Suche nach Computerspielen war dagegen erstaunlich erfolglos. Die spielen hier halt alle PS2. Da die Sache mit dem angesprochen werden auf die Dauer nervig wurde und wir ja auch schon fast zehn Stunden auf den Beinen waren, entschieden wir uns, den Heimweg anzutreten. Das einzige Problem war jetzt noch der Zoll in Hong Kong. Es war jedoch ziemlich viel los und wir sind mit kurzem Zeitabstand (also nicht in der Gruppe von vier westlichen Touris) durchgegangen, so dass keiner rausgefischt wurde.

 

Nun haben wir also fuer die naechte Zeit erst mal genug zum Fernsehen gucken. Das ist auch wirklich der einzige Grund, weshalb sich ein Trip nach Shenzhen lohnt. Auffaellig ist, dass die Stadt trotz ihrer Groesse viel ruhiger erscheint als Hong Kong. Vielleicht weil die Gehwege hier viel breiter sind. Aber Sightseeing gibt’s anderswo...


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Neidisch !!!

02:01, 12.11.2006 Geschrieben von Webba
so günstig DVDs kaufen will ich auch mal.

hättest ja mal vorher sagen können das du einkaufen gehst =) ...

@ Webba

11:15, 16.11.2006 Geschrieben von chiller84
Muss die Dinger ja jetzt auch noch nach Hause bringen...

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