Tim's Chinese Theatre |
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Beijing04:59, 8.12.2006 3 Kommentare Link
Kaum ist man mal ein paar Tage weg, schon wird in Dortmund verkuendet, dass zur neuen Saison ein neuer Trainer kommt, oder mit anderen Worten, der Vertrag von Bert van Marwijk aufgeloest wird. Dabei haben wir doch gerade gegen Wolfsburg gewonnen (ok, muss wohl wieder ein grausames Spiel gewesen sein, aber wer fragt danach, wenn wir naechste Saison Champions League spielen). Ich mochte den fliegenden Hollaender immer gerne, weil er nicht so ein Lautsprecher ist und sein Ding durchgezogen hat. Er hat sich auch nie beschwert als der Verein ploetzlich kurz vor dem Bankrott stand und viele Spieler verkauft werden mussten. Bertie hat also mein Vertrauen, auch wenn es im Moment nicht laeuft und die neuen Spieler noch nicht richtig eingeschlagen haben. Leider gibt die Vereinsfuehrung im Moment kein gutes Bild ab. Was passiert, wenn es jetzt auf einmal doch Erfolg gibt? Oder wenn es noch schlechter wird? Gott sei Dank sind wir um Christoph Daum noch mal herumgekommen, bei Thomas von Heesen habe ich Zweifel, ob er zum BVB passt. Was? Du bist eigentlich wegen was anderem hier? Beijing? Dass mit dem Fussball ist dir eigentlich sch***egal? Na gut, dann schreib ich eben auch was ueber mein zweitwichtigstes Erlebnis der letzten Woche. Am vergangenen Mittwoch sind wir mit China Southern Airlines nach Beijing aufgebrochen. Wir, das waren Christian, Marius, Benedikt, Paul und ich; ein rein deutsches Unternehmen also. Laut Lonely Planet wird Beijing nur von Diplomaten, nostalgischen Journalisten und altersweisen Akademikern Peking genannt. Ich bin keins von dem, also bleibt’s bei Beijing.
Mittwoch, 29. November Unser Flug ging um 11:15 Uhr vormittags. Leider hatte jemand, dessen Name mit B anfaengt und mit enedikt aufhoert, etwas verpennt. Aufs Fruehstueck wollten wir trotzdem nicht verzichten und so verspuerte ich im Bus ein leichtes Unbehagen, ob wir denn rechtzeitig am Flughafen sein wuerden. Aber ich habe doch mal wieder die Effektivitaet der Hong Konger unterschaetzt, hier muss man nicht lange beim Check-In warten, alles geht zuegig und so sassen wir alsbald im Flieger. Nach ca. drei Stunden Flug gab es den Touchdown in Beijing. Schon im Gangway merkte man, dass es hier wohl etwas schattiger sein wuerde. Und in der Tat, beim Verlassen des Flughafengebaeudes hab ich zum ersten Mal seit letztem Februar wieder Temperaturem um den Gefrierpunkt erlebt. In diesen Minuten fanden wir das alle toll, aber diese Meinung sollte sich noch aendern... Leider sind in Beijing die Taxis nur fuer vier Leute ausgelegt und ausserdem wich der Preis von der Empfehlung des Reisefuehrers doch etwas nach oben ab. Wir machten uns also auf die Suche nach dem Bus, was sich aufgrund der mangelhaften Beschilderung etwas hinzog. Da gibt es noch was zu tun bis 2008... Dafuer ist der Bus aber sehr guenstig, nur 16 RMB bis ins Stadtzentrum, also ungefaehr 1,60 Euro. Die Fahrt dauert 45 Minuten, leider war die Haltestelle noch immer etwas von unserem Hostel entfernt. Wir mussten also noch ein wenig mit der U-Bahn fahren. Nach dieser kleinen Odyssee waren wir endlich im Jade Hostel angekommen. Wenn mal jemand nach Beijing fahren will und fuer wenig Geld super uebernachten will, geht in dieses Hostel. Fuenf Dollar die Nacht, und die Ausstattung ist eher wie ein Drei-Sterne-Hotel. Auf unserem ersten Erkundungsgang wurde klar, dass die Temperaturen doch eher ungemuetlich waren. Ich habe mir also ein China-Original einer Dolce & Gabbana Muetze fuer 25 RMB gekauft. Und ich kann gleich sagen, sie hat die ganzen fuenf Tage gehalten...ist ja nicht selbstverstaendlich hier. An diesem Abend machten wir auch unsere erste Bekanntschaft mit der lokalen Kochkunst. Das Essen ist viel besser als in Hong Kong und noch etwas billiger, mit 20 Euro werden fuenf Leute satt, Getraenke inklusive. Einige Sachen waren mir allerdings doch etwas zu scharf oder zu deutlich zu erkennen...
Donnerstag, 30. November Auf Empfehlung unseres Guides haben wir uns fuer den Tag Fahrraeder ausgeliehen. Beijing ist flach wie ein Brett und es gibt ueberall breite Fahrradwege, noch breiter als in Muenster...ein Traum! Das gesamte Stadtgebiet ist ungefaehr so gross wie Belgien, ein kleines Stueck auf der Karte wird also schnell mal zu einem Halbtagesmarsch. Insofern sind Fahrraeder wirklich eine tolle Alternative. Und es macht wahnsinnig Spass, sich auf den grossen Strassen durch den relativ geordneten Verkehr zu schlaengeln.
Da wir die Verbotene Stadt sozusagen von hinten aufgezaeumt haben, ging es zum Schluss zum eigentlichen Eingang, dem Gate of Heavenly Peace (wie heisst das eigentlich auf Deutsch?). Dort haengt das grosse Portrait vom Chairman Mao. Gleiches gilt fuer den Tiananmen Square gegenueber, der wohl groesste oeffentliche Platz der Welt. Abends sind wir ins Banana’s gegangen. Es war schwierig, den Taxifahrern den richtigen Weg dorthin zu erklaeren (eigentlich sollten die ja so was wissen), aber wir haben es geschafft. Der Laden war recht stylisch, aber die Musik war gar nichts fuer mich, nur Techno-Humpta. Den Chinesen schien es zu gefallen, der Drogeneinfluss war bei vielen nicht zu uebersehen. Freitag, 1. Dezember An diesem Tag stand der Sommerpalast auf dem Programm. Dieser war einst der Spielplatz der Herrscher, um den sehr heissen Sommern in Beijing zu entfliehen und ein wenig Ruhe vom Poebel zu haben. Wir wollten mit der U-Bahn in die Naehe und das restliche Stueck laufen. Der eisige Wind wehte uns um die Ohren und der Rotz lief in Stroemen. Leider hatten wir wieder die Distanz falsch berechnet. Nach zwei Stunden laufen war der Palast noch nicht in Sicht, so dass wir uns einen Bus gesucht haben. Ansonsten waeren wir wohl nicht mehr bei Tageslicht angekommen, denn es wird immer ziemlich frueh dunkel. Auch das Territorium des Sommerpalasts ist riesig, eigentlich muss man mindestens einen halben Tag einplanen. Es ist aber wunderschoen, besonders wenn man das Glueck hat, einen solchen Sonnenuntergang zu sehen. Ich lasse an dieser Stelle die Bilder sprechen. ![]() ![]()
Am abend ging es frueh zu Bett, schliesslich wurden wir am naechsten Morgen um 7:20 Uhr abgeholt, um zur Mauer zu fahren.
Samstag, 2. Dezember Bis auf das eine Mal in Vietnam bin ich hier in Asien noch nie so frueh aufgestanden. Aber die Vorfreude auf die Mauer machte es einem leicht. Von Beijing gibt es mehrere Abschnitte der Mauer zu besichtigen. Wir waren in Simatai, wo die Mauer noch relativ urspruenglich erhalten ist. Die Fahrt dorthin dauerte ca. 3 Stunden und im Vergleich zu den Touren in Vietnam war es sehr bequem, die Strassen sind gut und der Bus war nicht zu voll. Der Busfahrer hatte allerdings nur ein Tape dabei und so gab es in der Dauerschleife "Hotel California", "Scarborough Fair", "My Heart Will Go On" und weitere grosse Kunstwerke. Zu Beginn war das noch lustig, irgendwann wurde es aber etwas anstrengend. "Done." Tim Hilger
Sonntag, 3. Dezember An diesem Tag liessen wir es gemuetlich angehen. Nach langem Ausschlafen haben wir uns erst mal ein NBA-Spiel im chinesichen Fernsehen angeschaut. Irgendwann haben wir uns ueberwunden doch noch loszuziehen. Ohne groesseren Plan sind wir durch die Stadt gelaufen. Ich hatte mir die Stadt vorher chaotischer und schmutziger vorgestellt, aber eigentlich laeuft alles sehr geordnet ab.
Montag, 4. Dezember Der Vormittag des Abreisetages wurde noch mal zum Shoppen genutzt, die niedrigen Preise mussten ja ausgenutzt werden. Gegen Mittag ging es aber auch schon los zum Flughafen. Aber um noch mal zum BVB zurueck zu kommen: Dieses Wochenende ist Schlacke reif, das waer doch mal was fuer’s Selbstvertrauen. Ach ja, mein Beijing-Fazit: Die Stadt hat einige beeindruckende Sehenwuerdigkeiten, die man allerdings in zwei bis drei Tagen abarbeiten kann. Die Kueche ist phantastisch. Wie an allen Touri-Orten hier nerven allerdings die penetranten Strassenhaendler manchmal ziemlich. Fuer viele haengt da wohl der Lebensunterhalt dran, trotzdem will man nicht dauernd angefasst werden. Auch mit Blick auf die Spiele 2008 ist es extrem bloed, das man selbst in serioes aussehenden Geschaeften nie vor Abzocke sicher ist. Die Atmosphaere an der Mauer ist hingegen unbezahlbar und alleine die Reise wert.![]()
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