Warum hat Selbstgestricktes in der breiten Masse der Nichtstricker eigentlich so einen schlechten Ruf? Da wird von „altmodisch“ „omahaft“ und „hausbacken“ gesprochen und der gewöhnliche Mensch stellt sich unter „selbstgestrickt“ immer noch einen unförmigen, schlabberigen Sack im Öko-Stil der 80er Jahre vor. Oder eben Socken.
Woran liegt’s? Die Erklärung ist eigentlich ganz einfach. Die Sachen, denen man ansieht, daß sie selbstgestrickt sind, sind ja wirklich unförmig, haben keine Passform, sind labberig und viel zu locker gestrickt (wenn man bei glatt rechts Gestricktem sehen kann, welche Farbe das T-Shirt darunter hat, ist es eindeutig zu locker gestrickt). Oder todlangweilig und aus häßlichem Garn. Hinzu kommt eine schlechte Ausarbeitung. Das Gestrick ist ungleichmäßig, die Nähte sind grauenhaft. Solchen Sachen sieht selbst Otto-Normal-Nichtstricker auf den ersten Blick an, dass sie selbst gemacht sind. Zwar vielleicht mit viel Enthusiasmus, aber eben mit recht wenig Können und Sorgfalt.
Das soll jetzt kein Vorwurf an die Strick-Anfänger sein. Meine ersten Pullover sahen auch gruselig aus und ich war trotzdem stolz drauf. Dürft ihr auch sein. Egal wie hässlich ein Teil ist, Ihr habt Zeit und viel Mühe investiert, um etwas mit Eurem eigenen Händen zu erschaffen und das ist toll. Übung macht den Meister, also bloß nicht entmutigen lassen.
Das, was in manchem Wollgeschäft im Schaufenster zu sehen ist, trägt dann auch noch dazu bei, den schlechten Ruf des Selbgestrickten zu festigen. Da hängen oftmals dicke Pullover aus gräßlichen Effektgarnen, die dann auch noch mit 8er Nadeln gestrickt wurden (ja, auch in meinem LYS, sorry Conny ). Da wird sich sicher niemand wünschen, so ein Kleidungsstück sein eigen nennen zu dürfen.
Aber den wirklich schönen Sachen sieht man halt nicht an, dass sie selbst gemacht wurden. Würde an diesen Sachen ein Schild kleben „handgestrickt“, würde sich der Ruf des Strickens in der Öffentlichkeit schnell wandeln. Sicher kennen das viele von Euch. Ihr erzählt, dass Ihr leidenschaftlich gerne strickt, woraufhin Ihr milde belächelt werdet. Meist kommt dann noch ein Kommentar wie „meine Oma hat auch immer Socken gestrickt“. Daraufhin weist Ihr auf Eurem Pullover/Jacke oder was auch immer hin und erwähnt, dass dieses Teil auch selbstgemacht sei. Der erstaunte Blick des Gegenübers ist immer wieder köstlich. Als nächstes wird dann meist der Wunsch vorgebracht, man möge doch auch mal was für ihn/sie stricken. Missionarstätigkeit erfüllt, eine unwissende Seele bekehrt
Daß da draußen massenhaft wunderschöne selbstgestrickte Kleidungsstücke rumlaufen, registriert Otto-Normal-Nichtstricker also nicht, weil er denkt, die Sachen seien gekauft. Und deswegen wird sich der Ruf des Strickes auch in absehbarer Zeit nicht ändern.
{ 01:08, 13.03.2007 }
{ Geschrieben von Anonymous }
...meine 80er Jahre Pullover waren aber keine Öko-Schlabber-Säcke ;-)
Ich kaufte damals schon viel Wolle aus dem Ausland, englische Landwolle, Hifa, handgesponnene kretische Schafwolle, Mohair aus Lesotho, Guernsey-Wolle, Island-Kuchen usw. Eine Bekannte von mir hatte einen Laden, in dem sie diese Wolldelikatessen verkaufte.
Das gräßliche in den 80ern waren eher die "Designermodelle" in Polyacryl mit extrem breiten Schultern (schaue Dir mal die älteren Drops-Modelle an *ggg*).
Dank Internet ist es heute ja einfacher geworden, an schönes Material und gute Anleitungen zu kommen.
Liebe Grüße aus dem frühlingshaften Südhessen
Heidi
Öko-Strick
{ 01:19, 13.03.2007 }
{ Geschrieben von TinamitKater }
Liebe Heidi,
meine 80er Pulli waren auch keine Öko-Pullis (Säcke denn eher schon, habe mir eingebildet, ich könne die Figur damit verstecken *ggg*).
Ich erinnere mich allerdings noch mit Grausen an die damals hochmodernen "Material-Mix-Pullis" *schüttel*
Auch in den 80ern gab es natürlich klasse Anleitungen (z.B. die Nicole), aber komischerweise ist im Gedächtnis der Bevölkerung nur der/die strickende Student/in mit Jutetasche und Jesuslatschen hängen geblieben ;-)
Liebe Grüße aus den ebenfalls sonnigen Norden
Tina *gebürtige Friedbergerin*
Fein beobachtet
{ 10:22, 13.03.2007 }
{ Geschrieben von wollich }
Liebe Tina,
mir scheint, es geht dir wieder viel besser, wenn du so schlaue Überlegungen anstellen kannst. Abseits von Schlabbersäcken und schlecht zusammengehäkelten Schulternähten (die gut gemachten konnte man, glaub ich, auch damals noch nicht kaufen, oder?) kann ich dir nur zustimmen. Ich stricke ja nun wirklich ewig lange und hab auch schon die unschuldige Verwandschaft ausgiebig mit meinen Produkten getriezt, die sich im Laufe der Zeit qualitativ und optisch stark verbessert haben. Trotzdem kommt, wenn ich mal einen meiner Pullover trage, regelmäßig die Frage: "Der ist jetzt aber nicht selbstgestrickt, oder?" Wenn ich versichere, dass das Ding sowohl meinem Hirn als auch meinen Händen entsprungen ist, rückt man mir dann oft ziemlich auf die Pelle, um herauszufinden, wo der "Selbstgestricktfaktor" verborgen ist.
Wobei ich auch finde, dass manche industriell gefertigte Schulternaht sehr viel unschöner gearbeitet ist, als die einer versierten Strickerin.
Zustimmende Grüße
Dagmar
Stricken
{ 09:59, 15.03.2007 }
{ Geschrieben von Wapiti }
Ich glaube, Stricken ist hierzulande auch immer noch mit dem Label "Grüne", "Ökos" und "Müslifresser" behaftet (Jute statt Plastik und so), ganz unabhängig davon ob die Teile nun sackartig sind oder nicht. Es gibt ja auch immer noch diese "typischen" Strickstücke, die man sofort erkennt - entweder mangels Passform, wie Du ganz richtig geschrieben hast, oder auch wegen sehr grober, sehr bunter oder auch gerne naturfarbener ungewaschener Wolle - ich denke Du weißt was ich meine ;-)
Wenn man bedenkt, dass in Amerika manche Strickdesigner schon fast Stars sind, haben wir hier wirklich noch was aufzuholen. Ich glaube Deine Analyse, dass man gut gestrickte, schöne, passende Strickstücke nicht als selbstgestrickt erkennt, ist da ganz richtig.
Es geht mir ja selbst bei Socken so dass die Leute bass erstaunt sind, wie schöne (selbstmusternde) Garne es da gibt oder was für tolle Muster man stricken kann.
Liebe Grüßle,
Wapiti
Handstrick
{ 11:40, 17.03.2007 }
{ Geschrieben von Bine }
Ich werde nie vergessen - Gespräch in der Tanzschule übers Internet. Ich ganz stolz von meinem Strickblog erzählt. "Waaaaaaaaaaas - DU strickst..." den Rest lassen wir lieber.
Unser Tanzlehrer hat dann aber wohl doch mal meinen Blog angeklickt und war ziemlich beeindruckt (und freut sich immer wenn ich ihn verlinke und viele gucken was bei ihm in der Tanze so abgeht).
Irgendwann hatte ich dann meinen Dale an und er meinte: "Wow, den hast du aber nicht selbergemacht, der sieht klasse aus...." Tjaja, ich habe ihn aufgeklärt daß ich (damals noch und jetzt wieder) fast alle meine Pullis selberstricke. Auf selbstgestrickte Socken in den Tanzschuhen verzichte ich aber bisher *ggg*.
Liebes Grüßli
Bine
Rufmordcampagne
{ 09:56, 27.08.2010 }
{ Geschrieben von Anonymous }
Ich gehe davon aus, da das eine bewußt inszenierte Propaganda gegen Selbstversorger und Selbst-Kleidung-Hersteller war/ist.
Es geht darum, die Leute abhängig zu machen vom Markt.
Stichwort Neue Weltordnung...
schaut euch den Film ENDGAME von Alex Jones an... einfach mal googeln >> Endgame deutsch <<
infokrieg.tv und propagandafront.de sowie nuoviso.tv und anti-zensur.info (da gibts super Vorträge, alles kostenlos, kann man sich gut während dem Stricken anhören) sind auch aufschlußreiche Seiten.