Fukushima - genauso unbekannt
Was fällt einem spontan ein, wenn man an den nördlichen Teil von Honshu denkt? Richtig, nur sehr wenig. Umso mehr gilt es zu erkunden.
Die Kleinstadt Aizu-Wakamatsu in mitten der Präfektur Fukushima ist (in Japan) berühmt für seine Geschichte und die wunderschöne Natur in der Gegend, die Japans zweitgrößten Nationalpark ausmacht. Nach ewig langer Zugfahrt mit dem Bummelticket am Bhf angekommen, das Tagesticket für den Bus geholt und gleich eingestiegen hieß der erste Halt Iimoriyama. Hier hatten zu Kriegszeiten 19 junge Samurai rit. Selbstmord begangen, weil sie die Stadt verloren geglaubt haben. An sich sieht man nicht mehr als die Gräber, aber es war aus historischer Sicht trotzdem interessant. Auf dem Gelände gab es dann noch eine römische Gedenksäule, und eine deutsche Ehrbekundungsstatue, deren Hakenkreuz von den Amis herausgemeißelt wurde. Nächster Halt: eine Ansammlung alter Samuraihäuser. An sich sehr hübsch angelegt und auch halbwegs auf Englisch beschriftet. Auf dem Gelände konnte man sich dann auch noch im Bogenschießen probieren, aber da ich 2 Tage vorher beim Training war, hab ich das mal sein lassen - hatten eh keinen Bogen in meiner Größe. Nach einem weiteren eher unspektakulären Besuch im Garten mit medizinischem Kräuteranbau, ging es abschließend zur hiesigen Burg. Diese ist sehr schön gebaut, wenn auch restauriert. Daneben noch ein Teehaus und von oben Blick auf die umliegende Natur - das lässt viel versprechen. Danach ging's zur Unterkunft - ein trad. Ryokan. Kaum dort angekommen, wurde ich auch schon von Besitzerin und deren Großmutter angesprochen, und bekam alles erklärt - natürlich auf Japanisch. Übliche Ausstattung: Tatami-Matten, Futon, Schlafyukata, Klimaanlage und grünen Tee. Sehr gemütlich. Auf meine Frage, ob denn in der Nähe ein Restaurant sei, wurde kurz überlegt, und dann hieß es, ich werde hingefahren - echt nett!! Ich glaube die Besitzerin war froh mal mit nem Ausländer sprechen zu können, ihr Englisch hat nämlich nicht existiert. Das Restaurant war zwar dann leider nicht so toll, aber es ist der Wille der zählt. Zurück bin ich dann noch ins Onsen, was im Zimmerpreis dabei war. Unglaublich voll, aber auch groß gebaut mit vielen Becken unterschiedlicher Wasserzusammensetzung (gelb, türkis, grün, ...). Das Highlight: die Dusche. Neben den üblichen japanischen Sitzduschen gab es auch noch eine Art Ringdusche. Ein metallener Käfig als 3/4-Kreis aus dem in unterschiedlichen Höhen Wasserstrahlen schossen - witzige Idee und echt angenehm. Danach ins Futon.
Nächsten Morgen wieder sehr früh raus um rechtzeitig in der Natur zu sein. 1888 war der ansässige Vulkan Bandaisan (hat nix mit Spielzeug zu tun) ausgebrochen, und dann die gesamte Landschaft umgeformt und dabei auch eine Seenlandschaft gebildet, deren Seen unterschiedliche Farben haben. Das ist für die Japaner das absolute Highlight, und deswegen haben sie auch gleich eine Wanderoute - sprich: einen gut ausgebauten Weg mit teils fester Oberfläche - reingebaut, und der Ausblick ist tatsächlich traumhaft. Allerdings sollte das nur die Präambel sein, denn der Bandaisan lässt sich laut Reiseführer auch besteigen. Das Visitor Center am Ende des ersten Weges hat sich allerdings nur auf Essen spezialisiert, so dass auch auf Nachfrage niemand etwas von nem Wanderweg wusste. Erst der Portier eines Nachbarhotels konnte mir weiterhelfen. Kurz nach dem ersten kleinen Anstieg bin ich 3 Seniorinnen begegnet, die aus der Gegend waren und dementsprechend den Weg kannten, und auch das erste Stück Richtung Gipfel laufen wollten. Nach ein bisschen Plausch - natürlich auch nur auf Japanisch - trennten sich die Wege an einem See und ich lief vorläufig erstmal allein weiter. Nach etwa einer weiteren halben Stunde kam mir dann mal wieder ein Japaner entgegen, und danach riss der Strom kaum noch ab. Alle paar Sekunden tauchten sie auf mit dem üblichen "Konnichi wa" auf den Lippen. Meine Güte, wo kommen die ganzen Leute her? Da unten sind doch nur Dörfer. Irgendwann führte der Weg zu einer Wasserquelle an der auch eine Hütte mit Verpflegungsmöglichkeiten steht. Auch hier wurde ich natürlich wieder angesprochen, und der Hüttenwirt hat mir alles mögliche angeboten. Nachdem sich dann noch rausstellte, das ein anderer Wanderer aus Kashiwa und ein Paar aus der selben Präfektur kommen, wurde das Gespräch sehr lebendig. Sehr witzig, nur sehr oft wurden meine Grenzen im Japanisch deutlich. Da fehlt doch noch einiges. Nach weiteren 20 min war ich dann endlich auf dem Gipfel, von dem man echt einen tollen Blick auf die umliegende Natur hat. Auch hier immer noch unglaublich viele Japaner und mindestens genauso viele Libellen, die rumschwirren. Generell war der Weg sehr insektenreich - mit Insekten, die ich noch nie zuvor irgendwo gesehen hab. Auch hier ist Japan wohl etwas speziell. Auf dem anschließenden Abstieg war ich dann auf einmal allein. Und zwar fast vollkommen allein. Fast 2,5 Stunden und es kamen mir nur 4 Seniorinnen entgegen. Da der Weg sehr steinig, und damit rutschig ist, manchmal mitten im Gebüsch verschwindet, und auch ne kleine Stelle mit Abseilen beinhaltet, sind die meisten Japaner wohl nen anderen Weg gelaufen. Naja, an sich auch ganz nett, mal etwas allein zu sein, und der Ausblick war immer noch toll. Und dann war ich auch schon unten im Tal, und dann ging das Problem los: wie komme ich vom Ende des Wanderweges zum Bhf. Kein Bus, kein Taxi, nicht mal Handyempfang um eines zu rufen, keine Häuser, kaum Ausschilderung, und nur sehr selten andere Menschen. Ein Stück gelaufen kam dann doch noch ein Schild: Bhf 6,3 km. Na super. Und das in Wanderschuhen auf Asphalt. Das kann ja heiter werden. Zum Glück war ich auf dem Wanderweg schnell genug gewesen, so dass ich mir keine Sorgen um den letzten Zug machen musste, aber angenehm ist echt anders nach bereits 9 Stunden wandern. Der Weg führte dann auch noch mitten durch die Reisfelder, und ein Naherholungsgebiet. Aber irgendwie hatte ich da schon keine Lust mehr, das ganze zu genießen. Am Bhf wollte ich dann aus Frust noch ein Eis - Eismaschine natürlich kaputt. Ahhh! Bis zum Ende des Wanderweges echt toll, alles danach muss ich noch verdrängen.
     
Auswertung des GPS-Trackers:
27 km in 10:30 h inklusive Pausen und Weg suchen. Startpunkt bei 777 m ü. NN., Gipfel bei 1806 m (naja, ein bisschen Abweichung gehört dazu) und Bhf (Ziel) bei 528 m.
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Zum Glück ...
21:51, 17.08.2009
.. Geschrieben von mo
... hast Du die Wanderung erst jetzt unternommen. Wenn es dort so schön ist, dann hättest Du es doch fertig gebracht, diese Route auch noch in unser 12-Tage-Programm zu packen. :-)
schwitz!
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