Tony in Japan

Kyudo - der Weg des Bogens

10:21, 30.04.2009 .. 0 Kommentare .. Link
So, ich finde mal wieder etwas Zeit einige ältere Sachen aufzuarbeiten.
Ich hatte vor einigen Wochen hier mal rumgefragt, und hab doch tatsächlich über mehrere Ecken dann einen studentischen Bogenschießverein gefunden, zu dem ich mal zum Probetraining wollte. Also gesagt getan, und das japanische Bogenschießen ist schon irgendwie faszinierend weil so anders. Hier an dieser Stelle vielleicht nochmal ein kleiner Exkurs zum Bogenschießen:
Im Japanischen heißt das Ganze Kyûdô 弓道. Kyû (弓) ist der Bogen, sieht ja das Zeichen auch schon fast so aus, dô (道) ist der Weg, im Sinne von Straße, Pfad, aber auch die "Art und Weise"; also zusammen: wie man den Bogen benutzt. Anders als aber europäisches Bogenschießen (siehe England im Mittelalter; Robin Hood und so) ist Kyudo sehr sehr alt in Japan und vor allem stark auch mit der Samuraigeschichte verbunden. Und diese Tradition versucht man auch bis heute beizubehalten. Als mit Aufkommen des Zenbuddhismus auch noch rituelle Elemente in den Kyudo eingegangen sind, wurden die Unterschiede noch größer. Allerdings gibt es da auch das "fanatische" Zenbogenschießen, was extremst rituell ist, aber mit Kyûdô nicht gemeint ist. Während also der Rest der Welt unglaublich viel High-Tech an die Bögen baut, um einer Fliege den rechten Flügel abschießen zu können, besteht im High-Tech-Land Japan der Bogen immer noch aus Bambus, Holz oder, ok die Moderne hält Einzug, kohlefaserverstärkten Kunststoffen. Lange Rede, kurzer Sinn: alles noch sehr traditionell, und daher umso interessanter für einen "Westler" (immer noch Ossi, aber Westler; verrückt).
Daher hab ich jetzt damit nicht nur angefangen, sondern geh auch mind. einmal die Woche zum Training. Und vor einiger Zeit gab es auch mal ein Trainingslager. Echt mal komplett anders, so ein japanischer Ausflug mit Jugendherberge. 4 Tage lang nur Bogenschießen und pausenfüllende Aktivitäten. Das Essen seeeehr japanisch. Jede Mahlzeit gab es Reis und Misosuppe (sehr geschmacksneutral), und immer wurde erst angefangen, wenn alle ihr Essen hatten (und bei 41 Mann kann das dauern). Halt auch sehr rituell.
Die Zimmer eher rudimentär, aber auch nicht viel schlimmer als ne deutsche JuHe. Nur das andauernde Schuhe-an, Schuhe-aus, ging mir ein bisschen auf den Senkel. Auch was total anderes: keine Duschen. Dafür zwar ein Gemeinschaftsbad mit Abbrausmöglichkeiten, aber nur nachmittags/abends offen, d.h. morgens nix mit Duschen. *stirnrunzel*
Zu allem Überfluss gab es zum Frühstück auch keinen Kaffee, nur welchen dann aus dem Getränkeautomaten (das der nicht gerade ein kulinarisches Meisterwerk war, muss ich ja wohl nicht erläutern). Ansonsten hab ich aber viel gelernt, und durfte dann nach ein paar Schüssen aufs Übungsziel auch, endlich, aufs normale Ziel schießen. Und noch ein paar Schuss später hab ich dann auch mal getroffen. Alle Japaner sind natürlich sofort ausgerastet, das der Westler getroffen hat, und wollten dann gleich auch noch ein Bild mit mir und dem ersten Treffer machen. Naja, an sich ne ganz nette Idee, bloß soviel überschwängliche Freude hab ich echt nicht erwartet. Alles in allem mal ne seeeeehr andere Erfahrung, und echt ein Gibt-es-nur-in-Japan-Erlebnis. Hier noch ein paar Bilder (auf dem Gruppenbild sollte ich nicht so schwer zu finden sein).

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