give me something to believe in...

Etwas aus der Parallelwelt...

13:38, Saturday 22 March 2008 0 Kommentare Link

Ab und an kann ich Menschen verstehen, die sich durch den Verlust eines geliebten Menschen völlig gehen lassen, sich nicht mehr rasieren und anfangen zu saufen.
Wichtig ist natürlich, dass man irgendwann wieder wach wird und aufsteht. Mir ging es ab und an ähnlich: ich habe mich verkrochen und für einige Zeit einen Schnitt mit der Außenwelt gemacht. Niemand hat gemerkt, dass ich innerlich zerrissen war und ich war froh, dass ich mit niemandem darüber sprechen musste. Nicht, weil ich nicht gekonnt hätte, sondern weil eh kaum jemand verstanden hätte, worum es wirklich geht.
Momentan ist es so, dass ich wieder mehr schreibe. Auch in diesem Tagebuch. Wer einwenig darüber nachdenkt wir darauf kommen, warum das so ist… 

Heute kam der Brief, der für mich eine „Belohnung“ sondergleichen ist, wie gestern schon angedeutet. Ab April habe ich wieder einen Telefonanschluss sowie DSL. Das mag für manch einen unverständlich klingen, aber wer selbst schon mal in der Situation war, dass er aufgrund der Schufaeinträge, die er sich selbst zuzuschreiben hat, nirgendwo irgendetwas bekommt, kein bisschen kreditwürdig ist und die Telefongesellschaften sich weigern einen Anschluss zu legen, wird wissen, was ich meine. Man fühlt sich völlig ausgegrenzt und abgestoßen. Als wäre man ein Nichts und gehöre nicht in diese Gesellschaft. Danach folgt eigentlich nur noch die Obdachlosigkeit, wenn man nicht mal genug Geld hat, um sich eine Wohnung zu mieten. Geld von der Bank kann man sich auch keines leihen, weil man a) eben so viele Schulden hat, dass die Schufa einem einen Strich durch die Rechnung macht und b) wenn man arbeitslos ist, gibt einem eh keiner einen Kredit. So ging es mir auch vor ein paar Jahren, als ich knapp drei Monate bei einem meiner besten Freunde gepennt habe. Es war eine beschissene Zeit.
Und trotzdem bin ich dankbar. Hilfe aus der Familie habe ich abgelehnt, aus verschiedenen Gründen und Hintergründen. Davon abgesehen wusste auch niemand, wie es mir wirklich geht.  

Mag sich bescheuert anhören, aber es war eine wichtige Lektion, die mich für gewissen Dinge sensibilisiert hat. Zum Beispiel keine undurchdachten Entscheidungen zu treffen. Mit Bedacht an bestimmte Situationen ran gehen, seien es finanzielle Dinge, seien es Beziehungen, oder Kleinigkeiten wie das Essen vom Griechen, wo man sich das Geld doch besser sparen könnte.

Früher hat mich Geld überhaupt nicht interessiert. Entweder hatte ich welches, oder ich hatte keines. Es war immer eine kleine Belastung, aber ich konnte so leben. Heute ist für mich schon wichtig, dass ich finanziellen Rückhalt habe. Noch bin ich selbst im Aufbaustadium, aber genau das ist es auch, worum es geht: immer an sich selbst arbeiten. Das haben mich die letzten Jahre gelehrt.
Natürlich habe ich viel Mist gebaut und mir selbst Steine in den Weg gelegt, aber ich bin nicht mehr so wie vor drei, vier, sieben oder fünfzehn Jahren. Stillstand ist der Tod. Wenn auch nur ein geistiger.

Früher wollte ich nicht heiraten, keine Kinder bekommen. Ich fand es – auch wenn es politisch völlig inkorrekt sein mag – verantwortungslos, wenn jemand Kinder in die Welt setzt. Heute muss ich darüber schmunzeln, weil ich es mir mittlerweile selbst vorstellen kann. Nicht zwanghaft, weil ich jetzt über Dreißig bin, sondern weil ich nach all den Jahren voller Verzweiflung, Wut, Zerbrechen und wieder zusammen flicken so weit bin: ich könnte mich um meine Familie kümmern und es wäre das größte Geschenk, wenn es soweit kommen würde. Ob es jemals so sein wird, steht auf einem anderen Blatt.

Ich bin auch nicht mehr so verbittert, wie ich es mal war. Natürlich kotzen mich ein paar Dinge und manche Menschen immer noch an, aber ich habe begriffen, dass man gewisse Dinge nicht ändern kann und sie einfach hinnehmen muss. Das gelingt mir nicht immer, aber meistens.

Wenn ich darüber nachdenke, dann weiß ich, dass ich sogar versuchen würde mit dem Rauchen aufzuhören. Nicht nur wegen der Gesundheit des Kindes, sondern weil ich meinem Kind ein Vorbild sein will. Behutsam, bedacht, stark, mit Blick nach vorn und großem Herz, musikalisch, lustig, weltoffen und mit der Gewissheit, dass man alles schaffen kann, wenn man es wirklich will.

Ich glaube, ich würde meinem Kind erst alles über mein Leben erzählen, wenn es weit über zwanzig ist. Dann wäre ich über fünfzig Jahre alt… oh Gott…

Na ja, das war jetzt alles aus der Melancholie bei Regen an einem Samstagnachmittages heraus. Hauptsache, Schalke gewinnt heute. ;-)



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