give me something to believe in...

Von musikalischen Fehlpässen und einer Flasche Rotwein...

20:05, Tuesday 4 March 2008 2 Kommentare Link

Es muss einem ja nicht alles gefallen. Rein auf die Musik bezogen sollte man erst recht tolerant sein. Aber so langsam wird es schwer, richtig gute Musik zu finden…

In meiner fast schon alltäglichen Suche nach irgendwas, was einfach nur gut ist, begebe ich mich heute also mal wieder quer durch youtube.com und stöbere in allen möglichen Genres rum. Irgendwo bleibe ich bei Industrial und den Ablegern hängen und stoße auf Dinge, die ich früher mit Sicherheit gehört hätte und auf eine Art „cool“ oder irgendwas in der Art gefunden hätte. Heute geht es mir einfach nur noch auf den Sack.  

Irgendwie kam ich über Ministry zu Wumpscut. Als dann endlich genau das kam, was mir nur noch ein müdes Mundwinkelverziehen entlockt – irgendein Lappen, der zum Song „War“ mit einer Maske im Gesicht im Wohnzimmer so etwas wie einen Affentanz aufführt – war ich irgendwie schlagartig sauer. Das Schlimme daran ist eigentlich, dass die Primaten das, was sie da tun, ernst meinen.

Man muss wirklich in den tiefsten Grotten und Verzweigungen suchen um richtig gute Musik zu finden und nicht nur von dem Popscheiß, der einem täglich überall in die Fresse gedrückt wird - und pubertierenden Halbaffen, die sich von einem vermeintlich kommerziellen Scheiß abheben wollen und sich nur noch lächerlich machen - erschlagen zu werden.
Über Sparten wie Techno rede ich nicht. Ist für mich keine Musik (keine Seele, nichts handgemachtes. Techno hat kein Fleisch, keinen „Arsch“).
(Abgesehen vielleicht von den Tänzerinnen.)

Trotzdem: ich habe weiter gesucht. Und irgendwann habe ich mich gefragt, was die Blassnasen eigentlich bezwecken wollen, wenn sie düstere Arrangements mit  Videoaufnahmen nachts im Wald unterlegen und irgendwas von Tod und Teufel schwafeln?
Ich bin mir nicht sicher, ob sie kleine Kinder erschrecken wollen oder ob sie beleidigt sind,  weil sie unfähig sind überhaupt ein Instrument zu spielen.  

Vielleicht bin ich auch nur enttäuscht, weil ich oft genug nachts – als ich vom Proberaum kam - zwangsweise über Friedhöfe gelaufen bin und nie einen Grufti oder sonst was mit Alu in Nase und Ketten in den Lippen gesehen habe, oder weil mir von diesen ach so finsteren Gestalten nie einer begegnet ist, wenn ich um Mitternacht unterwegs war, sei es mit dem Hund, oder weil ich von irgendwo angetrunken auf dem Weg nach hause war. Schade eigentlich. Mich hätte interessiert, wer mehr Schiss gehabt hätte…

Ich kann mit dem Kram nichts mehr anfangen. Für mich ist Musik Ausdruck von Gefühlen. Man kann und muss immer wieder Lieder über Schmerz, Leid, Sehnsucht und der Auseinandersetzung mit todtraurigen Ereignissen schreiben und hören, das ist völlig klar. Dafür ist Musik da. Sie ist eine Stütze, ein Stimmungswandler, ein Ventil, ein Unterhalter, ein Gedicht in Form von Tönen für die schönste Frau der Welt.
Kein Mensch will andauernd Protestsongs hören oder Lieder über die Armut in der Welt, oder nur Liebeslieder. Oder Polkas oder die fünfmilliardste umgewandelte Version von irgendeinem Hit aus der Bronzezeit.
Aber mal ganz ehrlich – wenn jemand durchgehend nur davon spricht wie beschissen es ihm geht, dann nimmt ihn keiner mehr ernst. So geht’s mir mit dem angesprochenen Genre und mir, wie ich eine zeitlang drauf war...

Vielleicht geht bei mir auch die Toleranz flöten, ich weiß es nicht. Ich rege mich ja auch oft genug über allen möglichen Scheiß auf und das geht dem einen oder anderen mit Sicherheit auf den Sack. Der- oder diejenige muss sich das nicht durchlesen sowie ich mir deren Senf nicht anhören muss. Jeder hat eben seinen Geschmack.

Nachdem ich mich jetzt wieder abgeregt habe und wieder runter komme weiß ich, dass es einfach meinen musikalisch toten Nerv getroffen hat, was ich mir heute freiwillig angesehen habe. Sorry.
Der Abend wird damit enden, dass ich mir Songs von den Deftones anhöre, jetzt gerade „Passanger“ (nein, hat nichts mit Iggy Pop zu tun - auch nicht abgewandelt), eine Flasche Rotwein trinke und CDs sortiere…
Vielleicht zieh ich mir auch ein Video von Jan Akkerman rein. Der beherrscht sein Instrument wenigstens.  

Aber über eines bin ich mir völlig im Klaren: ich wäre ein beschissener Musikkritiker geworden… Beste Voraussetzung für einen Job bei einer bestimmten Musikzeitschrift…


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Musiktipps

08:58, Sunday 9 March 2008 Geschrieben von Stefan Briel
Hi Stephan, kennst du Porcupine Tree? Unbedingt reinhören. Außerdem die Damnation von Opeth, alles von Kings Of Leon, The Decemberists und die neue! Bauhaus. Björn Berge müsste dir eigentlich auch gefallen.

Unbenannter Kommentar

15:27, Sunday 9 March 2008 Geschrieben von traumtod
Hi,

Porcupine Tree sind mir kein Begriff. Ich werde Deinem Rat folgen und reinhören. Ebenso was Björn Berge angeht. Immerhin bin ich Dir heute noch für „The Gathering“ dankbar. :-)
Alles andere ist mir bekannt, wobei ich mich mit der neuen Bauhaus noch nicht richtig auseinandergesetzt habe.

Schon was von "Unjust" gehört?

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