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Lied über eine Schlacht

6 June 2011 um 19:40 in Gedichte | Kommentare: [ 0 ] | Kommentieren


Eine Bardin mittleren Alters sitzt auf dem steinernen Geländer einer kleinen Brücke, neben ihr ein recht junger Bursche. Sie reden, lachen, essen etwas Obst und vertreiben sich gekonnt die Zeit. Eigentlich müsste der Junge längst auf dem Weg zu seinem Meister sein, Kampfunterricht steht an, aber sein Meister sagt auch immer "Wenn du die Chance hast, eine gute Geschichte zu hören, nimm' dir die Zeit." Geschichten seien manchmal sehr lehrreich, meint er.

"Hast du schonmal eine richtige Schlacht miterlebt?" fragt der Junge interessiert. "So auf einem Schlachtfeld, mit Rittern und Magiern?"
"Auf einem Schlachtfeld? Ist ein Schlachtfeld nicht immer da, wo eine Schlacht stattfindet?" antwortet die Bardin.
"Na, schon..." stutzt der Junge, "...aber ...ich meine..."
"Ich hab' mal eine Schlacht mitbekommen," nimmt sie ihm seine Erklärungsnöte ab, "allerdings nicht mit Rittern und Magiern."
"Mit was denn dann?"
"Mit Freunden." entgegnet sie. "Ein guter Freund war mittendrin."
"Und du?" fragt der Junge, "Wo warst du?"
"Ich habe mich natürlich versteckt und alles beobachtet." Er sieht sie vorwurfsvoll an. "Ich bin Musikantin, weißt du... ich beobachte und berichte, ich kämpfe nicht." Der Junge nickt verstehend. "Soll ich dir davon erzählen?"
"Oh ja, bitte!" lächelt er sie an.
Die Bardin greift zu ihrer Flöte, spielt eine fröhliche, bedrohlich werdende Melodie, setzt die Flöte ab und singt die erste Strophe.


Weit vor den Toren sieht man sie, die;
feindliche-en Horde-en;
hört ihren Marsch und Lieder vom;
Plündern u-und Morden;

Die Glocke schlägt, das Horn erklingt, alles;
läuft rege um-mher;
die Weiber sammeln Vorrat ein, ver-;
stecken die-e Kinde-er;

Die Melodie, die sie in kürzerer Fassung erneut spielt, ändert sich kaum, wirkt aber diesmal bedrohlicher und bedrängender und auf eine gewisse Art hektisch.

Der Schmied öffnet sein Lagerhaus und;
der Feind rü-ückt nähe-er;
'Verteidigt unser Volk und Land, auf;
zu den Waffen, Brüde-er!';

Ich greife mir ein rost'ges Schwert, es;
erfüllt se-einen-n Zweck;
auch eine Rüstung liegt bereit, zwi-;
schen Gerümpel und Dreck;


Die Langform der Melodie klingt diesmal sehr bedrohlich, spannend und ein wenig bedrückend. Der Junge jedenfalls klebt an ihren Lippen und wagt nicht, sie zu unterbrechen.


An uns'ren Toren tobt die Schlacht, die;
Erde fä-ärbt sich ro-ot;
von allen Seiten laut Geschrei, zu;
Besuch i-ist der To-od;

Die Sonn' sich hinter Rauch versteckt, von;
brennende-em Gehö-öft;
dumpfer Geschmack von Kling' und Blut liegt;
in der A-abendlu-uft;

Die Kurzform, die aus der Flöte ertönt, klingt nun garnicht mehr fröhlich, sondern nurnoch bedrückend und melancholisch.

Freunde sterben, Feinde fall'n, so;
ist der La-auf der Zei-it;
all jene, die das Böse blend't, wer-;
den davon befre-eit;

Der Tod nimmt, was er kriegen kann, zieht;
seine Ru-unden hie-er;
Macht keinen Halt vor Frau und Kind, un-;
stillbar se-eine Gi-ier;


Wieder dauert das Flötenspiel etwas länger, die Melodie wird langsamer und ruhiger, verliert gegen Ende den bedrohlichen Ton, behält aber ihre Traurigkeit.


Die Glocke klingt ein letztes Mal, der;
Kampf i-ist vorbe-ei;
Stille überzieht das Land, dort;
wo es bra-ach entzwe-ei;

Ich schwöre meine Treue dir, vergoss';
Blut und Trä-än' für dich;
selbst meinen letzten Atemzug schenke;
ich dir, mein König.

Aus der Flöte dringt musikalische Traurigkeit, die gleichzeitig einen Funken Hoffnung beinhaltet und langsam ausklingt.


Die Bardin verneigt ihren Kopf vor dem Jungen, dessen Blick nachdenklich über das gegenüberliegende Brückengeländer wandert. "Danke" sagt er. Sie lächelt und greift in ihren Reisebeutel.
"Magst du noch einen Apfel?" fragt sie und hält ihm einen Apfel entgegen.

 








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