Besitzer-greifend
Gib mir all den Schmerz, den du in dir trägst, gib ihn mir, gib mir alles davon, was dich zerbersten kann. Ich ertrage es, ich bin es, der dir die Last abnimmt. Gib mir all das Leid, das dir widerfahren ist. Deine kostbaren Stunden, die der Zufall verschwendet hat. Gib jede Sorge an mich, gib jeden Gedanken über den Tod an mich weiter. Vergiss die Bestimmung des Lebens, vergiss Wegweiser, denn du bist du selbst.
In meinem Kopf sammelt sich die Vielfalt der Verzweiflung. Langsam baue ich jede einzelne Einbildung ab, wie Alkohol. In erträglichen Dosen, die mir hoffentlich nicht schaden. Keine Träne darf fließen, kein Lächeln darf über mein Gesicht huschen, keine Liebe darf in meinem Körper beben. Ich bin der Katalysator aller Menschen um mich herum, ich bin das Epizentrum, in welchem das Schlechte des Daseits verstummt.
Meine Hand zittert, mein Gewissen rudert, meine Vernunft verteidigt, mein Leben funkelt. Ich fühle, dass ich bin, wannimmer, woimmer, ich möchte Aufgaben übertragen, Verantwortung besiegen. Das gleichmäßige Klacken in der Vorstellung täuscht über die Unregelmäßigkeit des Alltags hinweg. Überforderung für die Säulen, die ich gebaut habe, ständig, immerzu, lass es aufhören.
In Moll schreitet die Zuversicht über den Friedhof der Gedanken, Blumen wachsen aus dem toten Boden, die Vögel singen meinen Marsch. Manchmal glaube ich an Wunder, wenn nicht gerade die Religion dazwischen funkt. Außerhalb von mir spielt sich mein wahres Ich ab, die Leidenschaft ist wie ein Schatten der Hoffnung, die aus meinem Herz verjagt wurde.
Am Ende der Spannung angekommen, löst sich der Zweifel vielleicht doch in etwas auf, was ich glücklicherweise nicht definieren kann. Ich schaue auf die geschmiedeten Pläne, auf die Zukunft, auf die Konzeption des Wohlstands, auf die Blitzlichter, die unser Grenzland bietet. Eventuell, aber nur vielleicht, sind wir so weit entfernt von der Göttlichkeit, dass die Gestalten am Himmel die Zeichen einer Hölle sind.
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