Alicante 2007

Travel: ALC -> WR

19:40, 6.04.2007 .. 0 Kommentare .. Link

Jaja, ich weiß, ich bin mal wieder spät dran. Aber das kennt ihr doch inzwischen von mir.

Erst jetzt gibt’s meinen Eintrag vom 07.03. zu lesen, die Fahrt zurück nach WR. Da ich auch keine Fotos gemacht habe, werde ich in bester Seagalschen DTV-Manier auf Stock-Footage zurückgreifen müssen.

07.03.2007 6.15 Wecker klingelt – definitiv zu früh. Lieber noch ne Runde „snoozen“. Aber dann muß es ja auch losgehen. Mit Leah hatte ich ausgemacht, daß sie mich zum Flughafen bringt – ich liebe meine Vermieterin! – Nachteil: Weil sie noch zum Sport muß und die chaotische Parksituation nur früh am Morgen Parkplätze am Gym garantiert, bin ich etwas früher dran. Ist mir aber lieber als eine stressige Anreise per Bus und die halbe Stunde extra am Airport würde ich mit „neuer“ Musik auf meinem iPod locker über die Runden bringen.

Tja, und da sitzen wir auch schon in ihrem Flitzer und düsen über die Autobahn Richtung Aeropuerto. Ein malerischer Sonnenaufgang über dem Mittelmeer weißt uns den Weg und aus dem CD-Radio dröhnt meine Alicante-Hymne „Wish you were here“ von Incubus (Leah weiß einfach was gut ist! Ich schwöre: Die Scheibe hat sie aufgelegt.).
Ich glaube eh schon lange nicht mehr an Zufälle – Karma, anyone?

Airport ALCAlicante Aiport - Abflughalle

Nach kurzer Verabschiedung vor der Abflughalle („Don’t work too much.“) chille ich mit den Shins auf einer der gemütlichen Wartebänke am überraschend schicken Flughafen. Irgendwie kommen dann Gedanken hoch, über die letzten 2 ½ Wochen. Erlebnisse, Gefühle, Gesichter… War schon ´ne sehr coole Zeit. Und eigentlich habe ich auch alles geschafft: Wohnung, Matrikulation, Leute, Sprache. Ich hab echt alles geschafft! Jetzt bin ich doch ein bißchen glücklich. Aber trotzdem ist das wie ein Abschied, auf die große Fiesta nach Valencia kann ich schon mal nicht mit. Und Giovannis Botellón fällt für mich auch flach. Naja, es kommen ja noch so einige Fiestas denke ich. Ich vermisse plötzlich schon ein paar der Leute, die ich in den letzten Tagen täglich gesehen habe. Und nun ein riesen Berg an Arbeit, der auf mich wartet. Eigentlich will ich jetzt gar nicht weg…

Aiport ALCWartebänke in der Abflughalle

Da öffnet mein Schalter und ich reihe mich in die Schlange Rentner ein, die sich, typisch Deutsch, schon lange die ersten Plätze gesichert hat. Juhuu, Deutschland ich komme…

Harter Schnitt – Café con leche, dazu Schokocroissantdings. - Ellipse – Boarding Time: Das Rudel deutscher Rentner läßt mich gnädig zum Anfang der Schlange am Boarding-Stand: Das eingekreiste A auf meinem Ticket privilegiert mich nämlich, als einer der ersten den A319 zu besteigen. Es geht also entspannt an Bord.

Marcel Ophüls „ Widersprüche und andere Liebeserklärungen“ begleitet mich den Flug über. Die persönliche Widmung auf der Innenseite des Buches bringt mich plötzlich wieder ganz schnell der HS-Harz näher. Und die Familiengeschichten des Hauses Ophüls und die Einflüsse durch Renoir, Sautet, MGM lassen mich dann auch für 2 ½ Stunden das Geschnattere meiner russischen Sitznachbarrinnen ausblenden.

Big Taste - Easy JetBig Taste - Easy Jet (nee, das ging irgendwie anders)

Der Pilot hat scheinbar nen Gasfuß oder besser nen Gasarm, denn wir kommen satte 30 Minuten eher in Dortmund an. Eigentlich ein Grund zu Freude, Dank meiner fest gebuchten Verbindung habe ich nun aber über eine Stunde Aufenthalt. Mit Capuccino und der Neon bewaffnet schaffe ich das aber auch ganz gut. In einem Interview mit dem Leiter des Recruiting von BMW lese ich andauernd „Sinn machen“. Hhhmmm, ich hatte doch gerade im Audiobook von „Der Dativ ist dem Genetiv sein Tod“ gehört, daß dies nur ein falscher Anglizismus (Denglisch) von „making sense“ ist. Eigentlich heißt das doch: das ist sinnvoll oder das ergibt einen Sinn. Machen bedeutet fertigen, herstellen, tun. Etwas Abstraktes wie Sinn kann man nicht so eben erschaffen, der ist vorhanden oder nicht. Deutschunterricht durch Herrn Oberlehrer beendet, der Aiport Express-Bus wartet…

Als einziger Fahrgast (ja, auf dem Flughafen Dortmund ist nicht gerade viel los) geht’s dann auf den Weg zum Dortmunder HBF. Mit dem Busfahrer komme ich schnell ins Gespräch, der erweist sich neben einer ruhrpott’schen Frohnatur nämlich auch noch als echter Filmexperte und Bewunderer von Sean Penn. Bei der Suche nach Filmtiteln komme ich mir zwar etwas vor wie im Quiztaxi oder Mario Barths Straßenquiz, ich kann aber keine Kameras entdecken. Etwa schon wieder Karma? In der Diskussion über Scorseses Regieleistung bei The Departed und dem verdienten oder nicht verdienten Oscar-Gewinn von Das Leben der Andereren habe ich aber gar keine Zeit weiter darüber nachzudenken. Die 20 Minuten Fahrt vergehen wie im Flug, und für meine weitere Karriere wünscht mir der Driver viel Glück und alles Gute!

Dortmunds Bahnhof ist so gammelig wie man sich ihn vorstellt, aber dann sitze ich auch endlich im ICE und es scheint mir jetzt sogar die Sonne ins Gesicht. Gar nicht so schlecht hier –und die Leute sind auch nett. Na, das wird ja doch noch was. 20 Minuten bis Hannover HBF.

kennt man jaunterwegs mit dem ICE Dortmund->Braunschweig

Irgendwann stehe ich dann am dunklen, verlassenen Bahnhof in WR – es hat sich anscheinend nichts verändert. Da kommt schon Philips roter Skoda um die Ecke geheizt…


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