Gott und die Welt

Shabbat Shalom - du sollst den Feiertag heiligen 2. Mose 20,11

17:36, 2.12.2009

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Denn in sechs Tagen hat der Herr Himmel und Erde gemacht und das Meer und alles, was drinnen ist, und ruhete am siebenten Tage. Darum segnete der Herr den Sabbattag und heiligte ihn.

Hat uns nun sogar das Verfassungsgericht bestätigt. Naja, nicht wörtlich, der Sonntag soll zur seelischen Erbauung dienen, heißt es in der Urteilsbegründung, in der der die maßlosen Sonntagsverkaufszeiten abgewatscht wurden.

Der Herr befahl Mose, den Israeliten folgendes weiterzusagen:

Sage den Kindern Israel und sprich zu ihnen: Das sind die Feste des Herrn, die ihr heilig und meine Feste heißen sollt, da ihr zusammenkommt.
Sechs Tage sollst du arbeiten; der siebente Tag aber ist der große, heilige Sabbat, da ihr zusammenkommt. Keine Arbeit sollt ihr an dem tun; denn es ist der Sabbat des Herrn  in allen euren Wohnungen.  (3.Mose 23)

Das Wort  Schabbat , jiddisch Schabbes, bedeutet soviel wie Ruhe-Pause.  

Du sollst den Sabbat heiligen, und wenn du das nicht tust, mußt du sterben! Auf Sabbatschändung stand die Todesstrafe, wie im Übrigen auch auf viele andere Übertretungen des Gesetzes.

Jesus heilt am Sabbat einen Kranken, daraufhin wird er natürlich von den Gesetzeshütern angegriffen. Die Bibelstelle lautet wie folgt:

Und es begab sich, daß er ( Jesus ) kam in ein Haus eines Obersten der Pharisäer  auf einen Sabbat, das Brot zu essen. Und sie hielten auf ihn. Und siehe, da war ein Mensch vor ihm,  der war wassersüchtig.
Und Jesus antwortete und sagte zu den Schriftgelehrten und Pharisäern  und sprach: Ist’s auch recht, auf den Sabbat heilen?
Sie aber schwiegen stille. Und er griff ihn an und heilte ihn und ließ  ihn gehen.

Und antwortete und sprach zu ihnen: Welcher ist unter euch, dem sein  Ochse oder Esel in den Brunnen fällt, und er nicht alsbald ihn herauszieht  am Sabbattage? Und sie konnten ihm darauf nicht wieder Antwort geben. ( Lukas 14,1-6)

Nach jüdischem Brauch dürfen die Knaben am Sabbat beschnitten werden,  dieses Gesetz hat Vorrang vor der Sabbatruhe. weil das Kind ja auch an einem Sabbat geboren wurde ( also genau 8 Tage vorher )

Ist denn der Sabbat für den Menschen da, oder der Mensch für den Sabbat, fragt Jesus seine Gegner, ohne wirklich eine Antwort zu erwarten.

Freitagabend - kurz vor Sonnenuntergang: Weil am Sabbat Feuermachen verboten ist, entzündet die Frau des Hauses (oder ihre Tochter, wenn sie schon religionsmündig  ist) die beiden Sabbatkerzen. Sie stecken in einem Leuchter, der auf dem weiß gedeckten Tisch steht. Die Frau hält ihre Hände erst über die Kerzen und dann vors Gesicht. Sie spricht den Sabbatkerzen-Segen. Das Haus ist festlich hergerichtet, drei Mahlzeiten sind vorbereitet. Der Sabbat beginnt. Die Familie versammelt sich frisch gewaschen und umgezogen. 

Zuvor hat die Familie den Eintritt des Sabbats mit einem feierlichen Abendgebet in der Synagoge begangen. Bei den letzten Zeilen des berühmten Sabbatlieds haben sich alle symbolisch zur Tür gewendet, um die "Königin Sabbat"  eintreten zu sehen. "Shabbat Schalom", einen "Sabbat des Friedens" wünschen sich die Gottesdienstbesucher am Ausgang.


Wieder zu Hause segnet der Vater seine Kinder. Eine kleine Kanne mit Wasser steht für das rituelle Händewaschen bereit. Je dreimal gießt man sich Wasser über die linke und die rechte Hand. Wenn der Vater orthodox ist, singt er sogar die biblische Aufzählung der "Tugenden der tüchtigen Hausfrau". Er spricht das Kiddusch-Gebet und den Segen über den bis zum Rand gefüllten Becher Wein und reicht ihn dann herum.


Danach nimmt er die Decke von den Sabbatbroten (Challa). Die Challa ist eine Art Hefezopf, manchmal bestreut mit Mohn oder Sesam. Der Hausherr spricht den Brotsegen und reicht jedem ein mit Salz bestreutes Stück Brot. Ob das Leben üppig oder karg ist, es gibt immer Grund zur Dankbarkeit.
Der folgende Morgen wird durch zwei aufeinander folgende Gottesdienste strukturiert, am späten Nachmittag folgt ein weiterer. Im Zentrum dieses Tages stehen die heiligen Schriften, die Thoralesung in der Synagoge, die Auslegung, die Diskussion, das Selbststudium. Alles geschieht jedoch möglichst unangestrengt, der Ruhe und Harmonie des Sabbats angemessen.


Der Sabbat geht zur Neige, wenn am Samstagabend die ersten drei Sterne am Himmel zu sehen sind. Es folgt die Hawdala, die "Trennung" zwischen dem heiligen Tag und dem Rest der Woche. Eine offene, silberne Dose mit wohlriechenden Kräutern wird herumgereicht (Bessamimbüchse). Ein Segen folgt, denn Gott hat auch die herrlichen Düfte geschaffen. Man wird erinnert an das Schöne in der Welt, um den Schmerz des Abschieds vom Sabbat zu lindern.

Eine dünn geflochtene Hawdala-Kerze wird entzündet, denn jetzt ist Feuermachen wieder erlaubt. Die Hände werden damit beleuchtet, sie sollen wieder anpacken und arbeiten. Die Kerze wird dann in einem Tropfen verschütteten Weines gelöscht.
Der Sabbat – ein freier Tag in der Woche - ist wohl das größte Geschenk der Juden an die Welt. Zur Erinnerung an Gottes Ruhetag während der Schöpfung und an die Befreiung Israels sollen Juden den Sabbat heiligen, so die beiden biblischen Begründungen. Das Sabbatgebot ist eines der Zehn Gebote, die Mose von Gott empfing und hat daher für alle jüdischen Richtungen eine bindende Bedeutung, auch wenn der Grad, in dem man die einzelnen Sabbat-Regeln befolgt, sehr verschieden sein kann. Im geistigen Sinne dient der Sabbat der inneren Ruhe, der Einkehr und der Harmonie mit der Umwelt. Er ist Kern der Woche und des Lebens, ein Zentrum zu dem man immer wieder gerne zurückkehrt.

"Nicht die Juden haben den Sabbat gehalten, sondern der Sabbat hat die Juden gehalten", schrieb im 19. Jahrhundert der jüdische Schriftsteller Achad Ha’am. Dieser wichtigste, wöchentlich wiederkehrende Feiertag wurde in der wechselvollen Geschichte des Judentums der zentrale Identifikations- und Sammlungspunkt. An diesem Tag wird durch viele Rituale und Regeln ein Abstand zum Alltag erreicht. Es wird ein Raum geschaffen, in dem ein Jude frei wird, um sich seiner Religion und seines Volkes zu vergewissern. Der Sabbat ist vor allem ein Schutz gegen die Auflösung der eigenen Identität und das Vergessen der eigenen Wurzeln.

In den verschiedenen Gesellschaften, in denen Juden lebten, mussten sie immer wieder dafür kämpfen, ihren Sabbat heiligen zu dürfen und nicht arbeiten zu müssen. Bis zur Einführung des Sabbats war es völlig unüblich, Menschen einen Ruhetag zu gönnen. Der römische Philosoph Seneca verspottete die Juden, "da sie etwa den siebten Teil ihres Lebens mit Nichtstun verlieren". Dieses "Nichtstun" hat sich allerdings als ein äußerst wirkungsvolles Mittel gegen die Vereinnahmung durch andere bewährt. Flavius Josephus schrieb, dass die Römer drei Weltwunder entdeckten, als sie Judäa eroberten: das Tote Meer, den Schaubrot-Tisch im Tempel, und den Sabbat.


Am Sabbat ist die "Melacha", das Werk oder die Arbeit, verboten. Die Definition von Arbeit im Sinne der jüdischen Religion ist das Schaffen einer neuen Situation, die vorher noch nicht existierte. Deshalb fällt darunter auch das Reisen. Bis zur Synagoge darf man in der Stadt nur 1000 Meter laufen. Im Grunde sind alle Tätigkeiten verboten, die in den Lauf der Dinge eingreifen und die äußere Umwelt beeinflussen. Mit dieser generellen Regel lassen sich Sabbat-Verbote erklären und bekommen einen Sinn. Alle modernen Regeln leiten sich von dieser Auslegung der Sabbat-Gebote ab.

Wichtigste Leitlinie ist die im Babylonischen Talmud zusammengefasste Liste der 39 Arbeiten, die am Sabbat verboten sind. Sie versuchen die Anweisungen zur Sabbatheiligung zusammenzufassen, die in den fünf Büchern Mose (Thora) verstreut sind. Der Talmud enthält zum Beispiel das Verbot, am Sabbat ein Feld zu pflügen oder das Verbot, am Ruhetag zwei Buchstaben zu schreiben. "Zupfen" ist verboten und das "Tragen aus einem Gebiet in ein anderes Gebiet". Diese Regeln zu deuten und in Einzelregeln für ein Leben in der Moderne umzusetzen, führt im Judentum immer wieder zu heftigen Diskussionen.
In der Tendenz jedenfalls stärken die Regeln das Familienleben, weil sie als besonders göttlich und schützenswert erachtet werden.

Die moderne Gefahr, dass Familien statt miteinander zu reden den Fernseher anschalten, ist im Judentum gebannt. Den Fernseher anzuschalten ist nämlich verboten. Es gibt sogar ein Sabbat-Gebot, welches mehr als alle anderen den heimischen Zusammenhalt stärkt: Ehepaare sind angehalten, am Sabbat-Abend nach dem Essen miteinander zu schlafen. Denn das höchste Gebot ist der "Oneg Schabbat", der Genuss des Sabbats.
Unter strenggläubigen Juden darf am Sabbat keine Arbeit verrichten werden, die "Materie verändert".  Gegessen werden darf, aber nicht gekocht.  Das Essen vom Vortag wird warmgehalten in der berühmten "Kochkiste", sofern man nicht  kalte Speisen ißt.

Fahrstuhlfahren ist nur erlaubt, wenn man keine Knöpfe drücken muß. Also fahren die Fahrstühle in Sabbat-konformen Hotels automatisch von Etage zu Etage. 
Wehe dem, der es wagt, mit dem Auto am Sabbat in eine orthodoxe Wohngegend zu fahren!  Steine werfen verändert noch keine Materie, ist also erlaubt und wird auch praktiziert. 

Eine Sabbat-Meile ist der Weg, den ein frommer Jude gehen darf, das genügt normalerweise  zur Synagoge und zurück.
Ist es einmal unvermeidlich, das ein frommer Jude am Sabbat etwas tun muß, was eigentlich nicht erlaubt ist, muß er sich einen "Schabbes-Goij" suchen. Das ist ein Nichtjude ( Goijim), der anstelle des Juden die Arbeit verrichtet. 

Was hat das nun alles mit uns zu tun?

Christen haben ja den Sonntag als Ruhetag,  im romanischen heißt er „Domenica“, also Tag des Herrn.   Da sollte man in die Kirche gehen und ansonsten ruhen.

Nicht nur in einer modernen Gesellschaft ist es einfach unmöglich, jede Art von Arbeit am Sonntag, den wir ja für uns als siebenten Tag erwählt haben, ruhen zu lassen. Jeder Bauer muß am Sonntag die Kühe melken, und wenn die Ernte ansteht, gibt es keinen Sonntag und keinen Feierabend,  wenn dunkle Wolken aufziehen.  Einen Hochofen kann man nicht einfach übers Wochenende abstellen,  und eine Zuckerfabrik muß  zur Erntezeit auch durchlaufen.

Auch der strengste Christ wird nicht sein Haus abbrennen lassen,  jede ärztliche Hilfe verweigern oder ohne Licht und Wasser sein wollen, weil Feuerwehr und Krankenhaus dicht machen und Stromversorger und Wasserwerk nicht besetzt sind.

Züge können nicht einfach um Mitternacht anhalten, und Flugzeuge nicht irgendwo landen, weil der Sonntag angebrochen ist. 

"Ich tanke nicht am Sonntag," sagte mir ein Freund. "das ist für mich meine persönliche Feiertagsruhe." 

Aber was macht der gläubige Bäckermeister, der am Sonntag seine Filialen öffnet, weil es alle tun?  Und die Krankenhäuser mit frischen Brötchen beliefert. Letztere könnten mit moderner Technik natürlich auch die Rohlinge vom Vortag fertig backen, vollautomatisch. Denn nirgendwo steht in der Bibel, daß wir am  Sonntag  fasten sollen. 

Und Essen gehen nach dem Gottesdienst wollen wir ja auch,  und erwarten, daß alle Restaurants geöffnet sind.

Wo ist die Grenze zu setzen zwischen Feiertagsruhe und unbedingt notwendiger Arbeit ?  Vielleicht können wir den Feiertag als Luftholen definieren, als Abstand nehmen von der Arbeit, die uns als Broterwerb dient, sofern das möglich ist. 

Dann braucht man auch keine verkaufsoffenen Sonntage um jeden Preis, soll heißen um den Preis des Geldverdienens. Ich gönne den Angestellten im Einzelhandel den freien Tag von ganzem herzen. 

Der Sabbat ist für den Menschen da, damit er Atem holen   und seines Schöpfers gedenken kann. 
Vielleicht gehen Sie, liebe Leser, nächsten Sonntag mal in eine der Kirchen in Ihrer Stadt, wenn Sie nicht gerade Sonntagsdienst haben.

Vorliegender Text wurde aus verschiedenen Quellen, u.a. Luther 1912 und Wikipedia,  zitiert.

 


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