Gedanken zum Dreikönigstag
20:58, 27.12.2009
.. Link„Es reicht mir“ brüllte der bärtige Mann in dem nicht mehr ganz sauberen Gewand seine Mitreisenden an. „Wir sind jetzt drei Monate unterwegs, zweimal von Räubern überfallen worden, unser Geld ist fast alle und wir laufen immer noch einem Stern hinterher, dem wir nie erreichen werden.“
Vor der Karawanserei in Beth-Lehem stand eine Gruppe von Reisenden. Sie bestand aus drei offensichtlich weitgereisten Männern, deren Kleidung die lange Reise anzusehen war. Als Reittiere hatten sie Kamele dabei, die ein Knecht gerade von ihrem Gepäck befreite.„Erst sind wir diesem verfluchten Stern bis Jerusalem gefolgt, dann bis zu diesem Dorf hier und was nun? Wo ist der neugeborene König denn? Ich sage euch, wir sind einem Hirngespinst gefolgt. Drei Monate für nichts und wieder nichts. Und jetzt dürfen wir mal wieder draußen übernachten, weil anscheinend alle Welt hier Rast machen will und morgen früh hat man uns garantiert den Rest vom Gepäck geklaut! Was schaut ihr mich so blöd an?“
Er hielt inne mit Schimpfen, denn seine Gefährten sahen nicht ihn an, sondern an ihm vorbei. Ein merkwürdiges Kribbeln erfaßte ihn und er drehte sich um, seine Hand fuhr an den Gürtel, wo das Schwert hing. Mehr als einmal hatte er sich gegen Räuber und Diebe wehren müssen.
Eine Gestalt stand vor ihm, in eine dunkle Djellaba gehüllt und den Kopf mit einer Kapuze bedeckt. Sein Gesicht lag im Dunkeln, denn der Stern, dem sie nun so lange gefolgt waren stand genau in seinem Rücken und funkelte besonders hell.
„Fluche nicht dem Stern, der euch geführt hat, du bist am Ziel, mein Freund,“ sagte die Gestalt mit einer leisen, aber kraftvollen Stimme. „Kommt mit mir, ich werde euch etwas zeigen. Nehmt, was ihr mitgebracht habt, aber laßt euren Knecht das Gepäck bewachen“ Die Gestalt drehte sich um und die drei Reisenden folgten. Sie gingen um die völlig überfüllte Herberge herum, traten hier auf einen Mantel und stolperten dort über ein Gepäckstück, was immer mit einem Fluch der jeweiligen Besitzer quittiert wurde. Wer nicht das Glück hatte, im inneren einen Platz zu finden, lagerte mit all seinem Gepäck draußen bei den Kamelen oder Eseln. Es war hier ein Geschrei und Gezeter, dort Kinderweinen und Geschimpfe. Wie es hieß, hatten die römischen Besatzer die Idee zu einer großen Volkszählung gehabt, eine sichere Methode, um noch mehr Steuern aus einem Land zu pressen.
Sie kamen an ein schweres Holztor, das von einem Hausknecht bewacht wurde. Der blickte die Gestalt an, zögerte einen Augenblick und öffnete dann ohne weiter zu fragen das Tor, um es nach den Reisenden schnell wieder zu schließen. Sie kamen in den Stall der Herberge, das konnte man riechen. Aber immer noch besser als der Gestank draußen, dachte der Bärtige, dieses Gemisch aus Kamelmist und ungewaschenen Leuten, durchdrungen von gebratenem Fleisch, das auch schon eine längere Reise hinter sich hatte. Über allem lag der scharfe Geruch von verbrennendem Kamelmist, dem einzigen Feuermaterial, das die Leute hatten.
In dem Moment, wo der Knecht die Tür hinter ihnen schloß, verebbte der Krach von draußen schlagartig.
Es war merkwürdigerweise nicht dunkel im Stall, obwohl nur eine einzige Öllampe brannte. Das Licht kam von keiner bestimmten Stelle, es war einfach da. Und im Schein dieses Lichtes lagerten ein Mann und eine Frau, diese mit einem Kind an der Brust.
Die Gestalt, der sie gefolgt waren, zeigte auf das Kind, drehte sich um und war verschwunden, noch ehe sie sein Gesicht gesehen hatten. Die drei Reisenden wußten, daß sie am Ziel waren, am Ende ihrer langen Reise. Sie verbeugten sich vor der Mutter mit dem Kind, knieten dann nieder und öffneten ihre Taschen. Es waren keine großen Reichtümer, die sie mitgebracht hatten, denn Sterndeuter wurden nicht unbedingt gut bezahlt im Zweistromland. Aber ihre Gaben waren doch sehr wertvoll für die kleine Familie: Einige Goldstücke, die wenig später die Flucht nach Ägypten finanzieren sollten, das Harz des Weihrauchstrauches und Myrrhen als Heilmittel.
Lag es an ihren mangelnden Sprachkenntnissen oder an der ganzen merkwürdigen Situation ? Dies sollte also der neue König der Juden sein, der von Gott Gesandte? Die Mutter erzählte, was ihr geschehen war, der Vater konnte nicht viel mehr beisteuern. Kein Zweifel, der Stern hatte es angekündigt, aber es blieb doch rätselhaft. Nun gut, ihr Auftrag war erfüllt, sie zogen sich nach Austausch einiger Höflichkeiten zurück, um bei ihren Kamelen das Nachtlager einzurichten.
Als sie die schwere Tür öffneten, durch die sie auch gekommen waren, meinten sie leisen Gesang zu hören. Aber dann schlug ihnen schon das Geschrei der Menschen und Tiere entgegen, wo sollte hier schon jemand singen ?
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