Gott und die Welt

....der werfe den ersten Stein ( Johannes 8, 2-11 )

20:33, 18.01.2010

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 Jesus verließ die Stadt und ging zum Ölberg, aber schon am nächsten Morgen war er wieder im Tempel. Viele Menschen drängten sich um ihn. Er setzte sich, und begann, sie zu unterrichten.

Da schleppten die Pharisäer und Schriftgelehrten eine Frau heran, die beim Ehebruch ertappt worden war, stießen sie in die Mitte, damit sie jeder sehen konnte, und sagten zu Jesus: "Diese Frau wurde beim Ehebruch überrascht. Wenn wir das Gesetz des Mose befolgen, müssen wir sie steinigen. Was meinst Du dazu?"

Das war eine Fangfrage. Sie suchten nämlich einen Anlaß, um Jesus anklagen zu können.Nach einer Weile, sie wurden schon ungeduldig, sagte er zu ihnen. "Nun, steinigt sie! Aber den ersten Stein soll der werfen, der selbst noch nie gesündigt hat!"

Einer nach dem andern schlichen sie davon. Als alle weg waren, sagte Jesus zu der Frau: „Hat dich denn keiner verurteilt ?"

"Nein", Rabbi, anwortete sie.

"Dann will ich dich auch nicht verurteilen. Geh und sündige nicht noch einmal."  (So steht es im Evangelium nach Johannes).

Was war das Gesetz des Moses, auf das sich die Gelehrten bezogen?

Nach dem Auszug aus Ägypten gibt Gott den Israeliten unter anderem das Gebot: "Du sollst nicht ehebrechen!"  Es heißt ganz präzise im 3.Buch Mose, Kapitel 20: "Wenn ein Mann mit der Frau eines anderen Israeliten die Ehe bricht, sollen beide getötet werden." Welche Todesart zu verhängen ist, steht dort nicht, etwas später wird aber die Steinigung für Totenbeschwörer und Wahrsager vorgeschrieben.

Wie diese und andere Strafen in Zusammenhang mit dem Wort Gottes ein Kapitel zuvor zu sehen sind, ist mir nicht ganz klar: "Räche dich nicht und sei nicht nachtragend, liebe deinen Mitmenschen wie dich selbst!" 

Seitdem wird für Ehebrecherinnen die Steinigung als Strafe vollzogen. Von Ehebrechern ist dagegen eher selten die Rede, nur von Gotteslästerern.

Bei Verdacht auf Ehebruch werden die bedauernswerten Frauen einer Probe unterzogen: sie müssen Wasser trinken, das ein Priester zuvor mit einem Fluch präpariert hat. Ist sie schuldig, wird ihr Bauch sich aublähen und sie fürchterliche Schmerzen leiden, außerdem wird sie unfruchtbar.

Ist sie unschuldig, wird ihr das Wasser nicht schaden. Der bekannteste Ehebrecher in der Bibel war König David, der Bathseba, die Frau seines Feldherrn Uria begehrte und zu sich nahm, Uria schickte er in ein Todeskommando.  Das mosaische Gesetzt galt offensichtlich nur für das niedere Volk.

Die Steinigung war und ist eine sehr blutige Angelegenheit. Das Opfer wird mit gefesselten Armen bis zum Bauch in die Erde eingegraben. 

Dann stellen sich die Vollstrecker ringsum auf, nachdem sie ihre Überkleider abgelegt haben. ( Die Steinigung des Stephanus, Apostelgeschichte )

Die Größe der Steine wurde so gewählt, das sie dem Opfer wohl Verletzungen zufügten, aber nicht so groß, das es schon von einem einzigen Stein zu Tode kam. Dann wurde begonnen, das Opfer zu bewerfen, bis es unter einem Haufen Steine begraben lag. War ein mitleidiger Vollstrecker dabei, falls man hier überhaupt von Mitleid reden kann, tötete er das Opfer mit seinem letzten Stein, andernfalls es unter dem Haufen qualvoll verblutete.

Jesus hebelte nun mit seinen Worten auf geniale Weise die Gelehrten aus, die ihn auf die Probe stellen wollten. Er hatte ja von sich gesagt: "Ich bin gekommen, das Gesetz zu erfüllen." Wie auch in allen anderen Auseinandersetzungen mit den Würdenträgern der damaligen Zeit findet er einen Weg, das das Gesetz zu achten, aber trotzdem die Liebe zu leben, die er predigte.

Die Steinigung ist auch heute noch eine angewandte Todesstrafe in fundamentalistisch-islamischen Ländern. Diese Länder, die die sogenannte Scharia als Gesetz haben, vollziehen die menschenverachtenden Strafen wie Auspeitschen, Steinigung und Amputation mit der Begründung, dies sei göttliches Gesetz. 

Allerdings steht im Koran nichts davon, und Scharia heißt soviel wie "der Weg zur Quelle ( in der Wüste)", also im übertragenen Sinne "der richtige Weg".  In Sure 2,256 steht:"Es gibt keinen Zwang in der Religion"

 Daß die Steinigung an der indonesischen Haushaltshilfe vollzogen wird und nicht am Ehemann, der seine Frau betrogen hat, sei nur am Rande erwähnt. 

 Songtext Udo Jürgens "der werfe den ersten Stein"


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