Gott und die Welt

Schwerter zu Pflugscharen ( Micha 4,Vers 3 )

20:13, 13.04.2010

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 Schwerter zu Pflugscharen

und Spieße zu Sicheln. Das stand zwar immer auf den riesigen Plakatwänden in der früheren DDR, ist kein Zitat aus dem Kommunistischen Manifest, sondern ein Bibelzitat aus Micha 4, Vers 3.  Hier der ganze Text, es ist eine Prophetie des Herrn an Micha:

In den letzten Tagen aber wird der Berg, darauf des Herrn Haus ist, fest stehen, höher denn alle Berge, und über die Hügel erhaben sein, und die Völker werden dazu laufen,  und viele Heiden werden gehen und sagen: Kommt, laßt uns hinauf zum Berge des Herrn gehen und zum Hause des Gottes Jakobs, daß er uns lehre seine Wege und wir auf seiner Straße wandeln! Denn aus Zion wird das Gesetz ausgehen und des Herrn Wort aus Jerusalem.

 Er wird unter großen Völkern richten und viele heiden strafen in fernen Landen. Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere ein Schwert aufheben und werden nicht mehr kriegen lernen.
Ein jeglicher wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen ohne Scheu; denn der Mund des Herrn Zebaoth hat’s geredet.

Schwerter zu Pflugscharen wäre ja technisch gesehen nicht schwierig. Kalaschnikows in die Schrottpresse werfen auch nicht. Aber was machen wir mit den Atombomben ?
Wir alle freuen uns über die Abrüstung der Supermächte, keine Frage. Seit den vierziger Jahren haben sich  aberwitzige Mengen an nuklearem Sprengstoff angesammelt,  die man nun möglichst schnell beseitigen will. 

Wäre es herkömmlicher Sprengstoff, kein Problem. Man könnte einfach die Granaten oder Sprengköpfe nach und nach auseinander nehmen und den Inhalt  kontrolliert abfackeln. Bei thermonuklearen Sprengköpfen ist das leider nicht so einfach. 

Diese kann man zwar zerlegen, deren Inhalt, hochangereichertes Plutonium, aber nur in einem Kernreaktor  beseitigen.  Es gibt wirklich keine andere Möglichkeit, das Plutonium wieder von dieser Erde verschwinden zu lassen, sieht man mal von aberwitzigen Ideen ab, es in den Weltraum zu schießen.  Im Prinzip wäre es dann natürlich weg, vorausgesetzt, der Raketenstart glückt. Und man bekommt es aus der Erdumlaufbahn in Richtung Sonne oder jedenfalls weg aus unserem Sonnensystem. Mißglückt der Start, sollten wir uns wünschen, wir hätten niemals diesen Einfall gehabt. Nicht von ungefähr stand Pluto, römischer Gott der Unterwelt, für die Namensgebung  Pate.

Plutonium ist ein hochgiftiges, radioaktives Metall mit der Dichte 19,25.  Ein Plutoniumblock von der Größe einer 1-Liter Milchtüte wiegt folglich knapp 20 kg,  gerade das Freigepäck in der Touristenklasse. Viel Abschirmung bräuchte man nicht, da Plutonium als Alphastrahler keine große Durchdringungskraft hat. Die radioaktive Strahlung wird oft als Maß für die Gefährlichkeit eines Stoffes genommen,  das ist irreführend.  Bräuchte man für radioaktives Kobalt-60 der gleichen Menge einen Bleibehälter mit mindestens halbmeterdicken Wänden, würde für Plutonium ein  kleiner Edelstahltopf  voll ausreichen.  Kobalt-60 ist ein künstliches Isotop und  Gamma-Strahler mit hoher Durchdringungskraft.

 
Es sollten aber tunlichst nicht zu große Mengen in einen Topf getan werden, und schon gar keine 20 kg. Die kritische Masse von Plutonium liegt bei rund 5 kg,  kommt soviel hochangereichertes Waffenplutonium zusammen, startet einen nukleare Kettenreaktion.  Die genaue Menge hängt von der Geometrie ab,  umgibt man eine etwa tennisballgroße Plutoniumkugel mit einem Reflektor aus Beryllium, werden die Neutronen ins Innere des Balls reflektiert und man hat eine, nein keine Bombe, aber eine Waffe, die außerordentlichen Schaden anrichten kann, vorausgesetzt, die kritische Masse bleibt lange genug zusammen. Eine massive Stahlhülle würde dafür genügen.

Durch die einsetzende Kettenreaktion würde sich die Kugel sehr schnell erhitzen, um dann schließlich in einer tödlichen  Wolke zu explodieren.

Ein Experiment dazu ist  überliefert aus dem ersten Versuchen zur Atombombe in den USA: Ein Wissenschaftler wollte mit zwei unterkritischen Halbkugel aus Plutonium das langsame Kritischwerden demonstrieren. Er hielt beide in den Hände und brauchte sie vorsichtig zusammen ( damals war das Wort „Strahlenschutz“ noch unbekannt.) Aus Versehen kamen die Hälften glatt aufeinander zu liegen, und die Kettenreaktion startete. Die entstehende Hitze trieb die beiden Halbkugel allerdings sofort wieder auseinander, der Experimentator ließ sie dann fallen.  Wegen der sehr kurzen Zeit kam es  nicht einmal zu einer Schmelze, der kurze Strahlungsblitz war allerdings tödlich.

Um eine "richtige" Bombe zu bauen,  müßten mehrere unterkritische  Plutoniumsegmente simultan, d.h. exakt zur gleichen Zeit  ineinandergeschossen werden, eine technologisch recht anspruchsvolle Aufgabe, es geht um Mikrosekunden dabei. Dann erst würde die Kettenreaktion so schnell in Gang kommen, daß die innewohnende Kraft nach Einsteins Formel "Energie = Masse multipliziert mit dem Quadrat der Lichtgeschwindigkeit" freigesetzt wird, also eine richtige Atombombe explodiert. Werden die unterkritischen Einzelteile nicht genau gleichzeitig zusammengebracht, setzt die thermonukleare Reaktion bei Erreichen der kritischen Masse „langsam“ ein und treibt den Rest  wieder auseinander. 

Aber halten wir mal fest: 20 kg Plutonium abgezweigt aus  alten Sprengköpfen  werden in kleinen  Segmenten von Terroristen  in einem Labor zu einem oben beschrieben Sprengsatz zusammengebastelt. Dazu benötigt man Metallbearbeitungsmaschinen, die in einer „Glove-Box“ stehen und von außen bedienbar sind.  Plutoniumstaub, der beim Bearbeiten entsteht, ist hochgiftig, aber das wird einen echten Terroristen kaum stören. Ein Teil davon wird beim Öffnen entweichen und die Umgebung verseuchen, aber irgendwann ist der Sprengsatz fertig.  Technisch bedingt werden nicht die ganzen 20 kg gespalten werden, sondern insgesamt vielleicht 1 kg. Das entspräche der Sprengkraft von 20.000 ( kt) Tonnen herkömmlichen Sprengstoffs.

Er  wiegt nicht mehr als 100 kg mit der erforderlichen Technik und paßt in einen kleinen Wagen,  den ein Selbstmordattentäter dann an eine passende Stelle bringt.  Er selbst käme dabei natürlich ums Leben, aber das ist ja das Ziel eines Märtyers. Würde er die Bombe an einem exponierten Platz   zünden, wäre die radioaktive Verseuchung der ganzen Stadt   verheerend. Man schätzt  bei einer Stadt von 200.000 Einwohnern, daß einige tausend bei der Explosion zu Tode kommen, etwa 5000 - 10000 kurzfristig an Plutoniumvergiftung sterben werden, weitere 100.000 langfristig an Krebs. Natürlich sind auch die folgenden Generationen betroffen.

Die Halbwertszeit von Plutonium, genauer gesagt Pu-239, beträgt rund 24.000 Jahre, d.h. nach dieser Zeit ist erst die Hälfte der ursprünglichen Menge zerfallen. Das hochgiftige Material wird vom Körper als Aerosol über die Lunge  aufgenommen und in die Knochen eingebaut, wo es durch die abgebende Alphastrahlung Krebs auslöst. Man schätzt, genau messen läßt sich das logischerweise nicht, daß es rund 40 Jahre dauert, bis die Hälfte der aufgenommenen Menge den Körper wieder verlassen hat oder zerfallen ist.  Jeder  nach 1945  geborene Mensch hat übrigens rechnerisch einige Atome  Plutonium im Körper, von den bis  1962 üblichen  überirdischen  Bombentests. 
 
Aus der Inkorporation von  diesen winzigen Mengen auf eine zunehmende Krebsrate zu schließen, ist allerdings problematisch. Gibt es bei den Opfern von Hiroshima und  Nagasaki selbstverständlich direkte Zusammenhänge, ist das bei wenigen Atomen  in den Körpern "normaler" Menschen nicht faßbar. Grundsätzlich kann zwar ein einziges Alphateilchen eine Zelle so stark schädigen, daß sie entartet, aber es gibt eben keine meßbare Schwelle. 

Eine Plutoniumbombe hätte also etwa den Effekt der Nagasaki-Bombe ohne große physikalische Zerstörung, aber mit einer riesigen Anzahl an Spätfolgen durch verschiedene Krebsarten.  (die erste  Hiroshima-Bombe war keine Plutonium-, sondern eine Uraniumbombe.)

Vor 1900 hat man sich noch nicht allzuviele Gedanken über Krebs gemacht, nur die Fälle zur Kenntnis genommen, die eben da waren.  Und heute werden die Menschen immer älter,  damit werden Krebsfälle akut, die hundert Jahre vorher einfach nicht da waren, weil die Menschen mit 50 schon gestorben waren. Und Leukämie bei Kindern  war eben, sofern die Krankheit überhaupt erkannt wurde, unheilbar. 
Aus normalen Atomreaktoren kann übrigens über die Abluft kein Plutonium emittiert werden.

Wohin also nun mit dem Plutonium, damit es keinesfalls in die Hände von Terroristen fallen kann ?

Wie schon erwähnt, ist der einzige im Wortsinne bombensichere Weg die "Verbrennung" in einem  der Energiegewinnung dienenden Reaktor. Dabei wird das normale Pu-235 in den Brennstäben teilweise durch Plutonium-239-Oxid ersetzt. Durch die langsamen Neutronen im Reaktor wird nun das Pu-239 unter Energieabgabe  zerstört,  der Prozeß läßt sich auch nicht rückgängig machen. Es ist also nicht möglich, aus abgebrannten Mischoxidbrennstäben wieder waffenfähiges Plutonium zu gewinnen. Die beim Abbrand von Pu-239 entstehenden Produkte haben nur noch eine mittlere Halbwertszeit von  ca. 100 Jahren,  ein durchaus überschaubarer Zeitraum im Gegensatz zu den 24.000 Jahren des Plutoniums. Zu regeln wäre natürlich noch die Endlagerung der abgebrannten  Stäbe.

Der technische Aufwand für die Zerlegung von Plutonium-Sprengköpfen und die Verarbeitung zu Brennstäben ist natürlich sehr hoch, aber machbar. Es existierte sogar schon eine Fabrik in Hanau, die aber schon 1995 noch vor Inbetriebnahme aus politischen Gründen wieder stillgelegt wurde. 

Es ist zu fragen, ob den Verantwortlichen überhaupt klar geworden ist, daß sie damit weiter Plutonium auf dem Markt halten. Jedes Kilogramm, das in Reaktoren verbrannt wird, kann nicht mehr von Terroristen  oder nicht kontrollierbaren Staaten mißbraucht werden. Um es flapsig ausdrücken: Was weg ist, das ist weg, und zwar für immer. Plutonium selbst aus Uran gewinnen ist äußerst aufwendig und kann nur von Staaten durchgeführt werden, nicht von  kleinen Gruppen, auch wenn sie finanzstark sind.  Die erforderlichen technischen Einrichtungen sind, wie das Beispiel Nordkorea zeigt, sehr groß und nicht geheimzuhalten.

Die weitverbreitete Angst vor der  Radioaktivität  hat hier in eine Sackgasse geführt:   Wird eine Aufarbeitungsanlage nicht in Deutschland, sondern beispielsweise in Rußland gebaut, haben wir zwar das direkt Risiko aus unserem Garten entfernt, handeln  uns dafür aber neue Gefahren in der Nachbarschaft ein.  Der Unfall in Japan hat gezeigt, daß Schlamperei sehr schnell zu einem Unfall führen kann, in Tokaimura war, einfach gesagt,  zuviel Plutonium auf einen Haufen gekommen. 

Hinzu käme bei einer Aufarbeitung  in Rußland oder einer der früheren Sowjetrepubliken auch noch das Risiko des Diebstahls. Kalaschnikows kann man mittlerweile überall kaufen, es ist nur eine Frage der Zeit, wann auch Waffenplutonium auf dem Schwarzmarkt auftaucht.  Und unterkrische Mengen in kleinen Edelstahltöpfen von Milchdosengröße sind wirklich absolut sicher in der Handhabung, vorausgesetzt, sie sind sauber verschweißt. Zehn Schmuggler stecken sich jeweils Töpfe mit 500 Gramm Plutonium in die Hosentaschen und ziehen los in Richtung Europa oder USA. Feinmechanische Werkstätten im Untergrund fertigen dort die Bombe und schicken die Selbstmordattentäter los. Für die Handhabung von Plutonium sind, wie erwähnt, keine aufwendigen Strahlenschutzlaboratorien notwendig, es reichen im Prinzip frei verkäufliche Handschuhkästen mit Filtereinrichtungen.  Nach erfolgter Benutzung  sind diese natürlich für die nächsten 100.000 Jahre verseucht, ebenso wie die Umgebung.

Mit dem Plutonium-Nuklid 241 kann man, das ist wenig bekannt, noch kleinere Bomben bauen. Diese müßten allerdings alle zwei Jahre neu befüllt werden, da sich wegen der kurzen Halbwertszeit zu viele Abfallstoffe bilden.
Plutonium ist übrigens  ein natürliches Element,  das allerdings nur durch Spaltung von Uran gebildet werden kann.  Es gibt einen wissenschaftlich belegten Beweis  dafür in Afrika:
Bei dem Naturreaktor Oklo in Gabun handelt es sich um eine Uranlagerstätte, in der durch natürlich entstandene Urankonzentration eine nukleare Kettenreaktion einsetzte. Die hohe Urankonzentration entstand vor ca. 2 Milliarden Jahren, also im Erdzeitalter des Proterozoikum. Der Kernreaktor war ca. 500.000 Jahre lang aktiv und setzte während dieses Zeitraums, bei einer thermischen Leistung von bis zu 100 kW, Energie im unteren dreistelligen TWh-Bereich frei. Das entspricht in etwa der Energiemenge, die ein durchschnittliches Atomkraftwerk in einem Zeitraum von 4 Jahren erzeugt. Im Zuge dessen wurden insgesamt mehrere Tonnen Uran nuklear gespalten und eine entsprechende Menge Plutonium erzeugt. ( Quelle: Wikipedia)
 


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Plakatwände

19:35, 7.09.2011 .. Geschrieben von Anonymous

Ich möchte zu gerne wissen wo die riesigen Plakatwände, die
angeblich überall in der DDR hingen gewesen sein sollen.Außerdem war das ein Slogan kirchlicher oppositioneller und Wehrdiensverweigerer damals. Niemals
hätten irgendein Bonze noch passende Plakatwände dafür aufgehangt.
Das ist der übliche Schwachsinn der wieder mal verbreitet wird, pfui!


Danke

08:29, 7.04.2012 .. Geschrieben von Anonymous

Sehr fundierter , wissenschaftlich sauberer und ausgewogener Artikel.

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