Grünsonntag. Sonntag. Horst Neuhoff-Sportplatz. Neunter Spieltag der Niederrheinliga, der Cronenberger SC empfängt den KFC Uerdingen 05. Cronenberg? Wo ist das denn? Das ist in Wuppertal, im schönen bergischen Land also. Der Cronenberger SC lässt sich gut mit Hoffenheim vergleichen. Na gut, ohne das viele Geld. Ohne Mäzen. Und ohne großes Stadion. Und auch ohne großen sportlichen Erfolg, Cronenberg ist vor und nach dem heutigen Spiel Tabellenletzter. Aber er ist ein Dorfclub. Wie Hoffenheim. Und die Fankultur ist auch ähnlich, äh, "blühend". Dazu dann später mehr.Erst einmal muss man das Stadion - Verzeihung - den Horst Neuhoff-Sportplatz finden. Am besten orientiert man sich an den grünen Autos mit dem weißen Schriftzug "Polizei". Rund um die Cronenberger Spielstätte habe ich zwanzig (!!) Einsatzwagen gezählt, kein Scherz. In der sechsten Liga. Unglaublich, für dreihundert Uerdinger so ein großes Aufgebot. Hatte aber auch damit zu tun, dass die bösen Buben von Union Solingen zeitgleich beim Wuppertaler SV II antraten (und mit 5:3 gewannen). Da waren kleinere Konfilkte vorprogrammiert. Inwiefern bzw. ob es da aber nach dem Spiel noch zu Reibereien gekommen ist - keine Ahnung. Interessiert mich aber auch nicht so sehr. Mehr interessiert mich die Leistung auf dem Platz. Im kostenlosen Stadionheft werden wir großmündig als ehemaliger Bundesligist vorgestellt, ja sogar ein "Hauch von Europapokal" wollen die Schreiberlinge vom "CSC-Echo" in Cronenberg erleben. Davon war aber über 90 Minuten nichts zu sehen, der KFC gewann in der Offensive kaum einen Zweikampf und rannte in der Defensive den Gegnern nur hinterher. Zur Pause lag man bereits verdient 0:2 zurück. Also gilt; nicht nur neben, sondern auch auf dem Platz ist Grün präsent: die Trikotfarben vom CSC sind nämlich grün-weiß. Grünsonntag eben. Wogegen sich der blau-rote KFC auf dem grünen Rasen ordentlich blamiert. Und das als "Bayern München der Liga". Steht so auch im CSC-Echo.Auch in der zweiten Halbzeit wurde es nicht besser: ein kurzes Aufbäumen mit einem Anschlusstreffer per Elfmeter, das war's. Man war zwar drückend feldüberlegen, Chancen gab es aber kaum. Die gab es nur durch Kontergelegenheiten für Cronenberg. Und die spielten gegen Ende des Spiels sogar noch in Unterzahl: ein Angreifer der Wuppertaler sprang unserem Torwart brutal ins Gesicht, Keeper Björn Kreil musste minutenlang behandelt werden. Gab aber nur die gelb-rote Karte statt dem eigentlich fälligen Rot. Unfassbar. Wie auch das Endergebnis: 3:1 für die Gastgeber. Anschließend wurde man auch von der Dorfjugend gegenüber verhöhnt, die schon das ganze Spiel auf dicke Hose gemacht hat und damit tierisch auf die Klötze ging: das ist alles so traurig, dass man als Außenstehender fast über die Situation des ehemaligen Bundesligisten lachen könnte. Tu ich natürlich nicht. Mein blau-rotes Herz schlägt weiter. Aber der nächste "Hauch von Europapokal" wird wohl noch in weiter Ferne liegen. Es sei denn, beim nächsten Auswärtsspiel in Viersen schreibt man im Vereinsheftchen wieder über die großen Erfolge der Uerdinger in den 80-Jahren, von denen die aktuelle Truppe nur träumen kann. Es ist alles so traurig, neun Punkte Rückstand bis zur Spitze bereits. Scheiß Fussballgott. Guten Abend.
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Johannes Floehr
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