Rockpalast: für lau, aber nicht umsonstFreitag Mittag erreichte mich eine E-Mail von ARD, ich hätte zwei Karten für den Rockpalast in Essen gewonnen. Hurra! Ein paar Tage zuvor hatte ich spaßeshalber bei einem Gewinnspiel auf ARD.de mal mitgemacht und zackbumm, hab auch gewonnen. Also, schnell den Daniel informiert (Hallo Daniel! [er liest hier mit]) und Hin- und Rückfahrt organisiert und fertig. War zwar etwas umständlich dadurch, dass ich zuvor noch Bundesliga-Fußball in Bochum schauen war, aber hat ja auch alles geklappt. Und hier in chronologischer Reihenfolge (Bilder vom Konzerttagebuch) mein Konzertbericht. Als wir kurz nach 18:00Uhr die Grugahalle betreten hatten, war die erste Band des Abends schon fertig: tut mir leid, liebe Bandmitglieder von The Racals. Wir kamen gerade an, als die schottischen Glasvegas ihren Soundcheck vornahmen. Was besonders bei der Alternative-Truppe auffiel: der Drummer war eine Frau. Okay, kommt vor, aber es kam uns so vor, als hätte man sie vorher aus dem Publikum auf die Bühne gezerrt und gesagt "komm, mach!", so unbeholfen und steif trommelte sie herum. Verspielt hat sie sich nicht, aber bei den zwei rockenden Kollegen an Bass und Gitarre wirkt sie doch wie ein Fremdkörper. Ach ja, gesungen wurde ja auch: der Frontmann hat eine sehr kräftige Stimme, hat mir auch gut gefallen. Übrigens waren auch ein paar Hardcore-Fans (man könnte fast sagen "Glasveganer", hahaha!) nach Essen gereist, sie wurden mit guter Musik und einem kleinen Plausch auf extremen schottischen Englisch-Dialekt mit dem Frontmann von Glasvegas für die weite Anreise belohnt. Nach dem Auftritt der Schotten betraten nach einer Pause die Fleet Foxes auf die Bühne getrabt. Das Quintett aus Seatlle hat richtig Spaß gehabt und auch gemacht, so muss es sein. Der in den Musikheftchen und -blogs hochgelobte Indie-Folk-Pop wurde gut inszeniert, aber vor allem die kultigen Ansagen vom "bärtigen" Frontmann Robin Pecknold werden in Erinnerung bleiben: der Herr war zwischen den Songs immer zu Scherzen aufgelegt und selbst als jemand aus dem Publikum "Arschloch!" auf die Bühne gerufen hatte, blieb man auf der Bühne gelassen und nahm es mit Humor: "I cannot Google-Translate this so fast!". Der nächste Titel wurde dann noch mit "now another monster hit" angekündigt, grandios! Kann man arrogant, aber auch sehr unterhaltsam nennen. Ich nenne es unterhaltsam. Da wurde dann auch der Ersteindruck von Daniel widerlegt, der nach zwei, drei Songs feststellte: "Das ist ja ganz toll und so, aber da sind mir zu viele 'Oooooohs', 'Aaaaahs' und 'Uuuuuh's! Keine Guckmusik!". Guckmusik? Ja, Guckmusik. Also wenn auf der Bühne viel passiert. Soll er euch irgendwann selbst erklären.Und nachdem die ersten beiden musikalischen Auftritte so gut gefallen haben, hier mal ein paar kritische Worte: teuer, langweilig, buuuuh! Aber der Reihe nach: für 0,25l Pils wollte man doch tatsächlich 2,50€ haben, puh. Ziemlich teuer, aber wohl auf Konzerten üblich. Leider war man bei sechs Stunden Aufenthalt in der Halle auf das teure Essen und Trinken angewiesen, aber ich will ja nicht meckern. Tu ich aber trotzdem. Und zwar über Donavan Frankenreiter. Kennt ihr nicht? Doch, jede Wette. Der Herr, der mit "surft gern, sieht aber nicht so aus" angekündigt worden ist, läuft hier im Radio ungefähr zweimal in der Stunde. Alle Songs des Singer-Songwriters aus Seattle klingen gleich, gähn, und werden durch ewige Instrumental-Parts ewig in die Länge gezogen. Immerhin hat Pärchen mit Cowboy-Hüten alle Lieder durchgetanzt. Als dann der Smash-Super-Kracher "It Don't Matter" mit geschätzten zehn Refrains bis ins Unendliche geschmettert wurde, gähnten Daniel und ich. Wir saßen sogar, nur Herrn Frankenreiter sollten wir an diesem Abend sitzend, äh, ertragen. Glücklicherweise war er dann irgendwann wieder weg. Ist nicht meine (unsere) Musik. Kurz vor 22:00Uhr sprang dann ein Herr auf die Bühne, von dem ich vorher noch nie etwas Musikalisches vernommen hatte, aber wusste, dass Lukas ihn ganz toll findet. Sein Name: Ben Folds. Der nette Herr trägt ein Shirt und eine hautenge Hose, was sich vor allem dann sichtbar macht, wenn er breitbeinig (!) auf seinem Piano musiziert. An dieser Stelle ein netter Gruß an Bens Gesäß.Für den Arsch ist seine Musik dennoch nicht, denn Ben Folds macht gemeinsam mit seinen Musikanten ziemlich laute Musik, meine Oma würde "Krach" dazu sagen. Er hämmert gekonnt und singend auf seinem Piano herum, der Schlagzeuger trommelt und die Bässe krachen nur so aus den Boxen. Und weil er kaum Ansagen oder Pausen macht, rauscht der Ben Folds-Zug nur so an einem vorbei. Hätte er nicht gegen Ende an seinem Piano herumgespielt und elektronische Klänge aus dem Instrument herausgezaubert (ihr müsst mit dieser reinen Information leben, keine Ahnung was er da genau gemacht hat), man käme sich vor wie in der Londoner U-Bahn, so schnell und laut war die Musik. Ich weiß nicht genau, ob mir das gefallen hat. Bis ich mir meine Meinung gebildet habe also hier zum letzten Act: Travis. Die Britpopper sind wohl noch die Truppe, die man am ehesten vorher gekannt hat. Zwar hatte ich von jedem Act des Abends irgendwann mal irgendwo was gehört oder gelesen, aber von Travis stehen sogar CDs im Regal. Dementsprechend hatte ich mich auf den Hauptact des langen Festival-Abends auch sehr gefreut. Aber was die Schotten (schon wieder!) gestern gezeigt haben, einfach nur ganz groß. Ich wusste gar nicht, wie geil die live sind. Ganz routiniert wird das Publikum von Frontmann Fran Healy nur so von Schleimereien und Komplimenten beworfen, mal läuft er in die tobende Menge und lässt sich feiern, aber immer wird mitgesungen. Die ganzen Hits von "Closer" über "Re-Offender" bis "Sing", alles war dabei. Glücklicherweise eher weniger vom aktuellen Album "Ode To J. Smith", das mir gar nicht gefallen hatte. Aber: sogar die schlechten Songs vom Langspieler klingen live sehr gut. Wie machen die das? Und als das Konzert schon zu Ende schien, kamen die Jungs nochmals auf die Bühne und gaben akustisch "Flowers in the Window" zum besten (hier anschauen!). Ganz ohne Strom, nur mit Gitarre, Rassel und Gesang. Sehr geil. Danach noch ein gesprungenes "Why Does It Always Rain On Me?" zum Abschluss. Mir fallen keine positiven Superlative mehr ein, denkt euch selbst welche aus. Danke Travis!Und danke ARD für den schönen Abend für lau. War aber ganz sicher nicht umsonst, schließlich haben wir eine sehr gute (Travis), zwei gute (Glasvegas, Fleet Foxes) Bands, einen außergewöhnlich langweiligen (Donavan Frankenreiter) und einen außergewöhnlich Ungewöhnlichen (Ben Folds) gesehen. Gern wieder. (WhiteTapes.de und CoffeandTV.de waren auch da, dort gibt es zwar noch keine Berichte, während ich diese Zeilen hier verfasse, die folgen aber sicher im Laufe des Tages) TV-Tipp:
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Johannes Floehr
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