TV-Kritik: Abnehmende Menschen, zunehmende Peinlichkeit Jeder weiß: Dicke Menschen sind lustig. Und nett. Ach ja, und natürlich dick. Kann natürlich nicht so bleiben! Zum Glück gibt es da ja das Fernsehen, puh. ProSieben zeigt ab heute donnerstags um 20:15Uhr in "The Biggest Loser" wie vierzehn dicke Menschen versuchen, dünner zu werden. Versteht mich nicht falsch, eine gute Sache, vor allem aus gesundheitlicher Sicht. In den USA gab es von der Abnehmshow bereits sieben Staffeln und immer konnten die Kandidaten erstaunliche Erfolge erzielen - aber natürlich ist es ProSieben misslungen, eine ernst zu nehmende Dokumentation aus der Abnehmerei zu machen. Aber der Reihe nach.Präsentiert wird die "Show & Comedy" (ProSieben.de) von Ex-Eiskunstläuferin Katarina Witt, die sogar schon ein Fitness-Buch veröffentlichen ließ und sich so natürlich schon für die Moderation anbietet. Wie das mit den Prominenten in solchen Sendungen aber so ist, bekommen die Kandidaten den Star aber nur selten und falls dann doch, sehr kalt und distanziert zu Gesicht, aber es gibt ja auch wichtigere Dinge zu tun: Abnehmen zum Beispiel. Zuvor werden die Jungs und Mädels aber noch gewogen, Gewinner ist am Ende der Staffel nämlich der- oder diejenige, die am meisten Gewicht verloren hat. Ab und an dürfen die Teilnehmer dann auch noch ein bisschen was von sich geben und da sind ja wirklich ein paar sehr überraschende Einzelschicksale dabei, oho: "Ich bin schon seit meiner Kindheit so dick und habe schwere Knochen!"Ach wirklich? Na dann, weg mit den Männerbusen! Verschwinde, dicker Hintern! Aber Es ist aber nicht die Tatsache, dass es für Unbeteiligte ziemlich wenig unterhaltsam ist, Menschen beim Abnehmen zu beobachten. Wirklich schlimm und beunruhigend ist, wie egal es ProSieben zu sein scheint, wie viel die "Biggest Loser" letztlich auf die Waage bringen: Wie ist es sonst zu erklären, dass jeder Teilnehmer vorher noch in seiner eigenen Wohnung dabei gefilmt wird, wie er haufenweise Dickmacher zu sich nimmt? Gehört dies zu einer seriösen Dokumentation dazu oder reicht es nicht, sie erzählen zu lassen, dass sie gern viel essen? Und wie peinlich-erniedrigend muss es für Teilnehmer Enrico sein, im TV zu sehen, wie die große Gewichtsabnahme des 190kg-Mannes mit "Mr.Boombastic" von Shaggy zelebriert wird? Überhaupt fällt auf, dass kaum ein Interview und erst recht keine sportliche Tätigkeit ohne laute Musik aus dem Off über den Bildschirm geht. Möchte man den Zuschauer mit dem Charts-Gedudel ablenken? Wäre es nicht viel authentischer, an der ein oder anderen Stelle auf Songs wie "Big Girls" von Mika zu verzichten? Ist es notwendig, künstlich und mutwilig Zickenkriege und Neid herzustellen? Ich weiß ja nicht, wie viel Einfluss ProSieben auf die Werbung während der Sendung hat, aber muss während einer solchen Show wirklich für McDonald's, Cola und Mikrowellen-Currywurst geworben werden? Wissen die Kandidaten nicht, dass der teure Preis für ihre Abnehmkur im TV die öffentliche Bloßstellung und Offenbarung privater Probleme und peinlicher Privatangelegenheiten ist? Muss die Kamera beim fröhlichen Wetthungern wirklich jedes Mal den Zoom anschmeißen, wenn ihr ein Fettpölsterchen vor die Linse springt? Während der ersten sechs Sendungen verlieren die Teilnehmer insgesamt übrigens rund 400kg, Respekt und Glückwunsch dazu. Und Sie, lieber Zuschauer, können sich mit mir über diese Erfolge freuen - aber bitte ohne diese peinliche Sendung. Dieses TV-Fastfood hat niemand verdient. {Vorherige Seite} {Seite 13 von 181} {Nächste Seite } ©
Johannes Floehr
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