Ich bin ein Voyeur - lasst mich in Ruhe! Es ist schon fast langweilig geworden, über "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!" zu schreiben: Jeder tut es, neue Erkenntnisse gibt es selten und dass die Sendung nicht sonderlich anspruchsvoll und authentisch ist, wissen wir auch längst. Nicht neu ist dazu die Erkenntnis, dass die zehn Kandidaten wohl ziemlich pleite und egal geworden sein müssen, um überhaupt ins berühmt-berüchtigte "Dschungel-Camp" zu ziehen. Wissen wir jetzt, wo wir uns schon die vierte Staffel auf RTL antun, doch schon. Wenn sie die Aufmerksamkeit brauchen, dann geben wir sie ihnen doch, wir sind doch alles nette Menschen. Und wenn die weiblichen Kandidaten dann nackt duschen oder baden gehen, freut sich sogar der Voyeur! Ich bin jemand, der sich aus vielen Gründen auf diese Show gefreut hat und sie auch dieses Jahr ausführlich verfolgen wird - wofür ich mich komischerweise immer rechtfertigen muss. Unterschichten-TV für BILD-Leser sei das Programm, tststs. Bin ich wirklich so blöd, wie mich die Klugscheißer halten? Nö. Denn es gibt derzeit kaum eine bessere Comedy als eben diese Show. Zum einen das tolle Duo Bach/Zietlow, das ironisch-kritisch mit Zoten, offensichtlichen Wortspielen und Kalauern um sich wirft, sich dabei selbst aber nicht ernst nimmt. So sollte es sein. Und dann noch die Menschen im Camp. Ich sage bewusst "Menschen", weil es eben diese sind, die die Sendung so spannend und unterhaltsam machen: Nichts ist so interessant wie der Mensch. Kennt man die Menschen, die man dann schelmisch beobachtet auch noch entfernt, weil sie irgendwann irgendwo aus irgendeinem Grund mal für ein paar Minuten in der Öffentlichkeit standen, dann macht das erst recht Spaß. Andere garantiert böse und gefährliche Lebewesen wie Spinnen, Schlagen und vielleicht sogar Stirnlappenbasilisken sorgen dann in Kombination mit den _-Promis (bitte Buchstaben einsetzen) für Kurzweil und gute Unterhaltung. Manchmal sind es sogar nur bestimmte Körperteile von Tieren, die im Rampenlicht stehen. Gestern zum Beispiel musste "Loriette London", ehemals Mann, heute, äh, "Frau", unter anderem eine "Penis Colada" trinken.Das kann mich gewiss geschmacklos, peinlich und ekelhaft finden. Man kann sich aber auch auf das Format einlassen, sich unterhalten lassen und amüsiert froh darüber sein, es nicht nötig zu haben, sich in der Show bloßstellen lassen zu müssen. Besonders spaßig übrigens: Nach der Sendung noch beim Fernsehlexikon vorbeischauen. Die Wortspiele dort haben auch garantiert mehr Biss als manche Schlange im Camp. {Vorherige Seite} {Seite 10 von 181} {Nächste Seite } ©
Johannes Floehr
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