24.12.2010
Es war einmal ... Weihnachten

Eisiger Nordwind blies in sein gegerbtes Gesicht. Die Augen verborgen hinter seinen 
breitkrempigen Hut. Eiskaltes Regenwasser floss unaufhaltsam in den Mantelkragen. Es war nicht sein Zuhause, er 
wusste nicht einmal, was Ihn in diese unwirtliche Gegend getrieben hat. Was würden Sie jetzt in Seiner Heimat tun? 
Christbaum schmücken, die letzten Geschenke besorgen? 

Seine Gedanken wanderten in eine andere Zeit. Er sah glückliche Kinderaugen, in denen sich das Leuchten der Kerzen spiegelte. Die Pakete lagen sorgfältig verteilt unter den schweren Ästen der riesigen Tanne. Es roch nach Lebkuchen und Kerzenwachs. An den Scheiben hatten sich Eisblumen gebildet. Die Tür ging auf und man konnte den Geruch von Alkohol wahrnehmen, mit dem sich Vater 
den Frust des Alltags von der Leber spülte. Seine Augen leuchteten auch, doch das lag wohl am letzten Glas Schnaps. 
Mutter's vorwurfvoller Blick sagte mehr als tausend Worte, nur um einen Streit am heiligen Abend zu vermeiden, 
wandte sich Ihr Blick wieder zu den Kleinen, denen das Fest noch das wichtigste an diesen stillen Tag war. Nichts und 
niemand konnte sie heute davon abhalten, glücklich zu sein. Faltige, abgearbeitete Hände, die einst zart und schön 
waren, streichelten zart die Kinderhäupter. Auch Sie schien sich in einer Art Traum zu befinden, der nur zu verwischen 
drohte, als Vater zu einen Weihnachtslied anstimmte, doch sein unbeholfenes Lallen verstummte schnell. Ach was. 
Weihnachten. Nur gut für den Umsatz. Schwer verdientes Geld wird planlos in die Menge geworfen. Er sah schon den 
Minusstand auf seinen Konto. Hatte er doch der Frau fast den ganzen Wochenlohn zum verprassen gegeben. Und was 
hat Sie dazu beigetragen? Herumgelaufen ist Sie, bis der letzte Taler in den Läden der Kaufhäuser verschwunden ist. 
Was weiß SIE schon, wie schwer verdient die Kohle heutzutage ist. Das bisschen backen, Christbaumschmücken, 
kochen, Kinder versorgen. Glücklich sollte Sie sein, solch einen Mann zu haben, der von früh bis spät nur an das Wohl 
seiner Familie denkt. Und jetzt dieser vorwurfsvolle Blick. Er wankte langsam Richtung Baum und pflückte sich ein 
gefülltes Fläschchen vom Hacken. Der Junge hob seinen Kopf, sah den Vater in die alkoholgetränkten Augen. 

Die Träne in seinem Gesicht war nicht aufzuhalten. Wird ER Mutter wieder schlagen? Es ist doch Weihnacht, das Fest 
der Ruhe und der Stille. Das Fest des Friedens. War ich nicht brav genug? Wer hat Schuld am ewigen Streit? Warum 
trinkt Vater auch am heiligen Abend? 
Aus dem Radio klingt leise Stille Nacht. Ungeduldig werden die Geschenke ausgepackt. Eine neue Eisenbahn, der 
Puppenwagen für die Schwester. Fast alle Wünsche wurden erfüllt. Vaters neue Schuhe drücken noch ein wenig und 
Mutter überlegt, wann sie den Gutschein fürs Fitnesscenter wohl einlösen wird. Tja, Zeit sollte man schenken können. 

Der Mann blieb stehen. Wie lange ist das schon her? Er wandte seinen Blick Richtung Meer. Der Sturm blies 
salziges Nass in seine Augen. Eine Träne wie damals vor dem Baum, nur der Ort unterschied sich von der wollig warmen 
Umgebung seiner Kindheit. Wird wohl heuer nichts mit Weihnachtsstimmung. Durch die dunkle Gischt konnte er ein 
Leuchten erkennen. Eine Kneipe, vielleicht noch geöffnet. Die alte morsche Eingangstür krächzte, als er eintrat. 
Rauchgeschwängerte Luft, ein alter Kanonenofen in der Mitte des Raums. Die wenigen Anwesenden sahen auf, als er 
einen Grog bestellte. Sie erkannten an seiner Aussprache, das er nicht einer der Ihren war. 

In einer Ecke verkümmerte eine Tanne, die schon bessere Zeiten gesehen hat. Die Kerzen waren fast abgebrannt. Im 
Radio eine Stimme, die wohl die neuesten Nachrichten verkündete und dann 

...... Stille Nacht 

Der Text war unverständlich, doch was macht das schon. Diese Melodie war unvergleichlich. Ja, es war wieder …. 

….. Weihnachen

 

Geschrieben von vie1100um11:51 | in:
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20.07.2008
Mundl bekommt Internet
Neilich wor ma beim Karli, wast ä, mein deppadn Buam, auf Besuch in seina Gemeindewohnung. Muass sogn, schäh hodas scho do. Ollas is modern, de Kuchl schaut aus, ois kenntats allanich kochn und im Wohnzimmer steht a drum Fernsea, so groß wia a Kinoleinwaund. Sogoa a eiganes Bürozimma hoda in dära Burg. Und weu da Karli iwahaupt ka Einädrara is, hot a ma glei sei neichste Erunganschoft zagt, nämlich sein Blechtrottl, genaunt Kompjuta oda so. Mit dem kauna si sogoa ins Intanet eiwöhn, dea obagscheite Herr dea. Und weu da Karli eben da Karli is, hot a mi glei gfrogt, waun i ma a sowos do zualeg. I sog zu eam, heast, du glaubst a, i bin so deppad wia du ausschaust gö?

Daun, wia i und de Toni wieda daham woan, is ma des gaunze nimma ausn Kopf gaunga und aum Montog bin i in des Telekaböbüro glei bei uns ums Eck gaungan und hob mi erkundigt, wia sowos funktioniern tätat. Duat is a so a Mochatschek gsessn, dea hot a glaubt, das ea de Wöd erfundn hod. Er hod mi duat niedagschwafföd, bis ma de Bian graucht hod, is anzige, wos i vastaundn hob woa, das i fia a Intanet mindestens an Kompjuta brauch, sunst is nix mit Sörfn. Na guat, bin i umä zum Cosmos und hob mia ums Ualaubsgöd a so a Maschin kauft, mit dära kaunst sogoa Musik mochn. Daun hob i ma glei vum Telekabö sein Iwagscheitn an Termin gebn lossn und jetzt sitz i scho seit sechse in da Frua do und woat, bis drausn aun da Tia leit.

Na endli woas soweit und dea Koffa is bei uns in da Wohnung gstaundn und de Frogarei is scho losgaungan.

"Wo is dä Telekabödosn, wöchan Kompjuta hom sä, homs a Netzweakkoatn, wöches Windos hom sä?" und so fuat.

I bin ma fuakumman wia da grässte Trottl auf da Wöd. Wira gsegn hod, wöch oames Hascherl i punkto soichane Sochn bin, hod a si söwa ollas augschaut, hod gsegn, das i a Netzweakkoatn eibaut hob und hod dä glei beim Telekabö freischoitn lossn, was da Teifö, wos a do genau damit gmant hod. Daun hot a si no mei Telekabödosn augschaut und hod gmant, dä gheat tauscht, weus ned rückkanalfähig is, wast ä gö?

Endli sama zum wesentlichen kumman, nämli zum Intanet, auwa däs hod a wieda dauat, weu de deppade Netzweakoatn no ned freigschoin woa. I was ned, waun i is Liacht eischoit, daun ged des imma Ruck zuck, bei denan dauat sowos glei a viatl Stund, des eischoitn. Des zum Thema schnölles Intanet.

Ea hot ma daun no so a klanes Kastl aun mein Kompjuta augsteckt, woascheinli a Werbegeschenk, weu er gsegn hod, das i scho a bissl sott woa. Do woan vülle Lichta drau und de hom blinkt. Mir hots so ä gaunz gut gfoin, auwa ea hod gmant, do passt da Pägel ned, weu de Lichta soitn leichtn und net blinckn. Er is aufn Gaung ause und hätt fost in Kurti niedagrennt, dea hot nämli grod draust Gaunggwoschn. Duat hot a aun de Kabön umaduamgschoitn bis drin auf den klanan Kastl olle Laumpn gleicht hom.

Fortsetzung folgt

Geschrieben von vie1100um17:55 | in:
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19.07.2008
Mieten zu hoch
Wia eicha Mundl hochaktuell rescharschiart hot, sogt dä Wiena Orbeitakaumer, das bei uns in Wien dä Mietn fü zu hoch san und zwoa haupsächlich bei soiche Wohnungan wia meine. Nämli dä sogenaunten Oidbauwohnungan, i nenns a Vuarkriegsbungalows, dä von dä Alliiertenbomben vaschohnt wuan san oder wo hächstens a bis zwa Stockwerke gföht hom. Diese föhlanden Stockwerke homs iergandwia wieder zusaumanbuttert, dasd ned mit da Latta beim Fenster im dritten Stock einekreun muasst.

Mia woan daumois froh, das ma so a Wohnungsleich dagattert hom, däs Lebn unta da Reichsbruckn hod auf Dauer a kann Spass gmocht, wast äh.

In da Zwischenzeit san mehrere Hektolita Schwechata dä Guagl owagrunna und unsare Miete is vun Joa zu Joa teira wuan. In da Zwischenzeit denk i ma, i zoi dä Miete vun da Hofburg. Aungebli iwasteigt däs scho den Richtweat vun 4,24 Euro, däs san in Schilling 58,3424, um mea ois 30%.

Bei so ana Luxusburg iwaleg i ma imma, waun i beim Kurti, unsarn Hausmasta, auf a Stampal sitz, ob es ned gschaeita warat, das i mei ehemaliges Appartmau unta da Reichsbruckn wieda zruckmietn soit.
Geschrieben von vie1100um18:19 | in:
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18.07.2008
Manchmal kommt der Abend früher als man denkt ...
Es gibt Situationen, die man keinen wünscht. Heut´ war wieder so ein Tag, an dem gar nichts so wirklich klappte. Aber der Höhepunkt begann nach Mittag. Es war meine erste Kunde am nachmittag, und ich sah schon beim reinkommen, das er ziemlich aufgeregt war, warum auch immer.
Also dachte ich mir, mach deine Arbeit und zieh so schnell als möglich wieder ab. Aber als ich so dahin-workte, hörte ich auf einmal Gepoltere und Geschrei von draussen. Mein erster Gedanke war, das sich Geschirr oder dergleichen verabschiedet hatte und dachte nicht weiter darüber nach. Doch als nach Sekunden nichts mehr zu hören war, nicht mal das kleinste Geräusch, ging ich nachsehen.

Zuerst in der Küche, doch da war nichts zu sehen, dann weiter ins Vorzimmer, auch da nichts. Eigenartig, dachte ich, wo ist der Mensch hin. Ich ging wieder zurück in die Küche. Da sah ich de umgekippten Sessel in der Ecke liegen und so halb drunter mein Kunde ;(

Ich lief hin, keine Ahnung, was mich da erwarten würde. Da lag deser Mann, seine Augen starrten mich weit aufgerissen an, doch er sagte kein Wort. So als ob man mitten in der Nacht, nach einen Albtraum, aufwachen würde.
Zuerst den Notruf angerufen, der Mann am anderen Ende der Leitung stellte seine Standardfragen. Bei Bewusstsein?, atmet er? usw. Ich fragte, was ich tun soll.

Ehrlich gesagt, ich hab mit diesen Dingen so gar keine Erfahrung und erste Hilfe, das ist für mich wie ein rotes Tuch für einen Stier. Also jedenfalls sollte ich ihn, wenn er keine Luft mehr bekommen oder sich erbrechen sollte, seitlich hindrehen. Dann die endlosen Minuten des Wartens, bis die Rettung kommt. Es vergingen millionern Momente, zumindest ist´s mir so vorgekommen. In Wirklichkeit  immerhin 20 Minuten, dann waren sie da. Gott sei Dank.

Auf einmal war die Whg. voller Helfer und ich schlich mich leise raus .....
Geschrieben von vie1100um18:04 | in:
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17.07.2008
Wild West in St. Favoriten
Wir schreiben das Jahr 2003, genau gesagt den 19.Februar. Dies ist die Geschichte vom Mundl, einen echten Favoritner aus Leidenschaft. Sein Herz ist manchmal ein bisserl kindlich, dann und wann versteht er die Welt mit seinen vielen Kriegen nicht, die ganze Brutalität unseres Alltags, trotzdem steht er mit seinen Beinen meist fest auf Wiener Boden, außer er hat ein paar Flaschen Bier zu viel im Blut. An dieser Stelle wird er Ihnen immer wieder etwas aus seinen Alltag und das Treiben rundherum erzählen.

Wauns Zeit hobts, daun schauts eine bei mia, setzt´s eich hi auf a wiatuelles Bia oder an schnöllen Gspritzten und lauschts meinen Erzöhlungen. Bis daun, lostsas eich ned schlecht geh. Ma sicht si. Seas daun.
Eicha Mundl.


Wild West in St. Favoriten

Nau bist gscheit. Do soi no ana sogn, bei uns im 10ten is nix los.

I geh aunungslos vun da Hockn ham, ä hundsmiad, auf amoi hea i a boa Krocha, i hob glaubt, Süvöster is scho wieda. Olle hom zum schrein augfaungt, das glaubt host, de Wöd gät unta. In da Puxbamgossn homs mittn Maschingwea umadumgschossn, Tschigago is a Schass dagegen. I bin vun Haus aus ka neigieriga, owa ma muass jo aum laufenden sei und si informian, deswegen hob i glei gschaut, wos do los is.

Na griass di God, do san scho de Leichn in eanara Tschessn glegn, das da schlecht wean kau. Des woan mindastens drei, sicha ned fü mea, weu noch vier hoibe Bia hob i no an kloren Blick. Aunscheinand hot si der Mafiosi, dea de drei hamdraht hot glei söwa a Freikoatn zum Herrgod vaschofft, weu dea is nämli a aum Trotoa umadumkugelt und hot si nimma griad. No auf sowos kaun i vazichtn und hob ma noch dem Erlebnis gleich an kloaren in meina Staumhittn hinta de Binden kippt, weu so a Bluatbod vatrogt da beste Mogn ned.

Pfiat eich fir heite. Eicha Mundl

Geschrieben von vie1100um20:14 | in:
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17.07.2008
Schlaf wohl Joe

Joe´s Blick wandte sich dem Fenster zu, dem Fenster, das er schon so gut kannte. Es war Frühling. Man konnte vom nahen Park den Klang zarter Kinderstimmen wahrnehmen. Die Fensterrahmen bestanden nur mehr aus morschem Holz. Es war einfach kein Geld mehr zur Verfügung, um diese „Kleinigkeiten“ zu reparieren. Joe´s blonde Haarlocken fielen in seine Stirn, doch keiner sah es. Er hatte Schmerzen, doch keiner, außer Er selbst fühlte es.

Die Tür ging auf, und dieser Mann betrat den Raum, dieser Mann, den Er schon sooft gesehen hatte, dieser Mann, der nichts Gutes verhieß. Er lächelte Joe mit seinen, nicht zu durchschauenden Gesicht, an. Da standen auch noch zwei andere Menschen, die eine mit langen dunklen Haaren und rot unterlaufenden Augen und dieser Mann, der nervös und unaufhörsam  redete. Beide kannte Joe schon länger, nur wusste Er nicht wirklich, was der Sinn Ihres Daseins für Ihn bedeuten soll. Der Mann sagte mehr als beiläufig, das sich leider der bösartige Tumor so weit entwickelt hat, das ER nicht mehr lange leiden müsse.

Ich muss ihnen leider mitteilen, das offensichtlich auch die stereotaktische Probebiopsie keine Besserung gebracht hat“.

Dir drei gingen raus, draußen konnte man noch das hektische Herumgeschrei der Frau hören, doch Joe´s Gedanken galten nur dem Fenster, dem Fenster, das zu seinen Lebensinhalt geworden war. Er konnte seinen Kopf nicht mehr bewegen, Sie hatten Ihn so gelegt, das Er das Tageslicht sah, den blauen Himmel ….

Joe sah solange zum Fenster, bis der Abend graute, dann schlief Er ein, für immer. Es war sein Geburtstag. Im Kühlschrank stand noch die Torte. Diese Torte mit einer Kerze in der Mitte.

Joe wäre heute ein Jahr alt geworden …. 

schlaf wohl Joe

Geschrieben von vie1100um19:51 | in:
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17.07.2008
Ein Sommer wie damals

Ich hatte lange auf ihn gewartet. Der Winter zehrte an all meinen Gefühlen, Meister Frost wollte mich nicht loslassen. Meine Sinne sehnten sich nach Wärme und den Duft des Grüns. Finger, die keine Handschuhe mehr fühlen wollten, Hände, vor Kälte aufgesprungen. Und dann endlich war er da. Die Sonne spendete ihr sanftes Licht bis lange nach acht. Wohlige Wärme durchströmte sanft den Körper. Es war wieder Sommer. Das kleine Glück, aus dem Fenster zu sehen, den Duft von frisch geschnittenem Gras tief einzuatmen, wie unwichtig können da materielle Wünsche werden. Die Tage waren heiß, ich konnte mir nicht mehr vorstellen, dass vor ein paar Monaten noch das ewige Weiß der Winterkälte das Land überzog.

 

Nach langem Tag schlich die Nacht ins Land, Mister Moon spendet sein sanftes, trübes Licht. Es war wieder ruhig geworden, die Menschen versteckten sich vor der Hitze und ich sah zu den Sternen. Wie leise konnte die Welt sein …. Nein, ich war nicht alleine. Da war Sie. Die einzige, die meine Nächte teilte. Sie kam wie der Mond, wie die Sterne. Kaum verabschiedete sich die Sonne zu ihren Weg auf die andere Seite des Erdballes, sang sie ihr Lied in die Nacht. Ein Lied, das jeder vernahm, und doch keiner verstand. Ein Lied, das wie Einsamkeit klang, oder doch nur der Ruf nach dem liebsten?

 

Ich sah Sie nie. Der Klang ihrer Stimme kam von irgendwo da unten, weit weg und doch so na. Und eines Tages war es dann soweit. Plötzlich war da eine zweite Stimme, nicht sehr weit weg davon. Keiner weiß woher, sie war einfach da. Von da an klang ihre Stimme noch sehnsüchtiger als sonst. Interessanterweise kamen sich die beiden um keinen Meter näher. Nur mit ihren Liedern überbrückten sie Zeit und Raum. Es war wohl wie Sonne und Mond. Beide bekommen sich nie zu sehen, trotz aller Sehnsucht werden sie nie zueinander finden. Manchmal hörte ich das zarte Flehen eine lange Sommernacht lang, ein Rufen und ein Antworten, ein Sehnen nach Liebe, die ewig unerfüllt bleiben wird.

 

Die Abende wurden wieder kühler und die Lieder seltener. Nur ab und zu konnte man noch leise ihr zartes Rufen vernehmen, so als ob sie den Glauben an ein Zusammentreffen bereits aufgeben hätte. Seine Antworten, wenn welche kamen, klangen schwach und verzehrt. Ich denke, er lag im Sterben, nur noch ein letztes Aufbäumen bevor es vorbei war. Und dann, eines Abends, Stille. Die Antworten blieben aus, nur das sehnsüchtige Lied ihrerseits klang flehend durch das Dunkel der Nacht. Sie wollte und konnte es sicher nicht begreifen, dass die Natur ihre Liebe genommen hatte.

 

Die Schatten wurden länger, die Tage vergingen wie im Fluge. Der Herbst zog seinen grauen Mantel über das Land. Graue Nebel kündigten die bevorstehende trostlose Zeit an. Die Bäume warfen ihr bereits braunes Kleid ab. Es ward wieder Nacht geworden, heute schon früher als sonst. Ich sah zum Fenster raus, horchte in die Nacht. Doch es kam nichts, kein Lied, keine Sehnsüchte, keine Antworten, keine Liebe. Nicht nur der Sommer war gegangen, nicht nur die Wärme, auch meine Begleiterin durch einsame Nächte hatte Ihr Leben ausgehaucht. Ich sah zu den Sternen, versuchte zu verstehen, warum das Leben immer seine eigene Geschichte spielte. In meinen Gedanken klang noch immer diese Sehnsucht, die das Dasein einer Kreatur so lange erfüllte,  bis die Natur auch ihr für immer die Augen schloss. Ich ging wieder zurück, in mein wohlig warmes Zimmer, schob die Tür hinter mir zu. Noch einmal blickte ich zurück, wollte die Zeit zurückdrehen. Zurück in den Sommer, zurück zu den Nächten voll Liebe mit einem Wesen, dessen Lebensinhalt darin bestand seine Gefühle in die Nacht zu rufen. Es war ein schöner Sommer mit dir. Ein Sommer mit der

                                   Grille

Geschrieben von vie1100um19:39 | in:
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17.07.2008
Die Bar
Die Bar „sit in“ in Rohrbach an der Lafnitz war der Jugendtreffpunkt schlechthin. Damals war die nächste Disko weit, weit weg und so verbreitet wie heute waren sie sowieso noch nicht.

Wahrscheinlich auch deswegen war sie so beliebt, so auch bei mir.
Ich, ein Wiener, grade im Teenageralter ging höchstens in Begleitung meiner Eltern in Lokale, hauptsächlich Gasthäuser. Als ich wieder mal in Rohrbach auf Urlaub war, sagte mein Cousin zu mir, heut Abend gehen wir in die Bar. Wow, ich und eine Bar. Wer weiß, wie´s dort ist. Lassen die mich überhaupt rein? Solche Gedanken quälten mich auf den Weg dorthin. Es war schon leicht dunkel als wir die Tür öffneten. Ein kleiner, leicht übersehbarer Raum, rechts die Bar und links ein paar Tische. Wir setzten uns und ich überlegte, was man da so trinkt. Mein Cousin sagte „probier Gin Fizz“. Gin Fizz?, horcht sich arg und zugleich gut an, ok, den nehm ich . Ich hatte keine Ahnung was das ist, aber ich konnte ja in einer Bar kein Bluna oder Schartner Bombe bestellen, also wartete ich was kommt.

Die Chefin hatte schwarze Haare und sah mich an. Ich hatte Angst, sie würde mich wegen meiner Jugend rauswerfen, doch das tat sie nicht. Der Gin Fizz schmeckt super, am Glasrand war Zucker und ich kam mir richtig erwachsen vor. Dazu noch einen Schinkentoast mit Ketchup und ich war glücklich. Nach noch einen Drink wurde mir leicht schwindlig und ich dachte, das gehört eben dazu, erwachsen zu sein.

Am Weg nach Hause atmete ich die frische Landluft in mich rein, auch keine gute Idee.
Die folgende Nacht war verheerend, ich verbrachte die meiste Zeit auf der Toilette.

Als ich nun, nach Jahrzehnten wieder diesen kleinen Ort in der Steiermark besuchte, hatte sich viel verändert. Das damals verschlafene Dorf war fast eine Kleinstadt geworden, Wo früher frische Wiesen standen haben sie alles mit Häusern verbaut. Damals gab es einen kleinen Gemischtwarenhandel, heute stehen hier 2 große Supermärkte …

Natürlich führte mich mein Weg auch zum „sit in“.
Es war ein trauriger Anblick, was sich mir da bot. Außer einer alten Anzeigetafel erinnerte fast gar nichts mehr daran, was hier einmal los war.
Das Haus steht zwar noch, doch alles ist ziemlich verfallen. Fensterläden hängen wie bei einen Geisterhaus schief runter, Jalousien teilweise zerfetzt, teilweise nicht mehr vorhanden . Manche Fenster mit Pappe verdeckt, nur um nicht zu sehen, was damals in der Vergangenheit für Leben dort drin war. Im inneren wird man nie wieder Love Hurts von den Nazareth Link zu Love Hurts hören und es wird nie wieder Gin Fizz mit Toast für Teenager geben, die diese Zeit am Anfang ihres Erwachsen-werden nie wieder vergessen werden ….
Danke dir „sit in“ für die schönen Momente, die du mir damals beschert hast.
Geschrieben von vie1100um17:16 | in:
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17.07.2008
Mundl forever

Ein Leben im Herzen Wiens, nämlich im 10ten "Hieb" (Favoriten für Nichtwiener)

Neilich wor ma beim Karli, wast ä, mein deppadn Buam, auf Besuch in seina Gemeindewohnung. Muass sogn, schäh hodas scho do. Ollas is modern, de Kuchl schaut aus, ois kenntats allanich kochn und im Wohnzimmer steht a drum Fernsea, so groß wia a Kinoleinwaund. Sogoa a eiganes Bürozimma hoda in dära Burg. Und weu da Karli iwahaupt ka Einädrara is, hot a ma glei sei neichste Erunganschoft zagt, nämlich sein Blechtrottl, genaunt Kompjuta oda so. Mit dem kauna si sogoa ins Intanet eiwöhn, dea obagscheite Herr dea. Und weu da Karli eben da Karli is, hot a mi glei gfrogt, waun i ma a sowos do zualeg. I sog zu eam, heast, du glaubst a, i bin so deppad wia du ausschaust gö?

Daun, wia i und de Toni wieda daham woan, is ma des gaunze nimma ausn Kopf gaunga und aum Montog bin i in des Telekaböbüro glei bei uns ums Eck gaungan und hob mi erkundigt, wia sowos funktioniern tätat. Duat is a so a Mochatschek gsessn, dea hot a glaubt, das a de Wöd erfundn hod. Er hod mi duat niedagschwafföd, bis ma de Bian graucht hod, is anzige, wos i vastaundn hob woa, das i fia a Intanet mindestens an Kompjuta brauch, sunst is nix mit Sörfn. Na guat, bin i umä zum Cosmos und hob mia ums Ualaubsgöd a so a Maschin kauft, mit dära kaunst sogoa Musik mochn. Daun hob i ma glei vum Telekabö sein Iwagscheitn an Termin gebn lossn und jetzt sitz i scho seit sechse in da Frua do und woat, bis drausn aun da Tia leit.

Na endli woas soweit und dea Koffa is bei uns in da Wohnung gstaundn und de Frogarei is scho losgaungan. " Wo is dä Telekabödosn, wöchan Kompjuta hom sä, homs a Netzweakkoatn, wöches Windos hom sä?" und so fuat. I bin ma fuakumman wia da grässte Trottl auf da Wöd. Wira gsegn hod, wöch oames Hascherl i punkto soichane Sochn bin, hod a si söwa ollas augschaut, hod gsegn, das i a Netzweakkoatn eibaut hob und hod dä glei beim Telekabö freischoitn lossn, was da Teifö, wos a do genau damit gmant hod. Daun hot a si no mei Telekabödosn augschaut und hod gmant, dä gheat tauscht, weus ned rückkanalfähig is, wast ä gö?

Endli sama zum wesentlichen kumman, nämli zum Intanet, auwa däs hod a wieda dauat, weu de deppade Netzweakoatn no ned freigschoin woa. I was ned, waun i is Liacht eischoit, daun ged des imma Ruck zuck, bei denan dauat sowos glei a viatl Stund, des eischoitn. Des zum Thema schnölles Intanet. Ea hot ma daun no so a klanes Kastl aun mein Kompjuta augsteckt, woascheinli a Werbegeschenk, weu Er gsegn hod, das i scho a bissl sott woa. Do woan vülle Lichta drau und de hom blinkt. Mir hots so ä gaunz gut gfoin, auwa ea hod gmant, do passt da Pägel ned, weu de Lichta soitn leichtn und net blinckn. Er is aufn Gaung ause und hätt fost in Kurti niedagrennt, dea hot nämli grod draust Gaung owe gwoschn. Duat hot a aun de Kabön umaduamgschoitn bis drin auf den klanan Kastl olle Laumpn gleicht hom. copyright by cw

Fortsetzung folgt

 

Geschrieben von vie1100um09:00 | in:
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