Hier schreibt der Vini (wenn er nix besseres zu tun hat), was er in Amerika so alles erlebt!

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Viel passiert

Geschrieben von krumi am 2.11.2006 um 12:11 . 0 Kommentare. Link.

Nachdem ich mich ne Weile nicht gemeldet hab, will ich hier zuerst mal meinen herpetologisch interessierten Freunden von den ersten Funden berichten. Die fallen zwar nicht so groß aus, ich war aber auch nur ne Viertelstunde unterwegs. Im black pond forest konnte ich massen grasfroschgroße Frösche (Wood Frog (Rana sylvatica)) sehen und auch fangen. Des weiteren sah ich drei Ochsenfrösche, ungefähr doppelte Teichfroschgröße. Sehr faszinierend. Es offenbarte sich mir auch die erste Schlange: ein Jungtier der eastern garter snake (thamnophis s. sirtalis), die hier die häufigste Art ist und in ihrer Färbung sehr variieren kann. Unter Rinden- und Holzstücken entdeckte ich dann noch zwei schlanke Salamander derselben Art (Red-backed Salamander (Plethodon cinereus)) mit zwei roten Längsstreifen auf schwarzem Grund. Total hübsch. Das beste an der Sache ist, dass ich, da es ein ungeplanter Ausflug war, meine Kamera zu Hause liegen hatte (mit zu Hause ist hier das Haus meiner Gastfamilie gemeint). Auf einer kurzen Wanderung in der Nähe von traverse city (wer nicht weiß, wo das ist, nutze google maps oder Ähnliches), wo die Eltern meines Gastvaters wohnen, stieß ich auf drei Weißwedelhirsche bzw. einen Hirsch mit zwei Kühen, die mich sehr nah heranließen. Es sieht sehr lustig aus, wenn bei der Flucht die hellen weißen Schwänze durch den Wald hüpfen. Am darauffolgenden Tag waren wir auf den sleeping bear dunes, einer imposanten Sanddünenlandschaft am lake michigan. Eine Meile kommt einem auf vielen großen Dünen länger vor als rund 1,6 km... auch der See selbst ist faszinierend. Wasser bis hinter den Horizont, bei Wind wellen wie an der ostsee - aber wenn man dann ins wasser geht, ist echt garnicht salzig...dafür aaaaaarschkalt und klar, wirklich mit einem Tessiner Bergsee vergleichbar. Eine indianische Legende besagt, dass die Landzunge, auf der wir uns dort befanden, eine bei der Überquerung des Sees verstorbene Bärin ist und die zwei vorgelagerten Inseln ihre Jungen, die im See ertrunken sind. Die Bärin selbst hatte die Schwimmdistanz zwar geschafft, ist dann aber am Ufer aus Kummer über den Tod ihrer geliebten Kinder für immer eingeschlafen. Daher der Name des Nationalparks. In der Nähe des ebenfalls ländlichen Hauses meiner "Großeltern mütterlicherseits" bin ich auch ein bisschen rumgewandelt und hab dabei Graureiher, eine andere, kleine, bräunliche Reiherart, Bussarde, einen Fischadlerähnlichen Greif, hickory (der Baum, aus dem die Schlagzeugsticks gemacht werden), Essigbäume und kanadische Goldrute, die ich hier als einheimische pflanze für schön empfinde, sowie milkweed, ein Gewächs mit großen schotenartigen Früchten, die mit einer michigen Flüssigkeit gefüllt sind und aus deren Fasern die Indianer Seile flochten, bewundern können. Der abgekühlte Aufguss aus den weinroten Blüten des Essigbaumes ergibt ein leckeres, limoartiges Getränk. Man darf sie allerdings nicht vorher waschen, da der Geschmack außen anhaftet. In Jojos Buch, das ich förmlich gefressen hab (Danke!), konnte ich außerdem lesen, dass Goldrute das weltweit beste und in seiner Wirkung ein unübertroffenes Mittel bei sämtlichen Nierenproblemen ist. Aber ich schweife ab... Was hab ich denn sonst noch erlebt - Ja, ich bin in die Achule gekommen. Harhar. so ziemlich alle Lehrer, ausgenommen der Kunstlehrer, haben als allererstes Begrüßungs- und Belehrungstexte ausgegeben. Den Rekord hält die Biolehrerin mit 39 zu beachtenden Regeln und vielen Bemerkungen, ein sehr belustigendes Handout! Trotzdem kann ich mich über keinen Lehrer beklagen. Sie geben alle ihre E-Mail-Adressen und Telephonnummern an und wiederholen tausendmal, dass man sich bei auch nur den klitzekleinsten Schwierigkeiten und Fragen an sie wenden soll, weil doch der Erfolg der Schüler das Wichtigste im Leben einer Lehrkraft ist. Und das meinen die ehrlich, es ist nicht dahergeschwafelt. Kommt mir zumindest so vor. Als ich die Englischlehrerin fragte, ob ich einen Lesetext mit den amerikanischen Schülern unbekannten Vokabeln der Englischen Sprache nach dem Unterricht mit nach Hause nehmen darf, um sie in Ruhe ins Deutsche zu übersetzen, hat sie sich gefreut, wie toll das doch ist. Am lustigsten find ich aber den Französischunterricht. In Deutsch denken und in zwei Fremdsprachen labern ist echt krass. Das verstehen ist aber noch lustiger. Die lehrerin springt, logischerweise, ständig zwischen Englisch und Französisch hin und her, wie das eine deutsche Lehrkraft mit Deutsch und Französisch tun würde. Als ursprüngliche Französin spricht sie dann auch noch einen französischen Akzent, sodass ich manchmal nicht so ganz weiß, ob das nun grad ein englischer oder französischer Satz war und in welche Übersetzungsschublade ich ihn stecken soll. Trotzdem bin ich aber mit meinem mittelmäßig bis durchschnittlichen 3-Jahres-Französisch so ziemlich der beste in der "Stufe 4 fortgeschritten". Den amis gehen Fremdsprachen aus europäischer Sicht gesehen am Arsch vorbei... algebra ist bis jetzt ziemlich simpel, grade so die grenze zum ermüdend einfachen. ich bin aber ganz froh darüber, nochmal der Übung halber Gleichungen und Funktionen tanzen zu lassen. Außerdem kann es ja immer schwerer werden. In der Matheklasse ist auch ein Afrikaner aus Guinea. Da er nur Französisch spricht, hat mich die Lehrerin gebeten, für ihn zu dolmetschen (*ablach*). Netter Kerl. Er ist mit seinen Eltern für zwei Monate hier, weil diese hier arbeiten. Am ersten Tag nach der Schule hab ich gleich erstmal den Rückfahrschulbus verpasst. Manche werden sich jetzt ein "Typisch Vini" denken, aber nach dem Unterricht ist auf den Gängen ein Betrieb wie auf 'ner Demo. Da ich von der e-Halle zur a-Halle, wo mein locker ist, und danach wieder zurück zur d-Halle, wo die Busse stehen, watscheln muss, sind fünfzehn Minuten echt wenig. Da sah ich nur noch die typischen gelben Schulbusse davonbrummeln Ich hab mich aber dann sogar mit den öffentlichen Bussen durch die mir noch fremde Stadt gefunden. In den kareeförmigen amerikanischen Städten sieht echt alles gleich aus...
Das war's erstmal - lasst euch alle drücken - der Vini


Geschrieben: 02:23, 7.9.2006

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