2.06.2007
Verwirrt
Verwirrt


Gedanken im Kopf
Kopf ohne Gedanken
kopflos
gedankenlos

mal hier
dann wieder dort
bei dir
im hier
oder irgendwann
dann
ohne dir

Schwere
Gedanken
ordnungslos

Licht wird kommen
Klarheit schaffen
im hier
oder irgendwann
kopflos
gedankenlos
gefühlvoll
Geschrieben von Waldsternum12:00 | in: Gedichte
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Stille
Stille

Kennst du das Gefühl?
als würd´ die Erde stillstehen
kein Ton
kein Vogel
kein Wasser
kein Motor
kein Mensch

nur du
dein Körper
dein Atem
deine Bewegung

Totenstille
unnatürlich und doch -
schön
seltsam
wundersam

nur du
mit dir
in dir
um dir
Stille

die augen
versuchen
zu hören

sie sehen
und verstehen
das Wasser
den Wald
den Himmel
die Luft
und
du spürst
Freude am Leben
Geschrieben von Waldsternum12:00 | in: Gedichte
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Hoffnung
Hoffnung

Das Fest der Liebe
macht mir Angst
in Zeiten
in denen man die Zeitung aufschlägt
und von Gewalt, Terror
Elend und Leid
erdrückt wird

Das Fest der Familie
macht mir Angst
in Zeiten
in denen man die Zeitung aufschlägt
und von Familientragödien
vereinsamten Menschen, tot aufgefunden
Elend und Leid
erdrückt wird

Das Fest der Ruhe
macht mir Angst
in Zeiten
in denen man die Zeitung aufschlägt
und von Prospekten
Videos und Kaufangeboten
Elend und Leid
erdrückt wird

Das Fest der Liebe
macht mir trotzdem
Hoffnung
in Zeiten
in denen man e-stories aufruft
und Menschen findet
die mit ihren Zeilen
mir zutiefst verbunden
vermitteln
dass irgendwann das Gute siegen wird
Geschrieben von Waldsternum12:00 | in: Gedichte
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Fremd
Fremd


eine Weihnachtsfeier
ganz anderer Art
hab ich erwartet
neugierig
vorfreudig
lässig
hineingestürzt
in die Philippinen
mitten in Bayern
sicher meiner Heimat hier

kennengelernt habe ich
ein neues Gefühl
Menschen
die nicht an morgen denken
festlich
ausgelassen tanzend
strahlende Gesichter
vereint mit ihrem Volke

Menschen wollte ich zeigen
neugierig
vorfreudig
lässig
dass ich sie akzeptiere

gespürt habe ich
liebevoll aufgenommen
endlich einmal das Gefühl
was es heißt
fremd
zu sein
dazugehören zu wollen
Geschrieben von Waldsternum11:58 | in: Gedichte
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Das Glück
Das Glück


Das Glück

Suchend wirst du´s nicht finden!

Es sucht dich heim!
ganz unerwartet

wann?!
mitten im Wald
im Sonnenstrahl
auf einem Berg
einer Wiese
in Kinderaugen
im Lachen eines Menschen

du stehst
ausdruckslos
fassungslos
kannst es nicht beschreiben
nicht festhalten
aber es ist da
und es ist gut

wo?!
im Bauch
im Herzen
im Verstand?!

du stehst
ausdruckslos
fassungslos
kannst es nicht beschreiben
nicht festhalten
aber es ist da
und es ist gut

wie?!
wohliges Gefühl
vom Einssein
mit dem Universum
den Puls des Lebens spüren

du stehst
ausdruckslos
fassungslos
kannst es nicht beschreiben
nicht festhalten
aber es ist da
und es ist gut

warum?!
zufrieden mit dem Moment
Sorgen verdrängt
Sinn des Lebens vor Augen
einfache Dinge taugen
s´Glück will´s verheißen
du könntest Bäume ausreißen!

ich steh
ausdrucksvoll
gefasst
möcht´s beschreiben
und festhalten

es wäre da
wundersam
für alle
und
es wäre
soo gut
Geschrieben von Waldsternum11:57 | in: Gedichte
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Am Meer

Am Meer

Silbrig schimmernder Meeresboden,
freigelegt von der Ebbe.
Boote hilflos gestrandet,
angetaut wartend auf das wiederkehrende Wasser.
Ein Kommen und Gehen,
Verweilen und Kämpfen -
der Rhythmus des Lebens.

Geschrieben von Waldsternum11:56 | in: Gedichte
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Fußball

Fußball


Letztes Deutschlandspiel am 30.06.06:
 
Fußballspiel: Deutschland / Argentinien am Rande einer Kleinstadt in Niederbayern:
 
unsere Familie bestehend aus Eltern, 4 Kinder im Alter von 14-23 Jahren und 1 Hund sitzt vorm Fernseher. Der Jüngste läßt heimlich seinen MP3-Player im Aufnahmemodus mitlaufen.
Das Ergebnis ist grandios: ein Geschrei seitens des Vaters mit Anmerkungen wie
"Ja, gfrei de Anschie!", gemeint ist Angela Märkel, weil sie klatscht.
"Tooor, Toor, Super! Ja, weis woar is, mensch Maier! De Deppn!" , beim 1:1 Tor.
In  hypnotisierendem Gesäusle beim Elfmeterschießen eines Argentiniers: "Du schießt jetzt danebn, i woaß des, du schießt danebn"!
Vom Rest der Familie mehr Gelächter über die Schreie als erfahrene Kommentare.
Der Hund zieht  den Schwanz ein und verschwindet mit erschrockenem Ausdruck in den Augen: "Was ist denn da los, spinnen die heute alle?!"
Eine zittrige Bemerkung noch von der Tochter (Spitzname "Mutter Theresa"): "Mei, der woant, der Arme!" (der arme Argentinier!)
 
Seht ihr, so geht's in Passau bei der WM zu.
Übrigens, als feststand wir kommen ins Halbfinale und das Spiel findet auch noch am 04. Juli, unserem 25. Hochzeitstag, statt, das Oberhaupt: "Ja, was machma denn do???"
"Ja, was schon, zuhause bleiben und Fußball genießen!"
Geschrieben von Waldsternum11:44 | in: Geschichten
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Die Rache des Nikolaus

Die Rache des Nikolaus

 
Da Nikolaus war in meiner Kindheit koa Thema! Es hat zwar immer a Sackal gebn, ober an Nikolaus selba hob i als Kind net zum Sehen kriagt.
 
Wia i 12e war, san ma dann umzogn und i bin in de Hacklberger Jugendgruppn eitretn. Do hob i dann mei ersts Nikolausereignis erlebt, oba eigentlich a nur ganz indirekt. De andern – vor allem de Sterr-Buam, haben gsogt, mia treffa ma uns zum Kramperltratzn. Und trotz meiner Unerfahrenheit im Umgang mit Nikolaus und Kramperl, woilt i natürlich a recht mutig dosteh – vor allem vor de Sterr-Buam, und hob mitgmocht.
 
Oba wie gsogt, des war ja nur a indirekte Begegnung mitm Nikolaus. Und es war a erste unds letzte Moi, dass i an Krampal tratzt hob.
 
Da Korbinian hot se heuwat schiaf glocht, wie ran s’erste Moi gsegn hot. 
D’Eva hot allwei ganz gscheit so nebenbei, oba ganz laut erwähnt: „Mama, des is ja da Herr sowieso!“
Owa da Gipfe war d’Anna, gar net verlegn, wia da Nikolaus gfrogt hot: „Ja, Anna, i hob ghert, du isst ollwei so schlecht. Ja, warum denn des?“
Wumm, des war wia a Watschn. Ja, wos sogst jetzt do?! Hätt mi jetz da Nikolaus weitergfrogt: „Ja, Mama, warum kochst denn ollwei so fettig?“ Hätt i vielleicht dann sogn soin: „Damit Kinder net so vui fressn!“
 
Wia Kinda greßa warn, hot dann da Nikolaus de Urgroßeltern tratzt, de ham se besser gfiacht und gfreit, wie unsere Kinder jemals zuvor.
 
Bis ma dann zum Square Dance kemma san. S’erste Jo is no ganga. Nichtsahnend ham ma uns dann im 2. Johr auf de Weihnachtsfeier gfreit, hama da Stubnmusi zughert, Leckal gessn und a paar Gschichterl aghert. Und plötzlich steht da Franz ois Nikolaus do. Ham ma uns a no net
An Nikolaus zreißts dawei scho beim Lesen vor lauter Locha. Mia schiaßts ins Hirn, des is bestimmt de Retourkutschn, weil da Korbinian damals übern Nikolaus glocht hot.
Der werd ma doch net mit a so a bledn Frag kemma: Brigitte, i hob ghert, du kannst Crossfire net tanzn? Ja, warum denn?! Und i her mi scho sogn: „Ja, weil’s da Robert ollwei so fettig erklärt!“
 
Merkts es?! ----- I hob scho direkt a Nikolausphobie.
 
Des geht so weit, dass ma heia im November dreimoi net beim Tanzn warn, damit am Franz desmoi über uns nix eifoillt. Hob i denkt! Pfiffkas! Dann warn ma s’letzte moi do, i sog zum Sterr-Buam: „Sei heid ja stad, sonst kimmst wieda beim Nikolaus vor!!“ Owa der hot uns durchschaut und lockt mia, so hinterfotzig wia a is, wieda wos außa! Z’spät wars, i hob glei gmerkt, hob no gsogt: „Franz, net, dass ma jetzt wieda in deim Gedicht vorkemman?!“ Sogt a doch so unwahrscheinlich beruhigend, mia ward ma do scho lang drin.
Und so hob i de ganz Woch denkt, wos wird denn do wieda virakemma. I woaß go net, ob i do higeh mog.
 
I glaub ja, des is ganz wos anders: Des is de Strafe, dass in unserer Familie nia wea an Nikolaus Ernst gnumma hot. Die Rache des Nikolaus!
 
Und i tram davo, dass i irgendwann im Nikolauskostüm vorn steh und sog:
 
Und zum Franz:
Und:
Und:
Und i loß net locka und muaß einfach sogn:
 
I überreich eahm dann de vorsorglich scho s’ganze Johr gezüchteten extra scharfen Chillis und hoff, dass er für den Spaß, den er mit uns hot, boid a ganz a fettigs Chilli kocht.
 
Geschrieben von Waldsternum11:40 | in: Geschichten
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Schicksal
Schicksal


gerade wenn du glaubst
den normalen Rhythmus des Lebens
wieder gefunden zu haben
schlägt es zu

unverhofft
ein Schlag ins Gesicht
du kannst es nicht glauben
schlafwandelst am Tage

Gedanken kreisen
Schlaf übermannt dich
du wachst auf
da war doch was besonderes?
suchst die Realität
und sie ist wirklich da
mit ihrer momentanen Grausamkeit

Krankheit – tragisch -
Tod vor Augen oder nicht?!
Diagnose – Prognose

Jetzt sind wir an der Reihe
Eltern für Kinder
Kinder für eigene Kinder
Kinder für Eltern

trotz allem meine Verwirrung
warum wir einen Tod immer als Strafe bewerten

was mich nicht umbringt,
macht mich nur stärker!

Und so wird – wie schon so oft –
mein Mut, meine Zuversicht,
meine Hoffnung und meine Liebe
siegen

Geschrieben von Waldsternum11:17 | in: Gedichte
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Is des ned die Polizei? (Teil 1)

Is des net die Polizei?

Im Nachhinein muss ich sagen, dass dies damals wirklich ein Schlüsselereignis war. Von dem Moment an haben wir gespürt, da ist noch was anderes. Außerhalb der Klostermauern gibt es außer dem männlichen Geschlecht auch noch anderen enormen Spaß.
 
Auf jeden Fall begann alles so vor ungefähr zwei Jahren, als wir bei Freunden zu einer Geburtstagsfeier eingeladen waren. Wir fuhren so kurz nach Mitternacht nach Hause, natürlich ich am Steuer, weil ich nie was trinke. Ich fahre da mit so 60 dahin, bling! Ein kleines Foto mitten in der Nacht am Stadtrand, ist das nicht gemein?  Na ja, kommt eben ein Bußgeld, kann man nicht ändern.
Es brauchte ein bisschen Zeit, bis ich mich von diesem Erlebnis erholte. Ein paar Wochen später, es war in der Osterzeit, hörten wir uns in einer Westernstadt ein Konzert an und fuhren wiederum nach Mitternacht nach Hause. An einem Ortsende, ach je du Schreck, die Polizei winkt mit einem Stoppschildchen! Ich halte an, zwei Polizisten, jünger als die Polizei erlaubt, verlangen meine Papiere. Sie machen Witze über unseren Smart: „Hahaha, ein fahrendes Osterei!“ Mir ist überhaupt nicht zum Lachen. Die Jungs amüsieren sich weiter: „Hauptsache sie ecken nicht an, hahahhaha!“ Papiere sind natürlich in Ordnung und ich stinke nicht nach Alkohol, also dürfte ich weiterfahren. Wenn ich nur könnte, ich weiß nicht mehr, wo ich das Licht anschalten muss, kann nicht einmal mehr das Auto starten. Schon wieder das erbärmliche Gefühl von Unterordnung. Und dies bei Männchen, die meine Kinder sein könnten. Ich denke nur, die meinen, ich kann nicht Autofahren und krieg doch noch nach Sekunden, die mir wie Stunden vorkommen, das Osterei zum Fahren.Ich glaube es einfach nicht, warum haben es die auf mich abgesehen? Haben die sich damals das Foto ausgedruckt und suchen jetzt täglich nach Mitternacht nach mir? Das gibt es doch nicht. Ich denke, das wird jetzt für die nächsten10 Jahre reichen, weil die Wahrscheinlichkeit doch sehr gering ist, dass ich nochmals an die Reihe komme.
Denkste!
Am nächsten Tag beim Frühstück war der Spaß natürlich perfekt. In der Zeitung stand, dass die Polizei auf der Suche nach jungen Skinheads war, die irgendwo geheim ein Konzert geben wollten. Der Kommentar: „Die haben junge Leute gesucht, da war natürlich gleich alles ok, als sie dich angeleuchtet haben.“ Hahaha! Auch wenn ich jünger wäre, wäre ich doch wohl kein Skinhead! Hat da irgendwer übersehen, dass ich Haare wie ein Löwe mit mir herumtrage. Oder dass in einen Smart gar kein Skinhead, geschweige denn ein Instrument hineinpasst.
Mir geht durch den Kopf, dass das Leben manchmal schon ungerecht ist. Genau an der gleichen Autobahnausfahrt ist mein Mann vor Jahren mit 120 km/h in die Kurve reingefahren, da wir 3 Stunden von Wien nur Autobahn gefahren sind. Er war selbst so erschrocken, dass er sich selbst mit beiden Händen an der Autotüre eingehalten hat, Gott sei Dank wohl nur eine Sekunde. War da irgendwo die Polizei?! Nein, natürlich nicht!
 
Aber soll ich euch was verraten?! Irgendwann vor Jahren kam ich auch einmal in eine Polizeikontrolle. Ich halte aber nicht gleich neben der Polizei, sondern fahre ein paar Meter weiter,  weil ich nämlich nicht angeschnallt bin. Der Polizist sieht mich also von hinten. Ich mache die Handbewegung des Abschnallens und alles war ok.
 
Geschrieben von Waldsternum11:06 | in: Geschichten
Link | Weiterleiten | Kommentare (1) | Kommentieren
2.06.2007
Dulterinnerungen

Dulterinnerungen


Die letzte Herbstdult am Ex. Ja, ein bisschen nachdenken sollte man da schon. Und in nur wenigen Augenblicken kommen schon die verschiedensten Erinnerungen hervor. Die Herbstdult ist fast immer die gleiche geblieben, aber ich habe mich laufend verändert.
So ganz ferne kann ich mich noch erinnern, waren der Pemperlprater, das Kinderkarussell ganz nahe am Eingang, die Schiffschaukel und das Kasperlheater enorm wichtig. Den ersteren hatten wir auch am Innkai. Das Gefühl auf einem Pferd zu sitzen (mit Geschlecht!, wie ich jetzt nach etwa 35 Jahren erst aus der Zeitung erfahren habe) und Ringe zu stechen, war großartig.
Die nächste Aera war die Kettenkarussell-Zeit. Bauchkribbelnd in den herbstlichen Himmel schweben und dabei kreischen, brachte mir alljährlich pünktlich eine Woche nach der Dult eine Mandelentzündung ein. Das hatte tatsächlich zur Folge, dass diese Dinger rausoperiert werden mussten. Das hätte ich mir jedoch sparen können, denn im Nu folgte die Teufelskarussell- und Auto-Scooter-Aera.
Richtig muss es eigentlich "Bei-den-Autoscootern-stehen-Aera" heißen. Ich fuhr nämlich nicht damit. Es war - wie auch heute noch - ein Treffpunkt für, na, wie soll ich sagen?, Singles ab 12? Dabei war ich eigentlich immer so brav, dass ich vor etlichen sogenannten Singels sogar Angst hatte. Aber das Teufelskarussel war wirklich super, denn dort konnte man ja gruppenweise rauf. Und es macht enorm Eindruck auf den Angebeteten, wenn man den Sandsack als letzte ins Gesicht bekommt. Er weiß ja nicht, dass man nächtelang wach liegt und Treppen nur mit zusammengebissenen Zähnen steigen kann vor lauter Muskelkater. Es war bestimmt nicht der Erfolg auf dem Teufelsrad, aber einer von diesen Jungs hat mich später geheiratet.
Nächste Aera: man nutzt so ziemlich alles, was es auf der Dult gibt, außer die Stände ganz rechts am Platz. Denn kein 16- bis 20-jähriger braucht Kleiderschürzen, lange Unterhosen, Töpfe, Kopftücher, Hosenträger usw. Cool ist es, Enterprise zu fahren, sich im Taumler schütteln und sich die kitschigsten Rosen schießen zu lassen.
Mittlerweile kann ich komischerweise kein Karussell mehr betreten. Vor ein paar Jahren machte ich meine letzte Fahrt. Eine Einladung von meiner sehr großzügigen Chefin. Ach, wenn's nichts kostet, so haben sie mich überredet. 36-jährig Todesängste ausstehend, infantil nach meiner Mutter rufend, brachte ich den Besitzer beinahe dazu, das Gerät abzuschalten. Seiner Loyalität den anderen Fahrgästen gegenüber habe ich wenigstens zu verdanken, dass ich mich nicht noch mehr (geht das überhaupt?) blamierte.

Aber eines gehörte in jeder Aera - mal mehr, mal weniger ausgeprägt - mal mit Limo, mal mit Radler, mal mit Bier (hoho!) dazu: das Bierzelt. Diese Stimmung! Da sag einer noch mal, die Deutschen können nicht lustig sein. Alt und jung vereint, singend, lachend vor einer Maß, einem Papier mit Emmentaler, einer Riesenbrezn und abgenagten Käserändern sitzend. Volksmusik, die Alten lachen vor Freude, die Jungen lachen (warum auch immer?) mit. Es passt einfach. Kollegen werden die besten Freunde, sogar Verwandtschaft feiert miteinander.

Aber eines müsste man abschaffen, die Schwingtüren am Bierzelt. Hier kommt nämlich eine böse Erinnerung zum Vorschein. Hab ich doch aus der Zeitung noch Zeilen im Gedächtnis, dass Benimmunterricht an den Schulen eingeführt werden soll. Liebe Lehrer, bitte nehmt im Lehrplan auf: "Halte niemals jemandem die Schwingtüre an einem Bierzelt auf!" Ich, die es heute nicht einmal mag, wenn ein Mann mir die Autotüre aufmacht (hab doch selber Hände!), war immer schon der Meinung: Gleiches Benehmen für beide Geschlechter! Ergo, ich halte die Schwingtüre auf, mein Freund vor mir, irgendeiner hinter mir. Und just in dem Moment, als ich den Griff wieder loslassen wollte, übergibt sich der irgendeine über meine Hand. Bier und Käsebrocken! Dieser Geruch! Diese Mischung! Ich sage euch, es hat fast 12 Jahre gedauert, bis ich selbst diese Kombination wieder zu mir genommen habe.
Aber es gibt ja auch Fisch und Bier, Mandeln und Bier, Ottos Wurst und Bier, Hendl und Bier und und und.
Momentan ist mir das liebste ein Früchtespieß und eine Radlermaß im Bierzelt. Und was ich wirklich gut finde, ist, dass es im Bierzelt auch Musik für junge Leute gibt. So ist für jeden etwas dabei (auch für die Studenten, die sich ja mit der Aussprache der Gemuatlichkeit ein bisschen schwer tun).
Übrigens, meine vier Kinder sind in meinen verschiedensten Phasen gelandet, nur das Teufelsrad gibt es leider nicht mehr. Ich hoffe nur, dass sie trotzdem "unter die Haube" kommen und ich auch noch mit Enkelkindern auf die Herbstdult gehen kann.

Geschrieben von Waldsternum11:05 | in: Geschichten
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren
2.06.2007
Achtung Ansteckend!
Achtung ansteckend!


Es gibt eine neue Krankheit in unserer Stadt. Sie tritt auf bei Frauen über 40, ist höchst ansteckend und lähmt nahezu alle übrigen Aktivitäten. Ihr Name: Computerkurs-Syndrom. Ich habe mich mit einer Infizierten unterhalten, die urplötzlich mit dieser heimtückischen Krankheit konfrontiert wurde. Es fing damit an, dass sie das zuhausesitzende Hausfrauendasein satt hatte und auf die glorreiche Idee kam, beim Arbeitsamt vorstellig zu werden. Dort durfte sie in einer Liste ankreuzen, welcher Beruf ihr denn zusagen würde. Ihre Entscheidung: sozialer Bereich! Entscheidung des Arbeitsamts: „Das ist nichts für sie, ab in einen Computerkurs! Jetzt quält sie sich mit hunderten anderen Frauen durch Dateien, Excel, Word, sitzt im Computersmog und schüttet mittags im Bus mit sorgenverzerrtem Gesicht ihr Herz aus. Nach ein paar Wochen muss sie sich selbst um eine Praktikumsstelle bemühen, was bei der Flut von plötzlich tausender, suchender Praktikanten in einer Kleinstadt ziemlich trostlos ist. Auch der Lernerfolg lässt bei manchen Frauen zu wünschen übrig. Dame A (4 Wochen im Kurs): „Heute haben wir über juristische Personen gelernt!“ Dame B (10 Wochen Kurs!): „Ja, das sind Rechtsanwälte!“ Dame A: „Nein, oHGs, GmbHs usw.!“ Dame B: „GmbH – Gesellschaft mit beschissener Hose!“ Dame A: „Am besten wäre es, wir gründen eine eigene GmbH und arbeiten für uns, dann brauchen wir alle keine Praktikumsstelle?!“ Da frage ich mich doch, für was wir die Umschulungsgelder ausgeben!? Meine allerletzten Zweifel an der Besetzung der Computerkurse waren jedoch ausgeräumt, als eine junge Klientin mit offensichtlichem IQ einer Tomate freudig an der Bushaltestelle verkündete: „Ich schule jetzt um, Computerkurs! Ich will nicht mehr von der Stütze leben, die bescheissen immer!“ Stets an meinen Mitmenschen interessiert, erkundige ich mich, was sie denn früher gearbeitet hätte. „Ich war Lehrling für Metzgereifachverkäuferin, aber das viele Fleisch, das war nichts für mich, habe ich abgebrochen.“ Mein Blick wandert von den fettigen Haaren zu den schwarzen Fingernägeln, meine Gedanken vom Fleisch zum IQ. Da dröhnt es an meine Ohren: „Nach dem Kurs möchte ich Webside-Designerin werden!“
Ja, dann viel Erfolg der angehenden Designerin, den Gesellschafterinnen mit den beschissenen Hosen, den Damen, die nach den schwarzen Fingernägeln den Computer benutzen dürfen! Da lob ich mir doch meine Stelle bei einer juristischen Person!




Man kann es vielleicht nicht glauben, aber nichts von der Geschichte ist erfunden. Wirklich selbst erlebt!
Hoffe, es findet sie jemand unterhaltsam!

Geschrieben von Waldsternum11:02 | in: Geschichten
Link | Weiterleiten | Kommentare (0) | Kommentieren