Ich habe von September 2009 bis Januar 2010 ein Auslandssemester in Peking verbracht und bin in diesem Semester in
Shanghai, um dort ein Praktikum als DaF-Lehrkraft zu machen. Dieser Blog ist ein Tagebuch, damit ich mich später an die Erlebnisse
zurückerinnern kann. Und natürlich möchte ich damit meinen Lieben zu Hause mitteilen, wie es mir hier ergeht!
Ich freue mich auch über Kommentare.
Verfasst am 16.03.2010 um 05:58 PM Uhr in Bla und Blubb
Hallo zusammen,
es ging zwar alles etwas zu langsam für meinen Geschmack, aber nun ist es endlich soweit - ich habe mein Visum
Als die Unterlagen aus Shanghai letzten Freitag endlich angekommen sind, ging alles ziemlich schnell. Gestern bin ich in Hamburg beim chinesischen Konsulat gewesen und hatte innerhalb von eineinhalb Stunden mein Visum. Natürlich nicht, ohne dafür ordentlich draufgezahlt zu haben – einige nennen es Expressbearbeitung, andere sagen Bestechung...
Heute Morgen habe ich dann gleich bin Shanghai angerufen, um die freudige Botschaft zu verkünden, und dann den Flug gebucht. Nächsten Montag geht’s los! Ich habe erst mal eine Woche, um mich zu akklimatisieren und „Shanghai kennen zu lernen“, wie Frau Chen meinte. Am 1. April fängt dann der Unterricht an.
Ich werde mir ein Zwei-Zimmer-Appartment mit Küche und Bad (Luxus!) mit einer anderen Deutschen teilen, die lustiger Weise so heißt wie ich. Ich hoffe, dass sie einen Spitznamen hat, sonst wird es zu Verwirrung kommen
Puh, jetzt bin ich schon etwas nervös, mehr, als ich es vor dem ersten Flug war – schließlich möchte ich dort einen guten Eindruck machen. Aber ich bin gleichzeitig auch optimistisch und freue mich auf Shanghai!
~ Geschrieben von Sonea am 16.03.2010 um 06:20 PM Uhr
Unbenannter Kommentar
VERRRRY GEIL!!!
freu mich sehr für dich, beutechinesin! wie lange bleibst du denn in shanghai? was ich aber ganz blöd finde: im juni werde ich susann und andre besuchen. bist nicht zufällig am 5. mal zu besuch in hannover, oder? ;-)
du, ich glaub es macht keiner unseren MA zu ende, haha. very lustig.
xxx
~ Geschrieben von Camilla am 16.03.2010 um 06:26 PM Uhr
Ja super
Ich freu mich für dich.
Gerade mal da und schon wieder weg ^^
~ Geschrieben von Sui am 16.03.2010 um 07:57 PM Uhr
Danke :)
Ich werde wahrscheinlich bis Ende Juli, Mitte August dableiben, mal schauen.
@Camilla: Nee, aber dann musst du halt nochmal kommen, wenn ich wieder da bin, ist doch ganz klar! Oder ich komm zu dir... Und es wird zumindest eine geben, die den MA zu Ende macht: Mich :)
Hm, ich hatte ja schon geschrieben, dass es mit dem Visum etwas knapp wird, weil die Chinesen vom 14. Februar an eine Woche lang ihr Neujahrsfest feiern. Doch warum haben die Mitarbeiter der chinesischen Konsulate in Deutschland an diesen Tagen auch frei? Das frage ich mich vor dem Hintergrund, dass ich in Peking sowohl zu Weihnachten als auch Silvester Unterricht hatte.
Ins Grübeln gekommen bin ich außerdem, als ich mir die anderen Feiertage angesehen hab, an denen die Botschaft zumacht:
01. Januar – Neujahr
13. - 16. Februar – Chinesisches Frühlingsfest
2. April – Karfreitag
5. April – chinesisches Totenfest
01. Mai – Internationaler Arbeitstag
13. Mai – Christi Himmelfahrt
24. Mai – Pfingstmontag
16. Juni – Drachenbootfest
22. September – Mondfest
01., 02., 04. Oktober – Chinesischer Nationalfeiertag
Okay, auf der einen Seite arbeiten zu den deutschen Feiertagen die meisten Leute sowieso nicht, deshalb nehmen sich wohl auch die Botschaftsmitarbeiter frei. Aber am 2. April Karfreitag zu feiern und am 5. April das chinesische Totenfest, finde ich trotzdem ein bisschen absurd
~ Geschrieben von Anonymous am 19.02.2010 um 07:40 PM Uhr
Boah
das sind ja jetzt Neuigkeiten (Kommentar gehört noch zum vorigen Post ^^)
Im März!
Kriegst du das noch hin mit dem Visum?
Hab ich das richtig verstanden, du unterrichtest dann Deutsch an einer Uni?
Das ist ja krass.
Also, wenn alles so hinhaut, dann Gratulation!
Ich freue mich auf jeden Fall darauf hier weiterzulesen ^^
~ Geschrieben von Sui am 20.02.2010 um 04:10 PM Uhr
Lieben Dank :)
Ja genau, ich werde kleine chinesische Studenten mit der deutschen Grammatik quälen - die sind geduldige Versuchsobjekte, denke ich ;)
Ich hoffe auch, dass das mit dem Visum klappt - ich berichte, wenn es Neuigkeiten gibt.
~ Geschrieben von Mieke85 am 21.02.2010 um 07:15 PM Uhr
Verfasst am 16.02.2010 um 05:00 AM Uhr in Bla und Blubb
Ein vorsichtiges ‚nimen hao‘
Nach einem dutzend Nervenzusammenbrüchen aus verschiedenen Gründen traue ich mich nun endlich, hier meine Pläne für die nächste Zeit preiszugeben. Ich habe gemerkt: Was hier im Blog steht, sollte schon irgendwie spruchreif sein, sonst führt das nur zu Verwirrung. Deshalb habe ich mich zurückgehalten und in den letzten Wochen nichts mehr zu meinen weiteren China-Plänen geäußert. Aber da viele es eh schon wissen: Ich werde im nächsten Semester nicht an die University of Science and Technology in Beijing zurückkehren. Mein Studienfach, Linguistik, gibt es dort nicht, und den Sprachkurs als einzige Beschäftigung wollte ich nicht noch ein halbes Jahr länger machen.
So lautete der Zwischenstand, dass ich erst mal in den Semesterferien nach Deutschland zurückkomme und vielleicht nicht wieder nach China gehe (deshalb auch tränenreicher Abschied, zumindest bei mir). Jetzt ist es aber doch anders gekommen, vor allem deshalb, weil ich mich mit dieser Vorstellung nicht anfreunden wollte. Nach einigen Gesprächen mit dem International Office in meiner Heimat und deren Engagement heißt es (solange ich nichts Anderslautendes poste...): Im nächsten Semester gehts nach Shanghai! Die Möglichkeit hat sich kurzfristig ergeben und ist für mich ziemlich überraschend und aufregend. Ich habe das Angebot bekommen, gegen Bezahlung und Unterkunft DaF (Deutsch als Fremdsprache) an der Tongji Universität zu unterrichten. Es geht schon zu Beginn des nächsten Semesters los – welches in China einen Monat früher als in Deutschland, am 1. März, anfängt. Ich entwickle mich gerade zu einer Fachfrau, was Visumsangelegenheiten betrifft. Ohne Visum kann ich nämlich nicht einreisen, und die Papiere aus China, die ich dafür brauche, werden vermutlich gerade als Konfetti anlässlich der Feiern zum chinesischen Neujahrsfest gebraucht. Das hat just am 14. Februar angefangen und dauert eine Woche. Perfektes Timing also.
Wenn jedoch alles so klappt, wie ich mir das vorstelle, wird dieser Blog im kommenden halben Jahr aus Shanghai (und wo ich mich sonst noch so rumtreibe) weitergeführt Wünscht mir Glück beim Konsulat!
Verfasst am 5.02.2010 um 10:46 PM Uhr in Unterwegs
Heyho,
die letzte Station auf meiner einwöchigen Reise war Hangzhou. Die Stadt ist in China bekannt für ihre Schönheit, und selbst im Winter kann man sich das sehr gut vorstellen. Der Running Gag der gesamten Woche war sowieso „This place must be so beautiful... in summer!“. Das war nicht ganz ernst gemeint, da es uns ja auch so sehr gut gefallen hat, wo wir waren. Aber einer von uns musste zwangsläufig diesen Spruch lassen, zumal wir meistens die einzigen Ausländer waren, die sich zu dieser Jahreszeit in die besagten Städte verirrt hatten.
Das Emerald Hostel in Hangzhou war ein Glücksgriff, von uns zufällig im Internet entdeckt. Die Mitarbeiter waren unglaublich hilfsbereit, sprachen gut Englisch und zu allem Überfluss haben wir ein „Upgrade“ bekommen. Unser reserviertes Vierbettzimmer war wohl schon belegt, weshalb wir ein Zweibett- und ein Dreibettzimmer bekommen haben, ersteres sogar mit Bad.
Am ersten Tag in Hangzhou, den wir am Xihu (Westlake), einem großen Erholungsgebiet, verbracht haben, war das Wetter traumhaft, milde 18°C. Wir haben eine Bootsfahrt gemacht, sind am See spazieren gegangen und haben uns Abends noch ins Stadtgetümmel zum Shoppen gestürzt. Dann waren wir allerdings zu erschöpft, um noch auszugehen, und haben uns stattdessen mit einer Flasche Rotwein zusammengesetzt. Irgendwer ist auf die Idee gekommen, das Fernsehprogramm zu inspizieren, und so sind wir in den Genuss von „Titanic“ in chinesischer Synchronisation gekommen. Wer sich nicht erinnert: Die Namen der Hauptdarsteller lauten Ruose und Jack... Jack lässt sich noch einigermaßen angleichen, aber da es im Chinesischen das englische „R“ nicht gibt, wurde aus Rose kurzerhand „Luße“. Und Jacks Stimme passte einfach mal gar nicht zu ihm... Ich habe mir den Spass gemacht, die Version von Youku, dem chinesischen Youtube, herunterzuladen und ein paar Dialoge zusammenzuschneiden, damit ihr wisst, was ich meine...
Am zweiten Tag in Hangzhou hat es leider in Strömen geregnet, und die Stimmung schwankte zwischen gereizt und erschöpft. Wohl auch kein Wunder, wenn man tagelang auf den Beinen ist und von einer Stadt zur nächsten pendelt... Wir haben jedenfalls an diesem Tag „nur“ das Seidenmuseum besucht und sind dann nochmal in die Stadt gefahren. Dann haben wir uns getrennt – Pia und ich sind Shoppen gegangen, und die Jungs haben sich in einem Autohaus Ferraris usw. angeschaut. An diesem Tag habe ich mir dann endlich ein chinesisches Kleid angeschafft, nachdem ich schon von mehreren Leuten gehört habe, dass das ja wohl das mindeste ist, was ich mitbringen muss, wenn ich aus China zurückkomme. Meine Diskussion mit der Verkäuferin wurde von zwei chinesischen Studentinnen belauscht, die uns daraufhin auf Englisch angesprochen haben. Die beiden waren dermaßen aufgedreht, weil sie wohl noch nicht so viele Ausländer kennengelernt haben, dass es uns ein bisschen Angst gemacht hat. Die eine meinte sogar, dass sie sicher heute Nacht nicht schlafen könne, weil sie so aufgeregt sei. Danach haben Pia und ich den geordneten Rückzug angetreten, aber erst, nachdem wir Handynummern ausgetauscht und ein Foto gemacht hatten (Alle Fotos im Fotoalbum...).
Am Abend sind wir ein eine Kneipe gegangen, um unseren letzten gemeinsamen Tag zu feiern. Es war eine sehr intensive Zeit, und entsprechend traurig war ich, denn die drei sind weiter gezogen nach Shanghai, während ich am Freitag zurück nach Beijing geflogen bin. Inzwischen bin ich einfach froh, dass ich das alles erlebt habe
Verfasst am 5.02.2010 um 01:07 AM Uhr in Unterwegs
Heyho,
Heute ist endlich ein kurzer Bericht über Suzhou dran. Kennt irgendjemand Suzhou (liegt in Ostchina, ca. 6 Millionen Einwohner im gesamten Bezirk)...? Nagut, wenn Nanjing schon nicht so bekannt ist, brauche ich danach wohl nicht zu fragen Ich gebe zu, dass ich den Namen vorher auch noch nie gehört hatte, und dass ich dort war, ist unserem inoffiziellen Reiseführer Eduardo zu verdanken. Er hat nämlich als einziger von uns daran gedacht, Stadtpläne von den Orten zu besorgen, die wir bereisen wollten, und war eigentlich auch derjenige, der diese Städte überhaupt als lohnenswerte Reiseziele vorgeschlagen hat.
So wenig ich Suzhou vorher kannte, so überrascht war ich, dass die Bewohner offenbar an deutsche Touristen gewöhnt sind. Ich habe überdurchschnittlich viele Läden o.ä. mit deutschen Namen oder Beschreibungen entdeckt.
Unser Hostel, dass zu der in China allgegenwärtigen Kette „International Youth Hostel“ gehörte und uns von der Hostel-Chefin in Nanjing vermittelt worden ist, war sehr heimelig, hatte aber einen Haken: Es war eindeutig für das Sommergeschäft ausgelegt. Unser Vierbettzimmer ging von einem offenen Innenhof ab, ebenso die Duschen und Toiletten. Letztere hatten keine Türen, was heißt, es war k-k-k-kalt dort. Zum Glück liegt Suzhou mehr als 1000 km südlich von Beijing, es war also nicht -8, sondern „nur“ 3 Grad kalt. Für umgerechnet 4,5 € pro Nacht ist man außerdem nicht direkt in der Position, sich zu beschweren, und die meiste Zeit waren wir ja sowieso unterwegs.
Wir haben die üblichen Sehenswürdigkeiten besucht – einen großen Garten, der trotz des Winters sehr schön grün war, haben uns todesmutig in zwei wackelige Fahrrad-Rikschas gewagt (sind beim Preis natürlich beschissen worden) und haben uns, oh Wunder, mal wieder eine Pagode angeschaut. Besagte Pagode steht auf dem Tigerhügel und ist über 1000 Jahre alt (so sieht sie auch aus).
In Suzhou ist es das erste Mal in meiner ganzen Zeit in China passiert, dass ich so richtig wütend auf einen Chinesen geworden bin. Klar, in Suzhou gibt es noch weniger Ausländer als in Nanjing oder Beijing, aber der junge Mann hat uns vier über Minuten und völlig ungeniert mit seiner Fotokamera gefilmt und auch nicht aufgehört, als es vollkommen offensichtlich war, dass wir uns bedrängt fühlten. Ich war daraufhin so aufgebracht, dass ich zu ihm rübergegangen bin und ihn gefragt habe, ob er uns nicht vorher fragen könne. Er hat so getan, als ob er’s nicht versteht, obwohl ich es auf Chinesisch gesagt habe (oder zumindest versucht). Ich bin dann weggegangen und dachte mir im Nachhinein, besser, man dreht sich weg und ignoriert es, anstatt sich aufzuregen – aber manchmal geht es einfach zu weit.
Und wie immer: Fotos von Suzhou im Fotoalbum Und gaaanz bald auch die Fotos von Hangzhou, unserer letzten Station.
wie lange wart ihr nochmal unterwegs? einen monat?! wahnsinn, wie viele eindrücke in so kurzer zeit! und die fotos sind echt hammer, wobei ich mit so einigem echt gar nicht zurechtgekommen wär...
~ Geschrieben von Sonea am 5.02.2010 um 06:15 PM Uhr
joa eine Woche ;)
Ich hab auch schon einige Male geschluckt! Aber man ist eben Besucher...
~ Geschrieben von Mieke85 am 5.02.2010 um 11:07 PM Uhr
Verfasst am 31.01.2010 um 05:02 AM Uhr in Unterwegs
Hallo zusammen,
heute Abend bin ich endlich in der richtigen Stimmung, um eine kleine Zusammenfassung meiner letzten Woche in China zu beginnen. Die Anzahl von Fotos, die ich geschossen habe, hat mich erst mal etwas erschlagen (es waren über 700). Ich habe aber die besten herausgesucht und die werden natürlich auch hochgeladen.
Weil ich nicht so einen langen Atem habe werde ich erst einmal nur schreiben, wie es in Nanjing war (16. Und 17. Januar). Außerdem ist so ein ewig langer Reisebericht auch ermüdend für den Leser, vermute ich mal
Am Freitagabend haben wir uns nochmal mit den anderen getroffen, um Esther zu verabschieden, die Beijing verlässt und im nächsten Semester in Hong Kong studieren wird. Um 10 Uhr abends ging unser Nachtzug von Beijing nach Nanjing. Wir vier – Pia aus Chile, Eduardo aus Kolumbien, Pepe aus Bolivien und ich – haben mit zwei anderen Chinesen in einem Abteil gelegen und auch erstaunlich gut geschlafen. Samstagmorgen sind wir ohne Probleme mit dem Taxi zu unserem Hostel gekommen. Die Betreiberin war eine unheimlich nette Chinesin, die gut Englisch gesprochen hat und uns viele Empfehlungen für die Erkundung der Stadt gegeben hat. Unsere erste Station war das Museum von Nanjing mit dem langen Namen „The Memorial Hall oft he Victims in Nanjing Massacre by Japanese Invaders“. Die meisten, denen ich erzählt habe, dass ich nach Nanjing fahre, meinten, „Hab ich noch nie von gehört“. Dies mal vorausgesetzt, ganz kurz folgende Infos (Wer mehr darüber wissen will: Wikipedia-Artikel): Nanjing war seit Anfang des 20. Jahrhunderts Hauptstadt von China. Im Krieg mit Japan wurde Nanjing 1937 belagert und schließlich erobert. In den darauffolgenden Wochen wurden nach chinesischen Angaben über 300 000 chinesische Zivilisten von japanischen Soldaten misshandelt und getötet. Dieses Massaker beeinflusst bis heute die Beziehung zwischen Chinesen und Japanern und ist wohl ein Grund für die mehr oder weniger ausgeprägte Antipathie, die viele Chinesen gegenüber Japanern hegen.
Das Massaker-Museum war ziemlich harter Tobak für unseren ersten Eindruck von Nanjing. Fotos lügen nicht, könnte man sagen – es wurde keine Gelegenheit ausgelassen, die Grausamkeit dieses Ereignisses bildlich darzustellen, Fotos von abgetrennten Gliedmaßen, Massengräber, japanische Soldaten, die grinsend über ihren Opfern stehen. Alles untermalt von dunkler, unheilschwangerer Musik und gedimmtem Licht, was ich so in einem Museum noch nie erlebt habe. Die Tafeln und Bildunterschriften waren auf Chinesisch, englisch und japanisch – und begannen meistens mit den Worten „The atrocities, comitted by the Japanese Invaders...“. Ich hatte das Gefühl, dass das ganze zwar auch Trauer ausdrücken sollte, aber zu gleichen Teilen Hass. Ich bin mit sehr gemischten Gefühlen aus diesem Museum gegangen – einerseits sind da die historischen Tatsachen, das Massaker ist passiert, diese grauenvollen Morde wurden von japanischen Soldaten begangen. Und auf der anderen Seite ist da die Aufarbeitung durch die Chinesen, bei der ich mich frage, inwieweit hier nicht auch politische Propaganda gegen Japan betrieben wird. Ich kenne mich mit den politischen Hintergründen und den Beziehungen zwischen Japan und China nicht genug aus, um darüber ein Urteil fällen zu können. Doch die Erinnerung an diesen Museumsbesuch löst bei mir auch jetzt noch einen inneren Widerstand aus – einerseits Trauer um die Opfer, andererseits Abwehr gegen die Art der Darstellung. Im Museum selbst konnte ich nur einige Fotos machen – unter anderem eines von einer Auszeichnung, die einem deutschen Offizier von Adolf Hitler verliehen wurde. Dafür, dass er den Chinesen in Nanjing geholfen hat. Hatte einen extrem fahlen Beigeschmack für mich, zumal ich den Brief auch noch für die anderen übersetzen sollte. Nazi-Deutschland als Freund und Helfer der Chinesen? Selbst wenn es so war, bin ich mir nach wie vor nicht sicher, aber es nicht vor dem Hintergrund der deutschen Geschichte und des Holocausts ein Unding ist, das so hervorzuheben und sogar Flaggen mit Hakenkreuzen auszustellen (auch davon habe ich Fotos, werd sie aber nicht hochladen).
Die Fotos, die ich hochgeladen habe, sind vor dem Museum entstanden – und geben schon einen ganz guten Eindruck davon, wie es drinnen ausgesehen hat.
Nach diesem Erlebnis sind wird erst mal wieder ins Hostel gefahren, haben uns etwas erholt und am Abend die Innenstadt von Nanjing erkundet. Eine chinesische Großstadt bei Nacht ist beeindruckend – alles ist durch Lampions und Lichterketten beleuchtet gewesen. Wir haben uns dann zu einer relativ teueren Bootsfahrt auf dem Kanal hinreißen lassen und uns später am Abend mit drei Chinesen, die wir im Zug kennengelernt hatten, im Barviertel getroffen. Nach einigem hin und her haben wir eine Kneipe mit Livemusik gefunden dort einen lustigen Abend verbracht.
Am nächsten Tag haben wir den Xuanwu See und eine der Pagoden von Nanjing besucht. Über den Tag verteilt habe ich eine erstaunliche Anzahl an interessanten Schildern entdeckt – ich weiß nicht, ob es Zufall war oder ob ich inzwischen gezielt danach suche... Hier zwei Beispiele:
In der U-Bahn
Im Park
Auch an diesem Tag ist mir wieder etwas sauer aufgestoßen: Die Vogelflug-Voliere auf einer der Inseln des Xuanwu Sees. Ich hatte viele Jahre Wellensittiche als Haustiere und habe allgemein eine Vorliebe für diese Tiere. Die Voliere, in der zur Belustigung der Besucher eine große Anzahl unterschiedlicher Vogelarten, vor allem Seevögel, herumgeflogen sind, war eigentlich viel zu klein und auch nicht gerade sauber. Am Eingang wurde Vogelfutter verkauft, dass offensichtlich nicht für jede Vogelart bekömmlich sein kann. Die Besucher konnten Fische kaufen und die Seevögel damit füttern, die in einem winzigen brackigen Teich gesessen und auf die Fütterung gewartet haben. Einige Tiere waren offensichtlich krank oder geschwächt... Alles in allem kein Vorbild für artgerechte Tierhaltung. Einerseits habe ich mich geärgert, das unterstützt zu haben – aber wie das so ist, anschauen wollte ich es mir trotzdem.
Nachdem wir das Seegebiet durchwandert hatten, haben wir uns noch einen der vielen indischen Tempel angeschaut, die es im Stadtgebiet von Nanjing gibt. Dort hatte ich ein lustiges Erlebnis: Am Eingang hat jeder von uns eine Hand voll Räucherstäbchen bekommen. Gerade, als ich mich gefragt habe, wie ich die am besten anzünde, ist ein alter Chinese, um die achtzig Jahre, auf mich zugekommen und fragt mich, ob er das für mich machen soll – aber gern. „Woher kommst du?“ – „Ich komme aus Deutschland.“ – „Ahh – Karl Marx!“
Am Sonntagabend sind wir um 8 Uhr abends in den Zug von Nanjing nach Suzhou gestiegen – die Karten dafür haben wir uns am selben Tag gekauft. Das Hostel für Suzhou hat uns die nette Chinesin aus dem Hostel in Nanjing organisiert. Das hat nämlich ein Bekannter von ihr betrieben... Aber wie es dort war, schreibe ich ein anderes Mal
Die Fotos von Nanjing habe ich wie immer im Fotoalbum hochgeladen.
P.S.: Morgen Nachmittag werde ich das Zimmer meiner Freundin beziehen, wo ich ja einen Monat bleibe. Ich denke, dass ich mich dort ganz wohl fühlen werde... Heute war ich dort, um mich von ihr zu verabschieden. Gegen sieben Uhr abends bin ich gegangen. Im Erdgeschoss kommen mir zwei andere Bewohner des Hauses entgegen – und der eine grüßt mich laut und deutlich mit „Guten Morgen!“
Verfasst am 26.01.2010 um 06:42 PM Uhr in Unterwegs
Hallo ihr Lieben! (Begrüßung nun angemessener Weise auf Deutsch)
Ich bin zurück in Deutschland und blicke auf eine aufregende und extrem anstrengende Woche zurück. Da es jetzt zu viel auf einmal wäre, gehe ich mal die umgekehrte Reihenfolge und berichte zuerst von meinem Heimflug.
Am Samstagabend habe ich mit den Freunden, die noch in Peking waren, meinen Abschied gefeiert. Die Hälfte der Leute, die ich kennengelernt und liebgewonnen habe, sind leider schon vor mir nach Hause gefahren oder reisen in China herum.
Wir sind Sushi essen gegangen und danach feiern. Es war ein lustiger, trauriger, intensiver Abend/Nacht. Ein angemessener Abschied und einer für längere Zeit (dazu komme ich noch, aber nicht in diesem Eintrag). Ich habe von Samstag auf Sonntag 1,5 Stunden geschlafen, musste Samstagmorgen noch zu Ende packen und bin dann erst zwei Stunden vor dem Abflug zum Flughafen losgefahren. Zum Glück haben zwei Freunde mich begleitet und mein Gepäck getragen. Dann mussten wir noch mit dem Bus zu einem anderen Terminal und waren 10 Minuten vor Ende des Check-ins dort. Ich habe also praktisch nicht geschlafen, keine Zeit zum Essen und total nervös – und dann erzählt mir die Schalterdame, sie will für 7 Kg Übergepäck 270 Euro haben. Da bin ich etwas hysterisch geworden, milde gesagt. Zum Glück haben die Jungs draußen auf mich gewartet, weil ich schon so eine Ahnung hatte. Ich hab dann kurzerhand 5 Kg meiner Klamotten in eine Tüte gepackt und in Peking gelassen, die werden sie mir dann zuschicken.
Ich bin gerade noch rechtzeitig zum Boarding am Gate gewesen. Konnte leider im Flugzeug nicht schlafen, zu unbequem, zu wenig Platz, zu laut, zu viel im Kopf... Nach 10 Stunden war ich in Amsterdam, zum Umsteigen in die Maschine nach Hamburg. In Schiphol habe ich fast meine große Kamera liegenlassen, aber zum Glück hat jemand sie gefunden und an der Information abgegeben. An den einstündigen Flug nach Hamburg kann ich mich nicht mehr erinnern bzw. in meiner Erinnerung dauerte der nur 5 Minuten – Erschöpfung.
Um Mitternacht war ich zu Hause bei meinen Eltern. Jetzt leide ich immer noch unter dem Jetlag, aber immerhin ist alles gut gegangen. Meinen Reisebericht der letzten Woche reiche ich noch nach, versprochen. Dafür will ich mir aber mehr Zeit nehmen, also etwas Geduld
Ich wusste ja schon vorher, dass ich die Chinesen nicht gut verstehe – bald hab ich’s schriftlich.
Oder ist da jemandem beim Daumendrücken der Daumen müde geworden...? Nichts für ungut
Ich werde erst mal für ein paar Tage verschwinden. In der Nacht von heute auf morgen fahre ich mich drei Freunden nach Nanjing (ist in der Nähe von Shanghai, also ca. 1000 km von Beijing entfernt). Von da aus besuchen wir verschiedene Städte in der Umgebung. Eigentlich wollten wir ja nach Yunnan, aber die Pläne haben sich geändert. Das ist unsere Route:
Nanjing - Wuxi - Suzhou - Hangzhou (ca. 400 km)
Am nächsten Freitag fliege ich von unserer Endstation, Hangzhou, zurück nach Beijing und am Sonntag geht es ja schon zurück nach Deutschland. Etwas anstrengend, aber ich freue mich drauf, mehr von China zu sehen. Natürlich werde ich auch diesen Trip hier dokumentieren, wenn ich wieder da bin