Ich habe von September 2009 bis Januar 2010 ein Auslandssemester in Peking verbracht und bin in diesem Semester in
Shanghai, um dort ein Praktikum als DaF-Lehrkraft zu machen. Dieser Blog ist ein Tagebuch, damit ich mich später an die Erlebnisse
zurückerinnern kann. Und natürlich möchte ich damit meinen Lieben zu Hause mitteilen, wie es mir hier ergeht!
Ich freue mich auch über Kommentare.
Verfasst am 5.02.2010 um 10:46 PM Uhr in Unterwegs
Heyho,
die letzte Station auf meiner einwöchigen Reise war Hangzhou. Die Stadt ist in China bekannt für ihre Schönheit, und selbst im Winter kann man sich das sehr gut vorstellen. Der Running Gag der gesamten Woche war sowieso „This place must be so beautiful... in summer!“. Das war nicht ganz ernst gemeint, da es uns ja auch so sehr gut gefallen hat, wo wir waren. Aber einer von uns musste zwangsläufig diesen Spruch lassen, zumal wir meistens die einzigen Ausländer waren, die sich zu dieser Jahreszeit in die besagten Städte verirrt hatten.
Das Emerald Hostel in Hangzhou war ein Glücksgriff, von uns zufällig im Internet entdeckt. Die Mitarbeiter waren unglaublich hilfsbereit, sprachen gut Englisch und zu allem Überfluss haben wir ein „Upgrade“ bekommen. Unser reserviertes Vierbettzimmer war wohl schon belegt, weshalb wir ein Zweibett- und ein Dreibettzimmer bekommen haben, ersteres sogar mit Bad.
Am ersten Tag in Hangzhou, den wir am Xihu (Westlake), einem großen Erholungsgebiet, verbracht haben, war das Wetter traumhaft, milde 18°C. Wir haben eine Bootsfahrt gemacht, sind am See spazieren gegangen und haben uns Abends noch ins Stadtgetümmel zum Shoppen gestürzt. Dann waren wir allerdings zu erschöpft, um noch auszugehen, und haben uns stattdessen mit einer Flasche Rotwein zusammengesetzt. Irgendwer ist auf die Idee gekommen, das Fernsehprogramm zu inspizieren, und so sind wir in den Genuss von „Titanic“ in chinesischer Synchronisation gekommen. Wer sich nicht erinnert: Die Namen der Hauptdarsteller lauten Ruose und Jack... Jack lässt sich noch einigermaßen angleichen, aber da es im Chinesischen das englische „R“ nicht gibt, wurde aus Rose kurzerhand „Luße“. Und Jacks Stimme passte einfach mal gar nicht zu ihm... Ich habe mir den Spass gemacht, die Version von Youku, dem chinesischen Youtube, herunterzuladen und ein paar Dialoge zusammenzuschneiden, damit ihr wisst, was ich meine...
Am zweiten Tag in Hangzhou hat es leider in Strömen geregnet, und die Stimmung schwankte zwischen gereizt und erschöpft. Wohl auch kein Wunder, wenn man tagelang auf den Beinen ist und von einer Stadt zur nächsten pendelt... Wir haben jedenfalls an diesem Tag „nur“ das Seidenmuseum besucht und sind dann nochmal in die Stadt gefahren. Dann haben wir uns getrennt – Pia und ich sind Shoppen gegangen, und die Jungs haben sich in einem Autohaus Ferraris usw. angeschaut. An diesem Tag habe ich mir dann endlich ein chinesisches Kleid angeschafft, nachdem ich schon von mehreren Leuten gehört habe, dass das ja wohl das mindeste ist, was ich mitbringen muss, wenn ich aus China zurückkomme. Meine Diskussion mit der Verkäuferin wurde von zwei chinesischen Studentinnen belauscht, die uns daraufhin auf Englisch angesprochen haben. Die beiden waren dermaßen aufgedreht, weil sie wohl noch nicht so viele Ausländer kennengelernt haben, dass es uns ein bisschen Angst gemacht hat. Die eine meinte sogar, dass sie sicher heute Nacht nicht schlafen könne, weil sie so aufgeregt sei. Danach haben Pia und ich den geordneten Rückzug angetreten, aber erst, nachdem wir Handynummern ausgetauscht und ein Foto gemacht hatten (Alle Fotos im Fotoalbum...).
Am Abend sind wir ein eine Kneipe gegangen, um unseren letzten gemeinsamen Tag zu feiern. Es war eine sehr intensive Zeit, und entsprechend traurig war ich, denn die drei sind weiter gezogen nach Shanghai, während ich am Freitag zurück nach Beijing geflogen bin. Inzwischen bin ich einfach froh, dass ich das alles erlebt habe
Verfasst am 5.02.2010 um 01:07 AM Uhr in Unterwegs
Heyho,
Heute ist endlich ein kurzer Bericht über Suzhou dran. Kennt irgendjemand Suzhou (liegt in Ostchina, ca. 6 Millionen Einwohner im gesamten Bezirk)...? Nagut, wenn Nanjing schon nicht so bekannt ist, brauche ich danach wohl nicht zu fragen Ich gebe zu, dass ich den Namen vorher auch noch nie gehört hatte, und dass ich dort war, ist unserem inoffiziellen Reiseführer Eduardo zu verdanken. Er hat nämlich als einziger von uns daran gedacht, Stadtpläne von den Orten zu besorgen, die wir bereisen wollten, und war eigentlich auch derjenige, der diese Städte überhaupt als lohnenswerte Reiseziele vorgeschlagen hat.
So wenig ich Suzhou vorher kannte, so überrascht war ich, dass die Bewohner offenbar an deutsche Touristen gewöhnt sind. Ich habe überdurchschnittlich viele Läden o.ä. mit deutschen Namen oder Beschreibungen entdeckt.
Unser Hostel, dass zu der in China allgegenwärtigen Kette „International Youth Hostel“ gehörte und uns von der Hostel-Chefin in Nanjing vermittelt worden ist, war sehr heimelig, hatte aber einen Haken: Es war eindeutig für das Sommergeschäft ausgelegt. Unser Vierbettzimmer ging von einem offenen Innenhof ab, ebenso die Duschen und Toiletten. Letztere hatten keine Türen, was heißt, es war k-k-k-kalt dort. Zum Glück liegt Suzhou mehr als 1000 km südlich von Beijing, es war also nicht -8, sondern „nur“ 3 Grad kalt. Für umgerechnet 4,5 € pro Nacht ist man außerdem nicht direkt in der Position, sich zu beschweren, und die meiste Zeit waren wir ja sowieso unterwegs.
Wir haben die üblichen Sehenswürdigkeiten besucht – einen großen Garten, der trotz des Winters sehr schön grün war, haben uns todesmutig in zwei wackelige Fahrrad-Rikschas gewagt (sind beim Preis natürlich beschissen worden) und haben uns, oh Wunder, mal wieder eine Pagode angeschaut. Besagte Pagode steht auf dem Tigerhügel und ist über 1000 Jahre alt (so sieht sie auch aus).
In Suzhou ist es das erste Mal in meiner ganzen Zeit in China passiert, dass ich so richtig wütend auf einen Chinesen geworden bin. Klar, in Suzhou gibt es noch weniger Ausländer als in Nanjing oder Beijing, aber der junge Mann hat uns vier über Minuten und völlig ungeniert mit seiner Fotokamera gefilmt und auch nicht aufgehört, als es vollkommen offensichtlich war, dass wir uns bedrängt fühlten. Ich war daraufhin so aufgebracht, dass ich zu ihm rübergegangen bin und ihn gefragt habe, ob er uns nicht vorher fragen könne. Er hat so getan, als ob er’s nicht versteht, obwohl ich es auf Chinesisch gesagt habe (oder zumindest versucht). Ich bin dann weggegangen und dachte mir im Nachhinein, besser, man dreht sich weg und ignoriert es, anstatt sich aufzuregen – aber manchmal geht es einfach zu weit.
Und wie immer: Fotos von Suzhou im Fotoalbum Und gaaanz bald auch die Fotos von Hangzhou, unserer letzten Station.
wie lange wart ihr nochmal unterwegs? einen monat?! wahnsinn, wie viele eindrücke in so kurzer zeit! und die fotos sind echt hammer, wobei ich mit so einigem echt gar nicht zurechtgekommen wär...
~ Geschrieben von Sonea am 5.02.2010 um 06:15 PM Uhr
joa eine Woche ;)
Ich hab auch schon einige Male geschluckt! Aber man ist eben Besucher...
~ Geschrieben von Mieke85 am 5.02.2010 um 11:07 PM Uhr