Alles beim Alten hier...
Verfasst am 25.03.2010 um 12:02 AM Uhr in Anekdoten und Ausfälle

nimen hao!

Heute war also mein erster ganzer Tag in Shanghai. Ich habe es erst einmal zwölf Stunden geschlafen und nach einem kurzen Blick aus dem Küchenfenster beschlossen, es ruhig angehen zu lassen. Es war kalt und regnete in Strömen, weshalb ich erst um halb drei das Haus verlassen habe, gezwungener Maßen, da ich um 15 Uhr ein Treffen mit der DaF-Koordinatorin hatte. Meine erste Handlung, nachdem ich auf die Hauptstraße abgebogen bin, war, mir einen Regenschirm zu kaufen – die zweite, meine Straßenkarte rauszuholen, falsch herum zu halten und hilflos zu gucken. Prompt ist eine junge Chinesin stehengeblieben, die zufällig an der Tongji Chinesisch studiert. Sie hat mich allen Ernstes erst verlassen, als wir vor dem Büro standen, zu dem ich musste. Obwohl ich ihr mehrmals versichert habe, dass ich wüsste, in welchem Stockwerk es ist und welche Zimmernummer es hat. Total süß :)

Nun habe ich meinen Stundenplan, und erst einmal werde ich nur 8 Stunden die Woche zwei Grundkurse unterrichten. In drei Wochen wird der Plan wieder umgestellt und ich bekomme zwölf Wochenstunden zugeteilt. In jedem Fall ein sehr lockerer Plan, und ich möchte mich auf jeden Fall in einen Mittelstufenkurs Chinesisch mit hineinsetzen, wenn das noch geht, obwohl ich später gekommen bin.

Meine Chinesischkenntnisse durfte ich schon auf verschiedene Weise unter Beweis stellen… nach meinem Termin musste ich mich erst einmal durchfragen, um eine neue Handykarte zu kaufen. Dann habe ich festgestellt, dass meine Wohnungstür sich mit meinen Schlüsseln nicht öffnen lässt. Es folgte eine typisch chinesische Episode: Es hat 40 Minuten gedauert, a) die Angestellten an der Anmeldung zu überzeugen, dass die Tür wirklich nicht aufgeht und b) zu klären, wer verantwortlich ist, wenn die Tür tatsächlich nicht aufgeht. Das Öffnen der Tür durch die Dame, die während der gesamten Diskussion mit einem großen Schlüsselbund dabeistand und grimmig guckte, hat fünf Minuten gedauert. Seltsamerweise hat mich das nicht nur aufgeregt, sondern auch etwas amüsiert. Der Spruch „Warum einfach, wenn’s auch kompliziert geht“ könnte eine Übersetzung aus dem Chinesischen sein.


Als ob das noch nicht genug für einen Tag wäre, habe ich mich am Abend mit meiner Mitbewohnerin in eine Veranstaltung über Kants „Kritik der reinen Vernunft“ gesetzt. Diese wird von einem Deutsch-Lektor für chinesische Germanistikstudenten angeboten. Für mich als Philosophie-B.A. sehr interessant – und wer hätte gedacht, dass ich in Shanghai meine Kantkenntnisse auffrischen kann. Ich als Muttersprachlerin musste schon ziemlich überlegen, und ich vermute, dass die Chinesen (alle anderen bis auf Mareike²) nur einen Bruchteil verstanden haben. Der Kurs war aber erstaunlich gut besucht, und das, obwohl die Teilnahme freiwillig ist.

Mit Chatten, Telefonieren etc. ist es im Moment übrigens schwierig, erst einmal, weil der W-LAN Router abends (also bei euch mittags/nachmittags) wegen Überlastung extrem langsam ist, aber vor allem, weil meine Mitbewohnerin und ich uns mit dem Internet abwechseln müssen. Im Moment kann sich nur einer zur Zeit einloggen, aber das Problem soll innerhalb der nächsten Tage gelöst werden.


Zum Schluss noch eine Hiobsbotschaft, die wir heute Morgen in Form eines Zettels an der Tür bekommen haben…

Hm, wenn ich nicht wüsste, dass es mit der Englischkompetenz der Chinesen nicht so weit her ist, würde ich mir bei „we would replace the hotel“ irgendwie Sorgen machen. Sobald ich weiß, wie das mit dem electronic gate in Verbindung steht und welche inconveniences es verursacht, informiere ich euch ^^




[1] Kommentare

LOL
was die wohl EIGENTLICH mitteilen wollten?! *g*
mensch, wie telefonieren wir denn dann jetzt? das einzige, was mir noch einfällt, wäre von telefonzelle aus. gibt es vlt auch in china solche nacheuropatelefonier-karten?

~ Geschrieben von Epiny am 25.03.2010 um 01:42 AM Uhr








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