Lehrerin oder Studentin?
Verfasst am 10.04.2010 um 09:45 AM Uhr in Lernen

nimen hao,
 
die letzte Woche war recht anstrengend, aber gut. Ich habe für drei Klassen Unterricht a vier Schulstunden vorbereitet, und obwohl es Vorgaben in Gestalt eines Lehrbuches gibt, war das doch eine ziemliche Arbeit. Dafür hat es größtenteils sehr Spaß gemacht – je besser ich eine Aufgabe vorbereitet habe, desto mehr 

Außerdem habe ich an zwei Abendkursen Chinesisch teilgenommen, beides Mittelstufenkurse. Das Niveau war nicht so hoch, wie ich erwartet habe, deshalb habe ich in den schwierigeren Kurs gewechselt. Ich denke, dass der wirklich etwas bringen wird, weil die Lehrerin sehr viel Wert auf mündliche Kommunikation legt.

Ich habe mich auch zweimal mit meinem Tandempartner Chinesisch-Deutsch getroffen. Es ist wirklich interessant, sich mal auf einem höheren sprachlichen Niveau mit einem Chinesen auszutauschen. Leider habe ich ihm einen Riesenschreck eingejagt, als ich erwähnt habe, dass ich ja an der Tongji Deutsch unterrichte – ich war der Meinung, er wüsste das. Er war völlig perplex und meinte, dass er dachte, ich würde bloß am Institut studieren, nicht selbst unterrichten. Es gehöre sich für einen chinesischen Studenten nicht, sich mit einer Lehrerin zu treffen, er habe dafür viel zu viel Respekt vor Lehrern usw… Er war wirklich geschockt. Bis zum Ende unseres Treffens habe ich ihn zum Glück davon überzeugen können, dass ich eigentlich keine Lehrerin sei, sondern bezahlte Praktikantin und dass wir auf derselben Stufe stehen, da ich in Deutschland ja auch studiere. Er hat aber noch mehrmals gefragt, ob ich WIRKLICH keine Lehrerin sei. Das sind so die Fallstricke des interkulturellen Austauschs…

Ich habe jetzt auch noch einen Nebenjob als Privatlehrerin… Eine Mitarbeiterin einer deutschen Stiftung, die schon sehr gut Deutsch spricht, möchte ihre Ausdrucksweise verbessern. Das Treffen mit ihr hat Spaß gemacht, weil sie hochmotiviert ist. Anders als Schüler und Studenten hört sie wirklich die ganze Zeit genau zu und stellt viele Fragen.

Aber jetzt ist endlich Wochenende und ich habe, oh Wunder, tatsächlich Probleme mich zu bremsen und es ruhig angehen zu lassen… Mein Plan ist, auf jeden Fall noch chinesische Zeichen schreiben zu üben. Davon abgesehen will ich endlich mal auf die Suche nach einem Kleidermarkt gehen. Davon gab es in Beijing so viele, dass ich es mir gar nicht vorstellen konnte, dass es hier anders sein könne. Aber irgendwie habe ich noch keinen gesehen. Zum Glück gibt es in meinem Lonely Planet einen Einkaufstipp – ich bin gespannt, ob man in Shanghai genauso niedrig feilschen kann wie in Beijing…


 
 

Fakten

  1. Tongji Universität heißt deutsche Universität. Eigentlich heißt „deutsch“ auf Chinesisch deyu, aber „Tongji“ bzw. „Dongji“ klingt für Chinesen wie „Deutsch“ ^^
  2. hongjiu (hong=rot, jiu=Wein) ist zwar Rotwein, aber Baijiu (Bai=weiß) ist NICHT Weißwein, sondern Schnaps (zur Wirkung von Baijiu: siehe auch Eintrag in diesem Blog von Oktober, Unterwegs in der inneren Mongolei )

 



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