nimen hao,
nachdem ich ja am Montag den ganzen Tag lahm gelegt war, ging es mir gestern zum Glück schon besser. Ich hatte schon überlegt, ob ich ins Krankenhaus gehen soll, weil ich den Kopf nicht mehr drehen konnte, aber jetzt ist es nur noch ein schmerzhafte Verspannung. Ich könnte zur Massage gehen, aber ich traue mich nicht - ich kenne ich Shanghai keinen Salon, und die Qualität variiert da doch erheblich. Stattdessen habe ich mir auf Empfehlung einer chinesischen Bekannten Gao Yao besorgt, das sind mit Tigerbalm getränkte Pflaster. Die waren auch ganz gut.
Gestern Abend habe ich die chinesische Prüfung mitgeschrieben, und dank der Vorbereitung mit meinem Sprachpartner war es nicht schwierig. Ich kriege aber leider kein offizielles Zertifikat dafür, weil ich nicht als Studentin eingeschrieben bin. Evtl. bekomme ich immerhin eine Bescheinigung.
Der Stand meiner Reiseplanung sieht im Moment so aus, dass ich mir heute ein Zugticket für Hong Kong gekauft habe. Bei 35 Grad im Schatten habe ich eineinhalb Stunden in einer völlig überfüllten Wartehalle angestanden, eine ziemliche Tortur. Dafür habe ich jetzt ein Bett im Schlafwagen, was wichtig ist, weil die Fahrt knapp 18 Stunden dauert. Ein Flugticket für 300 Euro war mir einfach zu teuer - das Zugticket kostet dagegen nur 65 Euro. Ich werde allein reisen, da ich in Shanghai niemanden kenne, der Zeit hat, mitzukommen. Ich habe in Hongkong ein Bett in einem Hostel gebucht, dass mir eine Freundin empfohlen hat, und gehe einfach mal davon aus, dass ich auf dem Weg schon nette Leute kennen lernen werde.
Das ich nach Hongkong will, stand für mich fest, die weitere Route ist dagegen nicht ganz klar. Damit habe ich mich auch noch ins Fettnäpfchen gesetzt: Ursprünglich wollte ich nach Kunming, Chengdu, Xi'an und schließlich Beijing. Deshalb habe ich meinen Sprachpartner gebeten, sich mal umzuhören, ob er jemanden in diesen Städten kennt. Für mich war das eine eher unverbindliche Bitte, aber er hat es extrem ernst genommen. Einer seiner Freunde kommt aus Kunming, einer seiner Lehrer aus Xi'an, und so kennen sie dort auch jemanden.
Nun habe ich ihm eröffnet, dass ich zumindest nicht nach Kunming will, und bei Xi'an sei ich mir nicht ganz sicher. Da eröffnete er mir mehr oder weniger, dass er dadurch schlecht vor seinen Bekannten dastehe. Auf meine Reaktion - Verblüffung, um genau zu sein - meinte er aber sofort, dass sei alles kein Problem, ich soll mir keine Gedanken machen. Um gleich hinterherzuschieben, dass es bloß sein kann, dass ich denen jetzt unsympathisch bin und er einen Gesichtsverlust erleide. Aber es gibt überhaupt kein Problem... Ich neige sowieso dazu, mir zu viele Gedanken zu machen, und bereue es, dass ich ihn überhaupt gefragt habe. Aber dass ich meine Reiseplanung zur Staatsangelegenheit für ihn gemacht habe, habe ich echt nicht geahnt und ich komme auch immer noch nicht ganz dahinter, wieso. Jedenfalls habe ich ihn und seinen Freund Zhen, den ich inzwischen auch kennengelernt habe, zum Essen eingeladen und meine, dann ist es auch gut.
Jetzt sieht es jedenfalls so aus, dass ich zuerst nach Hongkong, dann nach Guilin, Xi'an und schließlich nach Beijing reise.

Auch ohne Kunming und Chengdu sind die Strecken schon ziemlich lang. Als ich Zong Wei erzählt habe, das ich eigentlich auch uuunbedingt nach Chengdu und Kunming will, aber nicht weiß, ob ich das durchhalte, grinste er und meinte: Stirbst du in nächster Zeit? Wenn nicht, dass kannst du es später immer noch machen. Recht hat er... Auf meiner Liste für zukünftige Reisen stehen dann Yunan, Sichuan, Tibet und Taiwan.
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