Eine Begegnung, die ich letztens hatte, geht mir nicht so recht aus dem Kopf. Deshalb berichte ich mal davon.
Wenn ich jemanden wirklich nicht leiden kann, beruht das normalerweise auf Gegenseitigkeit. Es fällt mir nämlich schwer, jemanden nicht zu mögen, der eigentlich nett zu mir ist. Manchmal ist man einfach nicht auf einer Wellenlänge, wofür keiner etwas kann. Keine Regel ohne Ausnahmen, wie man sagt: Über einen Deutschen, der ebenfalls an der Tongji unterrichtet, rege ich mich jedes Mal tierisch auf, wenn wir uns begegnet sind, obwohl (oder gerade weil) er sich jedes Mal "freundlich" mit mir unterhält. Eigentlich war er mir schon unsympathisch, bevor wir ein Wort gewechselt haben, und der Eindruck hat sich bestätigt.
Gestern sind wir uns zufällig vor dem Lebensmittelladen begegnet und es entspann sich folgende Unterhaltung (sinngemäß):
Ich: "Du gehst ja bald nach Russland. Willst du denn noch einmal zurückkommen nach Shanghai?"
Er: "Ich war jetzt schon ein paar Mal hier. Man braucht auf jeden Fall genug Geld und ein Netzwerk an deutschen Freunden, dann ist Shanghai sehr spannend."
Ich: "Ich wollte hier eigentlich eher Chinesen kennen lernen und keine Deutschen."
Er: "Wirklich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die darauf wert legen. Obwohl, du als blondes Mädchen..."
Ich: "Den Eindruck hatte ich überhaupt nicht. Ich habe viele nette Chinesen kennen gelernt, einige waren sogar sehr offen und auch kritisch."
Er: "Das sind dann aber keine Chinesen. Nur weil sie gelbe Haut und schräge Augen haben..."
Ich: "Wie sind denn "echte" Chinesen deiner Meinung nach?"
Er: "Wenn man hier ein Semester oder so studiert, ist alles toll. Aber wenn man mit denen arbeiten muss, treibt einen das oft zur Verzweiflung. Die Masse der Chinesen ist engstirnig und obrigkeitshörig."
Ich: "Mit solchen Leuten möchte ich natürlich nicht unbedingt etwas zu tun haben."
Er: "Siehst du, deswegen habe ich mich eben gewundert."
Ich: "Aber ich will auch mit den meisten Deutschen nicht befreundet sein. Warum sollte das in China anders sein?" ...
Das letzte war ein Seitenhieb gegen ihn, den er aber nicht als solchen wahrgenommen hat. Ich sollte mir eigentlich sagen: Er ist schlicht arrogant und ein Besserwisser. Aber dieses Gespräch hat mich sehr aufgewühlt, und ich weiß auch warum: 1. Keiner lässt sich gern auf eine dermaßen herablassende Weise belehren, und 2. Ich kam mir danach total naiv vor. Vielleicht hat der eingebildete Schnösel recht und ich habe ein total unrealistisches/einseitiges Bild von den Chinesen. Andererseits: Der Gute war jetzt insgesamt (nicht einmal durchgehend) 1-2 Jahre in China und hat sich in dieser Zeit nicht die Mühe gemacht, Chinesisch zu lernen - wie kann er sich überhaupt ein Urteil anmaßen? Grmpf.
[2] Kommentare
Lass dich von so einem ganz bestimmt nicht einschüchtern! Wer die schwarz-weiß Brille aufhat, der hat immer schnell pauschale, einfache Erklärungen und Wertungen auf Lager. ;-)

