Hallo zusammen,
und da bin ich schon wieder :) Die Zugfahrt nach Hong Kong ist angenehmer verlaufen, als ich gehofft hatte. "Soft Sleeper" bedeutet nicht, dass das Bett sonderlich soft ist - an Tiefschlaf ist da nicht zu denken. Dafür gibt es nur zwei Betten übereinander (anstatt drei Etagen im Hard-Sleeper-Abteil) und man hat eine Schiebetür.
Meine Reisebegleitung war ein freundlicher, zahnloser alter Mann und ein junges Paar mit der einjährigen Tochter. Zuerst war es etwas komisch, aber da ich mich zumindest rudimentär verständigen konnte, ist es richtig lustig gewesen. Die Familie reiste nämlich zusammen mit einer anderen Familie aus einem anderen Abteil, und das Abendessen wurde kurzerhand zu uns verlegt. Dafür war ich auch eingeladen und durfte Bekanntschaft mit der dreijährigen Tochter des anderen Paares machen. Das Mädchen hörte auf den unmöglichen Namen Candy. Dazu muss man sagen, dass die Eltern ziemlich stolz darauf waren, dass ihr Kind einen englischen Namen hat, obwohl es noch so klein ist...
Die Verständigung war manchmal etwas frustrierend für mich - der Vater aus meinem Abteil hat extra alle ermahnt, sie sollen bitte putong hua sprechen, also Standard-Chinesisch. Eigentlich kommen sie aus Shanghai und sprechen Dialekt, von dem ich wirklich kein Wort verstehe. Ich habe auch so nur die Hälfte verstanden, aber im Zweifel hilft immer nicken und lächeln. Einen Witz habe ich immerhin mitbvekommen: Der Vater meinte, seine einjährige Tochter spreche noch weniger Chinesisch als ich, der könne ich noch etwas beibringen. Die war sowieso total niedlich, auch wenn sie abends ungefähr 1,5 Stunden gebrüllt hat. Durch sie habe ich einige neue Wörter gelernt, die der Papa ihr - und damit indirekt mir - erklärt hat. Unterhaltungen mit Kindern, egal welche Sprache, sind sowieso zum Schießen: "Schau mal, dort ist ein Berg." - "Gege!" - "Der Berg hat viele Bäume. Siehst du die Bäume?" - "Gege?" - "Viele Bäume sind ein Wald." - "Gege..." (Schließlich habe ich gefragt, was "Gege" bedeuten soll. Antwort: Shanghai-Dialekt für "schlafen" ^^)
Richtig gut geschlafen habe ich nicht, dafür aber acht Stunden Fahrt verdöst. So kam mir die Fahrt wirklich nicht so lang vor, wie sie war. Um 15 Uhr habe ich ins Hostel eingecheckt, geduscht, ausgepackt, Geld gewechselt. In Hong Kong bezahlt man mit Hong Kong Dollar, die unheimlich farbenfroh sind und damit aussehen wie Spielzeuggeld.
Ich hatte mir schon in Shanghai eine Karte von Hong Kong gekauft und außerdem den Lonely Planet China von meiner Mitbewohnerin geliehen bekommen. Sie habe ich mich gleich auf den Weg gemacht, um meine Umgebung zu erkunden. Hong Kong besteht aus vielen Inseln, mein Hostel befindet sich auf Hong Kong Island. Die Straßen sind nicht halb so überfüllt, wie ich befürchtet hatte, und der westliche Einfluss ist unübersehbar. Die klapprigen alten Trambahnen zum Beispiel, die quer über die Insel fahren.

Damit bin ich zum Central Pier gezockelt, von wo aus man nach Kowloon kommt oder eben zu einer der vielen anderen Inseln. Ich hatte heute unheimliches Glück mit dem Wetter, blauer Himmel und weiße Wolken. Die Aussicht hat mir den Atem verschlagen... Die Fähre von HK Island nach Kowloon fährt alle 10 Minuten, dauert knapp genauso lang und kostet 2 HK Dollar (also ungefähr 20 Cent). Ich werde also noch sehr oft hin und her fahren, denn es macht total Spaß. Ich bin noch ein bisschen über die Einkaufsstraße geschlendert und habe mir die Gucci und Prada-Geschäfte von außen angeschaut. Der Rückweg zum Hostel bei Nacht war mindestens genauso spannend wie der Hinweg, und bis jetzt kann ich sagen: Hong Kong ist toll :)!

Kowloon von Hong Kong Island aus gesehen

Die Star-Ferry


Links: Hong Kong Island bei Sonnenuntergang, von der Fähre aus

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