nimen hao,
meine nächste Etappe steht jetzt fest – ich habe mir heute ein Zugticket von Shenzhen nach Guilin gekauft. Shenzhen deshalb, weil man nicht einfach so von Hong Kong nach Festlandchina spazieren kann. Das ist rechtlich gesehen das Passieren einer Grenze, und Shenzhen ist mittendrin. Ich habe sowohl in Shanghai bei der Visabehörde als auch bei China Railway noch einmal gefragt, ob das mit meinem Visum klar geht, und beide meinten, ja. Nichts desto trotz habe ich ein ungutes Gefühl, weil auf meinem Visum eine Einreise steht. Ich habe das verlängerte Visum in Shanghai beantragt, das heißt, logisch gesehen darf ich einmal aus China aus und wieder einreisen – aber Logik ist in der Bürokratie nicht immer die treibende Kraft.
Ich werde also von Shenzhen nach Guilin und dann mit dem Bus weiter nach Yangshuo fahren. Warum und wo ist das? Yangshuo, so hat mir eine Deutsche hier im Hostel vorgeschwärmt, sei viiiel schöner als Guilin. Mein Lonely Planet China hat das verifiziert. Also habe ich beschlossen, zwei Tage in Yangshuo (nicht weit von Guilin) zu verbringen und zwei Tage in Guilin selbst, um dann weiter nach Xi’an zu fliegen. Gut oder nicht gut? Ich finde gut
Ich habe mir ja vorher ein bisschen Sorgen gemacht, ob mir das alleine Reisen tatsächlich zusagen wird. Es ist in erster Linie natürlich sicherer, in einer Gruppe zu reisen. Außerdem hat man jemanden, mit dem man das Schöne teilen kann. Bis jetzt fühle ich mich aber sehr wohl. Es ist wirklich ein Vorteil, dass ich alles in meinem Tempo machen kann – das bedeutet in meinem Fall, gemächlich. Ich kann in aller Ruhe Fotos machen, Einstellungen ausprobieren (und wer schon mal dabei war, wenn ich Fotos mache, weiß, wie lange das dauern kann…). Besonders den ersten Tag allein am Hafen habe ich sehr genossen. Gleichzeitig ist es schön, wenn man ab und zu Gesellschaft hat – im Hostel unterhält man sich zwangsläufig mit verschiedenen Leuten und verabredet sich auch für gemeinsame Aktivitäten. Außerdem habe ich eine Freundin in Hong Kong, die ich noch aus Beijing kenne. Mit ihr habe ich den Nachmittag verbracht und die atemberaubende Aussicht vom Victoria Peak auf mich wirken lassen. Hong Kong Island ist von Hügeln umgeben, und The Peak ist der höchste Punkt. Das Tolle ist, dass eine alte Trambahn nach oben führt – es geht wirklich steil nach oben. Typisch für China mussten wir über eine Stunde anstehen, um in die Bahn zu kommen. Die Aussicht war aber einfach, Woah…

Hong Kong Island und Kowloon in der Abenddämmerung...

... und nochmal bei Nacht

Die Meerseite
Habe ich schon erwähnt, dass ich Hong Kong absolut genial finde? Die Sprache der Einheimischen ist Kantonesisch, viele beherrschen aber auch Mandarin und Englisch. Aufgrund seiner Geschichte ist die ganze Atmosphäre in Hong Kong völlig anders als in anderen chinesischen Großstädten. Als Ausländerin mit blonden Haaren falle ich hier kaum auf, werde nicht fotografiert und es schreit mir auch keiner „Hellooo“ oder „Laowai!“ hinterher. Das ist zur Abwechslung auch mal ganz angenehm. Die Hong Konger lächeln einen auch einfach mal an (die Beijinger auch, die Shanghaier eher nicht). Die Luft ist aufgrund der Meerlage sehr gut, die Brise weht den Smog einfach weg.
Morgen fahre ich zusammen mit einer Deutschen, die ich hier kennen gelernt habe, zu einer der vielen Inseln von Hong Kong, Lamma Island. Und abends werde ich mir wohl im Barviertel das Fußballspiel anschauen – um wie viel Uhr deutscher Zeit findet das eigentlich statt? Wenn es zu spät wird, werde ich evtl. einfach ein bisschen Vorfreude zelebrieren und dann ins Bett gehen 
[6] Kommentare
Das Spiel fängt hier übrigens um 20.30 an ;-) und laut dem Kraken Paul wird Spanien den Titel holen.
Liebe Grüsse,
Jessi
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_%28Krake%29
Paul ist auch der Grund, weshalb viele nach dem Halbfinale "Calamaris für alle!" gerufen haben. :-)
Toll, jetzt hab ich Hunger drauf...
Der Wikiartikel sagt aber alles ^^

