Affentheater
Verfasst am 17.07.2010 um 10:38 PM Uhr in Unterwegs

nimen hao,

so wie ich es mir vorgenommen habe, bin ich heute allein losgezogen, erst einmal zum "Solitary Beauty Peak". Dabei handelt es sich um eine alte Prinzenresidenz, in deren Mitte ein großer Felsen aufragt, von dem man die ganze Stadt überblicken kann. Ich habe den öffentlichen Bus genommen und den Park auch tatsächlich gefunden. Wie zu erwarten gab es auch Dutzende von Reisegruppen, die von ihren Reiseleitern durch die verschiedenen Gebäude getrieben wurden. Ich habe mir den Spaß gemacht, mich mal zu dieser, mal zu jener Reisegruppe zu gesellen und so zu tun, als ob ich ganz genau verstehe, worum es geht. Die haben vielleicht blöd geguckt 

Das Highlight der ganzen Unternehmung war natürlich, auf den Peak zu klettern. Es war ziemlich bewölkt, aber man kann trotzdem gut sehen, in welch eine außergewöhnliche Landschaft Guilin gebettet ist.

Danach bin ich am Fluss entlang zum "Seven Star Cave Park" gelaufen. Auf der Karte sah er vielversprechend aus, weil er mitten in der Berglandschaft liegt.

Aufgrund seiner Größe hatte ich auch endlich mal ein bisschen Ruhe. Nach dem zwanzigsten "Hellooo!" grüßt man zwar immer noch freundlich zurück, denkt aber schon Boah, halt die Fresse. Es gab wenigstens einen Lichtblick: Ein kleines Mädchen meinte danach zu ihrem Vater, "laowai hai keyi", oder zumindest war es das, was ich verstanden hab - Ausländer sind ganz in Ordnung. Wieder etwas für die Völkerverständigung getan.
Das tolle war, dass man auf einige der Hügel im Park auch über Treppen hinaufsteigen konnte. Dort habe ich das hier entdeckt:

 

Die Affen will ich sehen! Da dachte ich so bei mir, die Affen und ich haben doch etwas gemeinsam: Wir versuchen im Wald so weit wie möglich von den anderen Menschen wegzukommen. Also bin ich einen Berg hinauf gestiegen, auf dem außer mir wirklich niemand war. Da habe ich mich wirklich ein bisschen wie im Urwald gefühlt und bin auf der Suche nach den Affen durchs Unterholz geschlichen. Den Nieselregen, der inzwischen eingesetzt hatte, fand ich ganz erfrischend - bis unvermittelt das Gewitter mit Sturzregen, Blitz und Donner losgebrochen ist. Ich muss nicht erwähnen, dass ich nass bis auf die Knochen war, nachdem ich den Berg wieder hinuntergestolpert und in den Bus zurück gestiegen bin. Und Affen habe ich nicht gesehen (bis auf ein Eichhörnchen, dass ich zuerst für einen gehalten habe).

Kurz bevor das Gewitter losbricht...

Um sieben Uhr habe ich dann noch einmal mit Yulin und ihrer Familie in einem kleinen Straßenlokal mit Miniaturtischen- und Stühlen zu Abend gegessen. Danach sind sie und ich noch einmal zum Fluss gegangen, weil es dort eine flache Stelle gibt, an der man barfuss auf die andere Seite gehen kann.
Auf dem Rückweg hatten wir dann eine sehr unangenehme Begegnung, zum Glück ohne Folgen. Wir sind so eingehakt nebeneinander her gegangen, und aus irgendeinem Grund habe ich mich - instinktmäßig? - umgedreht. Genau hinter uns ging ein Mann, der in dem Moment versucht hat, den Reissverschluss meines Rucksacks zu öffnen. Meine Reaktion war nicht gerade klug in der Situation, aber es war total reflexartig - ich hab dem Typen eine runtergehauen. Er hat sich weggedreht und ist schnell weitergegangen, und ich war völlig perplex und sprachlos bzw. ich habs auch mit der Angst zu tun bekommen. Er drehte nämlich plötzlich um, und ich dachte schon, jetzt gibts Ärger - stattdessen ging er noch einmal an uns vorbei, schaute herausfordernd und packte sich mit einer Hand in den Schritt. Das fand ich dermaßen absurd, dass ich ihn nur blöd angestarrt habe. "Ein Dieb, ein Dieb!" o.ä. zu rufen wäre wohl nageliegend gewesen. Dazu war ich aber einfach zu verblüfft, nachdem ich festgestellt hatte, dass er den Rucksack nicht einmal aufbekommen hat. Eine gute Erfahrung in gewisser Weise, denn ab jetzt werde ich noch mehr auf meine Sachen aufpassen als sowieso schon.


 



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