immer wenn ich was neues ausprobier
lauf ich wie barfuß über Glas
doch ich fühl mich federleicht
weil es sich fast immer lohnt
und so erscheint, dass nichts so bleibt wie's ist
fast schon wie gewohnt
Clueso - Barfuß
Dies wird wohl mein letzter Eintrag. Morgen Nachmittag steige ich in den Flieger nach Deutschland und werde gegen halb neun Uhr abends deutscher Zeit in Hamburg landen. Die letzten Tage waren so, wie ich es mir gewünscht hatte. Ich freue mich auf zu Hause, aber gleichzeitig fühlt es sich so unwirklich an, dass ich in etwas mehr als 24 Stunden tausende Kilometer von Beijing (Shanghai, China, meinen Freunden hier…) entfernt sein werde. Dieser abrupte Wechsel wird sicher nicht ganz leicht, aber zumindest falle ich nicht ins Leere, ich sehe meine Liebsten wieder, ich nehme mein Studium wieder auf, ich komme etwas zur Ruhe und verarbeite das, was ich glaube, im vergangenen Jahr gelernt zu haben… Ich habe in kurzer Zeit so viele neue Eindrücke bekommen und bin stolz, dass ich es durchgezogen habe, es hat sich absolut gelohnt. Nicht zuletzt habe ich enorm viel über dieses Land erfahren, das mir vorher fremd war – die Menschen, die Kultur, (ein bisschen) die Sprache.
zai jian - Auf Wiedersehen! ![]()
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Dein Blog war toll, spannend und interessant und ich hoffe, dass du Zuhause dem Bloggen treu bleiben wirst und uns mit den Banalitäten eines schnöden Studentenalltags langweilst ^^
Ein neues Leben, ein neuer Alltag, ein neuer Blog.
Überleg es dir, ich würde dir treu bleiben ;-)
Ansonsten wünsche ich dir eine ruhige Heimfahrt und ein entspanntes Ankommen.
Liebe Grüsse,
Jessi
In diesem Sinne: Gute Reise! (... oder so ähnlich :-) )
Schöne Grüße aus der östlichen Nachbarstadt!
M.
([1] Übersetzung: http://tinyurl.com/38mcp75)
Und auch ganz lieben Dank an dich, Löwenmann *g* Aber es müsste heißen, "wo bu xiang mai zhe ge ditan"... Google irrt ;)
Liebe Grüsse und Willkommen zu Hause
Jessi
nimen hao,
nachdem ich ja am Montag den ganzen Tag lahm gelegt war, ging es mir gestern zum Glück schon besser. Ich hatte schon überlegt, ob ich ins Krankenhaus gehen soll, weil ich den Kopf nicht mehr drehen konnte, aber jetzt ist es nur noch ein schmerzhafte Verspannung. Ich könnte zur Massage gehen, aber ich traue mich nicht - ich kenne ich Shanghai keinen Salon, und die Qualität variiert da doch erheblich. Stattdessen habe ich mir auf Empfehlung einer chinesischen Bekannten Gao Yao besorgt, das sind mit Tigerbalm getränkte Pflaster. Die waren auch ganz gut.
Gestern Abend habe ich die chinesische Prüfung mitgeschrieben, und dank der Vorbereitung mit meinem Sprachpartner war es nicht schwierig. Ich kriege aber leider kein offizielles Zertifikat dafür, weil ich nicht als Studentin eingeschrieben bin. Evtl. bekomme ich immerhin eine Bescheinigung.
Der Stand meiner Reiseplanung sieht im Moment so aus, dass ich mir heute ein Zugticket für Hong Kong gekauft habe. Bei 35 Grad im Schatten habe ich eineinhalb Stunden in einer völlig überfüllten Wartehalle angestanden, eine ziemliche Tortur. Dafür habe ich jetzt ein Bett im Schlafwagen, was wichtig ist, weil die Fahrt knapp 18 Stunden dauert. Ein Flugticket für 300 Euro war mir einfach zu teuer - das Zugticket kostet dagegen nur 65 Euro. Ich werde allein reisen, da ich in Shanghai niemanden kenne, der Zeit hat, mitzukommen. Ich habe in Hongkong ein Bett in einem Hostel gebucht, dass mir eine Freundin empfohlen hat, und gehe einfach mal davon aus, dass ich auf dem Weg schon nette Leute kennen lernen werde.
Das ich nach Hongkong will, stand für mich fest, die weitere Route ist dagegen nicht ganz klar. Damit habe ich mich auch noch ins Fettnäpfchen gesetzt: Ursprünglich wollte ich nach Kunming, Chengdu, Xi'an und schließlich Beijing. Deshalb habe ich meinen Sprachpartner gebeten, sich mal umzuhören, ob er jemanden in diesen Städten kennt. Für mich war das eine eher unverbindliche Bitte, aber er hat es extrem ernst genommen. Einer seiner Freunde kommt aus Kunming, einer seiner Lehrer aus Xi'an, und so kennen sie dort auch jemanden.
Nun habe ich ihm eröffnet, dass ich zumindest nicht nach Kunming will, und bei Xi'an sei ich mir nicht ganz sicher. Da eröffnete er mir mehr oder weniger, dass er dadurch schlecht vor seinen Bekannten dastehe. Auf meine Reaktion - Verblüffung, um genau zu sein - meinte er aber sofort, dass sei alles kein Problem, ich soll mir keine Gedanken machen. Um gleich hinterherzuschieben, dass es bloß sein kann, dass ich denen jetzt unsympathisch bin und er einen Gesichtsverlust erleide. Aber es gibt überhaupt kein Problem... Ich neige sowieso dazu, mir zu viele Gedanken zu machen, und bereue es, dass ich ihn überhaupt gefragt habe. Aber dass ich meine Reiseplanung zur Staatsangelegenheit für ihn gemacht habe, habe ich echt nicht geahnt und ich komme auch immer noch nicht ganz dahinter, wieso. Jedenfalls habe ich ihn und seinen Freund Zhen, den ich inzwischen auch kennengelernt habe, zum Essen eingeladen und meine, dann ist es auch gut.
Jetzt sieht es jedenfalls so aus, dass ich zuerst nach Hongkong, dann nach Guilin, Xi'an und schließlich nach Beijing reise.

Auch ohne Kunming und Chengdu sind die Strecken schon ziemlich lang. Als ich Zong Wei erzählt habe, das ich eigentlich auch uuunbedingt nach Chengdu und Kunming will, aber nicht weiß, ob ich das durchhalte, grinste er und meinte: Stirbst du in nächster Zeit? Wenn nicht, dass kannst du es später immer noch machen. Recht hat er... Auf meiner Liste für zukünftige Reisen stehen dann Yunan, Sichuan, Tibet und Taiwan.
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nimen hao,
ich sitze gerade in meinem Zimmer und versuche, mich nicht allzu viel zu bewegen. Das Wochenende war toll, aber auch wahnsinnig anstrengend. Am Freitag Mittag bin ich mit der Mittelstufe in einem Restaurant mit Sichuan-Küche gewesen - die bekannt ist für ihr extrem scharfes Essen, und ich benutze normalerweise nicht mal Pfeffer zum Kochen. Aber es war trotzdem sehr lustig und wir haben die obligatorischen Abschieds-Fotos gemacht.

Mit den Mädels

Mit den Jungs
Zur selben Zeit habe ich einen Anruf von Jin aus der Grundstufe bekommen. Einige der Mädels wollten sich auch noch verabschieden, weil sie am Samstag in ihre Heimat zurückfahren würden. Das ging ja nun in dem Moment nicht, da war ich schon ganz traurig. Am Abend hatten die drei aber noch Zeit, also sind wir noch in eine kleine Garküche gagangen, in der wir sowohl von Kakerlaken als auch Katzen beim Essen gestört wurden - die Xiao Lun Bao, kleine gefüllte Teigtaschen, waren aber sehr gut und ich bin immer noch gesund ;)
Am Nachmittag hatte ich von meinem Sprachpartner erfahren, dass einer der Ortslektoren, ein gemeinsamer Bekannter, ebenfalls am Samstag Shanghai verlassen wird und erst wieder zurückkommt, wenn ich weg bin. Nach dem Essen mit den Mädels haben wir uns also auch noch in einem Restaurant getroffen.
Es waren ein paar Deutsche dabei, für die das Qingdao Bier mit 3 % Alkohol ja nichts ist. Die Chinesen allerdings haben versucht mitzuhalten, und das hätte für einen fast böse Folgen gehabt - er ist knallrot angelaufen, sogar die Augen waren extrem gerötet. Die typische Alkohol-Unverträglichkeit der Chinesen, aber so schlimm hab ich es noch nie erlebt. Nachdem er aufgehört hat zu trinken, sind die Symptome zum Glück innerhalb einer Stunde wieder abgeklungen.
Ich war am Freitag gegen ein Uhr im Bett, musste aber um fünf Uhr am Samstag morgen wieder aufstehen, weil ich mit Eduardo und Pepe aus Beijing für die Expo verabredet war. Die beiden hatten sich in den Kopf gesetzt, den chinesischen Pavillon zu besuchen, auch wenn ich ihnen versichert habe, dass das beinahe unmöglich ist. Für den gibt es spezielle Tickets, die zwar umsonst sind, die man sich aber vor Ort abholen muss. Das bedeutet: Um 4 Uhr morgen da und vor allem schnell sein. Wir haben natürlich keine Tickets bekommen, waren dafür aber relativ früh auf dem Gelände. Ich habe ein Album mit den Expo-Bildern und Kommentaren hochgeladen, damit ihr eine Vorstellung bekommt...
Es war aber definitiv das letzte Mal, dass ich auf der Expo war. Es ist einfach zu viel: Zu viele Menschen, zu viel Rücksichtslosigkeit und irgendwie auch zu viel Sinnlosigkeit. Ich hatte das Gefühl, dass die Zahl der Idioten exponentiell zur Anzahl der Besucher gestiegen ist. Ob ein Ausstellungsstück eine tiefere Botschaft vermittelt oder nicht, schien vielen Besuchern egal, Hauptsache es sieht protzig aus und man hat ein Foto davon. Darüber hinaus kam auf 1000 Chinesen vielleicht ein Ausländer, weswegen ich mich ständig von aufdringlichen (bzw. teilweise sehr unhöflichen) Chinesen belästigt gefühlt habe.
Ich habe zufällig dieses Foto gemacht:

Der Junge ganz links trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift: "I'm disturbed enough already" - Ich bin schon gestört genug. Fand ich sehr passend.
Vielleicht noch dazu, warum ich mich kaum bewegen kann: Aufgrund der Masse an Besuchern lagen die Wartezeiten für die Pavillons bei ca. 2-6 Stunden. Vor dem Japanischen Wirtschafts-Pavillon habe ich beim Aufstehen (wir hatten Mini-Stühle) die Kopf unglücklich gedreht und mir den Nacken gezerrt. Tut höllisch weh und ich hoffe, dass es mit Schmerztabletten und warmen Umschlägen in den nächsten Tagen verschwindet. Es hat auch nicht gerade geholfen, dass ich gestern Abend bei DEM Spiel Deutschland gegen England in einer komischen Position eingeschlafen bin, weil ich so müde war. Ich habe aber fast alles mitbekommen und meine beiden Freunde kennen jetzt das deutsche Wort für Tor :) Heute morgen musste ich mich dann schon wieder von den beiden verabschieden, und ich weiß nicht, wann und wo ich sie wiedersehe. Sie sind vielleicht nicht in Beijing, wenn ich dort bin. Aber wir hatten immerhin ein lustiges Wochenende zusammen :)

P.S.: Wie man sieht, ist schlechtes Wetter gewesen (das gesamte Wochenende). Alles oberhalb der zweiten Kugel des Oriental Pearl Towers war vom Nebel verschluckt.
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Eduardo und Pepe sind übers Wochenende in Shanghai




In Hanghzou, Januar 2010
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Gestern hatte ich noch einen wirklich schönen Abend. Meine Mitbewohnerin und ich sind mit der Grundstufentruppe, die uns auch auf die Expo mitgenommen hat, Hotpot essen gegangen. Inzwischen sind die überhaupt nicht mehr so schüchtern und betrachten uns wohl eher als Freunde denn als Lehrer. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob das in Ordnung ist, auch wenn ich nur noch zwei Mal bei ihnen Unterricht habe...

Erst mal sind mir jedenfalls fast die Tränen gekommen, weil sie jeweils ein kleines Geschenk für „ihre“ Lehrerinnen hatten, ein Säckchen mit einem Brief und kleinen Mitbringseln. Im Restaurant hatten wir zu neunt ein Separee, und je später es wurde, desto lockerer ist die Atmosphäre geworden. Ich war sicher nicht gerade ein gutes Vorbild, da ich beim Bier trinken gut mit den Jungs mitgehalten habe. Zum Glück hat Qingdao nur 3 % Alkohol
Und so unschuldig, wie die chinesischen Studenten immer tun, sind sie definitiv nicht. Besonders die jungen Männer trinken auch gerne mal einen, nur eben nicht auf offener Straße und in Diskotheken wie bei uns.

Das Fleisch wurde in riesigen Stücken - am Knochen - serviert. Praktischer Weise mit Handschuhen
Später wollten die Studenten unbedingt ein deutsches Lied von uns hören, also haben wir „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“ vorgesungen (nein, nicht alle Strophen). Als Gegenleistung haben Niu und Tao, zwei der Jungs, nach einigem Betteln ein Herzschmelz-Lied auf Chinesisch zum Besten gegeben. Das Video, dass die andere M. davon gemacht hat, kann ich euch einfach nicht vorenthalten:
Also, wer jetzt nicht ein bisschen verliebt ist, der hat kein Herz ![]()
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Hmmm aber ist es okay zu wissen, wer von denen eine rote Unterhose trägt, weil er im Jahr des Tigers geboren ist? Darüber denke ich noch nach XD
Ich habe meinem chinesischen Bekannten Kai erzählt, dass ich unbedingt man ein paar chinesische Rockbands sehen will. Ich mag Konzerte, aber wenn man in Shanghai weggeht, treten oft ausländische Bands auf. Er hat mich daraufhin gestern Abend zum "Wacken Open Air Metal Battle" in die Yuyintang mitgenommen, wo es in der Tat nur chinesische Bands gab. Musikstil: Metalcore, Death Metal, Hardcore, Thrash... Das ist jetzt nicht direkt meine Lieblingsmusik, zumal es in dieser Szene auch egal ist, in welcher Sprache gesungen wird (man versteht meistens sowieso nichts). Es war aber lustig, die kleine chinesische Fangemeinde beim Stagediving (tatsächlich!) und Pogen zu beobachten. Um Punkt 12, wenn die Party im Westen erst richtig losgeht, hab ich wieder gemerkt, dass ich in China bin. Da war die Kneipe nämlich leergefegt und alle sind nach Hause gegangen.
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Die Zeit vergeht schnell, wenn man keine Zeit hat, um auf die Uhr zu schauen. Nach dem Unterricht, zwei Stunden Mittagspause und einem Blogeintrag habe ich mich gestern aufgemacht zum Bustransfer in Richtung Jiading Campus. Der gehört zur Tongji Universität, ist aber eine Stunde Fahrt entfernt, Shanghai eben. Warum habe ich das gemacht? Einige Lehrkräfte der Tongji, bzw. die Lektoren des DAAD und eben ich als Praktikantin, durften uns die Verleihung der Ehrendoktorwürde an Frau Dr. Annette Schavan, unsere Bundesministerin für Bildung und Forschung, anschauen. Die Veranstaltung und auch die Rede von Frau Schavan waren ganz interessant, aber es war mindestens genauso nett, die Lektoren mal über ihre Laufbahn etc. auszufragen. Beim DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst), der Zweigstellen auf der ganzen Welt hat, wird Deutsch gelehrt und „deutsches Kulturgut“ vermittelt. Eine Lektorenstelle ist jeweils auf zwei bis fünf Jahre befristet, es gibt davon nicht viele, aber sie sind wohl ganz gut bezahlt.
Ich habe mich mit dem einen Lektor auch ausführlich über die Lehratmosphäre unterhalten und ihm erzählt, dass ich etwas mehr Evaluation manchmal ganz gut fände. Er klärte mich daraufhin darüber auf, dass wohl in jeder Klasse zwei aus der kommunistischen Partei sitzen und wir Lehrer durchaus beobachtet werden bei dem was wir tun, wie wir unterrichten usw. Das sagt uns nur keiner. Auch, wenn ich nichts zu verbergen habe, finde ich die Vorstellung doch sehr gewöhnungsbedürftig. Vor allem überlege ich jetzt, wer es jeweils sein könnte – Paranoia lässt grüßen.
Als wir schließlich um sieben Uhr wieder am Siping Campus waren, bin ich noch mit Xiong, unserem „chinesischen Kindermädchen“, beim Abendessen gewesen. Immer, wenn bei einer Veranstaltung viele Deutsche anwesend sind, wird er als Doktorand damit beauftragt, diese zu betreuen. Er studiert Deutsch, spricht auch fließend und hat eine sehr differenzierte Meinung zu vielen chinesischen Themen, wie ich feststellen konnte. Er hat mir erzählt, dass jeder chinesische Student bis zum Schluss zum sozialistischen Politikunterricht gehen und auch mehrere Prüfungen bestehen muss. Keiner habe dazu Lust, aber es sei Pflicht, man könne dieses Fach auch nicht abwählen.
Im Bus erzählte er mir von einem erstaunlichen Zufall: Mitte Mai war Horst Köhler für einige Tage in China und hat sich unter anderem mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao getroffen. Wie wir ja alle wissen, ist unser Bundespräsident kurz danach, am 31. Mai, zurückgetreten. Zur selben Zeit hat sich Wen Jiabao in Tokio mit dem japanischen Ministerpräsidenten Yukio Hatoyama getroffen. Und falls ihr es euch jetzt nicht schon denken könnt: Gestern ist auch Yukio Hatoyama zurückgetreten. Eine lustige Anekdote oder Stoff für eine Verschwörungstheorie? Die Entscheidung überlasse ich euch (und Dan Brown).
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Hier noch ein paar Beweisfotos:


Die chinesischen Studenten lauschen gespannt

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nimen hao,
gestern war ein laaanger Tag. Morgens hatte ich Unterricht, und zur Abwechslung hätte ich die Mittelstufe - eigentlich meine Lieblingsklasse - an die Wand klatschen können. Ich habe mehr als eine dreiviertel Stunde den Text über Europa mit ihnen besprochen, bis eine sich getraut hat, zu sagen: Das haben wir gestern schon gemacht. "Hallo, warum sagt ihr mir das nicht sofort?!" Verlegenes Schweigen. In China haben die Lehrer noch einen Status der Unfehlbarkeit, so wie ich es mitbekomme. Geärgert hat es mich trotzdem, vor allem, dass im Lehrplan derselbe Text an zwei Tagen (Dienstag und Mittwoch) steht, und mir das keiner der Lehrer sagt. Soviel nochmal zur Betreuung.
In diesen Tagen findet an der Tongji ein Symposium für Germanistik mit mehreren Vorträgen und Veranstaltungen statt. Ich hatte Montag und Dienstag keine Zeit, hinzugehen, aber gestern Nachmittag wollte ich eine Sektion besuchen. Um zwei sollte es anfangen und ich dachte, dass ich so gegen fünf Uhr wieder zu Hause sein würde.
Ich habe auch noch meinen Sprachpartner Siegfried (den Namen hat er sich selbst gegeben...) mitgenommen. Im Saal sind wir dann auf einige meiner Schüler aus der besagten Mittelstufe getroffen. Von den beiden halbstündigen Vorträgen haben sie wenig verstanden, befürchte ich - den ersten, gehalten von einer Chinesin, habe ich nicht einmal richtig verstanden. Der zweite Vortrag über "Kulinaristik" war sehr unterhaltsam und interessant, aber auch komplex.
Dafür hatte ich mal die Gelegenheit, meine Schüler besser kennen zu lernen. Friedrich, von dem ich dachte, dass er schon ziemlich gut Deutsch spricht, aber etwas schüchtern ist, war scheinbar zu nervös, um mit mir Deutsch zu sprechen. Er hat aber zu meiner Überraschung geredet wie ein Wasserfall, in einem Kauderwelsch aus Englisch, Deutsch und Chinesisch. Er wird im nächsten Semester zum Biologie-Studium nach Bayern gehen und hat mit mir eine Diskussion über Wissenschaft vs. Religion angefangen. Seiner Meinung nach kein Widerspruch, er ist seit ein paar Jahren in der evangelischen Kirche. Zwischendurch haben Siegfried und Susanna, die andere Schülerin, versucht zu übersetzen. Danach hatte ich Kopfschmerzen, aber die Vortragsreihe war noch nicht zu Ende.
Es folgte ein Vortrag über Hermann Hesse in Deutsch und Chinesisch, einer zu "Das Parfum" von Patrick Süßkind und eine Podiumsdiskussion mit den Veranstaltern, die gnadenlos bis halb sieben Uhr überzogen haben.
Als wir danach erschöpft aus dem Saal gewankt sind, habe ich Professor Wu getroffen, der den Vortrag über 'Das Parfum' gehalten hat - "chi fan?!" ("Essen?!") - und damit war ich zum Abendessen mit den Teilnehmern des Symposiums eingeladen. Auf meinen zaghaften Einwand hin, dass ich doch gar nicht dazu gehöre, meinte er gebieterisch, "Ach was, es sind sowieso zu wenig Leute da. Du kommst mit mir".
Ich habe es nicht bereut, das Essen war wirklich sehr gut, und die Professoren hat es überhaupt nicht gestört, dass ich dabei war. Auf die Gefahr hin, mich unbeliebt zu machen: Ich habe auch die Haifischsuppe probiert. Zu späterer Stunde entbrannte dann mal wieder eine Diskussion über die Darstellung Chinas in den deutschen Medien. Die Kurzfassung ist: Einige glauben, dass China in den deutschen Medien übertrieben schlecht dargestellt wird, andere glauben das nicht bzw. relativieren das.
Als wir das Restaurant gegen halb zehn Uhr verlassen haben, waren meine Gedanken schon etwas aufgeweicht. Das ist in China schon häufiger vorgekommen: So viel passiert, ohne dass ich es geplant hätte, aber das ist gut so.

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P.S.: Montag war ich zum ersten Mal auf der Expo... Aber da ich aufgrund der Dimensionen des Geländes noch mehrere Male gehen werde, kommt hier vielleicht nur ein "abschließender Bericht" hin. Schon mal ein kleiner Einblick:

Vor dem chinesischen Pavillon - um Karten dafür zu bekommen, muss man um 6 Uhr auf der Matte stehen

Der spanische Pavillon von außen

Das Monsterbaby im spanischen Pavillon - es bewegt sich auch

Der niederländische Pavillon

Floating Rock: "It's really something" - manchmal muss man es wirklich dazu sagen

Im venezuelanischen Pavillon

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Das nächste Mal nehme ich mir einen Sonnenschirm mit, so wie die ganzen Chinesinnen. Ich habe mir mal wieder einen bösen Sonnenbrand auf den Schultern geholt.

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nimen hao,
was ich bis jetzt so geschrieben hab, klingt vielleicht ein bisschen, als wär das hier alles ein Klacks. Ganz so ist es aber doch nicht. Heute zum Beispiel hatte ich kein besonders gutes Gefühl, als ich aus meiner Grundstufen-Klasse gekommen bin. Letzte Woche habe ich mit denen den zweiten Teil des Lehrbuches angefangen, und das ist plötzlich verdammt schwer geworden. Die Texte sind viel komplexer als in dem alten Buch, so dass viele Leute nicht mehr gut mitkommen, wie ich denke. Vor allem, wenn ich es dann auch noch auf Deutsch erkläre. Einige schalten dann einfach ab, quatschen oder sind unaufmerksam und ich merke, dass die ganze Atmosphäre in der Klasse nicht mehr so gut ist. Als Lehr-Anfängerin verunsichert mich das schon, was das ganze natürlich nicht besser macht. Jetzt fällt mir um so mehr auf: Obwohl die anderen Lehrer wissen, dass wir (also ich und meine Mitbewohnerin) Neulinge sind, erfahren wir praktisch keine Betreuung. Es hat also nie jemand bei uns hospitiert, um zu schauen, ob wir überhaupt einigermaßen klarkommen – geschweige denn, dass uns jemand Tipps geben würde. Aus dieser Sicht ist es eigentlich ein Wunder, dass es nicht mehr Probleme gibt. Mein Plan ist, am Montag die Klassenlehrerin dieser Klasse zu kontaktieren und mit ihr Rücksprache zu halten, was sie in dieser Situation methodisch und didaktisch für angemessen hält. Jetzt gerade zieht mich die Sache aber schon runter – zum einen, weil ich mit der anderen Grundstufe und der Mittelstufe keine derartigen Sorgen habe, und zum anderen vielleicht auch, weil es bis jetzt so glatt gelaufen ist. Aber Arbeit macht eben nicht immer Spaß.
Ich war dann richtig froh, dass meine Mitbewohnerin mich heute Nachmittag zum Mah-Jongg-Spielen mit einigen Schülern aus ihrer Mittelstufenklasse mitgenommen hat. Ich kannte bis jetzt nur die Computer-Version, also ein Haufen Steine, von dem man gleich aussehende Paare herunternehmen muss. Das echte Spiel hat so einige Regeln, von denen ich nur einen Teil verstanden hab. In den Grundzügen geht es – wie auch bei vielen Kartenspielen – darum, aus einer bestimmten Anzahl von Steinen zusammen passende Figuren zu legen.

Am Anfang muss der Haufen erst einmal geordnet werden.

Hier der fertige Spielaufbau – es können vier Personen auf einmal spielen.

Was passt denn nun zusammen...?

Die Chinesen können nicht allesamt Mah-Jongg spielen: Xie (links) braucht ebenfalls Anleitung.
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nimen hao,
das, was ich im Moment so alles mache/ machen muss/ machen will überfordert mich zeitlich gesehen nur bedingt. Objektiv gesehen schaffe ich es, auch wenn es manchmal anstrengend ist. Gleichzeitig habe ich aber das Gefühl, an der Grenze meiner Aufnahmefähigkeit zu stehen - und das ist mir tatsächlich neu, sieht man von den sechs Wochen ab, in denen ich meine Bachelorarbeit geschrieben habe. Immer wieder kommen neue Dinge hinzu, obwohl ich das bisher Erlebte und Gehörte noch nicht richtig überdenken konnte.
Meine liebe "Schülerin" Ying zum Beispiel, die für die Konrad-Adenauer-Stiftung arbeitet und mit der ich regelmäßig Deutschunterricht mache, hatte mich für heute Morgen zu einer Veranstaltung eingeladen, einem Vortrag des ehemaligen chinesischen Botschafters auf deutsch. Ich habe nicht geahnt, dass dort auch eine Delegation aus Deutschland sein würde, Wirtschaftsgrößen, Vorstände etc. Die Vorträge (tatsächlich waren es mehrere) bzw. die Diskussionen waren interessant, aber auch anstrengend - meine Kapazität hatte schon etwas darunter gelitten, dass ich gestern Abend noch auf einem Konzert der mongolischen Pop-Rock Band Hanggai war. Beim Mittagsessen nach dem Vortrag fand ich mich dann unter diesen ganzen "wichtigen" Menschen wieder, und saß unversehens gegenüber von Bettina Adenauer. Wider Willen hat mich das eingeschüchtert, weil ich mich auch so "unvorbereitet" gefühlt habe und meinem Eindruck nach nichts Schlaues zu sagen hatte. Zum Glück habe ich bei dieser Veranstaltung auch Ning, den chinesischen Übersetzer der Konrad-Adenauer-Stiftung, kennen gelernt - derjenige, der die Texte übersetzt hat, die ich dann korrigiert und ihm zurückgeschickt habe. Immerhin ein "normaler" Mensch, mit dem ich mich unterhalten konnte. Unser Tischnachbar haben deshalb lustiger Weise gedacht, wir wären verheiratet ![]()
Ich könnte noch seitenweise über die Inhalte der Veranstaltung schreiben, die sehr stark auf mich gewirkt haben. Aber, und da wären wir wieder beim Zeitfaktor, in ein paar Minuten kommt mein chinesischer Sprachpartner... Vielleicht komme ich später noch einmal auf einige Themen zurück.

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