Eine Begegnung, die ich letztens hatte, geht mir nicht so recht aus dem Kopf. Deshalb berichte ich mal davon.
Wenn ich jemanden wirklich nicht leiden kann, beruht das normalerweise auf Gegenseitigkeit. Es fällt mir nämlich schwer, jemanden nicht zu mögen, der eigentlich nett zu mir ist. Manchmal ist man einfach nicht auf einer Wellenlänge, wofür keiner etwas kann. Keine Regel ohne Ausnahmen, wie man sagt: Über einen Deutschen, der ebenfalls an der Tongji unterrichtet, rege ich mich jedes Mal tierisch auf, wenn wir uns begegnet sind, obwohl (oder gerade weil) er sich jedes Mal "freundlich" mit mir unterhält. Eigentlich war er mir schon unsympathisch, bevor wir ein Wort gewechselt haben, und der Eindruck hat sich bestätigt.
Gestern sind wir uns zufällig vor dem Lebensmittelladen begegnet und es entspann sich folgende Unterhaltung (sinngemäß):
Ich: "Du gehst ja bald nach Russland. Willst du denn noch einmal zurückkommen nach Shanghai?"
Er: "Ich war jetzt schon ein paar Mal hier. Man braucht auf jeden Fall genug Geld und ein Netzwerk an deutschen Freunden, dann ist Shanghai sehr spannend."
Ich: "Ich wollte hier eigentlich eher Chinesen kennen lernen und keine Deutschen."
Er: "Wirklich? Ich kann mir nicht vorstellen, dass die darauf wert legen. Obwohl, du als blondes Mädchen..."
Ich: "Den Eindruck hatte ich überhaupt nicht. Ich habe viele nette Chinesen kennen gelernt, einige waren sogar sehr offen und auch kritisch."
Er: "Das sind dann aber keine Chinesen. Nur weil sie gelbe Haut und schräge Augen haben..."
Ich: "Wie sind denn "echte" Chinesen deiner Meinung nach?"
Er: "Wenn man hier ein Semester oder so studiert, ist alles toll. Aber wenn man mit denen arbeiten muss, treibt einen das oft zur Verzweiflung. Die Masse der Chinesen ist engstirnig und obrigkeitshörig."
Ich: "Mit solchen Leuten möchte ich natürlich nicht unbedingt etwas zu tun haben."
Er: "Siehst du, deswegen habe ich mich eben gewundert."
Ich: "Aber ich will auch mit den meisten Deutschen nicht befreundet sein. Warum sollte das in China anders sein?" ...
Das letzte war ein Seitenhieb gegen ihn, den er aber nicht als solchen wahrgenommen hat. Ich sollte mir eigentlich sagen: Er ist schlicht arrogant und ein Besserwisser. Aber dieses Gespräch hat mich sehr aufgewühlt, und ich weiß auch warum: 1. Keiner lässt sich gern auf eine dermaßen herablassende Weise belehren, und 2. Ich kam mir danach total naiv vor. Vielleicht hat der eingebildete Schnösel recht und ich habe ein total unrealistisches/einseitiges Bild von den Chinesen. Andererseits: Der Gute war jetzt insgesamt (nicht einmal durchgehend) 1-2 Jahre in China und hat sich in dieser Zeit nicht die Mühe gemacht, Chinesisch zu lernen - wie kann er sich überhaupt ein Urteil anmaßen? Grmpf.
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Lass dich von so einem ganz bestimmt nicht einschüchtern! Wer die schwarz-weiß Brille aufhat, der hat immer schnell pauschale, einfache Erklärungen und Wertungen auf Lager. ;-)
nimen hao,
wegen des Drachenbootfestes musste ich paradoxer Weise am Sonntag Unterricht geben - dafür ist von Montag bis Mittwoch frei. Xiang (einer meiner Schüler) hat mir angeboten, mich auf eine Tour in die Altstadt zu begleiten, und so sind wir heute Mittag zuerst in den Yuyuan Garden gefahren. Es war einmal wieder kaum zu glauben, wie viele Menschen dort waren, so dass ich überhaupt keine Lust hatte, Fotos zu machen; auch wenn es genug Motive gegeben hätte. Wir sind relativ schnell geflohen und zur Taikang Lu gefahren. Dort habe ich bereits letzten November Fotos gemacht, die auch nach wie vor online sind - schmale, verwinkelte Kassen und viele teure Geschäfte mit Kunsthandwerk, Kleidung und Schmuck. Xiang war ein bisschen geschockt über meinen "Kaufrausch"; ich habe mir einen Rock, ein paar Fächer, Schmuck und zwei Bilder gekauft. Eigentlich gar nicht so viel und für deutsche Verhältnisse nicht übermäßig teuer, doch für einen chinesischen Studenten schon. Als wir praktisch schon gehen wollten, habe ich mich spontan verliebt:


Die Bilder sind mit Ölfarbe auf zwei Stücke Sackleinen gemalt, die Farbe ist fast noch feucht. Für 22 Euro zusammen hab ich nicht gezögert (und Xiang hat mich endgültig für bescheuert gehalten, aber egal)...
Ich bin es ja gewohnt, angestarrt zu werden und es stört mich fast gar nicht mehr. Das ist aber nichts gegen die Blicke, die ich ernte, wenn ich mit einem männlichen Chinesen unterwegs bin - das sind teilweise keine freundlichen Blicke. Das hat mich darauf gebracht, Xiang mal zu fragen, warum es wohl so viele Chinesinnen (besonders in Shanghai) gibt, die mit ausländischen Männern zusammen sind. Er meinte sofort, "it's the money". Das hatte ich mir schon gedacht (und im Pekinger Tagebuch gelesen), aber desillusionierend ist es doch. Zusammengefasst: In einer chinesischen Beziehung verdient immer noch der Mann ein Großteil des Geldes. Er sollte, bevor er ernsthaft an Heirat denken darf, eine Wohnung und ein Auto sein eigen nennen. Besonders hübsche Chinesinnen sind unerreichbar, denn die angeln sich höchstwahrscheinlich einen älteren, reichen Mann oder einen Ausländer. Wenn sich doch einmal "unstandesgemäße" Beziehungen entwickeln, werden die Eltern der beiden wahrscheinlich (erfolgreich) versuchen, sie auseinander zu bringen. Die Eltern haben immer noch einen riesigen Einfluss auf ihre erwachsenen Kinder, weil diese in der Regel Einzelkinder sind und die Eltern viel Geld in deren Ausbildung etc. investieren. Die jungen Leute sind also häufig finanziell von ihren Eltern abhängig und müssen sich nach deren Meinung richten - ob es nun um das Studienfach oder die Heiratskandidaten geht. Dazu kommt, dass es hier keine zuverlässige soziale Absicherung gibt und die Kinder sich um ihre Eltern kümmern sollen, wenn diese alt sind. Alles in allem lastet ein ziemlicher Druck auf Chinas Einzelkindern, wie man sich vorstellen kann.
Eines erkenne ich aber wieder: Auch für viele Frauen "im Westen" ist es wichtig, dass der Mann beruflich, finanziell und intellektuell auf ihrer Höhe ist, am besten noch darüber. Der Unterschied ist, dass die Frau, die sich von einem Mann "aushalten" lässt, bei uns eher abfällig betrachtet wird (zumindest von anderen Frauen), während das hier in China ein Zeichen von Wohlstand und hohem Status zu sein scheint.
In diesem Zusammenhang musste ich auch an eine chinesische "Unart" denken, die bei manchen Frauen regelrecht aus dem Ruder gerät: Sich dümmer anstellen, als man ist. Es ist geradezu eine Kunst, sich wie ein kleines Mädchen aufzuführen, beleidigt zu sein, herumzunörgeln, um sich zu schlagen - also die kleine (fünfjährige) Prinzessin zu spielen. Wenn ich es nicht selbst erlebt hätte, würde ich es für eine Übertreibung halten. Die chinesischen Männer reagieren darauf amüsiert bis geduldig bzw. nehmen das Mädchen nicht wirklich ernst. Dafür, dass sie sich so klein macht, bekommt sie dann Aufmerksamkeit und was sie sonst gerade will. Zum Glück machen das bei weitem nicht alle Frauen, nur einige. Es sagt trotzdem einiges aus, sowohl über die betreffenden chinesischen Frauen als auch über die Männer...
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Im Deutschunterricht damals in der Oberstufe sollten wir einmal einen Text oder eine Geschichte aussuchen, vor der Klasse vorlesen und dann deren Bedeutung diskutieren. Das war zu einer Zeit, als ich beim Plündern des Bücherschranks meiner Mutter einige Bücher mit Kurzgeschichten von Franz Kafka gekidnappt hatte. Deshalb habe ich mir eine Erzählung ausgesucht, die ich bedeutungsvoll fand: „Gemeinschaft“. Letzte Woche habe ich mit Siegfried über deutschsprachige Literatur geredet und wir sind darauf gekommen, dass er „Die Verwandlung“ langweilig findet (im Gegensatz zu mir). Ich habe ihm daraufhin „Gemeinschaft“ geschickt:
"Wir sind fünf Freunde, wir sind einmal hintereinander aus einem Haus gekommen, zuerst kam der eine und stellte sich neben das Tor, dann kam oder vielmehr glitt so leicht, wie ein Quecksilberkügelchen gleitet, der zweite aus dem Tor und stellte sich unweit vom ersten auf, dann der dritte, dann der vierte, dann der fünfte. Schließlich standen wir alle in einer Reihe. Die Leute wurden auf uns aufmerksam, zeigten auf uns und sagten: »Die fünf sind jetzt aus diesem Haus gekommen.« Seitdem leben wir zusammen, es wäre ein friedliches Leben, wenn sich nicht immerfort ein sechster einmischen würde. Er tut uns nichts, aber er ist uns lästig, das ist genug getan; warum drängt er sich ein, wo man ihn nicht haben will. Wir kennen ihn nicht und wollen ihn nicht bei uns aufnehmen. Wir fünf haben zwar früher einander auch nicht gekannt, und wenn man will, kennen wir einander auch jetzt nicht, aber was bei uns fünf möglich ist und geduldet wird, ist bei jenem sechsten nicht möglich und wird nicht geduldet. Außerdem sind wir fünf und wir wollen nicht sechs sein. Und was soll überhaupt dieses fortwährende Beisammensein für einen Sinn haben, auch bei uns fünf hat es keinen Sinn, aber nun sind wir schon beisammen und bleiben es, aber eine neue Vereinigung wollen wir nicht, eben auf Grund unserer Erfahrungen. Wie soll man aber das alles dem sechsten beibringen, lange Erklärungen würden schon fast eine Aufnahme in unsern Kreis bedeuten, wir erklären lieber nichts und nehmen ihn nicht auf. Mag er noch so sehr die Lippen aufwerfen, wir stoßen ihn mit dem Ellbogen weg, aber mögen wir ihn noch so sehr wegstoßen, er kommt wieder."
Ich fand damals, wie auch heute, dass die Geschichte für sich genommen sehr einsichtig ist, möge sie noch eine tiefere politische, biografische etc. Bedeutung haben oder nicht. Es hat mich überrascht – obwohl es ziemlich naheliegend ist – dass Siegfried diese Situation sofort auf China bezogen hat. Also, China als des sechste Mann, der von den anderen – den westlichen Industriemächten – immerfort weg gestoßen wird. Die fortwährende westliche Kritik an China, sei es in Bezug auf Menschenrechte, das politische System oder Umweltschutz, empfinden die meisten Chinesen, mit denen ich bis jetzt gesprochen habe oder die sich dazu geäußert haben, als ungerecht. Ich umreiße hier einmal die wichtigsten Argumente, die ich gehört habe (manche ähneln einander sehr):
1. Der Westen zeichnet ein negatives Bild von China, weil er dem Land den wirtschaftlichen Aufstieg missgönnt/ sich davor fürchtet bzw. Nachteile für sich befürchtet
2. Der Westen verlangt von China, dessen politisches System zu adaptieren, versucht aber gleichzeitig, dem Land den(selben) Weg der Industrialisierung versagen
3. Der Westen hat nicht das Recht, von China Zurückhaltung bei der Industrialisierung zu fordern, da er diese früher ebenso rigoros durchgesetzt hat; wenn Europa/USA ein Recht auf einen hohen Lebensstandard haben, dann hat China dieses Recht auch
4. Auf ein Volk von 1,3 Milliarden Menschen lassen sich die politischen Prinzipien des Westens nicht eins zu eins anwenden, weil das zu Chaos und Anarchie führen würde
5. China ist politisch und wirtschaftlich nach wie vor ein Entwicklungsland und man kann nicht erwarten, dass sich das System und die Kultur von einem Tag auf den anderen ändern
6. China hat sich in den letzten zwanzig Jahren nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch enorm weiterentwickelt; dass die Europäer dies nicht gelten lassen, liegt daran, dass sie schlecht über China informiert sind
7. Die Europäer vergessen offenbar, dass Demokratie und Menschenrechte bei ihnen historisch gesehen sehr jung sind; sonst würden sie China nicht so scharf kritisieren
Man merkt: Die Chinesen argumentieren in einem etwas anderen Rahmen als wir. Während wir aufgrund unseres kulturellen Hintergrundes heutzutage besonders stark die politische, ökologische usw. Eigenverantwortung des Individuums betonen, geht es bei der chinesischen Argumentationslinie um "gleiches Recht für alle" (Kulturen). Aus chinesischer Sicht war China in den letzten zweihundert Jahren von einer Entwicklung ausgeschlossen, auf die es ein gutes Recht hat. Traditionell konzentriert sich der Nationalstolz sowieso sehr stark auf die Jahrtausende alte Geschichte Chinas, wobei "unangenehme Zwischenfälle" wie die Kulturrevolution gern ausgeblendet werden. Aus diesen Gründen werden die historischen Gegebenheiten im Vergleich zwischen China und dem Westen so stark in die Argumentation mit einbezogen.
Es läuft auf folgende Aussage hinaus: Das, was ihr in den letzten 200 Jahren unternommen habt, um wirtschaftlich zu wachsen, könnt ihr uns heute wohl kaum verbieten. Darin spiegelt sich auch der Ärger über die (gefühlte) Bevormundung durch den Westen wider.
Es werden also andere Prioritäten gesetzt – und wie stark der Einfluss der politischen Propaganda dabei ist, kann ich nicht sagen. Es fällt mir sehr schwer, mir selbst dazu eine Meinung zu bilden, ohne entweder „westlich“ oder „chinesisch“ zu argumentieren und mich dadurch irgendwie gedanklich manipuliert zu fühlen. Sollte ich dazu in nächster Zeit neue Erkenntnisse oder einen differenzierten Standpunkt entwickelt haben, berichte ich davon.

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Ich bin jetzt schon einige Monate in China und seit ich in Shanghai arbeite, habe ich viel mehr mit Chinesen zu tun als zumindest in Beijing. Ich bilde mir nicht ein, dass ich nach dieser kurzen Zeit viel über die chinesische Kultur und vor allem Denkweise weiß. Ich glaube aber schon, dass ich eine grundsätzliche Bereitschaft entwickelt habe, mich auf das Fremde einzulassen. Wenn es dann aber dazu kommt, dass ich mit Meinungen konfrontiert bin, die ich total absurd finde - was dann?
Ich bin heute mit einem Bekannten Chinesen beim Mittagessen gewesen und er hat darüber geplaudert, dass er am Computer gern militärische Strategiespiele spielt. Soweit so gut. Als nächstes erzählte er mir ganz stolz, dass er im Spiel Deutschland von 1939 bis '45 gewesen wäre und gegen die Sowjetunion gewonnen habe. Hm, ahja. Als er dann aber darüber sinnierte, dass China damals die Chance verpasst habe, mit Deutschland zu kollaborieren, um zusammen die Sowjetunion niederzuschlagen... Wie bitte?! Ich bin sprachlich und nervlich etwas an meine Grenzen gestoßen, als ich versucht habe, ihm zu erklären, warum das aus meiner Sicht kein konstruktiver Gedanke ist. Und dann ist da auch noch die Sprachbarriere. Ich habe es irgendwann vorgezogen, zu denken, dass er es nicht so extrem meinte, wie es klang.
Das war beim Mittagessen und da habe ich mich schon gefragt, welche Abgründe sich zwischen meinem Weltbild und dem chinesischen wohl auftun würden, wenn ich perfekt chinesisch könnte bzw. mich ausdrücken und alles verstehen könnte.
Am Nachmittag habe ich mich mit zwei Jungs getroffen, die ich in der Mittelstufe unterrichte und mit denen ich ab und zu etwas unternehme. Wir unterhalten uns meistens einfach auf Deutsch, Englisch und ein bisschen Chinesisch, damit jeder etwas davon hat. Das Gespräch war viel zu lang, um die Details wiederzugeben, aber: Einer von beiden ist in die kommunistischen Partei eingetreten und der andere (der Biologie studiert!) glaubt, dass die Evolutionstheorie Quatsch ist und Adam wie in der Bibel beschrieben der erste Mensch war. Ich mag die beiden echt gern, aber das übersteigt einfach mein Verständnis. Ich habe ja in meinem Eintrag von Donnerstag geäußert, dass es eventuell Parteianhänger in den Klassen gibt, die die Lehrer bespitzeln. Sollte das tatsächlich der sein, mit dem ich heute so arglos geplaudert habe? Das hat mich eiskalt erwischt. Er meinte zwar, dass er nur in der Partei sei, weil man dadurch bessere Perspektiven hätte. Ich konnte mich aber nicht zurückhalten, zu sagen, dass die Deutschen das aus der DDR kennen und ziemlich daneben finden. Man merkte an dem Verhalten der Jungs, dass wir uns offensichtlich in die Nähe der verbotenen Zone bewegten, und der Biologe meinte sogar: Wir sollten dieses Thema vielleicht nicht zu ausführlich diskutieren. Man könne in China zu einigen Dingen seine Meinung nicht frei äußern. Also haben wir das Thema beiseite geschoben. Das Misstrauen ist letztendlich auch verschwendete Energie, da ich nur eine begrenzte Zeit in China bin.
Die Diskussion über Religion war lockerer, aber komplizierter. Was macht man, wenn jemand eine Meinung hat, die man absolut nicht teilt? Mag man einander, spricht man vielleicht kurz darüber, aber dann ist es gut. Mein chinesischer Freund hatte aber den absoluten Wunsch, mich von seiner Meinung zu überzeugen. In drei Sprachen. Aber durch Argumente kann man jemanden einfach nicht vom Glauben überzeugen, was er dann nach einer ganzen Weile eingesehen hat.
Das war mein Samstag. Morgen geht es mit einigen Schülern aus der Grundstufe auf die Expo, was bedeutet: Um viertel nach sieben los, zum Expo-Gelände pilgern und dann zum völlig überfüllten deutschen Pavillon rennen. Den wollen die nämlich unbedingt von innen sehen, und ich auch 

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Ich wünsche dir noch einen schönen Sonntag.... ( Bei Dir dürfte es gerade Nachts sein während ich hier noch mit dem Lappi in der Nachmittags Sonne auf dem Balkon sitze :-) )
LG Enana
Innerhalb von wenigen Tagen ist die Temperatur hier in Shanghai von um die 14 Grad auf 30 Grad angestiegen. Prompt habe ich mich erkältet, womit mir mein Immunsystem wohl sagen will, dass es wegen des Wetterwechsels not amused ist. Wenigstens habe ich ein paar Tage frei, weil am Freitag wegen der Expo-Eröffnung der Unterricht ausgefallen ist, und auch die halbe nächste Woche fällt aus, weil der 1. Mai auch hier „Tag der Arbeit“ ist – nur ohne Demos, Krawalle und brennende Autos.
Dafür brannte etwas anderes: Zur Expo-Eröffnung habe ich mich mit meiner Mitbewohnerin in die Innenstadt begeben, um das Feuerwerk („Noch VIEL spektakulärer als zur Olympia-Eröffnung!“, hieß es) zu bestaunen. Um acht sollte es beginnen, also haben wir uns so nahe wie möglich an den Fluss, um den das Expo-Gelände gebaut ist, heran gedrängelt. Dort waren aber schon Hundertschaften von Polizisten versammelt und die Straße wurde streng bewacht. Irgendwie fanden wir uns dann an einer Kreuzung wieder, wo lustiger Weise an jeder Ecke eine Menschentraube stand und wartete – nur auf unserer Seite nicht. Wir standen ganz allein und haben eigentlich nur drauf gewartet, dass die Jingcha (Polizei) uns zu den anderen scheucht. Und, ein bisschen stur, haben wir abgewartet.

Von unserer stillen Ecke aus...
Aber siehe da, wir hatten bloß ungefähr eine Stunde lang unseren ganz eigenen, privaten Polizisten, der sich vor uns aufgepflanzt, aber nichts gesagt hat. Das Feuerwerk hat sich um fast zwei Stunden verspätet, also hatte ich genug Zeit zum spekulieren… Ich hätte erwartet, dass er uns sofort anranzt, weil wir eigentlich im abgesperrten Gebiet standen. Aber ich denke, er hatte a) die Befürchtung, dass wir ihn nicht verstehen und b) hätte er nicht gewusst, was er machen soll, wenn wir ihn nicht verstehen (wollen). Das führt mich zu der Vermutung, dass den Polizisten gesagt wurde, sie sollen gefälligst nett und zuvorkommend zu Ausländern sein… Okay, genug geschwafelt. Irgendwann hat er aber kapiert, dass wir ihn begrenzt verstehen können, und hat uns dann mit Hilfe einer anderen Sicherheitsfrau äußerst höflich und mit „Bitte“ und „Danke“ vom Gehweg komplimentiert.
Ach ja, das Feuerwerk hab ich fast vergessen ;) Das war leider ziemlich weit weg, aber sicher ganz schön beeindruckend, wenn man nahe dran war. Dafür haben sich die zwei Stunden Warten kaum gelohnt, wenn überhaupt, dann für die Interaktion „Polizei vs. Chinesische Menschenmassen = Unorganisiertes Gebrüll, Trillergepfeifen, Beinahe-Zusammenstöße & Rumgerenne“.

Gestern habe ich dann noch Fotos am gerade sanierten Bund gemacht – eine Flaniermeile mit einer Mauer, von der aus man die Hochhäuser des Stadtviertels Pudong bewundern kann; Unter anderem das World Financial Center, mit 492 m eines der höchsten Gebäude der Welt. Beeindruckend ist es ja schon… Was man auf den Fotos zum Glück nicht sieht, ist der Smog.

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Sterne sieht man keine, oder?
Geht´s dir wieder etwas besser? Wenn nicht "Gute Besserung"
Ich finde das sind 2 sehr gelungene Bilder und auch wenn sui Recht hat... man sieht nichtmal Sterne ( bei uns ja aber auch nicht immer) ,... So ist das doch schon für mich als Kleinstadt Europäer eine ziemlich beeindruckende Skyline...
Weiter so :-) ich lese unheimlich gern deinen Blog :-)
Liebe Grüße
Enana
@Enana: Ich komme eigentlich auch aus einer Kleinstadt und es beeindruckt mich nach wie vor :)
nimen hao!
Ich habe einen Fernseher in meinem Zimmer, der "Deutsche Welle TV" aus Berlin empfängt. Die meisten Sendungen werden zweimal am Tag gezeigt, einmal auf Englisch und einmal auf Deutsch. Vorgestern bin ich deshalb in den Genuss gekommen, mir zweimal dieselbe Reportage über das Tian’anmen Massaker von 1989 anzuschauen. Es hat mich sehr erstaunt, dass die tatsächlich lief – scheinbar wird das Fernsehen, zumindest das deutsche Fernsehen, nicht so stark von der Zensur überwacht, sonst wäre die Sendung bestimmt abgefangen worden.
Das hat mich neugierig gemacht und ich habe versucht, die Website von DW-TV im Internet aufzurufen – mit folgendem Ergebnis:

Opera zeigt die – mir leidlich bekannte – Fehlerseite an. Die Adresse ist zurzeit nicht erreichbar, soso. Als nächstes habe ich es mit Firefox und meinem TOR zur Welt versucht, und siehe da:

Ich bin auch sofort auf einen Artikel gestoßen, der die Zensur rechtfertigte, welch Ironie: „Clever ways to get around Chinese censorship on the net“. Es geht darum, welche Methoden junge chinesische Internetnutzer anwenden, um hinter den Rücken der Zensoren subversives Gedankengut auszutauschen. Dazu muss man die automatische Worterkennung austricksen, welche aktiviert wird, wenn man Ausdrücke bei Google eintippt, das auf der ‚Blacklist‘ der Zensoren stehen.
Unheimlich cool finde ich das „Gras-Schlamm-Pferd“. Die chinesische Sprache als Tonsprache hat ja viele Wörter, die eine andere Bedeutung haben, wenn man sie mit einer anderen Betonung ausspricht. Allerdings gibt es für Wörter mit verschiedenen Bedeutungen auch unterschiedliche Schriftzeichen. Um ungestraft dem Ärger über die Regierung und ihre Vertreter Luft machen zu können, hat sich im Internet folgender Ausdruck etabliert:

cao mit drittem Ton bedeutet “Gras”, ni mit zweitem Ton „Schlamm“ und ma mit drittem Ton „Pferd“: Gras-Schlamm-Pferd. Mit einer anderen Betonung, bzw. anders geschrieben, haben diese drei Wörter aber eine ganz andere Bedeutung…

cao mit erstem Ton heißt f*****, ni mit drittem Ton „du“ oder „dein/e“ und ma mit erstem Ton "Mutter". Wenn sich die Chinesen also über die staatliche Zensur etc. lustig machen wollen, singen sie das Lied vom „Gras-Schlamm-Pferd“… Und ich verwette mein chinesisches Visum darauf, dass die Beamten wissen, was damit gemeint ist. Aber ist es verboten, von einem Wüstenpferd zu singen, das gegen böse Flusskrabben kämpft? Ich denke nicht – nicht einmal in China 
Wer noch mehr über den Widerstand gegen die Internet-Zensur erfahren will:
- Die "Baidu 10 Mythical Creatures"
- Englische Übersetzung des Caonima-Songs
Platz zwei für Kreativität bekommt dieses Zeichen:

Es wird „tū“ gesprochen und bedeutet hervorstehend. Mit etwas Fantasie könnte es aber auch eine Geste sein, die man mit einem Finger ausführt.

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Ich habe heute von meinem Sprachpartner (ein Chinese, der Deutsch lernt), interessante Dinge erfahren... Sachen, die die Chinesen nach seiner Aussage machen, von denen ich dachte, dass sie es nicht tun – und umgekehrt.
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Zumindest wurde es mir so berichtet.
Yoho, Pirat

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Wenn der Strom hier inzwischen rationiert ist, dann ist das Internationale Wohnheim eine Ausnahme - was mich nicht wundern würde. Aber ich höre mich mal um.
January 3, 2010 - 2:54PM
AFP
A freezing cold front swept over much of northern China on Sunday with snowstorms snarling traffic and air travel, while some of the coldest temperatures in decades were forecast for coming days.
Snow storms were expected to continue through Monday as the mercury was set to plunge in the coming 48 hours, the Beijing meteorological station said.
Gale-force winds sweeping down from Siberia could result in temperatures as low as minus 16 degrees Celsius in the capital on Monday and Tuesday, it added.
According to the Beijing Youth Daily, such temperatures would be the coldest in the capital in 40 years.
On Sunday, major highways in Beijing and Tianjin, as well as in the surrounding provinces and regions of Hebei, Shanxi and Inner Mongolia were closed due to the heavy snowfall, China Central Television said.
Quelle: The Sydney Morning Herald

Verschneite Grüße aus Beijing!
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nimen hao...
Ich hatte gerade eines der seltsamsten Abendessen in meiner ganzen Zeit in China – und das will schon etwas heißen. Wir sind nichts ahnend in das Restaurant im 4. Stock der Mensa eingekehrt, um festzustellen, dass dort mal wieder eine Veranstaltung stattfindet, nicht ungewöhnlich. Wir haben aber trotzdem einen Tisch bekommen. Doch gerade, als wir uns hingesetzt hatten, dröhnte entsetzlich lauter Live-Gesang aus den Boxen über uns. Und „entsetzlich laut“ war in diesem Fall nicht Geschmackssache.
Wir konnten uns während des Essens leider nur brüllend unterhalten. Die Chinesen hat es nicht gestört, die haben an ihren Tischen Schnitzeljagd gespielt mit Zetteln, die offenbar vorher auf dem Boden verstreut worden waren. Unsere Begeisterung war dagegen eher verhalten („Please shoot me!“).
Der Höhepunkt war ein Chinese, der eine grauenvolle Version von „Scarborough Fair“ zum Besten gegeben hat, auf Englisch – oder zumindest etwas, was er für Englisch gehalten hat. Gefolgt von ausgelassenem Beifall seiner Landsmänner und -frauen. Als das vorbei war, meinte einer der Jungs hoffnungsfroh, „Schlimmer kann es jetzt nicht mehr kommen.“... Und dann: „Oh verdammt, wenn man es ausspricht, kommt es meistens doch schlimmer.“ Und recht hatte er. Zu dem Zeitpunkt ist mir eingefallen, dass ich meine Kamera dabei hatte. Habe sie Angel in die Hand gedrückt, und er hat den traurigen Höhepunkt unseres musikalischen Abends festgehalten...
Viel Spaß, *muhahaha* Die Sänger sind übrigens beides Männer.
P.S.: Passend zum Jahreswechsel habe ich auch mein Blogdesign etwas verändert ![]()
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Na da steigt doch die Stimmung und das Essen schmeckt umso besser (anscheind bist die wieder wohl auf und kannst Nahrung zu dir nehmen ^^)
Erinnerte mich sehr stark an Ken Lee ( http://www.youtube.com/watch?v=FQt-h753jHI )
Liebe Grüsse und das neue Design gefällt mir sehr gut.
Jessi
Das tut mir leid mit dem zerbrochenen Glas, vielleicht hätte ich noch ne Warnung dazuschreiben sollen :-p

