Das Neue im Alten
Verfasst am 22.07.2010 um 05:46 PM Uhr in Unterwegs

Ich sehe Peking mit anderen Augen. Doch es hat sich nichts verändert, also hat sich meine Perspektive wohl verändert. Von allen Städten, die ich in China bis jetzt besucht habe, erscheint mir Peking bzw. die Luft hier mit Abstand am dreckigsten. Gleichzeitig freue ich mich, dass die Leute so nett und entspannt sind, wie ich sie in Erinnerung habe. Sie gehen langsamer und lächeln einen öfter an, was ich in Shanghai vermisst habe. Heute Abend fahre ich nach Wudaokou, das Ausgehviertel im Norden der Stadt, und treffe einige der Leute von meiner alten Uni. Ich werde meine letzten Tage in China genießen!

Nektarinen mit Gkücksbotschaft

 

o~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~[Nachtrag]~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~o

 

Ong, Ling Ling, Ich und Luis

Mhm lecker - beim Koreaner

Die Spielkinder gehören nicht zu mir :-p

Entweder humorvoll oder ehrlich - das Bier war jedenfalls kalt

Ob eine Schnecke für nen Pizza-Lieferservice wohl das passende Maskottchen ist?

 



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In Beijing angekommen - oder nicht?
Verfasst am 21.07.2010 um 09:53 AM Uhr in Unterwegs

Ich habe nun erfolgreich den Endpunkt meiner Route erreicht: meine "alte Heimat" Beijing. Am letzten Tag in Xi'an habe ich noch das ungefähr coolste unternommen, was Xi'an zu bieten hat außer der Terrakottaarmee - Fahrradfahren auf der alten Stadtmauer, 14 km in 1,5 Stunden.

Dann ging es auf zum Flughafen. Wie nicht anders zu erwarten, hatte das Flugzeug eine Stunde Verspätung und ist allen ernstes zwischen gelandet, in einem Kaff namens Zhong Wei irgendwo auf der Strecke. Alle Passagiere (alte + neue) raus aus dem Flugzeug, eine halbe Stunde später wieder hinein. Ich bin also mitten in der Nacht in Beijing gelandet und habe den falschen Shuttlebus erwischt, der in einen anderen Stadtteil fuhr, als ich wollte. Zum Glück bin ich an einen unheimlichen netten Taxifahrer geraten, der mit dem Hostel telefoniert hat um herauszufinden, wo ich eigentlich hin muss. So habe ich Beijing in Erinnerung 

Leider ist dieses Hostel die abgefuckteste Absteige meiner gesamten Reise, wenn ich das mal so direkt sagen darf. Es liegt im hippen Kunstviertel 798, und das ist das einzig positive, das mir bis jetzt aufgefallen ist. Das hier ist nicht mehr als eine alte Industriehalle, darüber hinaus ist es dreckig, voller Mücken und für die Klimaanlage, die in allen anderen Hostels ausnahmslos umsonst war, soll man hier 10 Yuan pro Nacht blechen. Die Betten sind verdammt hart und unbequem. Ach ja, nicht zu vergessen, dass meine Reservierung irgendwie falsch angekommen ist und der Angestellte mich in der nächsten Nacht allein in ein Zimmer mit einem Mexikaner stecken will. Davon bin ich irgendwie nicht so begeistert, also bereite ich mich innerlich schon mal auf eine Diskussion vor (heute Nacht war ich zu fertig, um zu widersprechen). Ich bin froh, dass ich aus Vorsicht nur zwei Nächte gebucht habe und morgen früh also wieder verschwinden kann... Im Sinne Oscar Wildes: Das war kein Irrtum, sondern eine Erfahrung 



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In Xi'an - oder am A**** von Shanxi
Verfasst am 19.07.2010 um 05:31 PM Uhr in Unterwegs

Und es hat sich doch alles irgendwie gefügt. Ich bin gestern ohne Probleme mit dem Shuttlebus zum Flughafen gekommen, aber leider hatte der Flug eine Stunde Verspätung. Das heißt, dass ich erst nachts um halb zwei am Hostel in Xi'an angekommen bin - das war allerdings kein Problem. Dann bin ich trotz meines friedlichen Temperaments ungemütlich geworden, weil ich plötzlich ein ganz anderes Bett nehmen sollte, als ich gebucht habe - Sechsbett-Zimmer statt Vierbett-Zimmer und mixed-Dorm (Männer und Frauen) anstatt Female-Dorm. Um die Uhrzeit war ich aber nicht wirklich in einer guten Position, um zu verhandeln. Zähneknirschend habe ich mich deshalb gefügt und war dann erleichtert - Es waren drei Mädels und zwei Jungs im Zimmer, alles Chinesen. Chinesische Männer sind größtenteils sehr respektvoll und zuvorkommend gegenüber Frauen, aber vor allem machen sie nicht viel Lärm. Ich hatte nämlich schon befürchtet, in einem Zimmer mit einer grölenden Horde Bier trinkender Engländer/Amerikaner etc. zu landen.

Heute morgen ging es dann auf zur Terrakottaarmee im Mausoleum des ersten chinesischen Kaisers Qin Shihuangdi, für die Xi'an berühmt ist. Unser "englischsprachiger" Reiseführer konnte zwar tatsächlich Englisch sprechen, aber sein Akzent war selbst für einen Chinesen zum fürchten. Zuerst hat er uns durch einen Handwerksbetrieb geführt, in der unter anderem kleine und größere Repliken der Armee aus demselben Ton hergestellt werden. Natürlich konnte man diese auch käuflich erwerben, und diesmal habe ich mich auch zu einem Souvenir erweichen lassen, einen kleinen Krieger für umgerechnet 10 Euro.

Einer von den Jungs wohnt ab jetzt bei mir

Die Kleine übt schon mal für später

Auf dem Weg zur echten Tonarmee habe ich erfahren, dass ich unsere Bundeskanzlerin mit meinem Aufenthalt in Xi'an nur um zwei Tage verpasst habe. Unser Reiseführer hat es sich nicht nehmen lassen, das immer wieder zu betonen, als er erfahren hat, dass ich aus Deutschland bin.

Die echte Tonarmee

Die meisten der Krieger stehen, es gibt aber auch einige, die auf dem Boden knien. Wenn man diese von der Seite betrachtet, bilden sie den Umriss der Provinz Shanxi, in der Xi'an liegt. Und nachdem unser Tourguide uns das anhand einer knieenden Statue erklärt hat, zeigt er auf deren Hinterteil und meint, dort sind wir bzw. Xi'an. Ich fand das extrem erheiternd 
 

 

 



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Lonely-Laowai-Phase
Verfasst am 18.07.2010 um 05:39 PM Uhr in Unterwegs

Hm heute habe ich mein Toleranzlimit definitiv erreicht, Reisekoller... Heute morgen nicht ausgeschlafen, weil die Mädels aus meinem Zimmer um 6 Uhr aufgebrochen sind. Zu Essen hatte ich auch nichts, also los in die Shoppingmall und mir ein chinesisches Frühstück einverleibt (Hähnchen, Ei, Reis, Gemüse) - wie immer unter genauer Beobachtung aller anwesenden Chinesen. Ich bin es ja gewohnt und normalerweise stört es mich nicht übermäßig, aber heute... Erst habe ich erfahren, dass ich in Beijing vielleicht doch nicht im Wohnheim meiner alten Uni übernachten kann, weil dort gerade eine Veranstaltung stattfindet. Dann fliege ich heute nach Xi'an und übermorgen weiter nach Beijing, also gleich zum Flughafen, in Xi'an spät abends noch mit dem Taxi das Hostel finden, am nächsten Tag zurück zum Flughafen, in Beijing ein Hostel finden... Uähh kein Bock. Was zu einem "perfekten" Tag dann noch fehlt, sind die üblichen "Hellooo", "Schau mal, ein Ausländer" und natürlich das angestarrt Werden. Selbst die Kinder gehen mir heute auf die Nerven, Grmpf. Ich zieh mir einfach nen Sack über den Kopf, mehr Privatsphäre ist grad nicht drin. 



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ichlebauchnoch
hey liebes! bin endlich auch mal wieder am pc und hab grad meinen ganzen kredit darauf aufgewand, deinen blog zu lesen. ;-) kopf hoch, man hat mal son tag, weißte ja! genieß die zeit noch, bald ist sie vorbei! bisous!

~ Geschrieben von Sonea am 18.07.2010 um 10:04 PM Uhr


Danke Süße ;)
Du hast natürlich recht... wie immer :-p

~ Geschrieben von Mieke85 am 19.07.2010 um 06:07 PM Uhr







Affentheater
Verfasst am 17.07.2010 um 10:38 PM Uhr in Unterwegs

nimen hao,

so wie ich es mir vorgenommen habe, bin ich heute allein losgezogen, erst einmal zum "Solitary Beauty Peak". Dabei handelt es sich um eine alte Prinzenresidenz, in deren Mitte ein großer Felsen aufragt, von dem man die ganze Stadt überblicken kann. Ich habe den öffentlichen Bus genommen und den Park auch tatsächlich gefunden. Wie zu erwarten gab es auch Dutzende von Reisegruppen, die von ihren Reiseleitern durch die verschiedenen Gebäude getrieben wurden. Ich habe mir den Spaß gemacht, mich mal zu dieser, mal zu jener Reisegruppe zu gesellen und so zu tun, als ob ich ganz genau verstehe, worum es geht. Die haben vielleicht blöd geguckt 

Das Highlight der ganzen Unternehmung war natürlich, auf den Peak zu klettern. Es war ziemlich bewölkt, aber man kann trotzdem gut sehen, in welch eine außergewöhnliche Landschaft Guilin gebettet ist.

Danach bin ich am Fluss entlang zum "Seven Star Cave Park" gelaufen. Auf der Karte sah er vielversprechend aus, weil er mitten in der Berglandschaft liegt.

Aufgrund seiner Größe hatte ich auch endlich mal ein bisschen Ruhe. Nach dem zwanzigsten "Hellooo!" grüßt man zwar immer noch freundlich zurück, denkt aber schon Boah, halt die Fresse. Es gab wenigstens einen Lichtblick: Ein kleines Mädchen meinte danach zu ihrem Vater, "laowai hai keyi", oder zumindest war es das, was ich verstanden hab - Ausländer sind ganz in Ordnung. Wieder etwas für die Völkerverständigung getan.
Das tolle war, dass man auf einige der Hügel im Park auch über Treppen hinaufsteigen konnte. Dort habe ich das hier entdeckt:

 

Die Affen will ich sehen! Da dachte ich so bei mir, die Affen und ich haben doch etwas gemeinsam: Wir versuchen im Wald so weit wie möglich von den anderen Menschen wegzukommen. Also bin ich einen Berg hinauf gestiegen, auf dem außer mir wirklich niemand war. Da habe ich mich wirklich ein bisschen wie im Urwald gefühlt und bin auf der Suche nach den Affen durchs Unterholz geschlichen. Den Nieselregen, der inzwischen eingesetzt hatte, fand ich ganz erfrischend - bis unvermittelt das Gewitter mit Sturzregen, Blitz und Donner losgebrochen ist. Ich muss nicht erwähnen, dass ich nass bis auf die Knochen war, nachdem ich den Berg wieder hinuntergestolpert und in den Bus zurück gestiegen bin. Und Affen habe ich nicht gesehen (bis auf ein Eichhörnchen, dass ich zuerst für einen gehalten habe).

Kurz bevor das Gewitter losbricht...

Um sieben Uhr habe ich dann noch einmal mit Yulin und ihrer Familie in einem kleinen Straßenlokal mit Miniaturtischen- und Stühlen zu Abend gegessen. Danach sind sie und ich noch einmal zum Fluss gegangen, weil es dort eine flache Stelle gibt, an der man barfuss auf die andere Seite gehen kann.
Auf dem Rückweg hatten wir dann eine sehr unangenehme Begegnung, zum Glück ohne Folgen. Wir sind so eingehakt nebeneinander her gegangen, und aus irgendeinem Grund habe ich mich - instinktmäßig? - umgedreht. Genau hinter uns ging ein Mann, der in dem Moment versucht hat, den Reissverschluss meines Rucksacks zu öffnen. Meine Reaktion war nicht gerade klug in der Situation, aber es war total reflexartig - ich hab dem Typen eine runtergehauen. Er hat sich weggedreht und ist schnell weitergegangen, und ich war völlig perplex und sprachlos bzw. ich habs auch mit der Angst zu tun bekommen. Er drehte nämlich plötzlich um, und ich dachte schon, jetzt gibts Ärger - stattdessen ging er noch einmal an uns vorbei, schaute herausfordernd und packte sich mit einer Hand in den Schritt. Das fand ich dermaßen absurd, dass ich ihn nur blöd angestarrt habe. "Ein Dieb, ein Dieb!" o.ä. zu rufen wäre wohl nageliegend gewesen. Dazu war ich aber einfach zu verblüfft, nachdem ich festgestellt hatte, dass er den Rucksack nicht einmal aufbekommen hat. Eine gute Erfahrung in gewisser Weise, denn ab jetzt werde ich noch mehr auf meine Sachen aufpassen als sowieso schon.


 



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xia yi zhan - nächste Station Guilin
Verfasst am 17.07.2010 um 10:46 AM Uhr in Unterwegs

Gestern Morgen, nachdem ich nochmal etwas im Park von Yangshuo spazieren gegangen bin, habe ich die Stadt wieder verlassen, um mit dem Bus nach Guilin zurückzufahren.

Eine abgeschiedene Gasse

Endlich mal ein ruhiges Plätzchen

Auch ein ruhiges Plätzchen... Die Uhr geht übrigens nicht richtig ;)

Wäsche waschen am Fluss

Meine Gefühle waren sehr gemischt - was sicher auch der einsetzenden Erschöpfung nach fast zehn Tagen Reise geschuldet ist. Yangshuo kam mir so schizophren vor. Einerseits die schöne Natur, die ordentlich gepflasterte Innenstadt und sauberen Hotels, und wenn man über die Stadtgrenze hinaus fährt sieht man die dreckigen Baracken, in denen die Menschen leben und Kinder, die davor im Müll spielen. Durch den Tourismus geht es den Leuten eigentlich relativ gesehen gut – es gibt Strom und Wasser, und viele haben ein Moped. Aber je mehr Geld man mit den Touristen machen kann, desto mehr Leute kommen aus den umliegenden Dörfern ins Stadtgebiet. Deshalb profitieren nur einige wirklich davon bzw. es besteht harte Konkurrenz. Es kotzt mich aber persönlich an, wenn ich als Besucher durch diese Straßen laufe und in den Augen jedes Chinesen die Dollarzeichen klingeln sehe – was wiederum nachvollziehbar ist. Sollte ich ein schlechtes Gewissen haben, weil ich als reicher westlicher Urlauber da bin und diese Leute trotz harter Arbeit einen viel geringeren  als ich haben? Oder ein gutes Gewissen, weil ich mein Geld da lasse und somit das wirtschaftliche Wachstum der Region ankurbele? Nur so ein paar Gedanken.

In Guilin angekommen, habe ich dummerweise denselben Fehler noch einmal gemacht – mich mit Yulin und ihrem Cousin in ein Touristenboot gesetzt, um mich zum Elefantenfussfelsen bringen zu lassen. Die beiden sind nun zufällig am selben Tag zurück nach Guilin gefahren wie ich und haben mich sofort gefragt, ob ich mitkommen möchte. Da ich noch keinen Plan hatte, was ich in Guilin sehen will, habe ich zugesagt. Der Felsen ist das Wahrzeichen von Guilin und soll einen Elefanten beim Wassertrinken darstellen. Das Boot hatte eine Aussichtsplattform, auf die sich alle Chinesen gleichzeitig gequetscht haben, um ein Foto von sich mit dem Felsen im Hintergrund zu machen – und dann wieder unter Deck zu verschwinden.

Ich habe mir fest vorgenommen, ab jetzt wieder so zu verfahren wie in Hong Kong. Ich habe mir im Hostel eine Karte von Guilin gekauft und werde heute allein losziehen, um mir in aller Ruhe die Stadt anzuschauen, mit dem öffentlichen Bus oder Taxi.

Für Xi’an habe ich allerdings schon eine Tour zur Terrakotta-Armee gebucht – da diese außerhalb der Stadt liegt, ist das klüger.

P.S.: Dass ich so viele Einträge kurz hintereinander poste, ist der Tatsache geschuldet, dass die Website des Blogs in 80 % der Fälle nicht funktioniert, bzw. abends (bei euch mittags) überhaupt nicht… Nach mehr als zwei Wochen, in denen es jetzt schon so ist, sollte man das Problem doch mal behoben haben (oder mal ne Stellungnahme dazu abgeben), oder? Würde ich Geld für meinen Account bezahlen, würde ich jetzt schon ganz schön mit den Zähnen knirschen ^^

 



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Ich sehe was, was du nicht siehst
Verfasst am 16.07.2010 um 11:22 PM Uhr in Unterwegs

Gestern Morgen bin ich also frisch und munter zur Bootsfahrt auf den Li Fluss aufgebrochen. Außer mir gab es nur einen anderen Ausländer, auch ein Deutscher, wie ich später festgestellt habe. Wenn man den Fluss hinunterfährt, kann man besonders gut die vielen bizarren Steinformationen bewundern. Einige von diesen Hügeln haben sehr kreative Namen verpasst bekommen – ich weiß nicht, ob das einfach eine Tradition der Einheimischen ist oder den Touristen zuliebe gemacht wurde. Mein Favorit ist der „lao ren shou ping guo“-Berg. Das bedeutet, „ein alter Mann beobachtet einen Apfel“. Dann gäbe es da noch den Hühnerkäfig-Hügel, die „Schildkröte, die einen Berg erklimmt“ und das „Kamel, das den Fluss überquert“. Um ehrlich zu sein, habe ich keinen von diesen Bergen anhand des Namens erkannt – entweder habe ich zu wenig Fantasie oder die Chinesen zu viel.

Dies sind nicht irgendwelche Berge - das Panorama ist auf der Rückseite des 20-Yuan-Scheins abgebildet

Auf den Bambusbooten, auf denen wir den Fluss befahren haben, war für jeweils vier Personen Platz. Ich saß mit einer chinesischen Familie zusammen, eine Mutter, ihre Tochter und der Neffe. Das Mädchen hat den schönen Namen Yulin, was „Regenwald“ bedeutet, und ist 18 Jahre alt. Wir haben uns sofort ganz gut verstanden, und da ihr Englisch tatsächlich noch schlechter ist als mein Chinesisch (oder sie das zumindest geglaubt hat) haben wir uns überwiegend auf Chinesisch unterhalten, gut für mich.

Irgendwann habe ich ein paar Worte mit dem anderen Ausländer gewechselt, um festzustellen, dass er auch Deutscher ist. Seine ersten Worte waren, „Ich hätte nicht gedacht, dass es hier so scheiße ist“. Er meinte damit, dass es so viele Boote und Menschen auf dem Fluss gibt. Ich denke, er hat sich Yangshuo viel abgeschiedener und weniger touristisch vorgestellt. Als er mir aber erzählt hat, dass er nur ein paar Tage in China ist und kein Wort Chinesisch spricht… Da habe ich ihn gefragt, wie er denn gedachte, in den „nicht touristischen“, abgelegenen Gebieten zurechtzukommen. Auf den Einwand wusste er auch nicht so direkt etwas zu sagen.

Ich habe mich am Ende der Tour mit dem chinesischen Geschwisterpaar für den Nachmittag verabredet. Die beiden wollten eine Tropfsteinhöhle sehen, also bin ich mitgegangen – obwohl ich mir schon vorstellen konnte, dass es wieder eine totale Massenveranstaltung werden würde. Aber, allein reisen schön und gut, doch ich habe auch gern Gesellschaft, wenn ich etwas unternehme.

Wir haben uns mit dutzenden von Leuten zusammen durch die Höhle gequetscht, aber man muss sagen, dass es auch eine sehr beeindruckende Tropfsteinhöhle gewesen ist. Nicht, dass ich schon so viele Tropfsteinhöhlen gesehen hätte, das war die zweite… Einige Formationen hatten wieder lustige (oder bedeutungsvolle) Namen – so wie zum Beispiel „der Buddha, der gerade eine Lektion gibt“.

Dieses Gebilde heißt "Chinesische Mauer" - finde ich einleuchtend

Um fünf Uhr waren wir wieder in Yangshuo. Die beiden sind zu ihrem Hotel gegangen und ich an den Fluss, um noch eine halbe Stunde draußen zu sitzen, bevor ich ins Hostel zurückgehe und mich endlich mal ausruhe. Zufällig bin ich dann aber mit einem chinesischen Mädchen ins Gespräch gekommen, die in meiner Nähe am Wasser saß. Kurz danach hat sich noch ein anderes chinesisches Mädchen dazugesetzt, weil sie unsere Unterhaltung gehört hat. So hatten wir alle etwas davon: Ich hatte Gesellschaft und die beiden Chinesinnen jemanden, mit dem sie Englisch sprechen konnten.



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...
Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie schnell du dort Bekanntschaften mit "fremden" Leuten machst.
Wie einfach das geht. Man quatscht und schon hat man eine Reisegruppe gefunden ^^

Hier wäre das fast unvorstellbar.
Wenn hier ein Chinese ganz alleine auf einem Rheindampfer sitzt, dann würde er dort auch alleine sitzen bleiben. Keiner käme auf die Idee den anzuquatschen um ihn hinterher noch auf eine neue Tour einzuladen.

Schade! Deshalb finde ich es immer so toll, wenn du gleich akzeptiert wirst.
Das du dann auch noch ihre Sprache sprichst, macht die Sache nur umso leichter.

Schöne Bilder übrigens. Ich finde es ja immer etwas komisch, wenn man aus einer Tropfsteinhöhle so ein buntes Ding macht, aber es sieht trotzdem sehr schön aus.

Liebe Grüsse,

Jessi

~ Geschrieben von Sui am 16.07.2010 um 11:54 PM Uhr


Liebe Jessi,
es hat alles zwei Seiten: Ich bin hier ein Exot, obwohl bzw. gerade weil ich die Sprache ein bisschen spreche. Das macht die Leute neugierig und auf Reisen ist das manchmal ein echter Vorteil für mich - die Bekanntschaften ergeben sich mehr oder weniger von selbst.

Aber richtige Freunde zu finden ist hier auch nicht einfacher als anderswo. Für mich dann sogar noch schwieriger, weil ich automatisch denke: Redet der/die jetzt nur gern mit mir, weil ich ne blonde Ausländerin bin? Trotzdem habe ich auch den Eindruck, dass die Chinesen irgendwie geselliger sind als z.B. die Deutschen. Man sieht überall Grüppchen und Gruppen auf der Straße sitzen, die palavern, Karten spielen usw. - in jeder Altersgruppe.

Mir ist dieser Höhlenjahrmarkt eigentlich auch zu viel, aber für die Chinesen gibt es nur zwei Wege: Beleuchtung in allen Farben des Regenbogens oder gar keine *g*

~ Geschrieben von Mieke85 am 17.07.2010 um 09:34 AM Uhr







people mountain people sea
Verfasst am 16.07.2010 um 06:52 AM Uhr in Unterwegs

dajia hao,

ich bin nun wieder in Festlandchina. Von Hongkong aus bin ich nach Shenzhen gefahren und von dort problemlos über die "Grenze" gekommen. Der Unterschied war sofort spürbar: Auf dem Bahnhof von Shenzhen habe einen Angestellten freundlich auf Englisch nach dem Gleis gefragt und ein ebenso freundliches "wo ting bu dong" (Ich verstehe nicht) als Antwort bekommen. Das ist das China, das ich kenne - perfekt, um die Sprache anzuwenden.

Der Zug nach Guilin fuhr über Nacht und es war eigentlich ganz angenehm, nur zehn Stunden. Schlafen konnte ich wegen des Geruckels aber nicht wirklich gut. Morgens habe ich dann von Guilin aus einen Bus nach Yangshuo genommen, die jede halbe Stunde fahren. Ich war schon ganz zufrieden mit mir, weil ich den Weg allein gefunden hab und auch sonst alles erstaunlich gut geklappt hat - und dann hatte der Bus zwischen Guilin und Yangshuo einen Motorschaden. Immerhin keinen platten Reifen, mit dem hätte man ja theoretisch weiterfahren können (der Busfahrer hätte es womöglich versucht). Also eine Stunde warten auf der Standspur. Mit einem anderen Bus sind wir dann endlich in Yangshuo angekommen.

Ohne Karte oder Orientierungsvermögen, aber mit dem Wissen, dass das Hostel ganz in der Nähe sein muss, habe ich mich auf den Weg gemacht. Aus reiner Sturheit habe ich auch die Taxis/Mopeds/Fahrräder abgelehnt, die mir an jeder Ecke lautstark als Transportmittel ("Lady! Taxi???") angeboten wurden. Angekommen bin ich nach über einer Stunde und mit einem Ticket für die "Li River Boat Tour", das mir eine Verkäuferin in einem Reisebüro angedreht hat. Tatsache ist, dass ich für die Tour, die in Guilin 120 Yuan kostet, hier nur die Hälfte kostet. So hat der kleine Umweg doch noch etwas gebracht.

Beim meinem ersten Spaziergang durch Yangshuo habe ich mich gefühlt wie... eine Taube. Wer von euch die Simpsons guckt, kennt vielleicht die Szene, in der Homer und Bart über den Jahrmarkt laufen und Homer sich in den Augen eines Budenbesitzers in eine riesige pfeifende Taube mit Taschen voller Geld verwandelt... Was ich sagen will, Yangshuo ist extrem touristisch. Da passt absolut das chinesische Sprichwort "ren shan ren hai" (Ein Menschenberg, ein Menschenmeer. Oder eben: people moutain people sea *g*) - die Touristen werden in Massen durch Yangshuo geschleust.

Die Landschaft ist aber wirklich atemberaubend.

Ich bin gestern Nachmittag noch etwas durch die Stadt gelaufen und runter zum Fluss, wo ich eine Weile die Füße ins Wasser gehalten und ein paar Jungs dabei zugeschaut hab, wie sie versucht haben, mit Harpunen Fische zu fangen. 

Duzende Künstler mit mehr oder weniger großem Talent standen an der Promenade, um das Panorama zu malen

Zurück im Hostel dachte ich, hmm, eigentlich bin ich total kaputt - aber es ist doch erst halb sechs Uhr... Mein Körper hat mir die Entscheidung dann aber abgenommen. Ich habe plötzlich total schlimme Bauchkrämpfe bekommen, dass ich mich nur noch flach auf den Rücken legen und schlafen konnte. Dafür bin ich heute nach elf Stunden Schlaf und bei bester Gesundheit um halb sechs Uhr aufgestanden. Alles was dazwischen passiert ist – jetzt ist es zehn Uhr – erzähl ich vielleicht morgen. Jetzt bin ich einfach nur hundemüde, aber es war ein schöner Tag 

Die Innenstadt von Yangshuo - alles auf Tourismus ausgerichtet

Der Park



[2] Kommentare

sooo schön....
sieht echt ganz toll aus! schön, dass du jetzt auch noch solche seiten des landes siehst. hab weiterhin eine geile zeit!


~ Geschrieben von Vally am 16.07.2010 um 01:50 PM Uhr


:)
Bald darfst du bitte auch ganz viele schöne Fotos schicken! Als Entschädigung dafür, dass du nicht auf mich wartest...

~ Geschrieben von Mieke85 am 16.07.2010 um 11:41 PM Uhr







Auf die Größe kommt es an
Verfasst am 12.07.2010 um 10:27 PM Uhr in Unterwegs

An meinem letzten Tag in Hong Kong wollte ich eine Sehenswürdigkeit besuchen, deren Name eigentlich schon alles sagt: Der Big Buddha auf Lantau Island. Vorher habe schon mehrere Leute getroffen, die ihn schon gesehen hatten. Auf meine Frage, was denn am Big Buddha so besonders sei, folgte erst verdutztes Schweigen und dann: Nun ja, er ist eben groß. Genauer gesagt: Eine mehr als dreißig Meter hohe Bronzestatue auf der Spitze des Berges.

Mindestens genauso beeindruckend fand ich aber die Landschaft drumherum, weshalb ich nach den obligatorischen Touristenfotos noch ein bisschen gewandert bin. Es waren viele Touristen unterwegs, aber der Wanderweg, der direkt hinter dem Kloster begann, war fast verlassen - bezeichnender Weise lautet sein Name auf den Schildern "Wisdom Path". Das kommentiere ich jetzt mal nicht.

Es war wunderbar ruhig, und am Ende des Pfades waren einige halbierte Baumstämme mit chinesischen Weisheiten (die ich aber nicht entziffern konnte) aufgestellt. Man konnte einige Treppenstufen den Berg hinauf laufen, und dahinter führte ein Pfad bis auf die Spitze. Dort war ich dann tatsächlich ganz alleine, weil es wohl kein "offizieller" Weg ist. Die Aussicht war gigantisch und hat mich zu einigen Fotos inspiriert:



Morgen Abend fahre ich mit dem Nachtzug von Shenzhen nach Guilin und dann weiter nach Yangshuo. Mit Glück habe ich in Yangshuo auch WLAN, dann melde ich mich wieder. Bis dann, yi lu ping an - gute Reise :)!
 



[1] Kommentare

TOLL !!
Einfach phantastische Bilder ! Fast schon schade das ich deinen Blog in den nächsten Wochen nicht verfolgen kann.... aber naja.... so ein eigener Urlaub hat auch was :-) ;-)

~ Geschrieben von Enana13 am 15.07.2010 um 03:04 PM Uhr







Und wo ist das Lama?
Verfasst am 11.07.2010 um 09:57 PM Uhr in Unterwegs

hallo zusammen,

heute hatte ich das Kontrastprogramm zum quirligen Stadtleben. Meine deutsche Bekanntschaft und ich sind für 25 HK-Dollar, also ungefähr 2,5 Euro, nach Lamma Island gefahren. Weil Sonntag ist, dachten wir, dass es bestimmt voll werden würde. Aber kein Stück - für chinesische Verhältnisse war diese wunderschöne Insel praktisch menschenleer. Dafür gab es umso mehr handtellergroße Spinnen, die überall zwischen den Bäumen ihre Netze gespannt hatten (gut, dass ich keine Wahnsinnsangst vor Spinnen habe, im Gegensatz zu der anderen Deutschen). Auf unserem Weg von einem Ende der Insel zum anderen sind wir aus purem Zufall einem Deutschen begegnet, der auf der Insel lebt. Er hat augenzwinkernd erklärt, dass die Chinesen hier doch gar nicht überleben könnten: Was wäre, wenn der Handyakku zur Neige ginge oder die Batterien der Spielkonsole leer sind? Und an den Strand legen sie sich sowieso nicht, aus Furcht vor Sonnenbräune. Das Wasser war durch die nahe gelegene Großstadt leider voller Plastikmüll. Abgesehen davon waren Sicherheitsnetze gespannt - wegen der Haie. Ob es denn wirklich Haie gäbe, haben wir gefragt: Ja, meinte er, und die Netze seien dazu da, um die Haie vor den Chinesen zu beschützen.

Ich war absolut begeistert, dass es so nahe an Hong Kong so ein idyllisches Plätzchen gibt, fast einen richtigen Dschungel mit großen Bananenstauden und Schmetterlingen. Die Spinnen und Schlangen nicht zu vergessen - obwohl wir letztere nicht gesehen haben.

Riesige Krabben und Hummer
 

Die "Kamikaze Grotte" XD Es handelt sich dabei um einen künstlichen Stollen, in dem die Japaner Boote verstecken wollten... oder so.

Dies ist ein Suchbild. Such die Monsterspinne!

... und schon geht es wieder zurück in die Zivilisation.



[1] Kommentare

*lach*
" .. und die Netze sind dazu da die Haie vor den Chinesen zu beschützen."

*lach* ... das sagt ja einiges... schön das es Dir auf deiner Reise so gut geht. Noch 5 Tage, dann mache ich mich für (leider nur 3 Wochen) auf nach Norwegen mit dem Wohnmobil. Eine Route haben wir nicht so Recht... Südschweden ist auch nett... wir werden sehen wohin der Wind uns treibt... Also Dir noch einige wundervolle Tage !!

Liebe Grüße
Enana

~ Geschrieben von Enana13 am 12.07.2010 um 02:23 PM Uhr








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