Auf zur Spitze
Verfasst am 11.07.2010 um 12:12 AM Uhr in Unterwegs

nimen hao,

meine nächste Etappe steht jetzt fest – ich habe mir heute ein Zugticket von Shenzhen nach Guilin gekauft. Shenzhen deshalb, weil man nicht einfach so von Hong Kong nach Festlandchina spazieren kann. Das ist rechtlich gesehen das Passieren einer Grenze, und Shenzhen ist mittendrin. Ich habe sowohl in Shanghai bei der Visabehörde als auch bei China Railway noch einmal gefragt, ob das mit meinem Visum klar geht, und beide meinten, ja. Nichts desto trotz habe ich ein ungutes Gefühl, weil auf meinem Visum eine Einreise steht. Ich habe das verlängerte Visum in Shanghai beantragt, das heißt, logisch gesehen darf ich einmal aus China aus und wieder einreisen – aber Logik ist in der Bürokratie nicht immer die treibende Kraft.

Ich werde also von Shenzhen nach Guilin und dann mit dem Bus weiter nach Yangshuo fahren. Warum und wo ist das? Yangshuo, so hat mir eine Deutsche hier im Hostel vorgeschwärmt, sei viiiel schöner als Guilin. Mein Lonely Planet China hat das verifiziert. Also habe ich beschlossen, zwei Tage in Yangshuo (nicht weit von Guilin) zu verbringen und zwei Tage in Guilin selbst, um dann weiter nach Xi’an zu fliegen. Gut oder nicht gut? Ich finde gut   

Ich habe mir ja vorher ein bisschen Sorgen gemacht, ob mir das alleine Reisen tatsächlich zusagen wird. Es ist in erster Linie natürlich sicherer, in einer Gruppe zu reisen. Außerdem hat man jemanden, mit dem man das Schöne teilen kann. Bis jetzt fühle ich mich aber sehr wohl. Es ist wirklich ein Vorteil, dass ich alles in meinem Tempo machen kann – das bedeutet in meinem Fall, gemächlich. Ich kann in aller Ruhe Fotos machen, Einstellungen ausprobieren (und wer schon mal dabei war, wenn ich Fotos mache, weiß, wie lange das dauern kann…). Besonders den ersten Tag allein am Hafen habe ich sehr genossen. Gleichzeitig ist es schön, wenn man ab und zu Gesellschaft hat – im Hostel unterhält man sich zwangsläufig mit verschiedenen Leuten und verabredet sich auch für gemeinsame Aktivitäten. Außerdem habe ich eine Freundin in Hong Kong, die ich noch aus Beijing kenne. Mit ihr habe ich den Nachmittag verbracht und die atemberaubende Aussicht vom Victoria Peak auf mich wirken lassen. Hong Kong Island ist von Hügeln umgeben, und The Peak ist der höchste Punkt. Das Tolle ist, dass eine alte Trambahn nach oben führt – es geht wirklich steil nach oben. Typisch für China mussten wir über eine Stunde anstehen, um in die Bahn zu kommen. Die Aussicht war aber einfach, Woah…

 

Hong Kong Island und Kowloon in der Abenddämmerung...

... und nochmal bei Nacht

Die Meerseite

Habe ich schon erwähnt, dass ich Hong Kong absolut genial finde? Die Sprache der Einheimischen ist Kantonesisch, viele beherrschen aber auch Mandarin und Englisch. Aufgrund seiner Geschichte ist die ganze Atmosphäre in Hong Kong völlig anders als in anderen chinesischen Großstädten. Als Ausländerin mit blonden Haaren falle ich hier kaum auf, werde nicht fotografiert und es schreit mir auch keiner „Hellooo“ oder „Laowai!“ hinterher. Das ist zur Abwechslung auch mal ganz angenehm. Die Hong Konger lächeln einen auch einfach mal an (die Beijinger auch, die Shanghaier eher nicht). Die Luft ist aufgrund der Meerlage sehr gut, die Brise weht den Smog einfach weg.

Morgen fahre ich zusammen mit einer Deutschen, die ich hier kennen gelernt habe, zu einer der vielen Inseln von Hong Kong, Lamma Island. Und abends werde ich mir wohl im Barviertel das Fußballspiel anschauen – um wie viel Uhr deutscher Zeit findet das eigentlich statt? Wenn es zu spät wird, werde ich evtl. einfach ein bisschen Vorfreude zelebrieren und dann ins Bett gehen 



[6] Kommentare

Wow,
die Bilder sind wirklich smogfrei ^^

Das Spiel fängt hier übrigens um 20.30 an ;-) und laut dem Kraken Paul wird Spanien den Titel holen.

Liebe Grüsse,

Jessi

~ Geschrieben von Sui am 11.07.2010 um 01:22 AM Uhr


*g*
Habe ich etwas nicht mitbekommen und die Meerestiere haben die Weltherrschaft an sich gerissen?

~ Geschrieben von Mieke85 am 11.07.2010 um 10:36 AM Uhr


Schatzi,
deine Fotos sind der Hammer! *daumenhoch* viel spaß noch!

~ Geschrieben von Sonea am 11.07.2010 um 05:18 PM Uhr


Wer ist eigentlich Paul?
Ich weiß, aus der Wikipedia zitiert man eigentlich nicht:
http://de.wikipedia.org/wiki/Paul_%28Krake%29
Paul ist auch der Grund, weshalb viele nach dem Halbfinale "Calamaris für alle!" gerufen haben. :-)

Toll, jetzt hab ich Hunger drauf...

~ Geschrieben von M am 11.07.2010 um 07:11 PM Uhr


soweit
ist es schon, dass Oktopussis als Hellseher missbraucht werden. Das arme Tier kann man doch bloß noch erlösen... ich würde sogar bei der Bestattung helfen XD

~ Geschrieben von Mieke85 am 11.07.2010 um 10:13 PM Uhr


Ich bin
davon ausgegangen, dass sich das Thema Paul auch bis nach China herumgesprochen hat.
Der Wikiartikel sagt aber alles ^^

~ Geschrieben von Sui am 11.07.2010 um 10:14 PM Uhr







Viele Bäume sind ein Wald
Verfasst am 10.07.2010 um 12:30 AM Uhr in Unterwegs

Hallo zusammen,

und da bin ich schon wieder :) Die Zugfahrt nach Hong Kong ist angenehmer verlaufen, als ich gehofft hatte. "Soft Sleeper" bedeutet nicht, dass das Bett sonderlich soft ist - an Tiefschlaf ist da nicht zu denken. Dafür gibt es nur zwei Betten übereinander (anstatt drei Etagen im Hard-Sleeper-Abteil) und man hat eine Schiebetür.

Meine Reisebegleitung war ein freundlicher, zahnloser alter Mann und ein junges Paar mit der einjährigen Tochter. Zuerst war es etwas komisch, aber da ich mich zumindest rudimentär verständigen konnte, ist es richtig lustig gewesen. Die Familie reiste nämlich zusammen mit einer anderen Familie aus einem anderen Abteil, und das Abendessen wurde kurzerhand zu uns verlegt. Dafür war ich auch eingeladen und durfte Bekanntschaft mit der dreijährigen Tochter des anderen Paares machen. Das Mädchen hörte auf den unmöglichen Namen Candy. Dazu muss man sagen, dass die Eltern ziemlich stolz darauf waren, dass ihr Kind einen englischen Namen hat, obwohl es noch so klein ist...

Die Verständigung war manchmal etwas frustrierend für mich - der Vater aus meinem Abteil hat extra alle ermahnt, sie sollen bitte putong hua sprechen, also Standard-Chinesisch. Eigentlich kommen sie aus Shanghai und sprechen Dialekt, von dem ich wirklich kein Wort verstehe. Ich habe auch so nur die Hälfte verstanden, aber im Zweifel hilft immer nicken und lächeln. Einen Witz habe ich immerhin mitbvekommen: Der Vater meinte, seine einjährige Tochter spreche noch weniger Chinesisch als ich, der könne ich noch etwas beibringen. Die war sowieso total niedlich, auch wenn sie abends ungefähr 1,5 Stunden gebrüllt hat. Durch sie habe ich einige neue Wörter gelernt, die der Papa ihr - und damit indirekt mir - erklärt hat. Unterhaltungen mit Kindern, egal welche Sprache, sind sowieso zum Schießen: "Schau mal, dort ist ein Berg." - "Gege!" - "Der Berg hat viele Bäume. Siehst du die Bäume?" - "Gege?" - "Viele Bäume sind ein Wald." - "Gege..." (Schließlich habe ich gefragt, was "Gege" bedeuten soll. Antwort: Shanghai-Dialekt für "schlafen" ^^)

Richtig gut geschlafen habe ich nicht, dafür aber acht Stunden Fahrt verdöst. So kam mir die Fahrt wirklich nicht so lang vor, wie sie war. Um 15 Uhr habe ich ins Hostel eingecheckt, geduscht, ausgepackt, Geld gewechselt. In Hong Kong bezahlt man mit Hong Kong Dollar, die unheimlich farbenfroh sind und damit aussehen wie Spielzeuggeld.

Ich hatte mir schon in Shanghai eine Karte von Hong Kong gekauft und außerdem den Lonely Planet China von meiner Mitbewohnerin geliehen bekommen. Sie habe ich mich gleich auf den Weg gemacht, um meine Umgebung zu erkunden. Hong Kong besteht aus vielen Inseln, mein Hostel befindet sich auf Hong Kong Island. Die Straßen sind nicht halb so überfüllt, wie ich befürchtet hatte, und der westliche Einfluss ist unübersehbar. Die klapprigen alten Trambahnen zum Beispiel, die quer über die Insel fahren.

Damit bin ich zum Central Pier gezockelt, von wo aus man nach Kowloon kommt oder eben zu einer der vielen anderen Inseln. Ich hatte heute unheimliches Glück mit dem Wetter, blauer Himmel und weiße Wolken. Die Aussicht hat mir den Atem verschlagen... Die Fähre von HK Island nach Kowloon fährt alle 10 Minuten, dauert knapp genauso lang und kostet 2 HK Dollar (also ungefähr 20 Cent). Ich werde also noch sehr oft hin und her fahren, denn es macht total Spaß. Ich bin noch ein bisschen über die Einkaufsstraße geschlendert und habe mir die Gucci und Prada-Geschäfte von außen angeschaut. Der Rückweg zum Hostel bei Nacht war mindestens genauso spannend wie der Hinweg, und bis jetzt kann ich sagen: Hong Kong ist toll :)!

Kowloon von Hong Kong Island aus gesehen

Die Star-Ferry

Links: Hong Kong Island bei Sonnenuntergang, von der Fähre aus



[1] Kommentare

dann mall...
... dir auch noch ganz viel spaß beim reisen. und viele grüße von ashton zurück! ;-)

~ Geschrieben von Sonea am 10.07.2010 um 01:19 PM Uhr







bags packed and a pass for the rail...
Verfasst am 8.07.2010 um 01:24 PM Uhr in Unterwegs

Dajia hao,

dies ist mein letzter Eintrag aus Shanghai… Mein Rucksack ist gepackt (nagut, eigentlich liegen noch alle Sachen drum herum verstreut), der Zug nach Hong Kong geht um halb sieben Uhr. Morgen gegen ein Uhr mittags komme ich an, also 18 Stunden Fahrt. Im Softsleeper-Abteil, das lässt sich schon aushalten 

Gezwungener Maßen nehme ich mein Notebook mit, das heißt, ich werde mich wahrscheinlich bald wieder melden und Fotos einstellen. Sooo lang wird die Reise von der Zeit her nicht, in ca. 10 Tagen will ich schon in Beijing sein.

Drückt mir die Daumen dass ich a) nicht beklaut werde und b) keine Lebensmittelvergiftung bekomme. Alles andere fügt sich schon irgendwie – ich freu mich jedenfalls drauf 



[4] Kommentare

Ich wünsch
dir Erfolg in allen Punkten und eine schöne Reise.
Wie schnell doch die Zeit vergeht...

~ Geschrieben von Sui am 8.07.2010 um 01:58 PM Uhr


Na dann ...
... wünsche ich Dir eine gute Reise!!!

Pass auf dich auf :-)

~ Geschrieben von Enana13 am 8.07.2010 um 02:20 PM Uhr


juhuuu!
und los gehts!!! hab ganz viel spaß und meld dich!
softsleeper... heißt das, man liegt weich, oder der schlaf ist soft und man kommt verflucht nochmal nicht in die tiefschlafphase? :-P naja, du wirst es rausfinden...
ganz viele grüße von michi

~ Geschrieben von Sonea am 8.07.2010 um 03:49 PM Uhr


Danke
euch für die guten Wünsche, es scheint geholfen zu haben :)

@ Romy: Grüß Michi zurück!

~ Geschrieben von Mieke85 am 10.07.2010 um 12:49 AM Uhr







Zirp, Pieps, Miau, Wuff
Verfasst am 4.07.2010 um 09:01 AM Uhr in Unterwegs

Ich höre doch die Klagen über die Hitzewelle in Deutschland bis hierher, aber keine Sorge: Mir geht es auch nicht besser. Vielleicht ein bisschen, weil die Räume hier mit Klimaanlagen bestückt sind, hehe. Doch draußen zerfließt man bei 36 Grad und 95 % Luftfeuchtigkeit.

Ich habe mich gestern mit zwei Deutschstudenten zum Mittagessen getroffen, und recht spontan hat es heftig angefangen zu gewittern. Trotzdem sind wir unserem Plan gemäß nach dem Essen in den "Blumen-, Fisch-, Vogel- und Insektenmarkt" gegangen. Weil dieser sich draußen befindet und nur notdürftig überdacht ist, waren wir praktisch die einzigen Besucher, während die Händler das schlechte Wetter abgewartet haben. Der Markt hat die typischen engen Gassen und es gibt dort alle Arten von Tieren zu kaufen, auch Katzen, Kaninchen und andere Fellträger. Besonders zahlreich sind aber die beliebten chinesischen Singvögel und zirpenden Grillen gewesen.

Über die Haltungsbedingungen der Tiere muss ich wohl nicht viel sagen - so ein Tiermarkt, den es in vielen chinesischen Städten gibt, ist nichts für zart Besaitete. Besonders die Vögel, die auf engstem Raum eingepfercht waren und deren Käfige in dunklen, feuchten Ecken standen, haben mir leid getan...

Xia und Jin mit den Beos

Singvogel-Küken

Fische, Frösche, Schildkröten, Reptilien, Krabben...

Eine Krebsart mit blauem Rumpf und nur einer voll ausgebildeten Schere - noch nie vorher gesehen. Kommt von der Insel Hainan.

Leguane

 

Wie die Chinesen gern sagen: mei banfa (wörtlich: (es gibt) keine Methode). Es ist eben so, da ist nichts zu machen.

 



[4] Kommentare

naja...
... ehrlich gesagt finde ich es so fast besser als in Deutschland. Es wird eben nichts verschleiert, während es in Deutschland auch Tierversuche gibt, grausame Tiertransporte und Massentierhaltung. Nur wird das alles vom Kunden ferngehalten und stattdessen mit hübschen Bildern von glücklichen Tieren auf der Verpackung ausgestattet. Da belügen sich die Deutschen einfach auch ein stückweit selbst...

~ Geschrieben von Sonea am 4.07.2010 um 03:53 PM Uhr


Hmm
ja man müsste die Haltung mal objektiv vergleichen, also nicht nur Haustiere, sondern allgemein. Wenn sich die Deutschen/Ausländer über Tierhaltung in China aufregen, beziehen sie sich ja vor allem auf "Kuscheltiere", also Hunde, Katzen etc.

~ Geschrieben von Mieke85 am 4.07.2010 um 04:38 PM Uhr


naja nr.2
trotzdem stehen beispielsweise sehr viele schildkrötenarten weltweit auf den roten listen und verdienen besonderen schutz. das darf man schon auch scheiße finden. und es isst ja nu auch nicht jeder in deutschland fleisch! das sind dann die besseren menschen. so einfach funktoniert die welt ;)

~ Geschrieben von Anonymous am 4.07.2010 um 05:41 PM Uhr


d.h. also:
Es gibt (moralisch) bessere Menschen (Vegetarier) und schlechtere Menschen (Fleischesser, Chinesen...etc...).
Ist das gemeint mit, "so einfach funktioniert die Welt" ;)?

~ Geschrieben von Mieke85 am 5.07.2010 um 12:06 PM Uhr







Drachenbootfest im Grünen
Verfasst am 17.06.2010 um 06:07 PM Uhr in Unterwegs

Etwas vermisse ich wirklich in Shanghai: Die Natur. Gestern war ich mit einem Freund im Century Park, das ist eine riesige Grünanlage mitten im Stadtzentrum Pudong. Vorher haben wir den Fehler gemacht, uns an einem Feiertag (Drachenbootfest) auf die Nanjing Road zu wagen. Ein Hexenkessel, wie ich es selten erlebt habe. Das toppt beinahe noch die Expo, wie sich die (chinesischen) Touristenmassen durch diese Protzallee quetschen. In Shanghai wird das Drachenbootfest zwar nicht traditionell gefeiert - zumindest habe ich nichts mitbekommen - aber frei haben trotzdem alle.

 Im Park habe ich dann endlich mal wieder Blumen aus der Nähe gesehen und konnte mich ausgiebig dem Fotografieren derselben widmen. Danach war meine Laune dann wieder richtig gut 

Pffft, kann sich ja nicht jeder eine Spiegelreflexkamera leisten. Es geht auch bescheidener...

Pflanzenkunst

"Nicht auf die Grünflächen latschen!"

Man hat es nicht leicht, wenn man in China heiraten will. Eine dreiviertel Stunde lang musste das Brautpaar, unter Aufsicht der Brauteltern, in dieser und ähnlichen Positionen verharren. Begleitet wurde das vom immer gleichen Dialog: 

Fotograf: "mei nü, hen piao liang. zhun bei! yi, er, san..." ("Hübsche Frau, sehr schön. Bereitmachen! Eins, zwei, drei...") *knips* Das Paar (danach): "xing ma?!" ("Gut so?!") Fotograf: "bu xing. zai lai yi bian." ("Nicht gut. Noch einmal!")

Zurück in der grauen Realität...



[2] Kommentare

Wow...
das sind ja echt schöne Bilder ^^

~ Geschrieben von Kitty2008 am 20.06.2010 um 03:14 PM Uhr


Unbenannter Kommentar
Danke :)

~ Geschrieben von Mieke85 am 21.06.2010 um 08:23 PM Uhr







Der EXPO-Wahn(sinn)
Verfasst am 7.06.2010 um 10:51 AM Uhr in Unterwegs

"Und, wie sind die Chinesen?"
- "Zahlreich, vor allem zahlreich."

Dieses Zitat, dessen Quelle ich im Moment leider nicht mehr weiß, bewahrheitet sich bereits jeden Tag in der U-Bahn. Doch zumindest die Shanghaier benehmen sich in dieser Situation relativ zivilisiert und bringen außer der typischen Ignoranz aller Regeln der Höflichkeit auch eine ordentliche Portion Geduld und Gleichmütigkeit mit. Nicht so auf der Expo. Dort kommen Chinesen aus ganz China zusammen, und jeder von den bis zu 600 000 (!) Besuchern pro Tag ist sich selbst der nächste. Das Ergebnis ist fast unbeschreiblich, aber zum Glück gibt es Fotos. 

Doch von Anfang an: Gestern sind meine Mitbewohnerin und ich mit einigen unserer Grundstufenschüler auf der Expo gewesen. An einem Sonntag eigentlich schon eine blöde Idee, aber anders ging es nicht. Nun wollten die aber unbedingt in den deutschen Pavillon, also sind wir um viertel nach sieben Uhr losgefahren und standen pünktlich zur Öffnung des Geländes am Eingang. Um neun Uhr sind wir direkt zum deutschen Pavillon getrabt. Die erste Stunde anstehen war wirklich eine Grenzerfahrung. Tausende Chinesen wollten nämlich ebenfalls hinein, und so waren wir von einem schiebenden, schubsenden und brüllenden Menschenmeer eingekesselt. Als sich knapp vor uns ein paar Leute zu streiten begannen, war ich ganz kurz davor zu flüchten, aber dann sind dutzende von Polizisten in die Masse gepflügt und haben für Ruhe und Ordnung gesorgt. Als wir diese erste Etappe überstanden und zu den Absperrgittern gelangt sind, waren wir bereits in drei oder vier Grüppchen auseinander gefallen und konnten uns beim Durchlaufen der Gänge alle zehn Minuten 'Guten Tag' sagen und Essen, Getränke etc. austauschen. Das war auch notwendig, denn wir haben sage und schreibe fünf Stunden angestanden, um in den Pavillon zu kommen. Bei 28 Grad im Schatten - und Schatten gab es auch nur, weil ich der chinesischen Sitte folgend einen Sonnenschirm mitgenommen hatte.

Man kann nun darüber streiten, ob sich das Anstehen letztendlich gelohnt hat, aber interessant war der deutsche Pavillon schon, und man hat sich wirklich Gedanken zum Thema der Expo ("Better City, Better Life") gemacht. Moderne Technologien, Umweltschutz, erneuerbare Energien usw. Das Highlight war eine riesige Kugel, die zu schwingen beginnt, wenn man Lärm macht.

Um drei Uhr nachmittags haben wir den deutschen Pavillon wieder verlassen und haben dann trotz Erschöpfung noch einige andere Pavillons angeschaut, unter anderem Monaco, Norwegen, Dänemark und Italien. Für meine Begriffe habe ich an diesem Tag wirklich eine außerordentliche Ausdauer bewiesen, aber als wir um halb acht Uhr abends aus dem italienischen Pavillon gekommen sind, habe ich aufgegeben. Ich habe auch deshalb so lange durchgehalten, weil es mit den Studenten unheimlich viel Spaß  gemacht hat und ich dabei auch ein bisschen Chinesisch üben konnte. Um acht Uhr bin ich aber mit einigen anderen, die auch nicht mehr konnten, zurückgefahren, während andere tatsächlich noch losgezogen sind, um für den französischen Pavillon anzustehen.

Ich könnte jetzt noch viel mehr schreiben, aber das war's erst mal zu diesem Besuch der Expo. Ich bin damit noch nicht durch, weil mich nächste Woche ein Freund aus Peking besucht, der natürlich auch auf die Expo will. Na dann los...

Hier noch paar Schnappschüsse:


 Auf in den Krieg...

Gut, wenn man jemanden wie Tao dabei hat, der einem die ganze Zeit den Schirm hält

"Victory!" - wir sind drinnen. Die Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg

Falls jemand in letzter Zeit in Kopenhagen war und sich wunderte, wo die kleine Meerjungfrau geblieben ist - ich weiß es. Und ja, das ist wirklich die echte.



[4] Kommentare

Warum...
...biedert sich Deutschland mit seinem Expospruch denn so an China an? Hat Norwegen doch auch nicht...?! Und links von dem Spruch ist das ein Deutscher, der einer Chinesin um die Schultern fasst? Da finde ich die Bildsymbolik wiederum sehr interessant. Ungewollt? Wie interpretieren das die Chinesen? Wahrscheinlich gar nicht, weil kein Arsch sich das dämliche Plakat so lang angucken wird. ;-)

~ Geschrieben von Epiny am 7.06.2010 um 06:02 PM Uhr


^^
Zu Frage eins: Vielleicht ist der Pavillon ja von VW gesponsert, aber darüber habe ich keine genauen Infos, und zu zweitens: Das die ausländischen Männer ihre Finger nicht von den Chinesinnen lassen können, ist man hier schon gewohnt...

~ Geschrieben von Mieke85 am 7.06.2010 um 06:56 PM Uhr


Eis...
..die haben heute im Radio gesagt in Shanghai gibt es "Grüne-Bohnen-Eis". Da sollen auch STücke von grünen Bohnen drin sein. Das passt zwar jetzt nciht zur Expo, aber ich will, dass du das probierst!!
p.s. ich hoffe, die karte ist unterwegs!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

~ Geschrieben von Vally am 8.06.2010 um 02:55 PM Uhr


also...
liebste Vally, wenn du von DER Karte sprichst, die ist sowas von unterwegs, die müsste eigentlich schon bald mal ankommen.
Falls du allerdings von den Massen an ausstehenden Karten sprichst, die da noch aus der Gegenrichtung kommen müssten, da kann ich dir nur mal wieder den berühmten Wink mit dem Zaunpfahl empfehlen. Vielleicht bringt der ja was!
*wink*
*rumms*
*autsch*
*kartenabschick*
*vieleleuteimgutenaltenwestenfreuensich*

~ Geschrieben von Epiny am 9.06.2010 um 09:27 PM Uhr







Tausend Inseln - Tausend Fotos
Verfasst am 30.04.2010 um 10:10 AM Uhr in Unterwegs

Nagut, ganz so viele Fotos habe ich am Qian Dao Hu nicht gemacht - aber der Titel klingt besser Ich habe mal wieder ein Video geschneidert, diesmal mit chinesischer Musik. Viel Spaß!



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Ausflug nach Zhenjiang
Verfasst am 28.04.2010 um 08:43 PM Uhr in Unterwegs

nimen hao,


am Wochenende war ich also in Zhenjiang, einer kleinen Stadt (2,4 Millionen Einwohner) etwa 250 Kilometer nördlich von Shanghai. Meine Freundin hat mich vor der Ankunft gewarnt: Hier lernst du das richtige China kennen, Beijing oder Shanghai sind nicht China. So schlimm fand ich Zhenjiang dann nicht. Allerdings habe ich zum ersten Mal eine chinesische Siedlung von Innen gesehen:



In solchen schmucken Blocks wohnen auch hier in Shanghai viele Chinesen. Wir Ausländer werden meistens in den besseren Wohngebieten untergebracht. Die Wohnung selbst war allerdings ziemlich gut, mit einer richtig großen Küche, gut erhaltenen Möbeln und zwei Schlafzimmern.


 Am Freitagabend sind wir mit einigen anderen Europäern in ein ziemlich nobles japanisches Restaurant gegangen. Für den stolzen Preis von 150 Yuan pro Person, also für China ein kleines Vermögen, haben wir einen eigenen Tisch mit Koch bekommen. Er hat alles gekocht, was wir wollten, und Sake gab es ebenfalls reichlich.



 Es ist also ein lustiger Abend geworden... Danach sind wir noch in den einzigen Club von Zhenjiang gegangen, wo seltsamer Weise alle Kellnerinnen als Krankenschwestern verkleidet waren - Mottoabend. Auf die gleiche Weise, wie ich damals in Beijing an meine Weihnachtsdekoration gekommen bin (lieb fragen) habe ich dort ein Krankenschwesternkäppchen stibitzt. Das hat jetzt allerdings Hanna, eine Amerikanerin, die auch zur Truppe gehörte.


Das restliche Wochenende haben wir noch ein bisschen Zhenjiang erkundet, was kein allzu großer Aufwand war. Die Touristenattraktion ist ein großer See mit einer Insel in der Mitte, aber das wars dann auch schon. Für zwei Tage war es aber ein netter Ausflug und es hat mich zu Nachdenken gebracht: Ist lao wai ein unhöflicher Ausdruck oder nicht? Sowohl lao wai als auch wai guo ren heißt im Prinzip Ausländer - wir wurden mal so und mal so betitelt. Lao wai sei aber eine Beschimpfung, meint meine Freundin. Die Chinesen, die ich gefragt habe, sagen wiederum, es sei normal, das zu sagen und nicht unhöflich, ja es betone sogar den höheren Status des Ausländers.

Der schlimmste Ausdruck, den ich kenne, und bei dem es auch keinen Zweifel über die Konnotation gibt, ist yang guizi, was soviel heißt wie Gespenst oder Teufel aus dem Westen. Zu Ausländerfeindlichkeit in China habe ich einen sehr interessanten Artikel gelesen, wen es interessiert: What an idiot foreigner shows us about Xenophobia and Sexism in China.
 



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Am See der tausend Chinesen
Verfasst am 18.04.2010 um 09:50 PM Uhr in Unterwegs

Nimen hao,

an diesem Wochenende habe ich an einem Ausflug zum Qian Dao Hu (“See der tausend Inseln”) teilgenommen. Die Fahrt ist für die Deutschlehrer der Tongji-Universität kostenlos gewesen, also habe ich natürlich nicht lang überlegt. Es sollte Samstagmorgen schon um halb acht losgehen, also habe ich mir den Wecker auf halb sechs gestellt, da ich noch nicht gepackt hatte. Als ich am Samstag aufgewacht bin und auf die Uhr geschaut habe, war es kurz vor halb acht. Ich erspare euch die Details, aber ich bin tatsächlich um viertel vor acht am Treffpunkt gewesen und dann ging es los…

Ungefähr dreißig Leute waren dabei, alles chinesische Deutschlehrer und ihre Familien, bis auf drei andere Deutsche und mich. Wir hatten also die einmalige Gelegenheit, die klassische chinesische Reisegruppe hautnah mitzuerleben. Meine verzweifelten Versuche, unseren Reiseführer zu verstehen, die ausschließlich Chinesisch sprechen konnte, blieben größtenteils erfolglos. So war unsere Reiseplanung mehr oder weniger eine Überraschung, was aber auch ganz angenehm war, da man sich um nichts kümmern musste.

Unser erstes Reiseziel nach über fünf Stunden Fahrt war dann nicht der See, wie ich erwartet habe, sondern eine Tropfsteinhöhle in der Nähe des Sees. Die Höhle war als Touristenattraktion aufgemacht – komplett ausgeleuchtet mit bunten Lichteffekten. Dann war auch noch Samstag, weshalb die Touristengruppen im Minutentakt durchgeschleust wurden, angeführt von Reiseleitern mit Fähnchen und Megaphonen. Nichts desto trotz waren die riesigen Stalaktiten sehr beeindruckend.

Danach sind wir zu einem kleineren See gelaufen und haben eine kurze Fahrt auf einem Bambusboot gemacht. Das war’s dann auch schon für den Samstag, wird sind in ein Hotel eingekehrt und haben dort ausgedehnt zu Abend gegessen.

Das Boot geht nicht gerade unter... Es gehört so, dass die hohlen Bambusstämme halb unter Wasser sind

Heute sind wir dann früh morgens zum Qian Dao Hu, also dem See der Tausend Inseln, aufgebrochen. Es war, als ob jemand eine vierspurige Autobahn durch das Auenland gebaut hätte.

Die Provinz Zhejiang liegt einige hundert Kilometer südlicher als Shanghai und die Bäume sind schon alle sattgrün. Die bewaldeten Hügel mit kleinen Städtchen dazwischen sind total idyllisch, und gleichzeitig sind überall Spuren von Industrie und Tagebau zu sehen. Der See selbst ist Ende der fünfziger Jahre gestaut worden, also ein künstlicher See. Tatsächlich schauen über tausend Inseln daraus hervor, nämlich die Spitzen der Berge, die geflutet worden sind. An einer Stelle gibt es wohl eine überflutete Stadt, und einer der Lehrer hat mir erzählt, dass der Bau eines Glastunnels auf dem Grund des Sees geplant ist, um sich die Stadt anschauen zu können.

Wir sind mit einer Fähre zu verschiedenen Inseln gefahren, und obwohl das Wetter nicht besonders gut war – es hat immer wieder geregnet – war es brechend voll. Ich habe von den Inseln kaum etwas mitbekommen, weil so viele Menschen dort waren. Interessanterweise gab es keine ausländischen Touristen, weshalb wir mal wieder ziemlich viel Aufmerksamkeit erregt haben („ni kan kan, lao wai!“ – „Schau mal, Ausländer!“). Ich habe das Reisegruppen-Phänomen mit Herrn Wu, einem Lehrer, erörtert und er hat mir erklärt: Für die Chinesen muss es lebendig (renao) sein, viele Menschen, Lärm, Fotos machen usw… Nicht das, was Deutsche sich unter einem Wochenendausflug vorstellen. Irgendwann ist man einfach nur noch genervt, weil man vor lauter Menschen, Musik aus Lautsprechern und Straßenhändlern von der Natur, die eigentlich sehr schön ist, gar nichts mitbekommt. Aber ich will mich nicht beschweren, da ja alles für lau war.

Besonders amüsant waren mal wieder die englischen Übersetzungen auf den Schildern. Da ich so schusselig war, meine Kamerabatterien nicht aufzuladen, habe ich nicht so viele Fotos mit meiner eigenen Kamera gemacht – dafür mit der meiner Mitbewohnerin. Sobald ich ihr die abgeluchst habe, werde ich sie hier reinstellen. Erst einmal ein kleiner Vorgeschmack: 

 

Was ist das?
 


 

"Fish Lock

Its Shape is like fish,mtans that fish always awake and no sleep,so to pass on the significance of remainder every year and remainder of happy"

Na, jetzt schlauer? 

 



[2] Kommentare

aiyao. man lernt nie aus.
na hallo auch. das ist ja interessant: ein gras-schlamm-pferd. :) ich nehm mir das bildchen gleich mal mit auf meine website. is ok, oder?

ich hingegen kenne eine schneeseekleerehfee. magst du sie kennenlernen? ja? dann kopiert und pastet diesen link in eurem browser.

http://www.voxopop.com/topic/5a95546f-938d-4083-a13a-6d2f7cf4d01a

~ Geschrieben von mmf4 am 19.04.2010 um 01:18 AM Uhr


*g*
Das erinnert mich ein bisschen an "Die Inhaltsangabe" von Loriot:

http://www.youtube.com/watch?v=BHaW-KxA0sg

~ Geschrieben von Mieke85 am 19.04.2010 um 08:25 AM Uhr







Qipu Market
Verfasst am 11.04.2010 um 05:21 PM Uhr in Unterwegs

Heute habe ich einen zweiten Versuch gestartet, zu dem besagten Kleidermarkt zu kommen. Gestern habe ich die Bushaltestelle verfehlt und mich plötzlich in der Innenstadt auf der Nanjing Road wiedergefunden. Diesmal war ich besser vorbereitet und habe den Qipu Markt nach kurzem Suchen gefunden - und gedacht: Volltreffer! Der Lonely Planet schreibt:

"...do as the locals do and push through the hordes of people searching for T-shirts, shoes, tank tops, dresses, shorts, pretty much any item of clothing you can find for around Y50."

Das ist genauso anstrengend, wie es sich anhört. Es ist irgendwie sowohl ein Fluch als auch ein Segen, dass dieser Markt im Lonely Planet steht: Scheinbar kommen hier öfter Ausländer her, weshalb an jedem Eingang Bauernfänger postiert sind. "Lady, Lady, do you want a bag, do you want a watch? What do you want?!" Niemals sollte man mit so jemandem mitgehen (Das gilt genauso für "Taxifahrer", die an den Eingängen von Flughäfen u.ä. warten). Die bringen einen zu denselben Läden, die man auch allein finden würde, und verlangen dann horrende Preise.

Letztendlich habe ich eine Leggins für 29 Yuan und Schuhe für 60 Yuan bekommen. Das wird sicher nicht mein letzter Einkauf dort gewesen sein :)

Fakten

Die Hörverständnistexte, die ich meinen Schülern vorspiele, sind zum Teil (absichtlich oder unabsichtlich?) ziemlich absurd... Zum Beispiel:

Wang Dali und Susanne sind auf einer Party. Die Party ist sehr langweilig. Deshalb machen Wang Dali und Susanne ein Spiel. 
(Susanne:) " Pass auf! Wir machen ein Spiel... Also, ich vergleiche eine Person mit dir, und du musst die Person erraten."
(...)
(Wang Dali:) "Die Frau ist schlanker als du, etwas jünger und auch schöner als du... Aber Du bist klüger und interessanter." - "Karin?" - "Ja." - "Aber Karin ist nicht schöner als ich." - "Ok, entschuldige bitte." - "Nagut... Jetzt ich: Der Mann ist größer, kräftiger, reicher und auch klüger als du." - "Hm, den Mann kenne ich nicht."

 



[2] Kommentare

Ich hätte meinen Spaß dran
Also ich finde den Hörtext gar nicht so absurd. Für meine 8.Klasse genau das richtige!

(Leider hört man meinen Sarkasmus im diesem Kommentar nicht... )

~ Geschrieben von Turn am 11.04.2010 um 07:46 PM Uhr


Geeignet, meinst du das
vom Sprachniveau des Textes her ;)?

Also ich muss dabei an einen Sketch von Loriot denken - "Deutsch für Ausländer" ^^

Bearbeitet von Mieke85 am 11.04.2010 um 02:46 PM

~ Geschrieben von Mieke85 am 11.04.2010 um 08:44 PM Uhr








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