lebensansichten des katers murr

19:15, 9 November 2009. Von Adi

bisher hatte ich alles. anstrengende tage, lustige tage, verpeilte tage...am meisten hatte ich, feiertage. nicht, dass ihr mich falsch versteht. ich habe in letzter zeit viel gelernt und viel gesehen: besonders niedliche dörfchen, hammersonnenuntergänge an atemberaubenden postkartenstellen. ich bin auf dieser insel mehr rumgekommen, als im ganzen letzen jahr in würzburg. ich war ein paar tage in madrid, habe allein in einem hostel geschlafen, habe eine wohnung, die ich mag, mit verrückten, die ich mag. habe leute gefunden, die jetzt schon an der pinnwand in meinem herzen kleben, habe andere gefunden, die ich niemals wieder nach diesem jahr kontaktieren werde.  ich komme immer besser mit der sprache klar, habe alleine und mit der deutschlehererin kinder unterrichtet, die mich nicht verstehen. habe viel nachgedacht. wenn man viel zeit hat, hat man viel zeit zum nachdenken.

aber, ich habe auch viel gefeiert. hier in palma gibt es eine menge vergnügungsmöglichkeiten, es gibt das viertel "la lonja", ein viertel mit kleinen verschlungenen gässchen mit hervorragenden live-band-bars (wie zum beispiel den "jazz-voyeur-club" mit jam-sessions oder das "bluesville", was eine meiner lieblingsbars ist. dort habe ich bisher die verrücktesten leute kennengelernt. kifferköpfe, australische yacht-arbeiter, informatikstudenten und was weiß ich. vor allem habe ich supergute, unterbezahlte jazz-, funk-, und bluesbands gesehen.) und dann, dann gibt es da noch den fatalen "paseo maritimo", eine straße voll von clubs. die meisten sind solche, in die ich in deutschland nie gehen würde. von der sorte "loungig-langweilig, mit arroganten leuten und viieeeel zu teuer", in die ich aber auch hier in palma nicht reingehe, außer ausversehen und betrunken. mein lieblingsclub ist der kulturaklub, wo ein wilder mix aus indie und elektro kommt. das dumme ist, das ich den kulturaklub noch nie nüchtern von innen gesehen habe. das ist manchmal so, beim feiern. was auch manchmal so ist beim feiern, ist das jetzt-grad-isses-prima-gefühl und das ach-du-scheiße-gefühl, am tag danach . cool, jetz is grade prima, dass ihr fotos von mir macht, wenn ich betrunken bin. jetz is grade prima, wie peinlich wir alle tanzen. jetz isses grade prima, dass mein gehalt für diese bunten alkoholischen getränke draufgeht.  aber heute ist der tag danach! das problem am tag danach ist, dass immer nicht mehr jetzt ist, sondern eben...danach. und danach sieht man, dass man eigentlich nicht so extrem ist, wie der alkohol einen macht. und wenn man normal ist, ist man normalerweise nicht extrem. und man fragt sich immer, wenn man wieder, nach einem verlorenen durchhängertag, normal ist: WOZU ZUR HÖLLE?oder auf englisch WHAT THE FUCK?

ich hab mich das schon gefragt, seitdem ich weggehreif bin, warum zur hölle pferchen sich tausende vin menschen in einen viel zu warmen raum, warum zur hölle bewegen sie die einzeilnen körperteile unkoordiniert so unkoordiniert? warum geben sie schwitzend dummheiten von sich und warum zur höllen lachen sie grundlos? warum zur hölle, machen sie das bis sieben uhr morgens um mit viel zu wenig schlaf nach hause zu kehren und das erlebt zu haben, was sie taten? WARUM?

antwort 1:  um jemanden zum kopulieren zu finden. ernsthaft traurig. antwort 2: um in der oberflächlichkeit der gesellschaft aufzugehen. ernsthaft traurig. antwort 3: um die hemmungen zu verlieren, die sie normalerweise kontrollfähig machen. antwort 4: um unsinn reden zu können, ohne dass jemand sie für dumm hält. ernsthaft traurig. antwort 5: um dazu zu gehören. ernsthaft traurig. antowort 6: sie wollen spaß haben.

wikipedia sagt:

Spaß ist eine im Deutschen seit dem 16./17. Jahrhundert belegte Substantivbildung aus dem italienischen spasso (Zerstreuung, Zeitvertreib, Vergnügen). Das Wort wurde, angelehnt an das italienische Original, zunächst auch als Spasso geschrieben. Heute wird mit etwas macht Spaß eine Tätigkeit beschrieben, die gerne gemacht wird, die Freude bereitet. Mit jemandem einen Spaß treiben bezeichnet, dass dieser Person ein Streich gespielt wird. Der Spaß ist eine Äußerung über die gelacht werden kann, ja soll, und gilt als Bestandteil des Humors. Das Wort wird auch synonym zu Jux, Scherz und Witz verwendet. Zugehörige Adjektive sind spaßig und spaßhaft. Als Gegenbegriff gilt der Ernst.

spaß ist also sich die zeit vertreiben. aber, und mein kater hilft mir bei diesem gedanken, warum zeit vertreiben? wir sollten sie doch festhalten! und so habe ich einen entschluss gefasst. ich will mich auf wichtigere sachen konzentrieren! will aufhören, mir die zeit zu VERTREIBEN! ich will sinnvolle sachen machen, mehr sehen als den kultura-klub, betrunken, von innen. und ich werde sport machen. dabei wird mir helfen: meine heute gekaufte sportive sporthose aus dem decathlon. und mehr kultur, ich brauche mehr kultur! beginnen wird das am nächsten wochenende, es wird mein ernsthaftes, kulturelles wochenende. man muss sich sachen versprechen, damit man sie auch tut. ich verspreche mir hiermit feierlich, nächstes wochenende die zeit zu nutzen. es gibt zu vieles, dass ich hier noch nicht gesehen habe und ich werde es sehen! tata!  außerdem sollte ich mich mal mehr in meine arbeit stürzen, sonst vergesse ich noch, warum ich eigentlich hier bin: um zu unterrichten! und wo ist eigentlich mein balkon, damit ich zum volk sprechen kann?

aber naja, was man zugeben muss, mit dem abstand von einer woche oder von jahren, hatte man wirklich eine gute zeit mit diesem spaß-gehabe. weil man die verrückten sachen oder gespräche, die man in diesem fernvomkörper-zustand machte oder hatte, nie gehabt hätte, wenn wir die sache von der selbsterfahrungs-seite sehen. und gut sind dann auch die fotos, diese peinlichen, weil man sich die bilder in den kopf holt, die zeigen, was man so treibt, wenn man nicht der oder die ist, die man sonst nicht ist. und um es polemisch zu sagen: so jung simma nie wieder!

es gibt jetzt zwei möglichkeiten: nach dem nächstes wochenende, werde ich euch ein kulturprogramm von der feinsten sorte liefern, und wenn ich ausgehe, werde ich es alkoholfrei tun. oder eben nicht. das ist die zweite möglichkeit. und dann, dann bin ich wie alle anderen nichtsnutze. und werde mit meinem dicken kater wieder hier sitzen, pommes vom burgerking gegessen haben und sagen was für ein schlechter mensch ich bin, weil meine zeit vertrieben habe.

ach mit welch unwichtigen und doch so menschlichen gedanken ich euch befließe! weil ich so beflissen bin!

das muss jetzt mit sarah und emily (zwei meiner besten freundinnen hier. ich mag die kanadier! ihr müsst sie mal kennenlernen) bei einem einem bekömmlichen mahl besprochen werden. und einem glas wein, oder zwei, oder so...:-)

das erste mal...

22:28, 18 Oktober 2009. Von Adi

... heimweh. es ist der verflixte erste monat nach dem man beginnt, nachzudenken. wie in beziehungen. die erste krasse verliebtheit ist weg und man muss an der sache arbeiten und planen.

und ja, es wird sicher nicht das letzte mal bleiben. aber was sicher ist, ist das mama hilft. wenn mama da ist, ist alles gut. und mama kam gestern und bleibt zwei wochen. ich hab viel spaß mit ihr und entdecke mit ihr zusammen die insel, wenn ich nicht arbeiten muss. wir fahren in die touristisch geprägten und touristisch ungeprägten regionen und arbeiten muss ich ja, wie man inzwischen weiß nur dienstagmittwochdonnerstag.

aber vielleicht ist dieses heimweh auch gerade wegen mama da. mama erzählt geschichten aus deutschland von meiner familie, dorfklatsch und alles was dazu gehört. und das bringt mich natürlich dazu mir alles bildlich vorzustellen und natürlich auch weiterzudenken, was macht der rest meiner familie, meine freunde im moment? nicht, dass ich nicht mindestens einmal am tag daran denken würde. aber daran denken und daran denken mit  wehmut ist unterschiedlich. und skype, skype hilft auch. was wär ich im moment ohne das internet? ok, die gleiche, aber mit 10000 mill. euro hoher telefonrechnung. achso der skype- name: usbekenadi. auch wenn ich nicht lang zeit hab, es ist gut, von euch zu hören/lesen. aber naja, skypen ist eben doch nicht dasselbe wie jemandem gegenüberzusitzen, mit ihm/ihr eine tasse tee zu trinken und über die welt zu reden und über das was in einem drin passiert. und hier mit den leuten reden, die man erst einen monat kennt ist auch nicht das gleiche. aber es hilft auch. und was auch hilft, ist dass ich palma mag, und viele der leute, die ich bisher kennengelernt hab auch. ich kenne sie nur noch nicht.

ok, ich muss jetzt los (das wird man dann im skype wahrscheinlich auch öfter von mir und euch lesen) um mit sarah zusammen (einem sehr netten mädel aus kanada), mit der man auch nach einem monat schon richtig reden kann, die heimwehzwerge in einem bier zu ertränken oder zwei. in meiner lieblingsbar im moment, der bodega-bar. die ist touristisch ungeprägt, meistens jedenfalls und man versteht sein eigenes wort. und morgen, morgen hilft wieder mama aus der patsche und ein touristisch geprägter bis untouristisch geprägter ort.

zusammenfassend lässt sich sagen: Ich vermisse euch.

abgedroschen lässt sich sagen: man weiß erst was man an einer Sache/ einem Menschen hat, wenn sie nicht mehr da ist.

venga! an die arbeit.

01:18, 8 Oktober 2009. Von Adi

ich habe noch nicht genau rausgefunden, was venga! bedeutet. es beendet ein gespräch. z.B. wir sehen uns später, venga! lass es dir schmecken, venga!. venga ist einfach venga. es gehört einfach dazu. genau übersetzt würde es komm! heißen. eigentlich (wo wir wieder beim thema sind) müsste vor dem "venga!" noch ein ausrufezeichen, dass nach oben zeigt stehen. es sieht aus wie ein langes i. das ist bei den spananiern so. die müssen alles doppelt betonen, damit sie jeder, aber auch absolut JEDER hört. hören tut man (damit meine ich mich) hier sehr viel. vor allem meinen barcelonischen mitbewohner. er ist nett. nett und LAUT (die worte in majuskeln bitte gebrüllt denken), damit ihn jeder hört. es ist echt spannend, wie er in diskussionen (an denen ich immer noch nicht teilnehmen kann, weil die "chica alemana" sprachlich- eingeschränkterweise keine echte mallorquinerin bzw. spanierin ist) immer mehr gestikulierend, in meinem geistigen auge immer größer werdend, bis er ungefähr fünf meter groß ist, nie zum punkt kommt, weil er sich selbst unterbricht und ihm was anderes einfällt, was er noch sagen möchte. ich mag die spanier gerne. obwohl, "die spanier" gibt es ja nicht. da bestehen die drauf. ich mag die barcelonimienten, die valenziosianer, die madridomekiten, die mallorkozeuten -bis jetzt- und den rest vom fest kenn ich noch nicht recht -bis jetzt- (ihr merkt, die bezeichnungen sind ausgedacht, aber die endungen unterstreichen, dass diese menschen wirklich unterschiedlich sind und mir irgendwie auch fremd).

(by the way, welcher depp hat sich eigentlich ausgedacht, dass man sachen in klammern setzten kann? das stört den lesefluss doch total ( zumindest, wenn es zu viele sind))

meine anderen mitbewohner mag ich auch: eine bulgarierin (die aber seit 4 jahren hier studiert), einen schwulen typen aus extremadura (der einfach der knaller ist), und ein netter kerl aus irgendeiner spanischen ehemaligen kolonie, deren namen ich vergessen habe, der aber auch 14 std. am tag arbeitet . deswegen sehe ich ihn fast nie. und ach ja, zwei gigantöse pflanzen, die mir nicht ganz koscher sind, weil ich ganz genau weiß, was man damit macht, wenn sie fertig sind. alles in allem eine super bunte haribotüte, die kinder froh macht.

ich hatte gestern meinen ersten und heute meinen zweiten tag in der schule und es lief super, weil gloria, die deutschlehrerin, super ist. dazu gleich mehr. ich habe nämlich erfahren, dass ich noch eine zweite schule hab. das haben "die da oben" in madrid irgendwie verbaselt, verschlampt, verkaspert, verratzt, vielleicht sogar ver-siestat. das ist die zweite sache, die ich rausgefunden habe, die die spanier, außer laut sein, gut können: sachen verbaseln (wer noch ein schönes wort findet, dass so viel wie "verbaseln" meint, kriegt nen jamon ("chamon": schinken). das heißt also, ich hab meinen ersten schultag an der schule in llucmajor verpasst. man stelle sich das mal vor: die kleine adeline ist am ersten schultag nicht erschienen. und dass, weil ihr einfach niemand bescheid gesagt hat, dass schule ist. wie gut, dass ich, als ich sieben war und meinen wirklich allerersten schultag im leben hatte, alles in die hand genommen habe und nicht auf  irgendwen "da oben, vom bildungsministerium" gehört habe, sondern auf meine mama. naja, da kann ich erstmal nix machen außer eben auf nächste woche warten und gucken, ob ich jetzt noch darf/muss.

zu meiner schule in campos. sie ist nett und klein. 400 schüler von 12 bis 18 jahren. die schüler die deutsch lernen, wählen das als wahlfach, das heißt also mehr oder minder sie wollen es wirklich lernen, oder haben keinen bock auf "gartenkunde" (ist mein völligster ernst) oder können kein kunst oder musik. nehmen wir mal den ersten fall an. hier in mallorca (17. bundesblabla) gibt es natürlich auch viele deutsche kinder. habe in ein paar klassen ca 2 bis 3. das ist natürlich schwierig alles unter einen hut zu bekommen. die einen lernen, dass es nicht "wie heiße du" heißt, die anderen faulenzen und langweilen sich, weil eben deutsch als fremdsprache unterrichtet wird. ich glaube um die werd ich mich am meisten kümmern müssen, da sie wirklich scheinen, ihre muttersprache zu vergessen oder nicht schreiben zu können (extramaterial --> ich hätte bock, denen nen kafka hinzuknallen und zu fragen: na, immer noch zu leicht? aber das tue ich natürlich nicht.) die klassen in denen die schüler auf dem gleichen stand sind, werden geteilt, die eine hälfte hat grammatikunterricht (--> gloria) die andere hälfte konversationiert (--> ich). und dann wird getauscht. ich muss also unterricht vorbereiten, so in diesem augenblick eigentlich auch. EIGENTLICH!!! EIGENTLICHST!!! und deswegen an anderer stelle mehr. vor allem mehr zur freizeit, die hier im moment keinen platz findet, obwohl ich sie wirklich genieße und viel davon habe (wie die studivz-stalker unter euch im fotoalbum sehen können) naja, von arbeit macht man eben seltener fotos.

also, in diesem sinne, buenas noches für euch, an die arbeit für mich.