Kameltreiberlizenz aus fernen Landen ...

23:46, 14.11.2008. Von Pinguin

In dem nicht unbekannten Land, vor nicht allzulanger Zeit, machte sich einer unserer Helden daran, eine neue Kameltreiberlizenz für das treue Lastkamel "Mer-Cur-Y" zu erwerben. Nicht, dass der gutmütige Begleiter danach verlangte, nein, die örtlichen Autoritäten trauen einer ausländischen Kameltreiberlizenz nur ein Jahr über den Weg. Über Gründe lässt sich natürlich nur Vermutungen anstellen, die jeder Grundlage entbehren würden ... Da zu erwarten war, dass er einige Zeit bei den treuen Dienern der örtlichen Autoritäten verbringen würde, schickte er sich also an, sich schon im Morgengrauen auf den beschwerlichen weiten Weg zu machen, um seine Kenntnisse der örtlichen Vorschriften über das ordnungsgemäße Führen eines Lastkamels im Karawanenverkehr nachzuweisen.

Bevor er sich auf den Weg machte, dachte er natürlich daran, seinem Lastkamel noch etwas gutes zu tun: da "Mer-Cur-Y" beständig an trockenen Augen litt, galt es die Tränenflüssigkeit nachzufüllen. Dies gestaltete sich so lange nicht zum Problem, bis er versuchte die frontseitige Wartungsklappe wieder zu schließen - hier zeigte sich das Lastkamel widerspenstig. So bedurfte es vieler Versuche, Öl und einiger Gewalt, bevor sich Mer-Cur-Y wieder fahrbereit zeigte. Sodann war die ursprüngliche Zeitplanung von dahin, aber immerhin endlich auf dem Weg.

Auch der Wegezoll, der ordnungsgemäß entrichtet werden musste, sollte nun unseren Helden mit seinem Lastkamel nicht mehr aufhalten. An der Zollstation angekommen, galt es zwei große Silberlinge in das bereitgestellten Geldsäckel einzuwerfen. Glücklicherweise war dieses groß genug, so dass dies nicht schwierig werden sollte.


Weiter ging die Reise, und nach einiger Sucherei konnte schließlich auch der Sitz der örtlichen Kameltreiber-Lizensierungsbehörde gefunden werden. Die nächste böse Überraschung wartete dann allerdings direkt am Eingang. Nein, keine lange Schlange, aber unser Held wurde nach den Pergamenten seines Heimatlandes gefragt, die bestätigen, dass er auch dort wohne. Ihm wurde sodann klar, das diese noch in seinem trauten Heime liegen. Alsdann trat er wieder die Heimreise an, und musste feststellen, dass auf den Karawanenstraßen gerade viele Handelsreisende ihre Kamele führten, was zu weiteren Verzögerungen führte. Zudem wurde er nochmals zwei Silberlinge los, was sich an diesem Tag noch zweimals wiederholen sollte.

Als er schließlich ankam, packte er die benötigten Papier ein und machte sich wieder auf den Weg. Glücklicherweise war dieser ja nun bekannt, so dass die Sucherei erspart blieb. Dort angekommen, galt es sich zuerst am Eingang zu registrieren und sich eine Nummer geben zu lassen. Nach passabler Wartezeit durfte er seine ausgefüllten Papiere abgeben, seine Augen wurden einer kurzen Prüfung unterzogen (wo blinkt das Licht - links oder rechts? Und jetzt? Wer hätte's gedacht, auf der anderen Seite ... Und lesen Sie mal die Zahlen dort vor ...) und wurde schließlich gebeten nachzuweisen, dass er zumindest in der Theorie die wichtigsten Grundregeln des Karawanenverkehrs kennt. Der Diener der örtlichen Autoritäten fragte ihn, ob er gedenke den Nachweis seiner Kenntnisse an einem neumodischen Gerät namens Computer zu führen. Warum auch nicht, es muss ja nicht alles auf Pergament sein. Leicht verwundert, und Unsicherheit ob der ausreichend vorhandenen Sprachkenntnisse implizierend, wurde er darauf hingewiesen, dass dann alles in einer fremden Sprache, die der Einheimische "Inglisch" nannte, sein würde. Als unser Held nochmals bejahte, dass ihm dies nichts ausmache, wurde er an einen der Computer gebeten.

An diesem galt es nun, 20 allgemeine Fragen zum korrekten Antreiben seines Kamels und korrekten Verhaltens gegenüber anderen Kamelen zu beantworten. Großzügigerweise wurden ihm fünf falsche Antworten zugestanden, von denen er allerdings nur zwei in Anspruch nahm. Im nächsten Schritt galt es, am Straßenrand aufgestellte Täfelungen, die wichtige Hinweise geben sollten, korrekt zu interpretieren. Wie schon zuvor galt es 20 Fragen zu beantworten, wiederum waren 5 Fehler vergönnt, und in steter Konstanz bestand er wiederum mit zwei Fehlern.

Nun begann der anstrengendste Teil des Tages, das Warten auf die praktische Prüfung, in der er sein Lastkamel bewegen durfte. Nach circa ein bis zwei Stunden wurde ein Name aufgerufen, der seinem ähnlich klang. Als dieser dann nochmals buchstabiert wurde, war er sich doch sicher, dass er gemeint sei. So führte er Mer-Cur-Y vor und wartete auf die Gelehrten, denen er seine Fähigkeiten nachweisen sollte. Zuerst wurde allerdings sichergestellt, dass die wichtigsten Vitalfuntionen seines Lastkamels auch soweit in Ordnung waren, dass es den Strapazen einer Prüfung widerstehen konnte. So galt es mit links zu zwinkern, dann rechts, und schließlich wurde auch noch das Kommunikationsvermögen des Lastkamels getestet. Als dies geschehen war, ging es zunächst über den Parkplatz auf einen Übungsplatz. Unserem Helden wurde geheißen, sein Lastkamel ca. 30 Meter zwischen zwei Linien gerade aus vorwärts zu bewegen, danach das ganze in umgekehrter Richtung. Als nächstes galt es, Mer-Cur-Y an den Straßenrand zu bugsieren. Als irgendwann geklärt war in welcher Reihenfolge und wo genau wie eingeparkt werden sollte, war die Ausführung nur Formsache, wobei die Ausmaße von Mer-Cur-Y eine kleine Herausforderung darstellten. Schließlich wurde unser Held gebeten, sein Auto von dem Übungsplatz herunter in die öffentlichen Karawanenpfade zu führen, wo er ca. 10 Minuten (oder weniger) durch ein Wohngebiet fahren musste. Wieder zurück auf dem Parkplatz angekommen wurde ihm die freudige Nachricht verkündet, dass er mit einer Erteilung einer Kameltreiberlizenz rechnen könne.

Nun wurden wiederum einige Pergamente gefüllt und ergänzt. Es stellte sich heraus, dass seine Befähigung zum Führen von Lastkamelen nur so lange erteilt werden konnte, wie es die Einreisepapiere der örtlichen Autoritäten bestätigten, wodurch er Mitte August seine Berechtigung verlieren wird. Leider ließen die Diener der Autoritäten auch nicht mit sich reden. Schließlich wurde noch sein Abbild gesichert, und er hatte die anstehende Gebühr von 20 Goldstücken zu zahlen. Bald darauf hielt er seine neue Kameltreiberlizenz in Händen.


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Kommentare

  1. Herzlichen Glückwunsch! von (Mila)

    Hey Glückwunsch zum Führerschein... so let's roll... freu mich schon auf unseren Roadtrip ;)