Commencement, A.B.C.-Party, Chinesisch Essen, Kochen ...

01:25, 17.12.2008. Von Pinguin

Im Gegensatz zu den Wochenenden davor, die (abgesehen von Miami) alle mehr oder weniger durch Unialltag geprägt waren und daher wenig berichtenswertes hergaben, war das vergangene Wochenende etwas abwechslungsreicher und hat daher auch seinen eigenen Blogeintrag verdient.

Nachdem ich Freitag die letzte Klausur überstanden habe (das hab ich ja schon berichtet :)), sind wir abends auf die Commencement Ceremony des GeorgiaTech gegangen, unter anderem weil Aline dort ihren Mastertitel verliehen bekam, aber auch weil man diesen Teil der Unikultur "einfach mal gesehen haben sollte". Bisher ist noch nicht ganz klar, ob wir selbst an solch einer Feier teilnehmen können, ohne nochmals extra dafür nach Atlanta zu fliegen. Was  passiert nun an dieser Feier? Aus Filmen hat man denke ich dieses typische Bild im Kopf, dass dort ein Haufen in schwarz gekleideter Studenten sitzen, die Hüte aufhaben, und nach und nach auf die Bühne gerufen werden - das triffts schon ganz gut. Umrahmt wird das Ganze noch von ein paar Reden, Musik und natürlich der Nationalhymne. Die Studenten tragen dabei alle einheitlich einen schwarzen Talar, die Mitglieder der Faculty, also des Lehrköpers, tragen (wie mir gesagt wurde) die Kleidung, die sie bei ihrer "letzten" (d.h. in der Regel PhD) Commencement ihrer Heimatuni getragen haben. Ein paar Farbtupfer bietet dann noch eine Art Schal, den jeder hat, sowie die Zipfel an der Mütze - aber seht einfach selbst:


Rechte Maustaste, Bild anzeigen - dann ist das Bild etwas größer
 
Dieser Schal - "hood" genannt, was so viel wie "Kapuze" heißt, aber doch nicht so wirklich nach Kapuze aussieht - ist in den Farben der jeweiligen Schule gestaltet, beim GeorgiaTech sind das gold und weiß. Bei Mastern ist die Außenseite Gold - als die Farbe der Wissenschaft - bei PhDs ist sie blau - die Farbe der Philosophie. Die Zipfel (tassels) an der Mütze sind weiß und gold, also wieder die Farben vom GeorgiaTech. So, nach so viel Text mal wieder etwas Übung für die Augen - wer findet den Unterschied? :-)
 
Wie oben bereits erwähnt, laufen die Studenten alle über die Bühne, ihr Name und Studienfach (und bei PhDs der Name des Doctoral Advisors) werden verkündet, sie bekommen eine Schriftrolle in die Hand, auf der wohl ein Bild des TechTower und ein Sinnspruch ist (wenn ich mich richtig an Alines Aussagen erinnere), dann gibts noch einen warmen Händedruck vom Dean und ein Photo. Bei den PhDs kommt noch eine in meinen Augen sehr schöne Geste hinzu: der Schal wird ihnen auf der Bühne von ihrem jeweiligen Doctoral Advisor umgelegt.

Alles in allem war's eine relativ langwierige Veranstaltung, und ich weiß nicht ob ich für die nochmal extra nach Atlanta fliegen würde. Mal schaun ...

Freitag abend war dann (seit langem endlich mal wieder) Party angesagt: Anything But Clothes - oder auch einfach A.B.C. Aber nein, nicht was ihr denkt, schließlich sind wir im prüden Amerika, das "Anything" wurde sehr ernst genommen ;-). Der Kreativität wurde freien Lauf gelassen - Straßenschilder, Walmarttüten, Vorlesungsslides, ... Ich entschied mich dafür, Flagge(n) zu zeigen - beide, die deutsche und die amerikanische. Leider hab ich kein vernünftiges Bild davon, aber ihr könnt euch das ja sicher vorstellen :-). Auf der Party unterhielt ich mich auch noch mit einer Münchner Studentin, die seit ca. zwei Monaten in den USA war. Als ich herausgefunden hatte, dass sie auch aus Deutschland war, wechselte ich dann auf deutsch und sie folgte dem zögerlich - man merkte, dass sie sich erst wieder ans deutsch sprechen gewöhnen musste. Hat dann aber doch noch geklappt - wobei, deutsch? Bayrisch halt :-). Ich frag mich gerade etwas, ob ich da was verpass - ich hab keine großen Probleme zwischen Deutsch und Englisch zu wechseln, ich würd vermuten ich sprech tagtäglich etwa 50/50 beide Sprachen, vielleicht auch 60/40 zugunsten von Deutsch (ich sprech mal vom Uni-Alltag). Die Gefahr, dass ich wirklich mal Probleme haben werde mich umzustellen, seh ich nicht - ich weiß nur nicht ob das was Gutes ist ...

DIe nächsten beiden Tage vom Wochenende waren dann deutlich ruhiger. Samstag abend waren wir bei den Chinesen aus unserem Lab zum Essen eingeladen. Es gab einen sogenannten "Hot Pot", ist wohl am ehesten mit einem Fondue zu vergleichen. Der Unterschied ist, dass statt Öl eine Wasser-Gemüse-Gewürzmischung verwendet wird. Bruce und Michelle, unsere Gastgeber, haben sich echt alle Mühe gegeben und unglaublich viel aufgefahren. Zum Beispiel (sofern wir alles richtig identifiziert haben) gabs Morcheln, Lotuswurzel, Algen, Fischbällchen mit Fleischfüllung, Rindfleisch, Fisch, Kartoffeln, andere Pilze, und und und ... Echt lecker, wir waren richtig gut vollgefressen. Beeindruckend auch, dass  unsere Gastgeber sich immer erst darum gesorgt haben, dass wir ja genug zu Essen bekommen, bevor sie sich bedient haben. Natürlich gehörten zu dem Vergnügen auch die Chopsticks, wär ja langweilig anders :-). Nur Martin hat einen Rückzieher gemacht und ist auf eine Gabel ausgewichen - was sich beim Herausfischen von Gemüse aus der Brühe nicht unbedingt als Vorteil erwiesen hat. Danach haben wir noch eine Runde Karten gespielt und den beiden Mau-Mau beigebracht.

Sonntag war Kochen in unserer WG angesagt. Es gab eine leckere Lasagne mit feinem griechischen Bauernsalat. Hat zwar viel Zeit gekostet, aber hat sich auch echt gelohnt, vor allem nachdem in der Prüfungszeit Nudeln mit Soße und ohne viel Aufwand mein Hauptnahrungsmittel waren. Echt angenehm ist, dass man auch Sonntags einfach in den Supermarkt kann und einkaufen, so muss man nicht ewig vorplanen. Etwas fies war, dass wir in Ermangelung einer Küchenwaage die Bechamelsoße  eher frei nach Schnauze anrühren mussten, was sich beim ersten Versuch in einer komplett verklumpten, puddingartigen Masse äußerte. Beim nächsten Versuch hab ich dann das "unter ständigem Rühren" ernster genommen. So galt es dann nur noch zu erraten, was der Soße zum Abbinden fehlte - mehr Hitze oder mehr Mehl? Letztlich ists aber doch was geworden :-).

Von Montag und Dienstag weiß ich spontan nicht so wirklich was zu berichten, fällt mir aber bestimmt wieder ein. Heute Abend waren wir im Kino, "Slumdog Millionaire", ein Film über einen Inder, aus dem Slum, der bei "wer wird Millionär" den Hauptgewinn (20 Mio. Rupien) abräumt. Klasse Film, beeindruckend, aber irgendwie auch erschütternd ... Na ja, schaut ihn euch einfach an (sofern er in Deutschland gezeigt wird) und bildet euch selbst ein Urteil.

So, das war's für heute, ich verschwind jetzt in Richtung Bett :-).

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