Dublin Philharmonic Orchestra und CNN Tour

21:00, 19.01.2009. Von Pinguin

Am gestrigen Sonntag gastierte das Dublin Philharmonic Orchestra bei uns auf dem Campus im Ferst Center for the Arts, das quasi die Aula bzw. das Theater- und Konzertgebäude des GeorgiaTech ist.


 
Neben dem Orchester wirkten in dem Programm mit dem Titel The Irish Spectacular! auch einige Solisten mit: Aidan O'Brien (Uillean Pipes - der irische Dudelsack), Cora Venus Lunny und Athena Tergis (Geige), Frankie Gavin (Traditional Irish violin/fiddle), Denise Brennan, Ingrid Madsen und Michelle Lally (Gesang). Um den irischen Eindruck zu vervollständigen, trat auch noch eine irische Tänzerin auf. Ein beeindruckender Abend voller Musik mit klassischen irischen Klängen, irischen Instrumenten und von irischen Komponisten, der im Programm angekündigt wurde als:
The Dublin Philharmonic Orchestra's Celtic programm marries elements of Irish traditional fold music with the Philharmonic Orchestra in both new arrangements of famous Irish airs and new compositions by Irish composers. Celtic mystical and folklore traditional musical elements are interwoven with symphonic orchestral color and structures [...]

Für ein bißchen Aufheiterung sorgten die kleinen technischen Pannen, die auftraten. So fiel z.B. einer Sängerin während ihres Liedes das Mikro aus. Sie hat einfach weitergesungen, und in einer kurzen Gesangspause einfach zum Mikro nebendran gewechselt - ich fands beeindruckend, dass sie sich davon nicht aus dem Konzept hat bringen lassen. Leider ist allerdings das Ferst Center for the Arts nicht unbedingt ein klassischer Konzertsaal, entsprechend war die Akustik nicht so überragend. So fehlte der an sich sehr beeindruckenden Darbietung leider etwas der akustische Nachdruck - schade (ja, ich weiß, ich find immer etwas ...). Dank Fotoverbot kann ich euch leider auch keine Bilder vom Konzert selbst bieten ...

Der heutige Montag ist ein Feiertag hier - Martin Luther King Day. Auch wenn wir Montags nie Vorlesungen haben (toller Stundenplan, oder? :-)), bot das dann doch die Chance mit unseren Gästen (wir hatten hier Besuch von Freunden eines Kumpels von Frederik) die CNN Tour zu machen.


Los gings mit einer Fahrt über die längste freitragende Rolltreppe der Welt - 8 Stockwerke hoch.


Oben angekommen durften wir in einer Art Kino Platz nehmen (ab hier leider wieder keine Photos mehr ...), in der ein typischer Bildschirm gezeigt wurde, mit dem der "Director" arbeitet, also derjenige der entscheidet, wie On-Air geschnitten wird. Einer zeitlang durften wir auch den Live-Kommandos lauschen und gleichzeitig beobachten, wie die Kommandos auf dem Bildschirm umgesetzt wurden.

Die nächste Station war ein kleines Wetterstudio, in denen die Funktion des Green screen (Bluescreen in grün halt - und zwar nicht der Windows-Bluescreen) demonstriert wurde. Auch wurde gezeigt, welche Auswirkungen die falsche Kleidung für den Wettermenschen haben kann - eine grüne Krawatte sähe bestimmt interessant aus ... und für das Trivia-Wissen gabs auch noch den Hinweis, dass diese Technik bei Harry Potter und auch bei Forrest Gump zum Einsatz kam - in letzterem Fall wurden Lieutenant Dan mittels grüner Strümpfe die Unterschenkel "amputiert". Aber wir wären ja nicht bei CNN, wenn die nicht hochmoderne Technik hätten, die inzwischen die Green box ersetzen: statt einer grünen Wand stand dort ein Bildschirm, auf den von hinten die echte Wetterkarte aufprojiziert wurde. Nach Aussagen unseres Tourguides "very expensive", aber hat den Vorteil, dass der Wettermensch selbst eine echte Karte sieht und entsprechend besser auf Details eingehen kann. Auch wurde uns die Funktion des Teleprompters demonstriert.

Unser dritter Stop war dann auf einer Galerie oberhalb des CNN Newscenter, von dem wir durch eine Glasscheibe getrennt waren. Dort unter uns saßen die Storywriters, Editors, Newsgatherer, und wer da noch so alles schafft. Direkt dort an den großen Raum angeschlossen, ohne irgendeine Abtrennung (also keine Glaswand oder so), war auch der Platz für den Nachrichtensprecher und nebendran das Wetterstudio. Das wurde bewußt so gestaltet, damit die Zuschauer "die Dynamik hinter den News spüren" - also fühlt genau hin, wenn ihr das nächste mal CNN schaut! :-) Wenn es Breaking News gibt, benötigt eine Meldung übrigens ca. 5 Minuten vom Newsgatherer zum Texter, weiter zum Editor, bis sie dann On Air geht.

Weiter gings zu Headline News, einem kleineren Studio, sowie dann vorbei an CNN en Espaňol, einem weiteren CNN Studio, in dem Berichte verfasst werden, und abschließend noch in einen Raum in dem uns das Format iReport vorgestellt wurde. Das war's dann an sich auch (ich hoffe, ich hab keine größere Zwischenstation vergessen). Alles in allem war's eine nette Tour. Eine weitere interessante Info war, dass CNN ca. 1 Minute Zeitverzögerung hat - "so, if they screw up, you'll see it on air". :-)

Nachtrag: Auszug aus dem Text auf der Rückseite des Tickets:
"Please be advised that this 55-minutes walking tour descends several flights of stairs and you hereby confirm, that your are physically fit for such at tour."

Kaaaaalt ...

10:40, 16.01.2009. Von Pinguin

Nun hat uns die Kältewelle auch erreicht. Nachdem es die letzten Tage immer knapp um 0 °C hatte, gings heute dann nochmal gut nach unten auf -10 °C *bibber*. Ich beneid euch echt nicht um eure Temperaturen in Deutschland ;-). Immerhin ists hier trocken, sonnig und ziemlich windstill, so dass die -10 °C nicht so schlimm zu Buche schlagen - aber so langsam bin ich einfach doch gemäßigtes Klima gewöhnt ... Immerhin einen Lichtblick gibts, es wird wohl nur heute so kalt werden, für die kommenden Tage sind wieder gemäßigtere Temperaturen gemeldet.

Home Sweet Home ...

17:59, 5.01.2009. Von Pinguin

Schönen guten Abend,

die Heimat (na gut, Atlanta) hat uns wieder. Mila und ich sind gesund und munter in Atlanta angekommen und gerade erstmal am Auspacken usw. Der Urlaub war echt klasse, tolles Erlebnis, viele interessante Eindrücke. Nach und nach werd ich hier von mir Urlaubsberichte lesen lassen (ja, ich glaub diesmal schaff ich das eher als nach Florida - hoff ich mal ... :)), aber nachdem Mila noch diese Woche in Atlanta verbringt, werd ich vermutlich in den nächsten Tagen noch nicht so viel verbloggen. Habt also bitte noch etwas Geduld. Morgen gehts auch wieder mit der Uni los, da muss ich mich wohl auch noch drum kümmern ...

Ach ja, gutes neues Jahr euch allen noch :-)

Merry Christmas ...

14:03, 23.12.2008. Von Pinguin

Tja, hier ist er nun, der obligatorische Blogeintrag zum Weihnachtsfest. Wenn ich politisch korrekt wäre, müsste ich etwas von "Seasonal greetings" oder "Happy holidays" schreiben. Aber nein, sind wir doch einfach mal unkorrekt, und schließlich ist ja auch Weihnachten. Also ...


Merry Christmas – Frohe Weihnachten!

Irgendwie ists hier nicht so sonderlich weihnachtlich, draußen liegt kein Schnee, Temperaturen über dem Gefrierpunkt – für morgen sind 11 °C gemeldet, nur gestern wars mal mit -5 °C ziemlich kalt – aber dafür laufen den ganzen Tag im Radio schon Weihnachtslieder. Ein sehr schönes, das ich bisher noch nicht kannte, ist "The First Noel". Viel Spaß beim Anhören, und falls ihr davor nix mehr von mir hört auch einen guten Rutsch ins neue Jahr :-).
 

Morehouse Spelman Christmas Carol Concert

02:49, 18.12.2008. Von Pinguin

Ich blogge mich mal so langsam in der Zeit zurück ... aaalso, am 05.12. gings mit dem WSF auf das Morehouse Spelman Christmals Carol Concert in der Martin Luther King Jr. International Chapel am Morehouse College. Die Chor des Morehouse College, zu dessen Alumni auch Martin Luther King Jr. zählt, und des Spelman College präsentierten ihr gemeinsames Weihnachtskonzert. Beide privaten Universitäten gehören zu den "historically black colleges and universities", also Schulen, die vor 1964 für die schwarze Bevölkerung errichtet wurden. Das Morehouse College ist ein men-only College, das Spelman College dagegen ein women's college. Entsprechend wurde ein Teil des Konzertes nur vom Männerchor, ein Teil von einem gemischten Chor, und ein Teil nur von einem Frauenchor vorgetragen. Hier mal der gemischte Chor:


Schon allein der Anblick ist beeindruckend und die Orgel ist auch nicht von schlechten Eltern. Aber noch deutlich beeindruckender war die Musikdarbietung - das war echt vom allerfeinsten! Leider hatten wir auf unseren Plätzen nicht die beste Akustik, aber das tat dem Musikgenuss nur leichten Abbruch. Eine bunte Mischung aus verschiedensten Liedern, hauptsächlich in Englisch und Spanisch, wurde von den beiden Chören sowie dem gemischten Chor über den Abend stimmgewalting vorgetragen. In den "Umbaupausen", also wenn von einer zur anderen Besetzung gewechselt wurde, wurden bekanntere Lieder wie "O come all ye faithful" oder "Go tell it on the mountain" angestimmt, bei denen das Publikum zum mitsingen aufgefordert wurde.


Beim Lied "We are Christmas" vom Spelman College kamen auch Glocken zum Einsatz, was dank der weißen Handschuhe wiederum sehr toll aussah. Aber hört doch einfach selbst:


 Auch der Stern über Bethlehem durfte bei dem Lied "Behold the Star" nicht fehlen.


Für Irritationen sorgte im Laufe des Konzerts folgender Satz aus dem Programmheft, der auch bei der Begrüßung nochmals wiederholt wurde:
It is requestet that there be no applause until the end of this program.
Das Programm sollte nicht durch Applaus unterbrochen werden, was man vielleicht verstehen mag zwischen den einzelnen Liedern eines Chores. Letztlich hat das aber den Sängern einen großen Teil des (mehr als) wohlverdienten Applauses geraubt. Und doch, im Sinne des zivilen Ungehorsams, brandete vor allem nach Soli immer wieder Applaus auf, der oftmals in meinen Augen unangemessen wenig war und auch schnell wieder abklang, eben aufgrund dieser Klausel. Nach dem Auszug des Chores erklang aus dem Foyer ein gesungenes "Amen", das den Abschluss des Konzertes darstellte. Was erwartet man nun? Natürlich, brandende, nicht enden wollende Beifallsstürme. Doch weit gefehlt, es gab noch kurz Applaus, und das wars dann, dann schaute jeder, dass er/sie schnellstmöglich aus der Chapel hinauskonnte. Für mich völlig unverständlich, ich war völlig hin und weg und tief beeindruckt von dem Konzert, und hätte gut auch 10 Minuten Applaus und mehr für angemessen gefunden. Andere Länder, andere Sitten ... Was bleibt zu sagen? Wenn ihr die Chance habt so ein Konzert einmal live zu erleben, geht hin! Unvergesslich!

Commencement, A.B.C.-Party, Chinesisch Essen, Kochen ...

01:25, 17.12.2008. Von Pinguin

Im Gegensatz zu den Wochenenden davor, die (abgesehen von Miami) alle mehr oder weniger durch Unialltag geprägt waren und daher wenig berichtenswertes hergaben, war das vergangene Wochenende etwas abwechslungsreicher und hat daher auch seinen eigenen Blogeintrag verdient.

Nachdem ich Freitag die letzte Klausur überstanden habe (das hab ich ja schon berichtet :)), sind wir abends auf die Commencement Ceremony des GeorgiaTech gegangen, unter anderem weil Aline dort ihren Mastertitel verliehen bekam, aber auch weil man diesen Teil der Unikultur "einfach mal gesehen haben sollte". Bisher ist noch nicht ganz klar, ob wir selbst an solch einer Feier teilnehmen können, ohne nochmals extra dafür nach Atlanta zu fliegen. Was  passiert nun an dieser Feier? Aus Filmen hat man denke ich dieses typische Bild im Kopf, dass dort ein Haufen in schwarz gekleideter Studenten sitzen, die Hüte aufhaben, und nach und nach auf die Bühne gerufen werden - das triffts schon ganz gut. Umrahmt wird das Ganze noch von ein paar Reden, Musik und natürlich der Nationalhymne. Die Studenten tragen dabei alle einheitlich einen schwarzen Talar, die Mitglieder der Faculty, also des Lehrköpers, tragen (wie mir gesagt wurde) die Kleidung, die sie bei ihrer "letzten" (d.h. in der Regel PhD) Commencement ihrer Heimatuni getragen haben. Ein paar Farbtupfer bietet dann noch eine Art Schal, den jeder hat, sowie die Zipfel an der Mütze - aber seht einfach selbst:


Rechte Maustaste, Bild anzeigen - dann ist das Bild etwas größer
 
Dieser Schal - "hood" genannt, was so viel wie "Kapuze" heißt, aber doch nicht so wirklich nach Kapuze aussieht - ist in den Farben der jeweiligen Schule gestaltet, beim GeorgiaTech sind das gold und weiß. Bei Mastern ist die Außenseite Gold - als die Farbe der Wissenschaft - bei PhDs ist sie blau - die Farbe der Philosophie. Die Zipfel (tassels) an der Mütze sind weiß und gold, also wieder die Farben vom GeorgiaTech. So, nach so viel Text mal wieder etwas Übung für die Augen - wer findet den Unterschied? :-)
 
Wie oben bereits erwähnt, laufen die Studenten alle über die Bühne, ihr Name und Studienfach (und bei PhDs der Name des Doctoral Advisors) werden verkündet, sie bekommen eine Schriftrolle in die Hand, auf der wohl ein Bild des TechTower und ein Sinnspruch ist (wenn ich mich richtig an Alines Aussagen erinnere), dann gibts noch einen warmen Händedruck vom Dean und ein Photo. Bei den PhDs kommt noch eine in meinen Augen sehr schöne Geste hinzu: der Schal wird ihnen auf der Bühne von ihrem jeweiligen Doctoral Advisor umgelegt.

Alles in allem war's eine relativ langwierige Veranstaltung, und ich weiß nicht ob ich für die nochmal extra nach Atlanta fliegen würde. Mal schaun ...

Freitag abend war dann (seit langem endlich mal wieder) Party angesagt: Anything But Clothes - oder auch einfach A.B.C. Aber nein, nicht was ihr denkt, schließlich sind wir im prüden Amerika, das "Anything" wurde sehr ernst genommen ;-). Der Kreativität wurde freien Lauf gelassen - Straßenschilder, Walmarttüten, Vorlesungsslides, ... Ich entschied mich dafür, Flagge(n) zu zeigen - beide, die deutsche und die amerikanische. Leider hab ich kein vernünftiges Bild davon, aber ihr könnt euch das ja sicher vorstellen :-). Auf der Party unterhielt ich mich auch noch mit einer Münchner Studentin, die seit ca. zwei Monaten in den USA war. Als ich herausgefunden hatte, dass sie auch aus Deutschland war, wechselte ich dann auf deutsch und sie folgte dem zögerlich - man merkte, dass sie sich erst wieder ans deutsch sprechen gewöhnen musste. Hat dann aber doch noch geklappt - wobei, deutsch? Bayrisch halt :-). Ich frag mich gerade etwas, ob ich da was verpass - ich hab keine großen Probleme zwischen Deutsch und Englisch zu wechseln, ich würd vermuten ich sprech tagtäglich etwa 50/50 beide Sprachen, vielleicht auch 60/40 zugunsten von Deutsch (ich sprech mal vom Uni-Alltag). Die Gefahr, dass ich wirklich mal Probleme haben werde mich umzustellen, seh ich nicht - ich weiß nur nicht ob das was Gutes ist ...

DIe nächsten beiden Tage vom Wochenende waren dann deutlich ruhiger. Samstag abend waren wir bei den Chinesen aus unserem Lab zum Essen eingeladen. Es gab einen sogenannten "Hot Pot", ist wohl am ehesten mit einem Fondue zu vergleichen. Der Unterschied ist, dass statt Öl eine Wasser-Gemüse-Gewürzmischung verwendet wird. Bruce und Michelle, unsere Gastgeber, haben sich echt alle Mühe gegeben und unglaublich viel aufgefahren. Zum Beispiel (sofern wir alles richtig identifiziert haben) gabs Morcheln, Lotuswurzel, Algen, Fischbällchen mit Fleischfüllung, Rindfleisch, Fisch, Kartoffeln, andere Pilze, und und und ... Echt lecker, wir waren richtig gut vollgefressen. Beeindruckend auch, dass  unsere Gastgeber sich immer erst darum gesorgt haben, dass wir ja genug zu Essen bekommen, bevor sie sich bedient haben. Natürlich gehörten zu dem Vergnügen auch die Chopsticks, wär ja langweilig anders :-). Nur Martin hat einen Rückzieher gemacht und ist auf eine Gabel ausgewichen - was sich beim Herausfischen von Gemüse aus der Brühe nicht unbedingt als Vorteil erwiesen hat. Danach haben wir noch eine Runde Karten gespielt und den beiden Mau-Mau beigebracht.

Sonntag war Kochen in unserer WG angesagt. Es gab eine leckere Lasagne mit feinem griechischen Bauernsalat. Hat zwar viel Zeit gekostet, aber hat sich auch echt gelohnt, vor allem nachdem in der Prüfungszeit Nudeln mit Soße und ohne viel Aufwand mein Hauptnahrungsmittel waren. Echt angenehm ist, dass man auch Sonntags einfach in den Supermarkt kann und einkaufen, so muss man nicht ewig vorplanen. Etwas fies war, dass wir in Ermangelung einer Küchenwaage die Bechamelsoße  eher frei nach Schnauze anrühren mussten, was sich beim ersten Versuch in einer komplett verklumpten, puddingartigen Masse äußerte. Beim nächsten Versuch hab ich dann das "unter ständigem Rühren" ernster genommen. So galt es dann nur noch zu erraten, was der Soße zum Abbinden fehlte - mehr Hitze oder mehr Mehl? Letztlich ists aber doch was geworden :-).

Von Montag und Dienstag weiß ich spontan nicht so wirklich was zu berichten, fällt mir aber bestimmt wieder ein. Heute Abend waren wir im Kino, "Slumdog Millionaire", ein Film über einen Inder, aus dem Slum, der bei "wer wird Millionär" den Hauptgewinn (20 Mio. Rupien) abräumt. Klasse Film, beeindruckend, aber irgendwie auch erschütternd ... Na ja, schaut ihn euch einfach an (sofern er in Deutschland gezeigt wird) und bildet euch selbst ein Urteil.

So, das war's für heute, ich verschwind jetzt in Richtung Bett :-).

Die ersten Erfahrungen mit US-Ärzten ...

16:14, 4.12.2008. Von Pinguin

Bevor jetzt jemand gleich Panik bekommt: nein, nichts schlimmes, alles halb so wild. Nur quält mich seit einigen Tagen eine ziemlich fiese Erkältung (*jammer* *gleichsterb* - ihr kennt das ja :)), und da ich irgendwie weder diese noch nächste Woche wirklich Zeit hab, ein paar Tage im Bett zu bleiben (die Finals warten), hab ich mir einen Termin beim Health Center besorgt. Bei den ganzen Gebühren die man hier am GeorgiaTech zahlt ist das (zumindest die Grundversorgung) gleich mit abgedeckt - very convenient. Also mal dort hin und schaun, ob die ein paar Wundermittelchen haben.

Den Termin konnte man natürlich davor online ausmachen. Etwas befremdlich waren dann die Auswahloptionen: "General Appointment", "Flu Shot", "Allergy test" , "STD screening (male)", "STD screening (female)"; also gerade die letzten beiden ... aber gut, wir sind in den USA :). Die Anmeldung im Health Center lief dann mittels Self-Checkin am Computer, einmal den Studentenausweis durchziehen und ein paar Daten eingeben, und ich durfte im Wartebereich Platz nehmen bis mich eine Krankenschwester dann aufrief. Im Untersuchungszimmer wurde mir dann als erstes eine Aufklärung ausgehändigt, wie mein Medical Record verarbeitet und benutzt wird, und ich durfte den Empfang quittieren. Die ersten grundlegenden Fragen wurden von der Schwester abgeklärt: Blutdruck, Temperatur (99.1 F gilt hier als "etwas Fieber" - hab ich was verpasst, sind die Menschen zu Kaltblütern geworden? 37.2 Grad ist für mich noch gut im Bereich des normalen), Gewicht und Größe.

Danach kam dann die Ärztin. Etwas ratlos war ich wie ich auf die übliche Floskel "how are you" antworten sollte ... Nun ja ... Nach der Unterschuchung meinte sie, sie bräuchte einen Rachenabstrich um "Strep" auszuschließen. Okay, Rachenabstrich für eine Erkältung? In Deutschland nicht unbedingt Standard-Prozedur. Aber lieber so, erstmal abklären, als einfach "warten wir mal" und einige Zeit später dann "dann halt doch mal Antibiotika".  Nur meint ihr die Ärztin macht den Abstrich selbst? Nein, dafür gibts ja Laborpersonal. Dort wurde ich dann auch hingeschickt, Abstrich, wieder warten, zurück zur Ärztin (sehr beruhigend zu lesen, dass dort "negative" stand). Die hat dann nochmal in den Hals geschaut und mir dann ein Rezept in die Hand gedrückt, dass ich dann gleich in der Pharmacy im Health Center einlösen konnte. Schön war, dass alles "free of charge" war. Etwas irritierend fand ich dann die Auswahl der Medikamente:

  • Ibuprofen 600 mg - gegen Kopfweh - klar, warum auch nicht mal mit schwächeren Dosen anfangen, wenn gleich richtig. Ich wurde natürlich auch darauf hingewiesen, dass ich max. 4 pro Tag nehmen dürfe und sie vor allem nicht mit freiverkäuflichen Schmerzmitteln kombinieren solle. Klar, ich mein wenn 4x Ibu 600 gegen Kopfweh nicht ausreicht schluck ich noch weitere Tabletten?
  • Fexofenadine 60 mg - ein Antihistaminikum, damit nicht Zeugs den Rachen hinunterläuft (nein ich beschreib das jetzt nicht genauer)
  • Sore Throat Lozenges - Geschmacksrichtung "Cherry" - Untertitel "Oral Anesthetic", Wirkstoff "Beonzocaine 6mg". Das "Oral Anesthetic" macht mich dann doch etwas skeptisch, zudem ist laut Wikipedia die zeitliche Wirkung auch ziemlich beschränkt.
Von den Medikamenten wird wenn überhaupt wohl höchstens das letzte Anwendung finden, wobei ich glaub doch lieber bei deutschen homöopathischen Mittelchen und Tee bleib. Das Antihistaminikum find ich irgendwie arg daneben, und warum fahren die eigentlich gleich die großen (600mg-)Geschütze auf?

Transsibirian Orchestra

23:44, 16.11.2008. Von Pinguin

Das Wochenende stand ganz im Zeichen der Musik. War das Jazz-Konzert gestern doch eher eine spontane Entscheidung und nicht geplant, besaßen Frederik und ich schon länger Karten für das heutige Konzert des Transsibirian Orchestra. Die Musikrichtung ist ziemlich rockig, aber Thema ist doch irgendwie Weihnachten. Ist eine sehr eigene Mischung aus E-Gitarre, Bass, Schlagzeug, E-Geige, aber auch klassische Streicher und (Elektronik-)Piano, natürlich auch noch Gesang. War sehr interessant ständig der wechsel zwischen eher ruhigen Einlagen und dann wieder heftig rockiger Musik, wobei auch die Sängerstimmen nicht von schlechten Eltern waren. Zudem hatten die Mädels auf der Bühne hübsche, eng geschnittene schwarze Kleider an, gab also auch was für's Auge :-). Noch viel mehr fürs Auge bot aber die Technik - das war echt unglaublich, ich möchte mal nur 10 % von deren Technikbudget für eine Party haben (wahrscheinlich langt auch schon 1 %) - die hatten so ziemlich alles was ich jemals gesehen hab: Moving-Heads, Laser, LED-Leisten, Rauch, LED-Displays in allen Größenordnungen, jede Menge anderer Scheinwerfer und Fluter, die teils auch von der Decke teleskopierbar waren, Pyrotechnik, Flammenwerfer, und jede Menge anderer Sachen, natürlich alles dutzendfach. Der ganze Lichtaufbau über der Bühne war geflogen und wurde ständig hoch- und runtergefahren und gekippt usw., Musiker wurden nach oben gefahren ... kurz gesagt: einfach eine riesen Show, das erinnerte mehr an die Ausstellung eines Technikverkäufers als an einen "normalen" Konzertaufbau! Leider gibts nur Handy-Photos, ich hoffe ihr kriegt von dem Photo trotzdem ein kleines bißchen einen Eindruck von den Ausmaßen.

May I present you ...

01:10, 16.11.2008. Von Pinguin

... three of the world's finest musicians.

So wurde uns das "Brad Mehldau Trio" angekündigt, eine Jazz-Combo bestehend aus Brad Mehldau (Piano), Larry Grenadier (Bass) und Jeff Ballard (Drums). An deren Musik durften wir uns heute abend in der North Georgia College & State University (ein Militär-College, unten mal ein Photo aus einem Saal im Student Center), die ca. 70 Meilen von uns entfernt zu finden ist. 70 Meilen für ein Konzert, dann muss es schon etwas besonderes sein, oder? Na ja, zuerst mal: es war kostenlos. Zweitens verschwimmen hier langsam die Grenzen dessen was als "weit" angesehen wird - mal ne Stunde fahren ist ohne weiteres drin.



Aber nicht nur vom schwäbischen Standpunkt aus war der Abend mehr als lohnenswert, auch vom musikalischen. Mehr als ein "Wow" brauchts eigentlich nicht um meinen Eindruck wiederzugeben, ich bin echt tief beeindruckt wie die drei mit ihren Instrumenten umgegangen sind. Von locker-leicht, über schwermütig, nachdenklich bis hin zu richtig fetzig, dynamisch und im nächsten Lied wieder verträumt und einfühlsam hatten die wirklich alles in ihrem Repertoire, ein ständiger Wandel der Gefühle, ein ständiges Auf- und Ab. Ich fand es echt faszinierend mal wieder zu erleben, wie sehr  Musik auf die eigene Stimmung wirkt und man sie nicht nur hören, sondern auch fühlen kann, und das ganze dann auch noch so komprimiert an dem Abend. Einfach unglaublich ... Wenn ich zurückdenk komm ich wieder richtig in die Stimmung rein, vor allem da gerade im Hintergrund nochmal Musik von denen läuft (siehe Homepage).


Brad Mehldau Trio (leider etwas unscharf, da ohne Blitz)

Ich freu mich jetzt schon drauf, wenn ich wieder zurück bin mir ein paar neue Boxen zuzulegen, damit ich richtig gute Musik dann auch daheim in vollen Zügen genießen kann :).


Jeff Ballard in Aktion

Kameltreiberlizenz aus fernen Landen ...

23:46, 14.11.2008. Von Pinguin

In dem nicht unbekannten Land, vor nicht allzulanger Zeit, machte sich einer unserer Helden daran, eine neue Kameltreiberlizenz für das treue Lastkamel "Mer-Cur-Y" zu erwerben. Nicht, dass der gutmütige Begleiter danach verlangte, nein, die örtlichen Autoritäten trauen einer ausländischen Kameltreiberlizenz nur ein Jahr über den Weg. Über Gründe lässt sich natürlich nur Vermutungen anstellen, die jeder Grundlage entbehren würden ... Da zu erwarten war, dass er einige Zeit bei den treuen Dienern der örtlichen Autoritäten verbringen würde, schickte er sich also an, sich schon im Morgengrauen auf den beschwerlichen weiten Weg zu machen, um seine Kenntnisse der örtlichen Vorschriften über das ordnungsgemäße Führen eines Lastkamels im Karawanenverkehr nachzuweisen.

Bevor er sich auf den Weg machte, dachte er natürlich daran, seinem Lastkamel noch etwas gutes zu tun: da "Mer-Cur-Y" beständig an trockenen Augen litt, galt es die Tränenflüssigkeit nachzufüllen. Dies gestaltete sich so lange nicht zum Problem, bis er versuchte die frontseitige Wartungsklappe wieder zu schließen - hier zeigte sich das Lastkamel widerspenstig. So bedurfte es vieler Versuche, Öl und einiger Gewalt, bevor sich Mer-Cur-Y wieder fahrbereit zeigte. Sodann war die ursprüngliche Zeitplanung von dahin, aber immerhin endlich auf dem Weg.

Auch der Wegezoll, der ordnungsgemäß entrichtet werden musste, sollte nun unseren Helden mit seinem Lastkamel nicht mehr aufhalten. An der Zollstation angekommen, galt es zwei große Silberlinge in das bereitgestellten Geldsäckel einzuwerfen. Glücklicherweise war dieses groß genug, so dass dies nicht schwierig werden sollte.


Weiter ging die Reise, und nach einiger Sucherei konnte schließlich auch der Sitz der örtlichen Kameltreiber-Lizensierungsbehörde gefunden werden. Die nächste böse Überraschung wartete dann allerdings direkt am Eingang. Nein, keine lange Schlange, aber unser Held wurde nach den Pergamenten seines Heimatlandes gefragt, die bestätigen, dass er auch dort wohne. Ihm wurde sodann klar, das diese noch in seinem trauten Heime liegen. Alsdann trat er wieder die Heimreise an, und musste feststellen, dass auf den Karawanenstraßen gerade viele Handelsreisende ihre Kamele führten, was zu weiteren Verzögerungen führte. Zudem wurde er nochmals zwei Silberlinge los, was sich an diesem Tag noch zweimals wiederholen sollte.

Als er schließlich ankam, packte er die benötigten Papier ein und machte sich wieder auf den Weg. Glücklicherweise war dieser ja nun bekannt, so dass die Sucherei erspart blieb. Dort angekommen, galt es sich zuerst am Eingang zu registrieren und sich eine Nummer geben zu lassen. Nach passabler Wartezeit durfte er seine ausgefüllten Papiere abgeben, seine Augen wurden einer kurzen Prüfung unterzogen (wo blinkt das Licht - links oder rechts? Und jetzt? Wer hätte's gedacht, auf der anderen Seite ... Und lesen Sie mal die Zahlen dort vor ...) und wurde schließlich gebeten nachzuweisen, dass er zumindest in der Theorie die wichtigsten Grundregeln des Karawanenverkehrs kennt. Der Diener der örtlichen Autoritäten fragte ihn, ob er gedenke den Nachweis seiner Kenntnisse an einem neumodischen Gerät namens Computer zu führen. Warum auch nicht, es muss ja nicht alles auf Pergament sein. Leicht verwundert, und Unsicherheit ob der ausreichend vorhandenen Sprachkenntnisse implizierend, wurde er darauf hingewiesen, dass dann alles in einer fremden Sprache, die der Einheimische "Inglisch" nannte, sein würde. Als unser Held nochmals bejahte, dass ihm dies nichts ausmache, wurde er an einen der Computer gebeten.

An diesem galt es nun, 20 allgemeine Fragen zum korrekten Antreiben seines Kamels und korrekten Verhaltens gegenüber anderen Kamelen zu beantworten. Großzügigerweise wurden ihm fünf falsche Antworten zugestanden, von denen er allerdings nur zwei in Anspruch nahm. Im nächsten Schritt galt es, am Straßenrand aufgestellte Täfelungen, die wichtige Hinweise geben sollten, korrekt zu interpretieren. Wie schon zuvor galt es 20 Fragen zu beantworten, wiederum waren 5 Fehler vergönnt, und in steter Konstanz bestand er wiederum mit zwei Fehlern.

Nun begann der anstrengendste Teil des Tages, das Warten auf die praktische Prüfung, in der er sein Lastkamel bewegen durfte. Nach circa ein bis zwei Stunden wurde ein Name aufgerufen, der seinem ähnlich klang. Als dieser dann nochmals buchstabiert wurde, war er sich doch sicher, dass er gemeint sei. So führte er Mer-Cur-Y vor und wartete auf die Gelehrten, denen er seine Fähigkeiten nachweisen sollte. Zuerst wurde allerdings sichergestellt, dass die wichtigsten Vitalfuntionen seines Lastkamels auch soweit in Ordnung waren, dass es den Strapazen einer Prüfung widerstehen konnte. So galt es mit links zu zwinkern, dann rechts, und schließlich wurde auch noch das Kommunikationsvermögen des Lastkamels getestet. Als dies geschehen war, ging es zunächst über den Parkplatz auf einen Übungsplatz. Unserem Helden wurde geheißen, sein Lastkamel ca. 30 Meter zwischen zwei Linien gerade aus vorwärts zu bewegen, danach das ganze in umgekehrter Richtung. Als nächstes galt es, Mer-Cur-Y an den Straßenrand zu bugsieren. Als irgendwann geklärt war in welcher Reihenfolge und wo genau wie eingeparkt werden sollte, war die Ausführung nur Formsache, wobei die Ausmaße von Mer-Cur-Y eine kleine Herausforderung darstellten. Schließlich wurde unser Held gebeten, sein Auto von dem Übungsplatz herunter in die öffentlichen Karawanenpfade zu führen, wo er ca. 10 Minuten (oder weniger) durch ein Wohngebiet fahren musste. Wieder zurück auf dem Parkplatz angekommen wurde ihm die freudige Nachricht verkündet, dass er mit einer Erteilung einer Kameltreiberlizenz rechnen könne.

Nun wurden wiederum einige Pergamente gefüllt und ergänzt. Es stellte sich heraus, dass seine Befähigung zum Führen von Lastkamelen nur so lange erteilt werden konnte, wie es die Einreisepapiere der örtlichen Autoritäten bestätigten, wodurch er Mitte August seine Berechtigung verlieren wird. Leider ließen die Diener der Autoritäten auch nicht mit sich reden. Schließlich wurde noch sein Abbild gesichert, und er hatte die anstehende Gebühr von 20 Goldstücken zu zahlen. Bald darauf hielt er seine neue Kameltreiberlizenz in Händen.