Upharsin
Vor langer Zeit:

Okt. 30, 2007 um 21:17 in | Kommentare: [1] | Kommentieren

TAKE HOLD OF THE FLAME
(Queensryche)

We see the light of those who find
A world has passed them by
To late to save a dream that's growing cold
We realize that fate must hide its face
From those who try
To see the distant signs of unforetold
Oh... oh, take hold

From a haze came a rage of thunder
Distant signs of darkness on the way
Fading cries scream of pain and hunger
But in the night the light will guide your way

So take hold of the flame
Don't you see life's a game
So take hold of the flame
You've got nothing to lose, but everything to gain

Ride, to a place beyond our time
Reach, for the edges of your mind, and you are there
See, that the light will find its way
Back to a place where it will stay, make it stay

Throw down the chains of oppression that bind you
With the air of freedom the flame grows bright
We are the strong, the youth united
We are one, we are children of the light

So take hold of the flame
Don't you see life's a game
So take hold of the flame
You've got nothing to lose, but everything to gain



Neptuns Reich

Mai. 14, 2007 um 10:12 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

 

Auf den Wogen lagerten

Sturmzeiten

Zerklüftete Wege, düstere

Gezeiten

 

Im währenden Rauch des Gesterns

Schatten und wilder

Gebilde aus Tand

Waren diese Bilder

 

Wasser- Gesichter

Das Auge der Zeit

Es blinzelt pfauene

Unendlichkeit

 

Die Flüsse und Bäche

Sind lang vergangen

Waschen unsere

feuchtenden Wangen


In dem Morgenrot

Aus Wasser- Nebeln

Leben wir auf

Unseren Wegen



Robespierre sagt:

Apr. 13, 2007 um 21:20 in | Kommentare: [1] | Kommentieren

Die Nacht schnarcht über der Erde und wälzt sich im wüsten Traum, Wünsche, kaum geahnt, wirr und gestaltlos, die scheu sich vor des Tages Licht verkrochen, empfangen jetzt Form und Gewand und stehlen sich in das stille Haus des Traums. Sie öffnen die Türen, sie sehen aus den Fenstern, sie werden halbwegs Fleisch, die Glieder strecken sich im Schlaf, die Lippen murmeln.
- Und ist nicht unser Wachen ein heller Traum? Sind wir nicht Nachtwandler? Ist nicht unser Handeln wie das im Traum, nur deutlicher, bestimmter, durchgeführter? Wer will und darum schelten? In einer Stunde verrichtet der Geist mehr taten des Gedankens, als der träge Organismus unsres Leibes in Jahren vermag. Die Sünde ist in Gedanken. Ob der Gedanke Tat wird, ob ihn der Körper nachspielt, das ist Zufall.
("Dantons Tod" - Büchner)

Großartiger Gedankenstrich, aber das ist dann wohl Operation Mindcrime, das ist das Gedankenverbrechen.
Was ist an unseren Träumen wahr, wofür müssen wir uns schämen, wofür Angst haben, was ist es, das in uns schnarcht?



Heute

Mr. 31, 2007 um 19:49 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

Ohne Kenntnis von dem Gestern
trampeln wir in ein labyrinthisches, namenloses Morgen
und so irren wir Tag für Tag durch unser Heute



Weisheiten

Mr. 3, 2007 um 08:37 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

Trenne dich nie von deinen Illusionen und Träumen.
Wenn sie verschwunden sind, wirst du weiter existieren, aber aufgehört haben, zu leben.

(Mark Twain)



Flucht

Mr. 3, 2007 um 01:06 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

...heißt der gerade gelaufene Fernsehfilm von Kai Wessel (http://www.klack.de/TvItem.php?ID=102467159) und wieder frage ich mich, wie Menschen einander derartiges Leid zufügen können. Winter 1945: Die Rote Armee steht vor Ostpreussen, die Wehrmacht befindet sich in Auflösung, aber es gibt keinen Evakuierungsbefehl, das wäre Verrat am "Endsieg"  gewesen. Die Menschen entscheiden in letzter Sekunde selbst und ein ganzes Volk ist auf der Flucht, sich selbst überlassen. Die Russen sind durch entsetzlich zugerichtetes eigenes Land jahrelang  marschiert und verhalten sich nun ebenso wie die Deutschen. Die Zivilbevölkerung wird zur Befriedigung der eigenen Entbehrungen, der Verohung durch Krieg und Hunger bestohlen, erschossen und vergewaltigt. Die Anzahl der Vertriebenen, deren Schicksal nicht geklärt werden konnte, der Todesopfer, betrug nach den beiden großen, im Auftrag des Deutschen Bundestages durchgeführten Untersuchungen von 1958 und 1965 rund 2,1 Millionen [1] (vgl. Gesamterhebung). Mehrere Millionen Frauen aller Altersgruppen wurden vergewaltigt, es gab etwa 240.000 Todesopfer in Folge von Vergewaltigungen [2]. Das gesamte private Eigentum der Ost- und Sudetendeutschen wurde entschädigungslos konfisziert, auch das öffentliche und kirchliche, deutsche Eigentum in diesen Gebieten wurde enteignet. 14 Millionen Menschen mussten fliehen.
In der Sowjetunion waren zuvor 17 Millionen der Zivilbevölkerung umgekommen. Heute ist all dies nur schwer vorstellbar und dabei ist es erst 60 Jahre her.
In dem Film mag der alte preussische Adel etwas überhöht im Vergleich zu den Nationalsozialisten dargestellt werden, aber letztlich spielt es keine Rolle, wenn man Hunderttausende sieht, die in nackter Überlebensangst ihre Heimat verlassen und diese nie wieder sehen werden. Die menschenverachtende Barbarei Hitlers holt am Ende die Deutschen weit schlimmer  als jemals gedacht ein:  All der Irrsinn und das Leid. Im Schnee und auf dem Haff sterben Tausende. Und mir wird bewusst, wie tief wir in der Geschichte stehen. Das Jetzt ist trügerisch, ein Bild so zerbrechlich wie ein gefrorener See aus dem Gestern und dem Morgen. Schlimm, dass so viele glauben, dass der Blick unter die Füße nur Staub ist, denn er weist uns den Weg, leitet unsere Schritte. Und jene, die das nicht glauben wollen, gibt es leider viel zu viele. Und ich sehe zu viele Gesichter jeden Tag  - nicht nur bei denen, die noch jung sind......

Und wieder weiß ich: Wer nicht weiß, woher er kommt,  versteht das Jetzt niemals und weiß auch nicht wohin er gehen wird.

 



muss'S

Feb. 12, 2007 um 10:52 in | Kommentare: [3] | Kommentieren

Warum frage ich mich eigentlich schon morgens, was ich alles noch machen muss an diesem Tag? Nicht, dass man eben auch einen Plan haben muss, das ist ja schon in Ordnung, was mich eher nervt, ist, dass diese Muss's wie Ballast an einem hängen und man sie unabwendbar mit Zeitvorgaben paaren muss, auf dass produktive Kinder entspringen und man abends befriedigt schon an die Muss's des nächsten Tags denken darf. .....jetzt noch 2h 7b.....dann Mittagspause, in der möglichst 2 lesetagebücher durchsehen....dann Fachkonferenz Geschichte bis 15:30..... verschiedenste Besorgungen, die auf einem gelben Zettel zu Hause liegen, danach.....(man, irgendetwas hab ich vergessen).....Vorbereitung für morgen: ein Kapitel EU.....im LK später weiter in der Klassik, da muss noch etwas ausgewählt werden   (achja, heute und morgen muss ich noch die Filme für Mittwoch WP Medien -dieAuswertung- brennen...).....möglichst später noch Wäsche waschen.....ich MUSS  -oder mehr zischelnd: Muss'S.    

Sie nerven gewaltig....und stressen mich, muss das denn so sein?

 

 

 



2007 etwas zu spät:

Feb. 2, 2007 um 04:23 in | Kommentare: [3] | Kommentieren

Die Schichten unseres Lebens ruhen so dicht aufeinander auf,
dass uns im Späteren immer Früheres begegnet,
nicht als Abgetanes und Erledigtes,
sondern gegenwärtig und lebendig.


(Schlink: Der Vorleser)

 



Kraraben

Dez. 4, 2006 um 18:58 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

Schon vor unendlich langer Zeit war ich einer von ihnen..... und heute frage ich mich, wer von ihnen ist Krabat?
Wir werden sehen, was junge Geister dazu sagen......?


Die Mitternachtsraben (von Christian von Aster)

Ich fand die Legende von den Mitternachtsraben
unter einem Berg von Staub begraben
auf meinen wenig aufregenden Weg
durch eine alte Bibliothek,
wo Schritte durch die Gänge hallen
und Bücher aus Regalen fallen.
Das ist auch mit jenem Buch geschehen
sonst hätt' ich's wohl auch übersehen.
Ich hab's vom Boden aufgehoben,
hätt's fast wieder ins Regal geschoben,
da sprang das Buch ganz plötzlich auf
und mein Schicksal kam in Lauf.
Aus ihm ein Glühen wie von tausend Kerzen,
etwas erwachte in meinem Herzen,
mir war Angst, ein wenig beklommen,
das Buch aber habe ich mitgenommen,
denn ich muß sagen, daß diese Raben
mich irgendwie verzaubert haben...
-
Abends, in meiner Kammer konnt ich's wagen
hab' das Buch dann aufgeschlagen
und bei warmem Kerzenschein
und einem guten Glase Wein
begann ich andächtig zu lesen.
so war mir noch nie gewesen,
jedes Wort drang in mich ein,
wollte in mir, mit mir sein.
Jeder Satz, noch so seltsam gebaut
ging mir auf eine Art unter die Haut
als ob Zauberei im Spiele war.
Dann schien's, als ob die Rabenschar
sich aus ihren Bildern regte,
jede Zeichnung sich bewegte.
Und wollt' ich jetzt auch noch so sehr,
mich losreißen, das ging nicht mehr...
Während ich weiter in jenem Buch gelesen
ist mir noch merkwürd'ger gewesen:
ich merkte, wie ich mit den Raben fühlte,
Mitternachtsmagie in mich drang, mich umspülte.
In meinem Innersten ein leises 'Klick',
ein kalter Schauer im Genick
und langsam änderte mein Ich
in das eines Raben sich.
Ich las und konnte dabei fühlen
wie im Flug die seichten kühlen
Winde uns Raben umwehten
während wir unsere Runden drehten,
im Himmel, hoch über der Erde.
Es war, als ob ich wiederkehrte,
als sei ich schon einmal Rabe gewesen
bevor ich dieses Buch gelesen.
Ich las und las, war wie besessen
und mehr und mehr tat ich vergessen
was um mich herum geschah
und wie die Welt der Menschen war.
Bei jedem and'ren Buch wär' ich eingenickt.
Von jenem hab' ich einmal nur aufgeblickt,
und zwar in den Himmel inmitten der Nacht.
Da bin ich dann endgültig aufgewacht;
ich wollte da oben, nur da oben sein,
mit Mitternachtsraben kreisen und schrei'n.
Ich wollt' die Nacht umarmen, küssen,
hab' das Fenster aufgerissen
und an dessen Rahmen hab' ich mich verletzt,
mein Blut hat den Einband des Buches benetzt
und es begann ein seltsam's Gescheh'n.
Ein Wind tat den Mensch der ich war umweh'n,
mein Rückgrat bog sich, wurde krumm,
es wirbelte mich rundherum.
Ich schrie, es war ein seltsamer Laut
und aus meiner bleichen Menschenhaut
schoben sich schmale Kiele heraus
wurden Rabenfedern draus.
Meine Nase und mein Mund
wuchsen zusammen, wurden rund
und aus meinen Armen wurden Flügel.
Gesprengt die Ketten, gerissen der Zügel,
der mich an die Menschenwelt gebunden.
Das Tor zur Nacht war überwunden...
Und als aus dem Mensch ein Rab' geworden,
hörte man vom fernen Norden
den Ruf der Mitternachtsraben nah'n
die auf dem Weg zu mir nun war'n.
Der Schlag ihrer Flügel dunkelte den Mond
und ich wußte, daß es lohnt,
dem Ruf der Raben, die vor meinem Fenster kreisten
in dieser Nacht noch folge zu leisten.
Ich ließ die Menschen Menschen sein
und tauchte in die Nacht hinein.
Ich taumelte durch kalte Stürme,
erklomm die höchsten Wolkentürme,
schwarze Federn meine Zier
und ich trug Rabenblut in mir.
Ein letztes Mal, es mußte wohl sein,
flog ich mit den Raben in mein Zimmer hinein.
Zu dritt packten wir's Buch, das ich grad noch gelesen,
und das mein Schicksal wohl gewesen,
und trugen es sacht
hinein in die Nacht.
Seltsam war's, denn unser Weg
führt uns zu jener Bibliothek,
wo ich es Tage zuvor erblickt.
Durch off'nes Fenster, ganz geschickt,
so, daß man es hörte kaum,
schlichen wir Raben uns in den Raum
und wie schon so oft, ein erneutes Mal
verschwand das Buche wieder im Regal...
Ich begriff, mir wurde klar,
so wuchs die düst're Rabenschar,
durch dieses Buche dessen Bann
wohl jeden Menschen treffen kann.


Bin nun ein Teil vom Mitternachtsrabenland
und der Körper, den unter meinem Fenster man fand,
trug zwar, zerschmettert, mein Gesicht,
doch war's der meine sicher nicht,
denn ich bin nun ein Mitternachtsrabe unter vielen,
aufgebrochen zu neuen Zielen
in weiter, ungeahnter Ferne.
Und, glaube mir, ich bin es gerne...



Novemberkerzen

Nov. 8, 2006 um 02:45 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

Wenn du morgens aufwachst und nassgrauer Himmelsschleim aus dem Fenster zu dir hinein schleicht;

Wenn du aufstehst und deine Augen sich in verschwommene Schmerzbälle verwandeln;

Wenn du das Haus verlässt und das Gefühl hast, jemand schlägt dir wiederholt ein Brett in den Nacken;

Wenn du weißt, dass da noch Lasten liegen, die man Arbeitsalltag nennt;

Wenn du weißt, dass all das morgen wieder so sein wird;

Dann denke an eine Kerze, stelle sie in dein Seelenhaus und denke an die Augen eines besonderen Menschen.

Dann mache das noch mal und trinke einen Tee.

Dann lächele in dich hinein und lass das würzige heiße Wasser auf der Zunge.

Dann zünde eine Kerze an und denke: Es ist nicht so schlecht!

 

Woher willst du wissen, dass du lebst, wenn du keine Angst mehr hast?

Dann denke an die Pfauenaugen und die Kerze.



Zwiegestaltig

Nov. 1, 2006 um 06:04 in | Kommentare: [1] | Kommentieren

Vorbehaltlos verringerst du deine Erwartungen auf ein Minimum.

Eine Hand gefroren im Eis, die andere im lodernden Feuer.

So erstarrst du.

(Diary of Dreams: Entgiften)

 

Die Hand greift durch Zwischenwelten

Kurz Licht in jenen Tiefen

Doch Kälte schaudert, verhindert Halten

Wahnsinnig zittert uns’re Sehnsucht

Schreit nach Seele, schreit nach Sehnen

Nur für einen Augenblick

Bevor wir wieder gehen

(Jan)

Hungerland

Hat das Hungerland

Im Morgen der Besinnung

Weit weg von Meeressand

Seine Fallenden besungen

 

Aus alter, kalter Zeit

Werden Töne weiter leben

Heimatlos, verwaist

Auf versternten Wegen

 

Klingt im Mächtigsein

Kinderkrankes Beben

In dem Hungerwein

Lebt ein fernbestimmter Segen

 

Kommt ein alter, neuer Wind

In Vitae fast ertrunken

Was ist, was war, wir sind

In Geschichten tief versunken

(Jan)

Im Nichtsein des Möglichen

Gebührt der Hoffnung ein fernes Gold,

Dem wir unsere Hingabe schenken,

obgleich es gar nur Blendwerk ist.

Eine Hand gefroren im Eis,

Die andere im lodernden Feuer.

 

 

 

jan



Schiffbrüche

Okt. 26, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [1] | Kommentieren

"Die Liebe ist für unser Herz, was die Winde dem Meer sind. Freilich erregen sie oft Unwetter, verursachen sogar oft Schiffbrüche. Doch auch die Winde machen das Meer erst schiffbar; ihrem beständigen Antriebe verdankt es seinen Bestand, und wenn sie es bisweilen gefährlich machen, so ist es Sache des Steuermannes, den richtigen Kurs zu halten."
(Ninon de Lenclos)

Interessante Assoziationen verführen mich durch diese Sprachmagie zu Imaginationen. Nachdem ich nun wie ein Betrunkener durch Stürme hier und dorthin stürzte, frage ich mich, welche Rolle man eigentlich auf den Schiffen des eigenen Herzens einnimmt. Marc Aurel sagte mal sinngemäß: "Erkenne endlich, dass da etwas Tieferes und Würdevolleres in dir ist, als die Leidenschaften, welche dich mal hier und mal dorthin reißen."
Und ich lasse den Bewusstseinsstrom nicht los: Vor sehr langer Zeit weihte mir ein Mensch einen Stern, das hat mich damals unglaublich glücklich gemacht, gerade weil es Capella, der Fuhrmann war. Den Kutscher spiele ich noch heute bei gelegentlichen "british tea partys", wenn ich Tante Agatha verweigern muss. Letztlich war ich aber nicht der Fuhrmann, aber auch - weil ich irgendwann nur noch wütend davon überzeugt war, dass auch mal jemand anderes lenken müsse. Und wieder steht da in Glutbuchstaben: Was ist die dir zugedachte Rolle? Wissen wir das? Weißt du es? Oder lässt du dich vom Strom des Lebens ohne Halt mitreißen und dich dabei so zurecht schleifen, wie du dir dann nur einreden kannst, dass du es auch wolltest; und wenn du gut bist, kannst du dir sogar dann noch einreden, dass die erlangte Form schön sei. Manchmal muss man Dinge hinnehmen, wie sie geschehen, weil man nichts ändern kann, doch zuweilen hat man auch Macht und Freiheit über die Fahrt im Fluß, dann können wir alle der Steuermann sein, oder eben der Fährmann.
Und schon spüre ich die dunkle Robe auf meinen Schultern und die Münze in der knöchernen Faust. Das ist das Dilemma. Aber sich auf den Boden zu werfen und die Augen zu schließen, bringt wenig in einem Boot, denn dieses wird dennoch weitergerissen.




jan



In diesem Raum

Okt. 19, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

Gestern Nacht saß ich in einer Wohnung, die für lange Zeit meine Burg war. Jetzt stehen dort neben meinen - noch Möbel von jemand anderem, das ist ein seltsames Gefühl. Ich mag es eigentlich in einem undurchsichtigen, verwinkelten, höhlenartigen oder gewölbeartigen Raum zu laufen, wenn man in jedem Winkel Geheimnisse und Stimmen der Vergangenheit flüstern hört; wenn man überall Leben und Eigentümlichkeiten finden kann. Wenn man keine kahle Reinheit, sondern Zerklüftungen und Zwielichtigkeiten zwinkern sieht. Wenn man Tiefe sehen kann und nicht nur freundliche Oberfläche, die schön poliert wurde. Ein oranger Schimmer lag auf allem in diesem Raum, - irgendwie ähnlich wie die Herbstsonne, die in diesen Tagen auf dieser, meiner Stadt, sehr golden, rötlichgolden liegt. Das bringt losgelöste Assoziationen. Das ist schön, nur ich bin bitter in diesem Raum. Eine zerklüftete Gestalt, die immer da ist, aber die man zum Glück nicht dauernd sieht.

Ich denke viel über die Wirkung, welche eine Umgebung auf einen hat, nach. Das ist wie ein Mantra derzeit. Allerdings weiß ich auch: Das Innere nimmt man überall mit hin, das habe ich immer jenen gesagt, die ihrem Inneren entkommen wollten, indem sie die Umgebung wechselten. Ich erinnere mich da an längst vergessene "Propheten". Dennoch habe ich so gelitten, als ich vor über einem Jahr diese Stadt verlassen musste. Eigentlich ist das ein Widerspruch. Schönheit nimmt man mit, wenn man sie besitzt. Aber hier: in dieser Burg wollte ich all die Wärme, die hier so lange Zeit lag, mir Kraft geben lassen. Und wieder weiß ich, dass die Räume, in denen wir sitzen, nur in dem Licht strahlen, welches aus uns hervorbricht. Wenn man verwundbar ist, vermögen sie einen aber dennoch zu schützen. Jedoch zu wärmen vermögen sie einen nur, wenn man ein Feuer in sich entzündet.

Also sollte man nicht zu viel über Räume nachdenken, sondern sie beleuchten, wenn man kann....................

 

 

 

jan



Ein kalter Tag

Okt. 15, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [1] | Kommentieren

Mitten im Weserbergland liegt ein kleines Schloss, auf welchem ich die letzten beiden Tage residierte und es als andere Gestalt heimsuchte. Herbstnebel verkleidete Teich und Wald in der ersten; und in der zweiten Nacht sickerte eine wohlbekannte Kälte in unsere Kleider. Der knochenkarge Bote im bunten Gewand kündete mir von der langen Dunkelheit, die uns nun erwartet. Nässe und Kälte, ein Wintermärchen. Und mir kam ein längst vergessenes Gedicht in den Sinn:

Herbsttag
(Rilke)

Herr: es ist Zeit. Der Sommer war sehr groß.
Leg deinen Schatten auf die Sonnenuhren,
und auf den Fluren laß die Winde los.

Befiehl den letzten Früchten voll zu sein;
gieb ihnen noch zwei südlichere Tage,
dränge sie zur Vollendung hin und jage
die letzte Süße in den schweren Wein.

Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr.
Wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben,
wird wachen, lesen, lange Briefe schreiben
und wird in den Alleen hin und her
unruhig wandern, wenn die Blätter treiben.

_____________

Die lang entbehrte Zweisamkeit sollte solchen Gedanken nicht Form verleihen. Und ich frage mich, warum sie mich noch immer heimsuchen? Vielleicht ist es mein Naturell, vielleicht ist es die Jahreszeit?

 

 


jan



Herbstnarben

Okt. 10, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [1] | Kommentieren

Plädoyer einer Frau (Erich Kästner)

Du darfst mir das, was war, nicht übelnehmen.
Ich sag es dir, obwohl du mich nicht fragst.
Sieh mich dabei nicht an! Ich will mich schämen
und tun, als ob die Toten wiederkämen.
Ich glaube nicht, dass du mich dann noch magst.

Ich will nicht sagen, dass ich mir verzeihe.
Denn darauf kommt es im Moment nicht an.
Ich wartete und kam nicht an die Reihe.
Wer keinen Mann hat, hat auf einmal zweie!
Doch fünf von diesen wären noch kein Mann.

Man fühlt: man könnte Einem was bedeuten.
Es ist traurig, dass es ihn nicht gibt.
Und dann umarmt man sich mit fremden Leuten.
Und wird zu einer von vielen Bräuten,
die sich nur lieben lässt und selbst nicht liebt.

Die Zeit vergeht. Geduld ist keine Ware.
Man sucht nicht mehr. Man findet ab und zu.
Man sieht vom Fenster aus die Jagd der Jahre.
Man wartet nicht mehr auf das Wunderbare.
Und plötzlich kommt es doch! Denn nun kommst du!

Was war, das bleibt! Wie soll ich mich erneuen?
Mir wird ein Schmerz mit Nadeln zugenäht.
Was war, das bleibt. Mann kann es nur bereuen.
Nun bist du da. Nun sollte ich mich freuen!
Ich bin nicht froh. Ist es denn schon zu spät?

_____________

Warum dreht sich diese Welt in gleichen Bahnen, warum muss ich immer und immer gleiche Schemen durchschreiten? Ich blicke in das schmerzenreichste Gestern und schaue das Morgen mit müder Angst. Doch noch immer muss ich denken: die Hoffnung stirbt zuletzt..........
............denn sonst wäre ich es schon.
As I think of you
From this dark century
I will always be
With generosity
That we both may share
The HOPE in hearing
That we're not just
Spirits disappearing

Gib mir Hoffnung auch in diesen Herbstnarben.

 

 


jan



Sprachbestechlich...

Sep. 22, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

...bin ich, stellte ich heute wieder fest, als ich mit meinem LK einen Enzensberger-Text zur Jugendsprache analysierte:
Der gute Mann, den ich seit der Uni eigentlich nicht mag, schreibt da:
"Wenn ich dann allerdings Fahrkartenzwickern der Nation zuhöre, wird mir noch übler; diese Heger, Warner und Walter haben sich ja seit Opa Dudens Zeiten erschreckend vermehrt, und ganz egal, ob sie aus den Redaktionsstuben der F.A.Z., aus dem Rotary Club oder aus dem Kultusministerium kommen, es ist längst nicht mehr damit getan, ihre Schriftsätze in den Papierkorb zu stopfen."
Großartig fabuliert - aber darin ist der Mann eben auch gut; dennoch mochte ich seinen Stil nie, es ist weniger die alles beherrschende und keine-Gefangenen-machende Polemik als vielmehr jener eitle Habitus, jenes Überlegenheitsgefühl eines Intellektuellen, der ohne Contenance seine Besserwisserei von oben den Leuten in's Gesicht pfeffert. Schon Enzensberger bei einem ähnlich agierenden Prof an der Humboldt-Universität verleidete sich mir so.
Dennoch klangen mir die letzten Sätze des angeführte Pamphlets, nachdem er längere Passagen Behördendeutsch angeführt hatte, anrührend  nach: "Da ist mir, offengestanden, der Disco-Slang, der Kneipen-Jargon, der Rocker-Sound, der Knacki-Argot noch lieber; denn der gedeiht und verwelkt wie Lilien auf dem Felde, und nach ein paar Jahren bleibt nur ein Komposthaufen übrig, wogegen die machtgestützten Bandwurmsätze der Schreibtischtäter immer neue Glieder, Haken und Saugnäpfe ansetzen."

Ist es jene politische Agenda dahinter oder einfach das ästhetische Empfinden oder die richtige Erkenntnis, die mich überzeugt, oder bin ich doch vielmehr bestechlich, wenn jemand gar ausgefeilt zu formulieren weiß?

 

 

jan





Papstschwerter

Sep. 19, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [1] | Kommentieren

Seit Tagen verfolge ich die Wut auf die Dinge, welche Papst Benedikt XVI. in Regensburg bei einer Vorlesung in der Universität erregte. Teile der islamischen Welt fühlten sich angegriffen. Nun spätestens seit dem Karikaturen-Streit weiß man, dass das schnell passiert. Mich ärgerte, dass keiner mal genau erklärte, was der Papst eigentlich gesagt hat, also suchte ich und fand:

Die kritisierten Passagen, in denen das Oberhaupt der katholischen Kirche aus einem mittelalterlichem Streitgespräch zwischen dem christlichen Kaiser Manuel II. Palaeologos und einem persischen Theologen zitiert: "Aber der Kaiser kannte natürlich auch die im Koran niedergelegten - später entstandenen - Bestimmungen über den heiligen Krieg. Ohne sich auf Einzelheiten wie die unterschiedliche Behandlung von 'Schriftbesitzern' und 'Ungläubigen' einzulassen, wendet er sich in erstaunlich schroffer, uns überraschend schroffer Form ganz einfach mit der zentralen Frage nach dem Verhältnis von Religion und Gewalt überhaupt an seinen Gesprächspartner. Er sagt: 'Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden wie dies, daß er vorgeschrieben hat, den Glauben, den er predigte, durch das Schwert zu verbreiten'. Der Kaiser begründet (...) dann eingehend, warum Glaubensverbreitung durch Gewalt widersinnig ist. Sie steht im Widerspruch zum Wesen Gottes und zum Wesen der Seele. 'Gott hat kein Gefallen am Blut', sagt er, 'und nicht vernunftgemäß (...) zu handeln, ist dem Wesen Gottes zuwider'. (...) Der entscheidende Satz in dieser Argumentation gegen Bekehrung durch Gewalt lautet: Nicht vernunftgemäß handeln ist dem Wesen Gottes zuwider. Der Herausgeber, Theodore Khoury, kommentiert dazu: Für den Kaiser als einen in griechischer Philosophie aufgewachsenen Byzantiner ist dieser Satz evident. Für die moslemische Lehre hingegen ist Gott absolut transzendent. Sein Wille ist an keine unserer Kategorien gebunden und sei es die der Vernünftigkeit."
(Die ganze Rede findet man unter: www.vatican.va/holy_father/benedict_xvi/speeches/2006/september/documents/
hf_ben-xvi_spe_20060912_university-regensburg_ge.html)

Man muss vielleicht erwähnen, dass es dem Papst vorrangig darum geht, die Religion nicht mehr nur den technisch-rationalistischen Abläufen unterzuordnen, sondern an das griechische "logos" zu erinneren, der Begriff bedeutet da nicht nur Wort sondern auch Vernunft. Hier geht es natürlich um eine Vernunft, die lange vor der Aufklärung vorhanden war und damit dem Denken der katholischen Kirche näher kommt als unsere zweckrationale Logik. Gegenüber der sei man schwerhörig geworden, - so Benedikt XVI.

Dennoch frage ich mich, wie kann ein derart gebildeter und erfahrener Mann wie Joseph Ratzinger ein Zitat auswählen, in dem es heißt: "
Zeig mir doch, was Mohammed Neues gebracht hat und da wirst du nur Schlechtes und Inhumanes finden."?
Ich meine, er hätte auch den Kreuzzugsaufruf von Urban III. nehmen können, in dem dieser beim Töten im heiligen Land das Paradies verspricht, oder er hätte die Schwerttaufe der Kreuzüge nach Pruzzen und das Vorgehen des Deutsch-Ritterordens im heidnischen Ostseeraum im Hochmittelalter nehmen können. Stattdessen wählt er etwas aus, was natürlich Öl auf den Wogen der islamischen Haßprediger ist. Welche Botschaft hat er hier trotz seiner wortreichen Beteuerungen, er sei missverstanden worden, vielleicht doch indirekt untergebracht?
So sehr mich das verwundert/ verärgert -andererseits, hat er nicht recht? Der Islam hat bis heute keine Aufklärung durchlaufen (an Lessings Ringparabel oder Kants Denken knüpft allerdings Benedikt XVI. auch nicht an). Die hochstehende islamische Welt im 11./12. Jahrhundert und ihre Toleranz ist zumindest schon lang dem politischen Dogma in Religionsfragen gewichen, denn eine Trennung von Politik und Religion gibt es in der islamischen Transzendenz nicht als akzeptierte Ordnung. Einen Ausgleich fördert man aber auch nicht, indem man den vermeintlichen Rückschritt derart schroff betont. Das Sehen wird nicht klarer, indem man die Blindheit anderer angreift. Dennoch verbleibe ich zweigeteilt in diesen weniger sprachmagischen aber doch das Tagesdenken füllenden Überlegungen.......


jan



Alte Spuren werden anders

Sep. 18, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

Vor vielen Jahren war ich auf einer Reise, die von einem neuen Leben in ein Ende führte.

Damals in den Schatten der Pyrenäen lasen wir viel, ein unruhiger Geist gab mir Coehlo und ich las ihn. Einfache Botschaften können schön sein, vor allem wenn man spürt, dass es eine Wahrheit in ihnen gibt, die man nicht leugnen kann: Allerdings kann man sie auch nicht so anwenden, dass sie nun das Leben in eine Offenbarung verwandeln. Letztlich sind es Metaphern, die uns unsere eigene Erkenntnis reiner und klarer geben, aber unser Leben nicht verändern....das sah ich so, auch wenn ich immer hoffte, dass sie mich vielleicht doch vergiften...

Ich schrieb in jener Zeit einiges in das zerfledderte Buch, das vor mir liegt:

"Das Geheimnis des Glücks besteht darin, alle Herrlichkeiten dieser Welt zu schauen, ohne darüber die beiden Öltropfen auf dem Löffel zu vergessen."
(Coehlo: der Alchimist)

Später entnahm ich mit weniger Hoffnung aus dem gleichen Buch:
"Die Dünen verändern sich. Die Wüste nicht - wie die Liebe.
-
Man muss die Wüste lieben, darf ihr aber nie ganz vertrauen.
-
Alles was dir einmal passiert, passiert dir möglicherweise nie wieder.
Aber alles, was zweimal passiert, wird sicher auch ein drittes mal passieren."

Recht bald darauf setzte ich meine eigene leidvolle Erkenntnis in "Sprachmagie" um:

Die Liebe ist wie eine Reliquie. Es ist der Glaube, der sie echt macht, nicht sie den Glauben.

Gestern stolperte ich über diese Sätze wieder und nun drehen sie sich in mir. Ich war niemals völlig sicher, es war der Schmerz und es war ein Versuch der Sinngebung, aus dem ein Credo über Jahre wuchs.

Doch vielleicht fehlten da tatsächlich die beiden Öltropfen.....oder die Herrlichkeiten?

 

 


jan



Erstgeborenes Land....

Sep. 17, 2006 um 01:11 in | Kommentare: [0] | Kommentieren

 

...war der Steinbruch aus dem das Geröll fiel wie Worte:

"In meinem erstgeborenen Land, im Süden
Sprang die Viper mich an
und das Grausen im Licht.
O Schließ
die Augen schließ!
Preß den Mund auf den Biß

Und als ich mich selber trank
und mein erstgeborenes Land
die Erdbeben wiegten,
war ich zum Schauen erwacht.

Da fiel mir Leben zu

Da ist der Stein nicht tot
Der Docht schnellt auf,
wenn ihn ein Blick entzündet."
(I.Bachmann)

Und da fiel mir Stein und Leben zu. Schatten und Blut. Sprache und Sein.
Das ist die Alchemie, durch die dieser Ort zum ersten Mal erwacht.

Reichlich lyrisch dieser Einstieg, aber damit ist das Thema Sprachmagie und Alltag oder eben Stein und Leben umrissen........

 

 

jan